Pro und Contra Bilanzierung/EÜ-Rechnung

Macht es für einen Freiberufler eigentlich irgendeinen Sinn zu bilanzieren oder kann er einfach eine EÜ-Rechnung machen und sich die nicht unerheblichen Kosten für die Bilanzerstellung sowie den Aufwand für die doppelte Buchführung sparen? Hat eine Bilanzierung für einen Freiberufler irgendeinen steuerlichen Vorteil?

Macht es für einen Freiberufler eigentlich irgendeinen Sinn zu
bilanzieren

Ich habe noch keinen gefunden.

oder kann er einfach eine EÜ-Rechnung machen und
sich die nicht unerheblichen Kosten für die Bilanzerstellung

Wenn Du unterhalb gewisser Umsatz- und Gewinngrenzen, die gerade kürzlich angehoben worden sind, bleibst, ja.

eine Bilanzierung für einen Freiberufler irgendeinen
steuerlichen Vorteil?

Nein.

Wer bilanziert, kann Rückstellungen bilden und passive Rechnungsabgrenzungsposten und hat erhaltene Anzahlungen zu passivieren, zum Bleistift…

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Macht es für einen Freiberufler eigentlich irgendeinen Sinn zu
bilanzieren

Ich habe noch keinen gefunden.

ich schon, meinen boss, und der ist steuerberater

eine Bilanzierung für einen Freiberufler irgendeinen
steuerlichen Vorteil?

Nein.

ganz sicher ?

gruß inder

Hallo,

Macht es für einen Freiberufler eigentlich irgendeinen Sinn zu
bilanzieren oder kann er einfach eine EÜ-Rechnung machen und
sich die nicht unerheblichen Kosten für die Bilanzerstellung
sowie den Aufwand für die doppelte Buchführung sparen?

Wie Zardoz ja schon erwähnt hat, bietet die Bilanzierung insb. dann Vorteile, wenn man größere „Summen“ vereinnahmt. Nach der ÜR gilt das Zufluss- /Abflussprinzip.
Will also heißen: Alles was innerhalb des Veranlagungszeitraumes „reingekommen“ ist, wird unmittelbar zur Besteuerung herangezogen. Hat man in manchen Jahren besonders hohe Gewinne, schlagen diese voll auf die Steuer durch.

Bei der Bilanzierung hingegen ist es so, und hier kommen die Aussagen von Zardoz ins Spiel, dass man gewisse Vorgänge „zeitlich strecken bzw. verteilen“ kann und somit zu einer gleichmäßigeren Belastung kommt.

Das ein StB zur Buchführung übergeht, wundert insofern nicht, als das er ja auch selber in Lage ist, die BF zu organisieren.
Hingegen kenne ich auch den Fall eines Architekten, der recht erfolgreich war/ist und wegen der hohen Gewinne (i.V.m den Verteilungsmöglichkeiten durch Bilanzierung) auch die ÜR gegen die Bilanzierung getauscht hat.

Letztlich ist eine solche Entscheidung vornehmlich davon abhängig zu machen, in welchem künftigen Kosten-Nutzen-Verhältnis eine „Gewinnermittlung“ vorzunehmen ist bzw. am sinnvollsten ist. Hier spielen „Betriebsgröße“ und potentielle Gewinne/Umsätze ebenfalls eine wichtige Rolle.

VG
TraderS

ganz sicher ?

Bisher war ich es, aber wenn Du so fragst, weißt Du mehr als ich. Klär mich auf, ich lerne gerne dazu.

Gruß

Nordlicht

naja, wurde ja oben schon beschrieben

durch die rückstellungen für z.b. - archiv, urlaub der MA, jahresabschluss, gewährleistungen, usw. kommen mal schnell 20 - 30 T€ zusammen, die den freiberufler im jahr der umstellung auf bilanz dann bestenfalls mit 10-15 T€ entlasten

davon abgesehen sind noch forderungen und verb. einzustellen, die ggf. gewinnmindernd sich auswirken unterm strich

neben dem zinsgewinn sollte eine geschickte wahl des zeitpunktes der betriebsaufgabe in späteren jahren insgesamt zu einer nicht unerheblichen steuerlichen entlastung führen

gruß inder

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Servus,

über die vorgelegte Frage hinaus am Rande: Es kann für einen Freiberufler unabhängig von steuerlichen Aspekten durchaus interessant sein, seinen Gewinn und dessen Entwicklung und Struktur zu kennen. Und das geht mit einer Überschussrechnung halt nicht. Voraussetzung ist dabei allerdings, dass man nicht „für die Steuer“ bucht und abgrenzt, sondern realistisch. Was theoretisch genau das Gleiche ist, aber in Wirklichkeit nicht immer.

Auch Nebeneffekte wie der, dass mit der Buchführung ohne zusätzlichen Aufwand ein Nebenbuch entsteht, mit dem man die Debitoren verwalten und überwachen kann und mit geringem zusätzlichem Aufwand eine permanente kurz- bis mittelfristige Liquiditätsplanung in der Hand hat, sind einigermaßen nützlich.

Schöne Grüße

MM

Herzlichen Dank für die vielen Antworten.

Wir sind halt nicht sicher, ob die Empfehlung unseres derzeitigen Steuerberaters zu bilanzieren, nicht völliger Unsinn ist, da er sich sehr viel Geld dafür „gönnt“, das wir aufgrund der angespannten Finanzlage besser verwenden könnten. Er behauptet immer, es sei steuerlich vorteilhaft zu bilanzieren, doch da die Praxis keine sonderlich hohen Einnahmen hat und für große Rücklagen oder Sonstiges auch das Geld einfach fehlt, fragen wir uns einfach, ob durch die Bilanzierung soviel gewonnen werden kann, dass es die Steuerberaterkosten aufwiegt(die Buchhaltung mache ich selbst).
Auswertungen irgendwelcher Art sind im Prinzip für uns unwichtig, da alles halt sehr überschaubar ist und auch anhand einer einigermaßen detaillierten Einahme-/Überschussrechnung darzustellen wäre.
Was der Steuerberater uns in der jährlichen Bilanzpräsentation erzählt, sieht sich ja nett an (das meiste verstehen wir eh nicht davon und ist auch schnell wieder vergessen). Wichtig ist für uns einfach, was am Ende an Geld übrig bleibt. Die meisten Kosten stehen ohnehin fest (laufende Kosten, Lohnkosten, Kosten für Material, Labor z. B.).
Wie gesagt, von daher fragen wir uns einfach, ob es sich wirklich lohnt, Tausende von Euro in den Steuerberater zu investieren und viel Zeit in die aufwendige Buchhaltung (ich bin keine gelernte Buchhalterin und mache das nach Anweisung meines Steuerberaters notgedrungen, damit die Kosten für den SB nicht am Ende ganz unseren spärlich Gewinn ganz übersteigen).

Servus,

da sollte es dem Mann doch leicht fallen, aus der Lamäng eine überschlägige Modellrechnung zu basteln, aus der hervorgehen sollte, dass die unter plausiblen Annahmen erwartete Steuerentlastung mehr ausmacht als der Mehraufwand für seine Tätigkeit.

Schöne Grüße

MM

Genau den Rat habe ich meinem Mann auch gegeben - er sollte seinen SB bitten, ihm mal plausibel darzulegen, wie er die Mehrausgaben für den SB wieder reinholen kann … ich könnte ja wetten, dass der das nicht belegen kann.

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fragen wir uns einfach, ob durch die
Bilanzierung soviel gewonnen werden kann, dass es die
Steuerberaterkosten aufwiegt(die Buchhaltung mache ich
selbst).

die ganzen ?

eigentlich sollte die erstellung der bilanz nicht dramatisch höher liegen, als bei der EÜR

wenn wir ne EÜR für 800 machen, dann kostet die bilanz vllt. 1.200

gruß inder

Unser Steuerberater zieht sich für die Erstellung der Bilanz das fast 7fache rein … daher ja meine Frage, ob man soviel an Steuern überhaupt sparen kann durch die Bilanz im Vergleich zur EÜR. Die EÜR würde ich notfalls noch selbst hinbekommen. Und bei 1.2000 Euro für die Bilanz würde ich ja gar nichts sagen, das würde ich durchaus für angemessen halten. Aber wie gesagt, das was wir die letzten Jahre für die Bilanz gezahlt haben, ist wesentlich mehr (um die 7.000 Euro …)

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fragen wir uns einfach, ob durch die
Bilanzierung soviel gewonnen werden kann, dass es die
Steuerberaterkosten aufwiegt(die Buchhaltung mache ich
selbst).

die ganzen ?

eigentlich sollte die erstellung der bilanz nicht dramatisch
höher liegen, als bei der EÜR

wenn wir ne EÜR für 800 machen, dann kostet die bilanz vllt.
1.200

gruß inder

Unser Steuerberater zieht sich für die Erstellung der Bilanz
das fast 7fache rein … das was wir die letzten Jahre für die Bilanz gezahlt
haben, ist wesentlich mehr (um die 7.000 Euro …)

also hat er schon umgestellt ?

da gibt es nur eins …

Unser Steuerberater zieht sich für die Erstellung der Bilanz
das fast 7fache rein […].Aber wie
gesagt, das was wir die letzten Jahre für die Bilanz gezahlt
haben, ist wesentlich mehr (um die 7.000 Euro …)

… sofort den StB wechseln. Sicherlich ist das immer auch eine Vertrauenssache und man sollte gerade diese Leute nicht ohne Bedacht wechseln. Aber in Eurem Falle erscheint es mir doch als geboten.

*gg*

vielleicht habt Ihr ja ein absolutes Chaos in den OPOS-Listen oder Ihr bringt die Beleg im Schukarton und 2 Monate mit Verspätung?

Ich habe da so Fälle, da liegen die Rechnungen immer deutlich hinter den Kontoauszügen, so dass der Steurfachangestellte über die Abstimmarbeit deutlich flucht…bei der EUR wäre das egal…da wird im Zweifel nur aufs Konto geguckt bzw. in die Kasse

Nein, hat er nicht - er bilanziert auf Anraten seines SBs von Anfang an. Aber da wir nun dringenst Kosten einsparen müssen, fragen wir uns halt, ob die SB-Kosten nötig sind, da ja doch enorm. Zumal für uns diese Bilanz alles andere als überschaubar ist. Wir haben mal die Zahlungseingänge vom vorletzten Jahr auf dem Konto zusammengerechnet und mit dem Rohgewinn verglichen, der in der Bilanz stand - und da satte 20.000 Differenz festgestellt (Zahlungseingänge waren es auf dem Konto 20 000 weniger als in der Bilanz ausgewiesen um genau zu sein). Da haben wir uns dann gefragt, wo er diesen hohen Betrag mehr hergenommen hat und warum wir diesen satten Betrag nie „gespürt“ haben (den hätten wir nämlich gut gebrauchen können). Und darüber kamen wir dann auf die Frage, ob diese Bilanzierung überhaupt Sinn macht, wenn sie für uns als Laien völlig unübersichtlich ist, wenn da plötzlich irgendwoher zu versteuerende Einnahmen auftauchen, die gar nicht in dem Jahr eingegangen sind (aus dem Vorjahr können die auch nicht stammen, denn das sah recht mager aus - da war nichts, um es einfach mal rüberzuschieben ins nächste Jahr).

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Wenn da ein Chaos in der OPOS war, dann hat der Sachbearbeiter das selbst verursacht, da er die Buchhaltung selbst eingegeben hat - meine Daten waren angeblich nicht verwertbar, da plötzlich die Buchhaltungsprogramme nicht mehr harmonierten (vorher hat es geklappt …). Und die Belege kamen natürlich nicht im Schuhkarton, sondern waren im Ordner, vorsortiert und auch schon mit den entsprechdenden Konten versehen, da ja im Primzip alles schon mal erfasst worden war.

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Servus,

hierzu:

Da haben wir uns dann gefragt, wo er diesen
hohen Betrag mehr hergenommen hat

gibts nur eine Quelle:

In der („doppelten kaufmännischen“) Buchführung werden anders als bei der Überschussrechnung nicht die Zahlungseingänge, sondern die Forderungszugänge in den Ertrag gebucht.

D.h. es gibt zwei Möglichkeiten:

(1) Die offenen - unbezahlten - Forderungen haben in dem Jahr um 20 k€ zugenommen - das wäre im Folgejahr in Geld zu spüren gewesen, oder hätte sich in der Tatsache gezeigt, dass man auf einem permanent hohen oder, noch schlimmer, ständig zunehmenden Bestand an unbezahlten Forderungen sitzt. Könnte im Extremfall übrigens eine Schwachstelle sein, die das Phänomen „man rödelt und rödelt und hat nie Geld“ erklären könnte.

(2) Ich will das nicht unterstellen, weil es gottlob nicht mehr viele Kanzleien gibt die das tun: Es wird Leipziger Allerlei gebucht, nämlich unterjährig nach Zahlungseingängen und bloß von Abschluss zu Abschluss nach Forderungszugängen: Da kann es schnell passieren, dass ein Vorgang zwei Mal im Ertrag steht und gleichzeitig in der Bilanz Phantomforderungen ausgewiesen werden, die schon lang bezahlt sind. Das müsste dann ganz schnell bereinigt werden, auch weil USt und Ertragsteuern auf Umsätze/Erträge bezahlt werden, die es nicht gibt.

Beides kann man prüfen, indem man sich zur monatlichen oder quartalsweisen Auswertung eine Offene-Posten-Listen („OPOS-Liste“) geben lässt, in der alle offenen Forderungen und Verbindlichkeiten, gegliedert nach einzelnen Kunden und Lieferanten, ausgewiesen sind, und diese mit den eigenen Unterlagen abgleicht. Bei dem nicht exzessiv hohen, aber doch ziemlich sichtbaren Preis für die Bilanz/GuV sollte das übrigens ein selbstverständlicher Bestandteil des monatlichen Feedbacks sein: Nur so kann gewährleistet werden, dass das, was da in den Forderungen steht, irgendwas mit der Wirklichkeit zu tun hat - und von einer 7 k€-Bilanz erwarte ich das.

Das ist übrigens kein besonderer Aufwand für den StB, sondern eine Sache von zwei-drei Mausklicks und einem Moment warten auf den Drucker, und er sollte im Gegenteil selber dran interessiert sein, dass seine Finanzbuchhaltung ein zumindest brauchbares Abbild der Wirklichkeit ist.

Schöne Grüße

MM