Sind Downloader wirklich so schädlich?

Von: , Frage gestellt am Di, 5. Nov 2002

Hi Ihr!

Da ich gestern abend in meiner Videothek mit dem Besitzer so ins Gespräch kam....

Weiß jemand, wie schädlich das Downloaden von Filmen und Musik wirklich für die Wirtschaftszweige ist?

Beim Beispiel Film (vor allem im Bereich Verleih) kann ich noch ganz gut nachvollziehen, dass es einen enormen Schaden verursacht. Allerdings: Auch ich lade mir das ein oder andere aus dem Netz, und mein Kino- und Videokonsum hat sich nicht großartig verändert. Vielleicht ist es so, dass ich mir jetzt in der Videothek Filme leihe, die ich sonst stehen gelassen hätte, aber de facto habe ich im letzen Jahr MEHR Filme ausgeliehen als im Jahr davor (wir haben gestern mal nachgesehen).

Im Bereich Musik bin ich mir nicht so ganz im klaren darüber, warum die Musikindustrie derart rummotzt. Als seinerzeit die CD eingeführt wurde, war dieser Datenträger mehr als doppelt so teuer wie eine LP (für die Jüngeren: Das ist so eine große, meist schwarze Plastikscheibe, die auf einem Plattenspieler mit Hilfe einer Nadel abgespielt wurde).
Irgendwann hat sich der Preis für eine CD dann so bei rund 33 DM eingependelt (was immer noch recht teuer ist im Vergleich zu 20 DM bei einer LP).
Da mir ein Bekannter mal gesagt hat, eine CD sei von den Produktionskosten weit billiger als eine LP stellt sich mir hier eine Frage: Hat die Musikindustrie nicht in all den Jahren vor dem Sharen einen enormen Gewinn dadurch erwirtschaftet, dass sie ein preiswerteres Produkt teurer verkauft hat?

Mein Musikkonsum hat sich in der Tat sehr verändert! Früher ging ich in mein Platten/CD-Geschäft, suchte mir so 20 CD's raus und hörte auch in alle rein. Dann bin ich meistens mit zwei bis vier CD's zur Kasse gegangen und habe sie gekauft.

Mittlerweile lade ich mir eine Menge runter und höre rein. Was mir richtig gut gefällt, bestelle ich dann meist bei Amazon oder BOL - gelegentlich kommt es vor, dass ich in einen der großen Läden gehe (MediaMarkt, etc.) und mir mein Wunschobjekt dort besorge.

Gäbe es noch die guten alten Plattenläden, würde ich mein Verhalten sofort wieder ändern - schließlich hatte das etwas Sinnliches! Nur: Mich von einem Gemüsehändler zum Thema Musik beraten zu lassen macht mir so gar keinen Spaß...

Ich habe keine Ahnung, ob ich ein Einzelfall bin, aber gerade auf Konzerten sehe ich sehr viel Besucher, die sich ihre Booklets (die so nicht aus dem Netz zu bekommen sind) von den Bands signieren lassen.


So, jetzt habe ich hier genug gepinnt und warte auf Eure Meinungen


Grüße
Guido

1 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 15 Stunden 1 hilfreich
    Re: Sind Downloader wirklich so schädlich?

    Hi!

    Natürlich ist es generell ein Schaden für die Musikindustrie, wenn ein Tonträger überspielt/downgeloaded und somit nicht käuflich erworben wird. So errechnen sich übrigens auch die horrenden Verlustannahmen der Musikindustrie, man geht nämlich davon aus, dass jedes illegal im Internet downgeloadede Stück ein verlorener Kauf ist. Das ist natürlich Unfug, denn man würde wohl kaum alles kaufen, was man downloaded, wenn es die Möglichkeit des Downloads nicht gäbe.

    Das Internet ist eine neue Herausforderung für die Hersteller und Vertreiber digitaler Informationen. Sture Verbote und unrealistische Gerichtsverfahren gegen in Form von Downloads markttechnisch marodierende Schüler werden nicht fruchten, die Dynamik des "Netzmarktes" ist weit größer als die Möglichkeiten der juristischen Intervention.

    Das Verbraucherverhalten wird im Endeffekt von Angebot und Preis gesteuert, was also für die Musikindustrie die Möglichkeit bietet, an der Preisschraube zu drehen (sh. Kommentar zum Preis LP - CD, den ich voll unterstütze) und/oder den Mehrwert (Booklet/Konzertkarte o.ä.) des Originals herauszustellen und umsatzwirksam zu kommunizieren. Auch über eine Kombination CD/DVD o.ä. liesse sich hier etwas machen.
    Im Endeffekt wird sich wohl ein Mischverhalten bei den verbrauchern herauskristalliesieren, die meisten werden also downloaden und auch Originale kaufen. Da muss die Industrie durch und eine Abnahme der Vielfalt der Musik aus solchen Gründen annehmen zu wollen, ist wohl eher ein Witz - die Vielfalt der Genres wurde bereits Anfang der 90er von der Musikindustrie selbst zerstört. Damals hatte keiner Internet und trotzdem reduzierte sich die Anzahl der im Musikladen käuflich erwerbbaren Genres von ca. 300 auf ca. 3.
    Das Problem ist also auch hausgemacht und die aktuelle Situation bietet neuen, flexiblen Labels auch große Chancen. Der Schlüssel liegt wohl im "added value". Ich hoffe, dass das musiktechnisch dunkle Kapitel der 90er nun beendet wird und die neuen Chancen auch von Leuten genutzt werden, die echte Musik machen können.

    Grüße,

    Mathias




    Da ich gestern abend in meiner Videothek mit dem Besitzer so
    ins Gespräch kam....

    Weiß jemand, wie schädlich das Downloaden von Filmen und Musik
    wirklich für die Wirtschaftszweige ist?

    Beim Beispiel Film (vor allem im Bereich Verleih) kann ich
    noch ganz gut nachvollziehen, dass es einen enormen Schaden
    verursacht. Allerdings: Auch ich lade mir das ein oder andere
    aus dem Netz, und mein Kino- und Videokonsum hat sich nicht
    großartig verändert. Vielleicht ist es so, dass ich mir jetzt
    in der Videothek Filme leihe, die ich sonst stehen gelassen
    hätte, aber de facto habe ich im letzen Jahr MEHR Filme
    ausgeliehen als im Jahr davor (wir haben gestern mal
    nachgesehen).

    Im Bereich Musik bin ich mir nicht so ganz im klaren darüber,
    warum die Musikindustrie derart rummotzt. Als seinerzeit die
    CD eingeführt wurde, war dieser Datenträger mehr als doppelt
    so teuer wie eine LP (für die Jüngeren: Das ist so eine große,
    meist schwarze Plastikscheibe, die auf einem Plattenspieler
    mit Hilfe einer Nadel abgespielt wurde).
    Irgendwann hat sich der Preis für eine CD dann so bei rund 33
    DM eingependelt (was immer noch recht teuer ist im Vergleich
    zu 20 DM bei einer LP).
    Da mir ein Bekannter mal gesagt hat, eine CD sei von den
    Produktionskosten weit billiger als eine LP stellt sich mir
    hier eine Frage: Hat die Musikindustrie nicht in all den
    Jahren vor dem Sharen einen enormen Gewinn dadurch
    erwirtschaftet, dass sie ein preiswerteres Produkt teurer
    verkauft hat?

    Mein Musikkonsum hat sich in der Tat sehr verändert! Früher
    ging ich in mein Platten/CD-Geschäft, suchte mir so 20 CD's
    raus und hörte auch in alle rein. Dann bin ich meistens mit
    zwei bis vier CD's zur Kasse gegangen und habe sie gekauft.

    Mittlerweile lade ich mir eine Menge runter und höre rein. Was
    mir richtig gut gefällt, bestelle ich dann meist bei Amazon
    oder BOL - gelegentlich kommt es vor, dass ich in einen der
    großen Läden gehe (MediaMarkt, etc.) und mir mein Wunschobjekt
    dort besorge.

    Gäbe es noch die guten alten Plattenläden, würde ich mein
    Verhalten sofort wieder ändern - schließlich hatte das etwas
    Sinnliches! Nur: Mich von einem Gemüsehändler zum Thema Musik
    beraten zu lassen macht mir so gar keinen Spaß...

    Ich habe keine Ahnung, ob ich ein Einzelfall bin, aber gerade
    auf Konzerten sehe ich sehr viel Besucher, die sich ihre
    Booklets (die so nicht aus dem Netz zu bekommen sind) von den
    Bands signieren lassen.


    So, jetzt habe ich hier genug gepinnt und warte auf Eure
    Meinungen


    Grüße
    Guido

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