Ich kenne diese Argumentation, teilweise ist sie richtig,
teilweise aber eben leider NICHT. Und das ist mit soclhen
Dingen, die nur zur Hälfte richtig sind, schwierig insofern,
als ich meine, da hilft nur eine ausführliche, mündliche
Diskussion weiter. Wäre hier in einem solchen Brett kaum
durchführbar.
Schade. Denn nur mit der Bemerkung, dass meine Antwort nur zur Hälfte richtig ist, kann ich nicht viel anfangen.
Nochmal kurz ein Gedankengang: Ist man vor 15 Jahren (und das
ist ja sooo lange noch nicht her, und damals haben wir auch
nicht am Hungertuch genagt) auf der Autobahn von Frankfurt
nach Köln gefahren, hat man links und rechts der Autobahn jede
Menge freie, unbebaute Grünflächen, Wiesen. Wälder gesehen (na
ja, jede Menge, so wie das halt damals war).
Fährt man heute die gleiche Strecke, wähnt man sich in einem
anderen Land. Links und rechts, überall, neue Gewerbegebiete,
Speditionen, Aluminiumschachteln als Firmenräume. Das, DAS,
ist das Ergebnis von 3 % Wachstum über 15 Jahre Machen wir das
noch mal 20 Jahre weiter, ist Deutschland zugebaut.Und wozu
das alles? Überspitztausgedrückt:Nur daß ein paar Afrikaner
uns nicht aufholen werden?
Und, was wäre denn daran so schlimm?
Darauf habe ich, denke ich, eigentlich geantwortet. Es geht nicht in erster Linie darum, dass die Afrikaner nicht aufholen dürfen, sondern darum, dass, wenn die Afrikaner aufholen, weil wir kein Wachstum mehr haben, wir hier eine höhere Arbeitslosigkeit haben. Das ist das Problem.
Ich habe ja in meiner ersten Antwort Arbeitszeitverkürzung ausgeschlossen. Natürlich wäre das eine Möglichkeit: kein Wachstum, die Reichen verzichten und bringen die Arme in Arbeit. Zumindest theoretisch möglich. Nur - von allen anderen Schwierigkeiten mal abgesehen - wie bringst Du Reiche dazu freiwillig für Arme zu verzichten? Ohne Wachstum hast Du nur geringere Verteilungskonflikte. Einfach ausgedrückt: alle erhalten gleich viel wie im letzten Jahr und das „mehr“ durchs Wachstum geht an die Armen. Keiner muß dann auf etwas verzichten.
Somit kann man auch sagen: Wachstum brauchen wir nicht zwingend, aber Wachstum macht das Leben (der Politiker) einfacher.
Noch ein Aspekt (weil Du den Naturverbrauch ansprichst): Das Wachstum wird immer vom BSP oder BIP gerechnet. Da gehen alle Güter und Dienstleistungen ein. Der Naturverbrauch, die ökologische Belastung nicht. Schon seit Jahrzehnten wird in der Volkswirtschaftslehre versucht, ein umfassenderes Sozialprodukt zu ermitteln. Zu einem wirklich überzeugenden Ergebnis ist bislang noch keiner kommen. Denn BSP hat einen klaren Vorteil: eine Zahl, überzeugend, klar, für jeden verständlich. Güter und Dienstleistungen der verschiedensten Art sind ja über die monetäre Erfassung vergleichbar.
Naturverbrauch, Luftverschmutzung etc. entziehen sich aber der monetären Bewertung. Wie soll man sie also zueinander in Bezug setzen, eine Zahl hieraus bilden? Muß ja keine monetäre sein. Ist beim DAX auch nicht und dennoch ist die Zahl verständlich. Es kann auch ein Index sein. Wichtig ist, dass es nur eine Zahl ist.
Wenn aber der Wasserverbrauch steigt und die Luftverschmutzung sinkt, ist dann die Naturbelastung gestiegen, gesunken oder gleich geblieben? Wer will das beurteilen?
Da das nicht geht, gibt es diese eine Zahl nicht. Und das Ökologische Sozialprodukt kann nicht ermittelt werden (wie gesagt, es gibt Studien hierzu, aber unvermeidlich keine wirklich überzeugenden). In den Medien bleibt weiterhin nur das BSP und alle starren auf diese eine Zahl.