Hallo Burkhard,
Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade mit der Frage, welche Erwartungen
Verbraucher an ihre Bäckerei-Filialen haben. Für Hinweise aus
der Praxis wäre ich sehr dankbar.
* Was stört beim Einkauf?
Das Einkaufen.
Bzw. fände ich es natürlich viel bequemer frische Ware per Katalog oder Internet bestellen zu können und dann zu einer vereinbarten Zeit geliefert zu bekommen. Besonders am Wochenende wirklich Wochenende zu haben und einfach nicht noch Zeit und Nerven beim Einkaufen verlieren zu müssen, fände ich die Lebensqualität und Lebensquantität sehr steigernd. Da es auch immer mehr ältere Menschen geben wird, die dennoch möglichst lange mobil bleiben wollen, stellt sich für mich schon die Frage, wann wird es Lieferdienste geben, wie sie teils von manchen Märkten oder Kaufhäusern schon angeboten werden, daß Waren ab einem bestimmten Betrag X, zumeist
50 Euro, ohne Zusatzkosten, frei Haus liefern?!
Eventuell könnte man die Wartezeiten mit angenehmer und dennoch nicht aufdringlicher Hintergrundmusik verkürzen?
Eventuell könnte man je nach Lage und Ausstattung einer Bäckerei das Warten verkürzen, indem man z.B. dort auch parallel einen Kaffee trinken kann, einen Snack einnehmen kann, man müßte dann halt z.B. parallel eine Nummer ziehen (macht allerdings einen unfreundlichen Eindruck auf mich) oder man hat die Möglichkeit dort an den Thresen etwas zu lesen oder den Lottoschein auszufüllen. Derweil ich selbst ja sogut wie nie Lotto spiele. 
* Wie schaut es aus mit der Hygiene?
Recht angeekelt fühle ich mich, wenn die Ware noch im Schaufenster ausliegt und die Verkäuferinnen mit dem Glasreiniger das Glas putzen. Was nutzt mir eine saubere Auslagen, wenn das Glasputzmittel dann in den Lebensmitteln steckt? Würg…
Selten aber doch tragen Verkäuferinnen Kittel die durchaus sehr verschmutzt sind. In solchen Läden kaufe ich nur sehr ungern bzw. oftmals nur einmalig ein. Und dann ärgere ich mich über mich selbst, überhaupt was dort gekauft zu haben.
Eine frühere Freundin arbeitet seit abgebrochenem Schulabschluß in einer Bäckerei. Sie erzählte mir, daß sie öfter teils bei manchen Gebäckteilen die Spitze abbeißen würde, und dann die Ware wieder ins Regal so stellen würde. Nun, zu dem Zeitpunkt war sie noch 16, 17… Sie erzählte mir auch, daß wenn Ware runterfällt, diese zwar weggelegt wird, doch wenn der Kunde weg ist, wird die Ware wieder zur anderen Verkaufsware gelegt. Selbst habe ich mich schon gewundert, weshalb teils einzelne Semmeln in den Korb mit den anderen Semmeln geworfen wurden. 
Im Großen und Ganzen fällt mir in Deutschland hier weniger mangelnde Hygiene auf. Als ich mal kurz vor der Wende in Leipzig in einem Supermarkt eine Getränkeflasche fallen ließ und eine Verkäuferin kam um die Scherben und die Flüssigkeit aufzuwischen, kam unter dem fast schwarzen Boden auf einmal ein hellgrauer oder gar weißer Boden zum Vorschein.
) Igitt!!!
Ich würde mir in Bäckereien schon wünschen, daß die Verkäuferinnen Handschuhe tragen. Woher weiß ich wo sie davor mit ihren Fingern waren? Toilette? Nase? Spülbecken?.. Selbst wenn dies alles nicht, der Mensch schwitzt auch, und mir persönlich sind von daher saubere Finger schon ein Bedürfnis. Doch in der Regel unterdrücke ich diesen Wunsch, sonst wäre ich beim Kauf von offenen Nahrungsmitteln nur noch angeekelt.
* Wie sieht es aus mit den Wartezeiten, die durch Auffüllen
der Ware morgens und Putzen am Abend verursacht werden?
Das ist ein Übel das man in Kauf nehmen muß. Teils nervt es zwar, doch da man nichts daran ändern kann bzw. meint, daran nichts ändern zu können, sollte man sich einfach die Zeit für sich vergnüglich gestalten. Vielleicht kann man Pläne gedanklich schmieden, Vokabeln lernen, Gedichte lesen, Entspannungsübungen machen, Beckenbodengymnastik… Ich sage nicht, daß ich es tue, doch wieviel Zeit vergeuden wir allesamt beim Warten. Ist doch schade!
Natürlich wäre es kundenfreundlicher, wenn die Ware vor der Geschäftsöffnung aufgefüllt werden würde und teils finde ich es auch ärgerlich, wenn ich fünf Minuten vor Geschäftsschluß oder manchmal schaffe ich es auch eine Viertelstunde vor Geschäftsschluß teils die Ware nicht nur schon ausverkauft ist, sondern schon auf dem Wagen liegt und im Abtransport begriffen ist, falls sie nicht schon teils abstransportiert worden ist.
Verständlicherweise will auch das Verkaufspersonal Feierabend haben. Doch da hier eh wohl Schichten gefahren werden, sehe ich das mal ganz egoistisch aus Käufersicht. Solange die Öffnungszeiten sind, sollte keine Ware aufgefüllt bzw. weggepackt werden.
* Wie steht’s mit der Freundlichkeit?
Die Freundlichkeit ist von Geschäft zu Geschäft unterschiedlich. Doch grundsätzlich gilt auch: so wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Die meisten Kunden nehmen den Menschen an der Kasse, den Menschen der sie bedient, als Mensch doch gar nicht wahr. Wäre dort ein seelenloser Scanner, wäre es dasselbe. Sogesehen kann ich schon verstehen, wenn Menschen hinter den Thresen auch ihren Frust schieben, neben all den persönlichen Geschichten die sie noch am Laufen haben. Sogesehen kann jeder sich nur um etwas Miteinander und Freundlichkeit bemühen. Ein kleiner Witz, eine kleine freundliche Bemerkung tut nicht weh, und hebt allgemein die Stimmung. Die Lebensspanne ist dieselbe, ob man sie lachend oder weinend verbringt. 
Sicherlich wäre es verkaufsfördernd würden die Verkäufer verkaufpsychologisch besser geschult werden bzw. würden sie ihren Job auch gerne machen. Ich kaufe lieber von einem Menschen, der einen zufriedenen und ausgeglichenen Eindruck auf mich macht als jemand den ich als Mensch gar nicht oder eher frustriert wahrnehme. Selbst wenn es sich „nur“ um lebensnotwendige Lebensmittel handelt. Ich bin zutiefst davon überzeugt, daß wenn jemand mir vermittelt, daß just jenes Brot, auch wenn es 2 Euro teurer ist, besser für meine Verdauung ist, und der Mensch authentisch rüberkommt, ich dieses Mehr auch bezahlen würde, würde ich meinen es tut mir tatsächlich gut. Doch wie gesagt, ich müßte das Echte auch fühlen. Der trügerische Schein würde früher oder später, auch wenn man damit eine Weile Kohle machen kann, doch auffliegen. Das heißt, der Verkäufer müßte neben einem guten Geschäftssinn vorrangig für mich mit Menschlichkeit ausgestattet sein. Natürlich kann ich als gnadenloser Verkäufer jedem ein Brot verkaufen, doch wenn ich weiß, daß Menschen mit empfindlichem Magen Sauerteig nicht guttut, dann empfehle ich doch das nicht. Schließlich würde mir das Wohl der Menschen am Herzen liegen bzw. parallel auch mittel- bzw. langfristig eine Kundenbindung.
Ich gehe nach Möglichkeit schon am Freitag Einkaufen. Zur Not kann ich auch sonntags mir frische Brötchen in einer Bäckerei holen. Und die Brötchen von „Coppenrath und Wiese“ finde ich gar nicht so schlecht.
) Eingekauft wird wo ich gerade unterwegs bin, nach Möglichkeit in einer Hofpfisterei-Filiale oder bei einem Vollcorner. Doch in einer Großstadt lebend, präferiere ich keine einzelne Bäckerei, sondern kaufe dort ein, wo ich mich gerade aufhalte, versuche nur vorzugsweise bestimmte Filialen aufzusuchen.
Viel Spaß beim samstäglichen
Brötchen(Semmeln-/Schrippen-/Rundstück-)kauf wünscht
Burkhard
Ciao,
Romana