Servus Anna,
Was genau…
es geht um folgendes:
Es gibt grundsätzlich drei verschiedene Methoden, Wareneinkauf, Warenbestand und Wareneinsatz in der FiBu - ohne Warenwirtschaftssystem - darzustellen.
(1) Die richtige: Einkauf von Handelswaren ist ein erfolgsneutraler Vorgang, der sich nur zwischen Bilanzkonten abspielt. Entweder per Warenbestand an Geldkonto (Aktivtausch) oder per Warenbestand an Kreditor (Bilanzverlängerung). Wenn man den Wareneinkauf zutreffend so bucht, muss folgerichtig der Wareneinsatz beim Verkauf von Waren in den Aufwand gebucht werden: per Wareneinsatz an Warenbestand.
(2) Die Schmalspurversion für Überschussrechner: Einkauf von Handelswaren wird unmittelbar in die Betriebsausgaben gebucht - per Wareneinkauf (Aufwandskonto) an Geldkonto. Dass sich hieraus „Auswertungen“ ergeben, die eine Aussagekraft von ungefähr Null haben, lässt sich mit wenig Mühe vorstellen: Es sieht in der „Auswertung“ genau gleich aus, wenn ich mir einen Riesenbestand von irgendwas herlege, was ich grade besonders günstig bekommen habe und in den kommenden zwei Jahren mit gutem Erfolg abverkaufen kann, und wenn ich mich mit einem Artikel ganz arg böse verkalkuliert habe, aus dem Nachordern gar nicht raus komme, weil ihn alle beim billigen Jakob haben wollen, und dabei bei jedem einzelnen Verkauf draufzahle. Warum so ein Werk dann überhaupt „BWA“ heißt, hab ich mich hie und da schon gefragt. Bei dieser zweiten Methode gibt es keinen Warenbestand, auch wenn man sich auf den Kopf stellt und mit den Füßen strampelt: Überschussrechnung und Bilanzkonten sind zwei verschiedene Welten.
(3) Weil das Vorgehen unter (1) besonders bei extern erledigten Buchhaltungen technisch nicht so leicht umzusetzen ist, gibts noch die schlimmste von den drei Methoden: Unterjähriges Buchen des Wareneinkaufs in den Aufwand und Anpassen des ausgewiesenen Bestandes einmal im Jahr zum Stichtag, womöglich dann noch mit Abschlussarbeiten eineinhalb Jahre nach dem Stichtag. Diese Methode ist wirklich schlimm. Wenn es aus irgendeinem Grund nicht möglich ist, den Wareneinsatz permanent zu erfassen, sollte in so einem Fall der Warenbestand wenigstens monatlich mit geeigneter Methode mengen- und wertmäßig geschätzt und kalkulatorisch nachgeführt werden.
Für diese pauschale Aussage:
ohne Warenbestand entsteht in BWA der
Eindruck, die Firma wäre nicht tragfähig.
muss man allerdings auch den forschen jungen Bankangestellten ein wenig rüffeln. Wenn er in seinem Leben schon diese oder jene BWA mit Verstand angeschaut hätte, wüßte er, dass in keiner einzigen Standard-BWA Bestandskonten ausgewiesen sind. Er hätte seinem Kunden erklären sollen, dass es in einer Standard-BWA nie um den Warenbestand geht, sondern um das daraus abgeleitete Aufwandskonto „Wareneinsatz“ bzw. Aufwands- oder Ertragskonto „Warenbestandsveränderung“.
Es gibt für den Kunden der Bank bzw. für seinen Rechenknecht verschiedene Möglichkeiten, das Problem anzugehen. Die erste ist, dass er sich eine individuelle BWA definiert, in der ganz brav nach den Worten des Bänkers:
Folglich muss der Warenbestand in der BWA auftauchen.
frei schwebend außerhalb der Überschussrechnung, um die es bei einer BWA letztlich geht, das bzw. die Warenbestandskonto/konten ausgewiesen ist/sind. Wenn mit einer der oben beschriebenen Methoden (2) oder (3) gebucht wird, ist das dann eine Zahl, die sich zwölf Monate lang nicht verändert. No na, austreiben und blühen wird sie im März…
Man kann aber auch dem jungen Mann etwas entgegenkommen, und zu Methode (1) übergehen. Da wird dann, wenn das:
Ich habe den Betrag
tatsächlich zutrifft (es geht dabei ja um sehr viele einzelnen Beträge, der Saldo ändert sich mit jedem einzelnen Zu- und Abgang von Waren, mit jedem einzelnen Verkauf usw.) monatlich die Bestandsveränderung mit dem Satz „per Wareneinsatz an Warenbestand“ eingebucht, und der Wareneinsatz als Aufwandskonto taucht in der BWA auf - dort, wo jetzt vermutlich der Einkauf steht, der da nicht hingehört. Wenn man so vorgeht, muss man drauf achten, dass kein Wareneinkauf im Aufwand landet, sonst geht das wieder nach hinten los, sondern jeder Wareneinkauf nur bestandserhöhend gebucht wird: per Warenbestand an Geldkonto bzw. Kreditor.
Kannst du mir da was empfehlen?
Alldieweil ich Dir grade Berufsschulstoff aus den ersten Monaten der Ausbildung zum Steuerfachangestellten geschildert habe, würde ich Dir gerne empfehlen, bevor Du selbständig (folglich auf Dich selbst gestellt und im Zweifelsfall verlassen von allen guten Geistern) Buchhaltungen von Kunden bearbeitest, eine dafür geeignete Ausbildung zu machen. Ich weiß, dass es nicht leicht ist, so lange Zeit mit so wenig Geld auskommen zu müssen. Aber mit 30 hast Du noch den frischen Kopf zum Büffeln, und vor allem bist Du auf dem Arbeitsmarkt noch nicht weg vom Fenster. Warte nicht zu lang damit, ich habe mit 46 altersbedingt auf dem Markt grade noch Schrottwert und bereue oft genug, dass ich nichts Ordentliches gelernt habe.
Einstweilen kannst Du natürlich gerne weiter fragen, wenn was unklar geblieben ist.
Schöne Grüße
MM