Staatliche Eingriffe in die Marktwirtschaft

Hi alles zusammen!
Ich wurde vor kurzem folgendes gefragt und ich kam schnell ins stottern, weil mir nichts gescheites einfiel:

-Welche Güter u. Dienstleistungen produziert der Staat, welche die privaten Unternehmen/Personen genauso erbringen könnten?

-Wo greift der Staat in das Preisgeschehen ein?

Ich hoffe, ihr könnt mir da weiterhelfen.
Danke im voraus.
Euer unwissender Andy Ypsilon

Mehrfachposting…
…ist hier nicht erwünscht.
Ich lasse es mal stehen, bitte jedoch in Zukunft darum, sich auf ein Brett zu beschränken.

Grüße,

Mathias, der MOD.

Hi Andy Ypsilon,

in München steht ein Hofbräuhaus, und das ist staatlich. Über viele Jahre hat der bayerische Staat das „Staatliche Hofbräuhaus“ mit Verlust betrieben, während private Brauereien dieses Geschäft durchaus ertragreich gestalten. Inzwischen ist wenigstens etwas mehr betriebswirtschaftliches Denken eingekehrt. Auch manche private Brauerei arbeitet mit Verlust - aber das ist dann wenigstens das Geld ihrer Eigentümer, nicht das der Steuerzahler.

Oder die Landesbanken: Hinter ihnen steht als „Gewährträger“ der Staat - ein schönes Ruhekissen. Private Banken tun sich da nicht so leicht. Aber sie müssen gegen die öffentlich gestärkten Banken (z.B. auch die Sparkassen) konkurrieren.

Private Krankentransporteure versuchen, den öffentlichen Organisationen Konkurrenz zu machen. Sie sind oft billiger, die Patienten müssen zum Teil bei weitem nicht so lang warten. Aber nicht selten werden den Privaten regelrecht Knüppel zwischen die Beine geworfen. Es gibt Beispiele dafür, dass die Rettungsleitstellen sie einfach nicht beauftragt haben.

Riesenthema Gesundheitsreform: Öffentliche Krankenhäuser haben oft weitaus höhere Pflegesätze als private. Und private Kliniken arbeiten oft anerkanntermaßen hervorragend. Private Krankenhäuser werden in der Regel deutlich effizienter geführt als öffentliche, bei denen das Thema Management vielfach noch in den Kinderschuhen steckt.

Nicht umsonst ist inzwischen auch eine Diskussion darüber entbrannt, ob nicht Universitäten privat geführt werden und ob Lehrer aus dem Beamtenverhältnis entlassen werden sollten. Es gibt tatsächlich Lehrer, die regelmäßig nicht zum Unterricht erscheinen. Ihnen passiert gar nichts, jedenfalls in dem Fall, den ich kenne. Wer auf eigene Rechnung arbeitet, kümmert sich halt mehr drum.

Generell das beim Staat übliche Etat-Denken: Wenn am Jahresende nicht das gesamte zur Verfügung stehende Geld ausgegeben wurde, muss schnell irgendetwas gekauft werden. Denn sonst wird der Etat fürs nächste Jahr gekürzt. Das führt regelmäßig zu aberwitzigen Anschaffungen. Oft genug stehen die erworbenen Geräte dann jahrelang in Kellern, ohne gebraucht zu werden. Kein Privatunternehmer käme auf solche Ideen. Aber irgendwer muss es ja bezahlen.

Ins Preisgeschehen greift der Staat zum Beispiel mit den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) ein: Mit so viel staatlichem Geld als Unterstützung bieten die betreffenden Unternehmen schon mal günstiger an als ihre Konkurrenten. Folge: Die Kunden rennen zu ihnen - und die „normalen“ Unternehmen, die versuchen, ohne staatliche Förderung über die Runden zu kommen, schauen in die Röhre. Das eine oder andere von ihnen soll in der Folge schon pleite gegangen sein, weil es einfach nicht mithalten konnte. Man könnte argumentieren, die Wettbewerber sollten halt auch ihre Preise senken. Aber wer kann das lange durchhalten gegen staatliche Übermacht?

Und, und, und… Der Staat „beherrscht“ einen großen Teil der Wirtschaft - und das, obwohl sich eigentlich alle Kenner einig sind, dass der Staat alles andere kann als wirtschaften. Aber das wollen Politiker halt nicht glauben.

Viele Grüße, Lorenz

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Wow, genau das habe ich gesucht. Viiiieeelen Dank