[AO] Zahlung hinterzogene Steuer in Raten möglich?

Hallo,

Nehmen wir an Person Y muss dem Finanzamt Steuern zurückzahlen, die sie hinterzogen hat! Die Summe ist enorm hoch, ca. das 20 FACHE wie Person Y im Monat verdient. Wenn Person Y das Geld nicht auf einmal zurück zahlen kann, ist das Finanzamt verflichtet auch Raten anzunehmen?? Oder ist es überhaupt möglich dieses in Raten zurück zuzahlen??

Grüße

Mr X

-)

Hallo mr X,

wenn man das Finanzamt nett fragt, und nachweislich darlegt, dass man den Betrag nicht sofort im Ganzen zahlen kann, und eine vernünftig hohe Rate (nichteben mal 10 € im Monat) , lassen die sich vielleicht überreden.
Schliesslich kämen die bei einer Privatinsolvenz auch nicht mehr an ihr Geld…

grüsse
dragonkidd

Hallo,

nur ist das Finanzamt keine Bank und schon gar nicht eine mit guten Konditionen für schlechte Menschen. Ratenzahlung wird demzufolge im Fall der Hinterziehung nur dann möglich sein, wenn absolut keine Möglichkeit besteht anderweitig die Geldsumme aufzutreiben. Dazu zählt natürlich auch die Möglichkeit Darlehen (auch hoch verzinslich mangels Sicherheiten) bei der Bank oder Angehörigen aufzunehmen oder disponibles Vermögen zu versilbern. Immerhin scheint ja hier der Fall vorzuliegen, dass mit hinterzogenen Steuern „gelebt“ wurde, also fremde Steuermittel „verpraßt“ wurden (weil sie nicht mehr da sind). Insoweit wird wohl viel zumutbar sein (bsp. Liquidierung von Lebensversicherungen, Verkauf 5 Jahre alter Golf zugunsten Kauf 20 Jahre alter Polo, Umzug in kleinste Mietwohnung etc. pp.)! All diese Anstrengungen sollte man schon bei Antrag auf Ratenzahlung darlegen und nachweisen, sonst gibts da nichts!

Mfg vom

showbee

Hallo dragonkidd,

Schliesslich kämen die bei einer Privatinsolvenz auch nicht
mehr an ihr Geld…

Soweit ich weiß, gilt das nicht für Geld aus Steuerhinterziehungen.

Gruß
Stefan

Hallo!

Schliesslich kämen die bei einer Privatinsolvenz auch nicht
mehr an ihr Geld…

Hier geht es um einen Betrag von 20 Monatsgehältern. Das ist ist i. d. R. eine bezahlbare Schuld, die keine Privatinsolvenz rechtfertigt. Unabhängig davon hilft eine Insolvenz nicht weiter, wenn die Forderung aus unerlaubter Handlung resultiert. Das ist bei einer Steuerhinterziehung der Fall.

Gruß
Wolfgang

Servus,

noch ein Detail am Rande: Falls bei der Geschichte eine strafbefreiende Selbstanzeige nach vollendeter Hinterziehung im Spiel ist - die wirkt strafbefreiend bloß, wenn der in Frage stehende Betrag innerhalb einer gesetzten Frist entrichtet worden ist. Wäre dann ein Fall von Güterabwägung…

Schöne Grüße

MM

[MOD] Komplettzitat gelöscht

Gehts um die hinterzogene Steuer oder um die Strafe? Wenn die Nachzahlung oder die Strafe so hoch sind, dann muss auch ganz schön was hinterzogen worden sein. Wo ist denn das viele Geld hingekommen? Das wird man dem FA wohl erklären müssen.

Sissi

Hallo Wolfgang,
ich gehe davon aus dass jemand, der seine Steuern schon nicht ordnungsgemäss zahlen kann, auch anderen Verpflichtungen nicht nachkommt…
grüsse
dragonkidd

Hallo,

„Verpflichtet“ klingt so nach Anspruch, und mit einer Anspruchshaltung sollte man in so einer Situation erst mal ganz schnell abschließen. Malen wir uns mal aus, was passiert, wenn jetzt einfach nicht gezahlt würde. Dann kommt es zur Vollstreckung in alles bewegliche (Auto, nicht lebensnotwendiger Hausrat) und unbewegliche (Immobilien) Vermögen, Pfändung aller Forderungen (Gehalt, Bankguthaben, Geldanlagen), wobei das Finanzamt sich aussuchen kann, wie und wo es am einfachsten und schnellsten an sein Geld kommen kann. Dem Schuldner bleibt dann nur noch das knappe pfändungsfreie Einkommen und ggf. statt dem freistehenden Einfamilienhaus nur noch die Sozialwohnung. Der Dispo wird sofort gekündigt, ggf. auch gleich alle Konten, Kreditkarten werden gesperrt, … Kurzum, es droht der soziale Abstieg, zumal viele Arbeitsverhältnisse aus fadenscheinigen Begründungen gekündigt werden, wenn erst mal die Gehaltspfändung beim Chef auf dem Tisch liegt. Zudem darf man nicht vergessen, dass durch die Vollstreckung die Forderung durch Kosten deutlich an Umfang zunehmen wird.

D.h. wenn man dem jetzt entgehen will, sollte man besser mal nicht von Ansprüchen ausgehen, sondern proaktiv das Thema angehen und ganz, ganz kleine Brötchen backen. Also nichts wie hin zum Finanzamt (am besten mit Termin) und eine Aufstellung aller Werte und Einkünfte mitbringen und einen Plan, wie man in welcher Zeit die Forderungen bedienen will. Dieser Plan sollte deutlich machen, dass man die Sache ernst nimmt und bereit ist deutliche Einschränkungen und Zugeständnisse in der eigenen Lebensführung hinzunehmen, die nicht weit von dem entfernt sein sollten, was sonst ohnehin passiert. Mit Plänen, die monatlich € 100,-- vorsehen und gleichzeitig Kosten in doppelter Höhe für die Mitgliedschaft im Golfclub ausweisen, wird sich die Gegenseite auf den Arm genommen fühlen und dann ist es mit der Verhandlungsbereitschaft schnell aus.

Mit einem vernünftigen Plan, einer absehbaren Zeit und anständigen Raten wird man aber normalerweise gute Karten haben, seine Schulden ohne Vollstreckung wieder los zu werden. Wenn die Möglichkeit besteht, hierfür allerdings einen Bank- oder Privatkredit aufnehmen zu können, kommt einen dies allerdings sicher deutlich billiger, weil die Zinsen dort deutlich günstiger sind.

Gruß vom Wiz

[MOD] Komplettzitat gelöscht

Also nichts wie
hin zum Finanzamt (am besten mit Termin) und eine Aufstellung
aller Werte und Einkünfte mitbringen und einen Plan, wie man
in welcher Zeit die Forderungen bedienen will. Dieser Plan
sollte deutlich machen, dass man die Sache ernst nimmt und
bereit ist deutliche Einschränkungen und Zugeständnisse in der
eigenen Lebensführung hinzunehmen,

Hallo,

Anmerkung und Tipp dazu. Zu einem solchen Termin sollte man nicht
braungebräunt aus dem Urlaub und nicht mit dem dicken BMW vorfahren!
Blöd sind die Sachbearbeiter im Finanzamt ganz und gar nicht. Auch
sollte man sich verkneifen jetzt schnell (ggf. durch Fälschung von
Daten) Vermögen an Bekannte und Verwandte zu verschenken und
verkaufen (Auto an Freundin, Haus an Mama, Sparbuch ans Kind). Da
kommen auch die Leute vom FA hinter.

Mfg vom

showbee

1 „Gefällt mir“

Blöd sind die Sachbearbeiter im Finanzamt ganz und gar nicht.

Na, da habe ich aber unterschiedliche Erfahrungen gemacht…