Hi Wolfgang!
Nun laßt uns doch hier mal eben schnell einen Strukturvertrieb gründen, um auch die Kohle in der Praxis zu fühlen (und auszugeben):
Da das Produkt ja wurscht ist, verpacken wir also Puderzucker, das man im Zweifelsfall dem Kunden in den Hintern bläst, damit er uns nicht beim Staatsanwalt verpfeift.
Also ich weiß nicht, ganz so einfach scheint es nicht zu sein: sicher gibt es in jeder Branche schwarze Schafe. Aber wenn Du die Marken Electrolux erwähnst, oder auch z.B. Vorwerk, vielleicht noch die Versicherungsbranche dazuzählst. Klar: hinter jedem guten Geschäft steckt ein fast so gutes Verbrechen; dennoch glaube ich, daß viele Produkte auch beim Endkunden (nicht nur Versicherungen) so erklärungsbedürftig sind, daß der Strukturvertrieb gerade bei Newcomern eine gute Lösung sein kann. Geht man mit herkömmlichen Werbeetats an ein neues Produkt, muß der Hersteller samt Vertrieb doch einiges in der Hinterhand haben, um diesen Kostenmarathon zu überstehen.
Nicht alles kann der Einzelhandel erledigen, Milchreis und Kartoffeln gerne, aber z.B. Kapitallebensversicherungen?
Du vergißt bei Deinen durchaus unterhaltsamen Ausführungen, daß im Strukturvertrieb auch die Schulung der Untervertreter zur Arbeit gehört mit tlefonischer Betreuung manchmal bis in die Nacht. Ich selbst habe das zwar noch nie gemacht, kenne aber Leute, die ihren Keller voll Putzmittel haben und eben nicht verkaufen können, weil sie eben nicht geschult wurden, sondern bequatscht wurden, sich nach Möglichkeit für teures Geld in der Hirarchie hochzukaufen (samt umfangreichem Warenlager), in der Hoffnung nie selber verkaufen zu müssen. Das geht natürlich schief; denn wer selber nicht verkaufen kann, wird es auch nicht einem Untervertreter erklären können. Nicht alles kann man lernen, schon lange nicht verkaufen!
Wenn man die Struktur auf 3 Ebenen begrenzt (habe ich mir sagen lassen), sei das eine durchaus seriöse Sache mit realistischem Hintergrund. Aber der Markt wird's schon richten, was machen wir uns also Gedanken? Survival of the fittest oder death of the blödest, je nach Sichtweise.
Schön, daß Du die Reichen erwähnst, die ewig völlen, aber schlank und gesund sein wollen. Warum sollten wir denen nicht ein Placebo andrehen mit entsprechendem Unterhaltungswert für alle Beteiligten: die (paar wenigen) rätseln dann noch nach Jahren, warum sie wieder gesund geworden sind, und authorisieren dann wieder gegen Bares den Hersteller, die Dankschreiben für das Rizinusöl (damit der Zucker vom Hintern wieder weggeduscht wird) in die Welt zu setzen. Wieviel Prozent das von allen Käufern waren, interessiert doch hinterher kein Schwein.
Und wenn bei einer Tupper- oder Nachttopfparty die Teilnehmer begeistert mit geschröpfter Börse nach Hause gehen, ist doch die Welt auch noch in Ordnung, oder? Ja, Du hast es erkannt: es ist der "Event", das Kauferlebnis. Aber was machen denn unsere Handelsketten? Sind die vielen Supermarktbohrmaschinen zu 10 Euro nicht auch totaler Dreck? Aber bevor das Ding beim 10. Bohrloch die Grätsche macht, ist die Garantie abgelaufen bzw die 10-20% Garantieleistung sind im Preis einkalkuliert. Und wer sagt Dir, ob bei diesen Preisen nicht irgendwo die ganz große Geldwäsche läuft? Die Bohrmaschinen liegen meist sowieso nutzlos in der Ecke, wie der meiste Tand, den unsere Überflußgesellschaft unbedingt zum Glücklichsein braucht, warum dann nicht auch der Puderzucker das oder Rizinusöl vom Strukturvertrieb für medizinische Hoffnungsträger.
Moralanwandlungen? Mitnichten! Der Markt entscheidet. So einfach ist das Spiel: Was geht, geht! Und richtig: pecunia non olet.
Gruß Richard