Hallo Michaela,
durch einen anderen Beitrag bin ich grade drauf aufmerksam geworden, ich hab noch was vergessen:
Der Begriff „Haushalt“ ist immer abhängig vom tatsächlichen Bestehen eines Haushaltes (= Schlafen, Waschen, Essen). Die Frage, wer wo gemeldet ist, ist dabei vollkommen belanglos. Verstöße gegen das Melderecht gehen den Fiskus nichts an, niemand auf dem FA kümmert sich darum, aber:
Wenn ich mich bei meinem Bruder in Santarém anmelde und gegenüber dem Monnemer Einwohnermeldeamt behaupte, nur noch Adelheid würde weiterhin in unserer Wohnung leben, werde ich dadurch keineswegs steuerlich zum Brasilianer. Ich bleibe ein zugewanderter Filsbächer. Nebbich.
Wenn ich gegenüber dem FA Monnem-Stadt das gleiche behaupte, wirds allerdings (im wörtlichen Sinn) kriminell, weil hier in jedem Fall Vorsatz gegeben ist - niemand wird mir abnehmen, ich hätte bloß aus Versehen geglaubt, in Santarém zu wohnen, und mich irgendwie drüber getäuscht, dass ich jeden Morgen ein Haus in MA-Schwetzingerstadt verlasse.
Insofern muss man ziemlich genau überlegen, was für eine „Gestalterei“ man betreiben will: Viele vollmundig angepriesenen Tipps stellen sich da schnell als Dinge raus, an denen ein ganz lästiger Rattenschwanz dran hängt. Ich habe das Thema „habe nicht gewußt“ schon als eine Art Sport mit allerhand Bußgeld- und Strafsachenstellen durchexerziert. Aber man muss es mögen; das gilt übrigens auch für international agierende Konzerne - auch die kriegen nichts geschenkt. Das weiß ich nicht vom Hörensagen, sondern aus unmittelbarem Erleben von Rempeleien mit dem deutschen Fiskus u.a. von der Immobilientochter einer mittelgroßen französischen Geschäftsbank, von Europas Ackerschlepperhersteller Nr. 1, von einer Großmolkerei, die zeitweise für französischen Sonderangebotsbrie ungefähr 3/4 des deutschen Marktes in den Reifekellern hatte und von einem Weinimporteur, der zeitweise über dreihundert Aushilfen zum Regalauffüllen beschäftigt hat.
Grundsätzlich ist Steuerminimierung niemals ein vernünftiges Ziel, weder für einen Unternehmer, noch für sonst irgendeinen ökonomisch agierenden Menschen. Es ist zumindest zweckmäßig zu fragen „was bringt es - was kostet es“: Das wäre dann Steueroptimierung, ein feiner Unterschied. Ein Berufsanfänger, der von vornherein ein Gehalt bezieht, das es lohnend macht, für achthundert Euro mehr oder weniger Werbungskosten ein nicht ganz harmloses Risiko einzugehen und, wenns eng wird, einen kompetenten Fachmann zu beauftragen, ist zu beneiden: So viele gibts davon nicht.
Was „Gestaltungen“ Marke Konz und Co. betrifft: Man kann diese viel besser beurteilen, wenn man zunächst eine gewisse Übung diesseits der Grenze zur Illegalität erwirbt. Nach ein paar Jahren ist man so sicher in dem Kram, dass man sich eigene Gedanken zu der Thematik machen kann.
Schöne Grüße
MM