Monopole und sonstige Vorrechte (leider nicht kurz

Hallo an Alle,

einige Eurer Antworten auf meine Briefportofrage führen mich auf dieses neue Thema.

z.B. Jürgen schreibt: „Die Post ist auf dem Sektor der Beförderung von Standardbriefen immer noch (warum eigentlich?) Monopolunternehmen,…“ und Marco meint: „…darf man sich nach der Privatisierung der Bahn auf den wahrscheinlich 2005 kommenden Börsengang der Bahn „freuen“,…“

Man (die Politiker?) sagt uns, daß das Auflösen der Monopole wegen des einsetzenden Wettbewerbes uns, den Kunden, zugute kommen wird. Ich glaube dies nicht sondern vermute, daß der Staat (d.h. der Finanzminister der jeweils regierenden Partei) durch den Verkauf sein Budget aufbessern will/muß.

Monopole aber könnten durch die Regierung auch sozial gestaltet werden und große Bevölkerungsgruppen in Brot und Lohn bringen, ohne daß es der Gesamtbevölkerung allzu weh tun würde. Als Beispiel das österreichische Tabakmonopol, welches zumindest bis in die 50er Jahre nur „Trafiken“ (Verkaufsgeschäfte für Tabakwaren) erlaubte, die (Kriegs)-Invaliden gehörten oder/und von solchen geführt wurden. Abertausende dieser Leute wurden dadurch nützliche Mitarbeiter der Gesellschaft anstatt der Sozialhilfe zur Last zu fallen.

Staatsunternehmen wie Post und Bahn waren schon seit jeher Parkplatz für abgehalfterte, weil abgewählte oder unfähige Politiker. Heute hat man dafür andere Institutionen wie den Europarat, die Lottogesellschaften und die Regulierungsbehörde geschaffen. Irgendwo muß man doch die Leute zwischen politischer Betätigung und Pension doch unterbringen und einige sollten doch auch 5-stellige Monatshonorare „verdienen“ können.

Nach der langen Vorrede meine Frage: Warum reguliert man Preise der Post?

Entweder beläßt man das Monopol (hat ja jahrzehnelang geklappt) oder man überläßt es dem privatisiertem Unternehmen selbst, in Konkurrenz zu treten.

Könnte man Monopole nicht gut dazu verwenden, die heutigen Arbeitslosen und Sozial- (oder sonstige Hilfe)- Bezieher in Beschäftigung zu bringen? Wäre dies für die Gemeinschaft nicht billiger als der Steuerbeitrag für die Finanzierung der Hilfen?

Grüße, Rudolf

PS: warum ich diese Frage unter Logistik gestellt habe? Weil der Porto-Thread hierher verlegt wurde. Ein besseres Brett kenne ich nicht.

Monopole aber könnten durch die Regierung auch sozial
gestaltet werden und große Bevölkerungsgruppen in Brot und
Lohn bringen, ohne daß es der Gesamtbevölkerung allzu weh tun
würde.

Könnte man Monopole nicht gut dazu verwenden, die heutigen
Arbeitslosen und Sozial- (oder sonstige Hilfe)- Bezieher in
Beschäftigung zu bringen? Wäre dies für die Gemeinschaft nicht
billiger als der Steuerbeitrag für die Finanzierung der
Hilfen?

Hallo Rudolf,

die „soziale“ Gestaltung von Monopolen haben wir sattsam genießen dürfen. Sozial waren die Unternehmen allemal, wenn man darunter einen Parkplatz für ein gewaltiges Heer untätiger oder unwirtschaftlich arbeitender Menschen versteht. Kennst Du noch die Verhältnisse, als die Telekom zur Post gehörte und staatlich war? Der Bürger war nicht Kunde, sondern Antragsteller und hatte gemessen an heutigen Verhältnissen Freudenhauspreise für jeden Kleinkram zu bezahlen. Wie war das mit der gelben Post, als dort noch Beamte das Zepter führten? Grauslich! Trotz einem Jahrhundert Vorlauf mußten private Konkurrenten diesen Leuten zeigen, wie ein Zustellauto auszusehen hat, wie eine Logistik organisiert wird. Als Private längst jedes Paket innerhalb 24 Stunden an jeden Ort transportierten und zu jedem Zeitpunkt sagen konnten, wo sich die Sendung gerade befindet, schlurften beim Staatsmonopolisten Beamte durch die Gänge und suchten nach Paketen. Diese Monopole haben sich als asozial herausgestellt, weil das gesamte Gemeinwesen darunter leidet.

Wenn es nur darum ginge, Menschen zu versorgen, braucht man nicht hunderttausende von Amtsstuben warm zu halten. Dann kann man die Leute auch zu Hause lassen und ihnen Geld fürs Nichtstun überweisen. Die Volkswirtschaft kann sich solchen Unfug aber nicht leisten. Die in der Privatwirtschaft arbeitenden Menschen, die Dienstleistungen und Güter produzieren, müssen solches staatlich organisierte Schmarotzertum bezahlen. Was bitte soll daran sozial sein?

Wir haben nicht das Problem, daß es keine oder zu wenig Arbeit gibt. Die vorhandene Arbeit ist nur viel zu teuer. Damit jemand 1000 Euro bar auf die Hand ausgezahlt bekommt, muß der Betrieb etwa 2.500 Euro bezahlen. Was immer öffentlich-rechtlich organisiert ist, ist ein Faß ohne Boden und trotzdem permanent klamm, z. B. Krankenversicherungen, Rentenversicherung, Berufsgenossenschaften… .

Wir brauchen keine weiteren weichen Ruhelager. Wir brauchen aber das Bewußtsein, das die Leistungsfähigen unabhängig von ihrem Leistungswillen gefälligst etwas leisten müssen. Der überwiegende Teil der Bevölkerung bekommt heute Geld, weil der Monat zu Ende ist und nicht für abgelieferte erstklassige Leistung.

Gruß
Wolfgang

regulierte Monopole
Hallöchen.

Nach der langen Vorrede meine Frage: Warum reguliert man
Preise der Post?
Entweder beläßt man das Monopol (hat ja jahrzehnelang
geklappt) oder man überläßt es dem privatisiertem Unternehmen
selbst, in Konkurrenz zu treten.

Das Problem bei der Konkurrenz ist, daß die nicht bereit oder in der Lage ist, das kleinste Kuhdorf jeden Tag mit Post zu versorgen. Eine Konkurrenz, die sich auf die X größten Städte konzentriert, könnte viel günstiger anbieten. Dies wäre gegenüber der Post hochgradig unfair. Schließlich würde sie die kleinen Dörfer weiter bedienen müssen [1] und über kurz oder lang die Einwohner großer Städte an die ja billigere Konkurrenz verieren, somit noch teurer werden müssen usw.

[1] Müssen deshalb, weil es ja ihr Auftrag ist. Würde man diesen Auftrag streichen, würden die Kuhdörfer auch von der Post nicht mehr bedient werden. Dies wäre zwar der Gang der Marktwirtschaft und somit auch in Ordnung, wenn man nicht sagen würde, daß Post eine Dienstleistung ist, die alle Menschen im Lande in Anspruch nehmen können müssen.

Das gleiche Prinzip hat man auch bei den UMTS-Lizenzen angewendet. Man verlangt von den Anbietern, daß sie innerhalb von x Jahren y Prozent der Bevölkerung bedienen. Wenn das nicht so wäre, würden einige Gesellschaften in den 10 oder so größten Städten Masten aufstellen und hätten einen riesen Kosten- und damit Wettbewerbsvorteil ggü. denen, die allen das Netz zur Verfügung stellen müssen oder wollen. Auch hier wieder: Entweder regulierter Markt für alle oder billiger Service für die Bewohner der großen Städte.

Zum Thema Preise: Würde man die nicht regulieren, könnten sie a) zu niedrig sein, weil sie durch andere Bereiche der Post gesponsert werden würden. Sie könnten b) aber auch zu hoch sein, weil die Post derzeit noch ein Monopol hat, zumindest im Bereich deutschlandweiter Service bei kleinen Briefen.

Gruß
Christian

Danke für die Belebung meines Rentnerhirnes
Hallo Christian, Wolfgang und die anderen aus dem Briefportothread,

Eure Antworten haben mir gezeigt, wie man sich als Einzelner, ohne Fachkenntnisse bezüglich einer politischen Nachricht, in gedankliche Sackgassen verirren kann.

Christians Hinweis „…, daß Post eine Dienstleistung ist, die alle Menschen im Lande in Anspruch nehmen können müssen.“ führt zu Überlegungen, daß sich nicht ALLES durch Markwirtschaft erledigen läßt.

Wolfgang hingegen beschreibt sehr witzig aber absolut richtig die Zustände in konkurrenzlos geführten Organisationen. Besonders aussagekräftig ist auch sein letzter Absatz:

„Wir brauchen keine weiteren weichen Ruhelager. Wir brauchen aber das Bewußtsein, das die LEISTUNGSFÄHIGEN unabhängig von ihrem Leistungswillen gefälligst etwas leisten müssen. Der überwiegende Teil der Bevölkerung bekommt heute Geld, weil der Monat zu Ende ist und nicht für abgelieferte erstklassige Leistung.“

Nachzudenken bleibt, wie man die Leistungsfähigen zu einer Leistung bringen kann und den nicht zu dieser Gruppe gehörenden trotzdem ein würdiges Leben in unserer Gemeinschaft bieten kann.

Danke für Eure Antworten, damit kann ich meine wenigen, noch verbliebenen grauen Zellen ein wenig bewegen, eine Lösung werde ich aber nicht finden!

Grüße, Rudolf

Hallo Christian,

nur so nebenbei, ich habe noch nicht gehört, UPS eine Sendung abgelehnt hat, weil der Empfänger auf einem Kuhdorf wohnt.

Man kann ebenso allen Konkurrenten vorschreiben, dass sie überall hinzuliefern haben. Größere werden schon aus Eigennutz überall hinliefern (wie sollten sie auch ihren Kunden erklären, dass der eine Brief befördert wird, der andere aber nicht?)

Also dass ist definitiv nicht stichhaltig!

Grüße
Jürgen

Tag auch,

nur so nebenbei, ich habe noch nicht gehört, UPS eine Sendung
abgelehnt hat, weil der Empfänger auf einem Kuhdorf wohnt.

von Paketen war auch nicht die Rede. Ich meinte auch mehr den Briefddienst. Im übrigen hat UPS 1907 auch nicht mit der weltweiten Bedienung aller Orte weltweit begonnen. auch die derzeit existierenden privaten Dienstleister im Brifbereich, beschränken sich in der Tat auf einzelne Städte. Dies nur deshalb möglich, weil sie einen sog. Mehrwert für die Kunden leisten, z.B. garantierte Auslieferungszeiten, mehrfache Auslieferung täglich usw.

Man kann ebenso allen Konkurrenten vorschreiben, dass sie
überall hinzuliefern haben. Größere werden schon aus Eigennutz
überall hinliefern (wie sollten sie auch ihren Kunden
erklären, dass der eine Brief befördert wird, der andere aber
nicht?)

Ganz einfach: „Wir transportieren Briefe zwischen den 10 größten Städten, die Stadt XY gehört nicht dazu. Bitte wenden Sie sich an einen anderen Anbieter.“ Dürfte äquivalent sein mit: „Tut mir leid, wir führen keine Anchovis.“

Also dass ist definitiv nicht stichhaltig!

Das mag Deine Meinung sein, die ich jedoch nicht teile.

Christian

Tag zurück!

Was ist der Unterschied zwischen Paketen und Briefen? Das mußt Du mir jetzt doch erklären…

Und ob sich ein Dienst nach dem Motto: „Ich liefere nur von München/Ramersdorf nach Berlin/Kreuzberg“ durchsetzen kann, wage ich doch sehr zu bezweifeln. Für mich ist das ein kleiner Nischenmarkt, denn ich würde mir als Kunde nicht immer aufs neue überlegen wollen, mit wem ich jetzt meinen Brief befördert bekomme.

Aber wie Du schon sagst, dass ist meine persönliche und unmassgebliche Meinung (was sonst auch)…

Jürgen

Was ist der Unterschied zwischen Paketen und Briefen? Das mußt
Du mir jetzt doch erklären…

Für das eine bezahlt man 0,56 Cent, für das andere mehrere Euros. Für ein Paket kann man allein rein personalkostentechnisch schlichtweg weiter fahren als für einen Brief.

Und ob sich ein Dienst nach dem Motto: „Ich liefere nur von
München/Ramersdorf nach Berlin/Kreuzberg“ durchsetzen kann,
wage ich doch sehr zu bezweifeln. Für mich ist das ein kleiner
Nischenmarkt, denn ich würde mir als Kunde nicht immer aufs
neue überlegen wollen, mit wem ich jetzt meinen Brief
befördert bekomme.

Mit der Überlegung magst Du recht haben. Die Call-by-Callerei war anscheinend auf Dauer zu anstrengend, jedenfalls hält sich der Marktanteil der kleinen Anbieter m.W. immer noch in Grenzen.

Gruß
Christian

Gute Idee…
Hallo an Alle,

ich hoffe, ich muß das jetzt nicht wieder gesondert als Sarkasmus deklarieren, was so riecht:smile:

… das machen wir dann aber gleich mit allen Betrieben (verstaatlichen) und regulieren deren Preise und haben damit wieder Zustände wie zu Ostzeiten.

Ich denke, man sollte sich eher die Frage stellen, wie man auch so eine Institution wie einen Staat und dessen Ämtchen dahin überführen kann, daß nach Leistung abgerechnet wird.
Höchstwahrscheinlich wird an dieser Stelle die Lobby fehlen, die das durchzusetzen in der Lage ist.

Frank

Hallo Christian!

Das Problem bei der Konkurrenz ist, daß die nicht bereit oder
in der Lage ist, das kleinste Kuhdorf jeden Tag mit Post zu
versorgen. Eine Konkurrenz, die sich auf die X größten Städte
konzentriert, könnte viel günstiger anbieten. Dies wäre
gegenüber der Post hochgradig unfair. Schließlich würde sie
die kleinen Dörfer weiter bedienen müssen [1] und über kurz
oder lang die Einwohner großer Städte an die ja billigere
Konkurrenz verieren, somit noch teurer werden müssen usw.

Einerseits gab es die Privatisierungen, womit der Markt auch weiteren Anbietern offen sein muss, andererseits verfügen die ehemaligen Staatsunternehmen noch immer in vielen Teilen über ein Monopol. In die Bereiche Telefon, Post und Bahn als privater Anbieter einzudringen, fällt aufgrund der gewachsenen Strukturen und den Ex-Staatsunternehmen als Quasi-Monopolisten nicht leicht, zumal eben die Interessen des Staates als Grossaktionär eben keine ungewichtigte Rolle spielt.
   Wie sähe es denn aus, wenn wir die Post von der Verpflichtung entbinden, Briefe in abgelegene Bereiche zu tranportieren? Ich meine damit, dass bei der Bahn weniger Skrupel an den Tag gelegt wurde, unrentable Strecken stillzulegen, auch wenn davon viele Menschen betroffen waren und sie sich nach Alternativen umsehen mussten. Für die Bahn selbst sind nur noch die langen Strecken per ICE lukrativ.

Ist es nicht überhaupt ein grundsätzliches Problem - wenn man es als Problem sehen will -, dass sich alle und alles nach den grössten Potentialen ausrichtet? So etwa Politiker, die keine Meinung mehr vertreten, sondern nur dass, was am meisten anzukommen scheint; Telekommunikationsunternehmen, die Grosskunden Rabatte geben, von denen die Normalbürger nicht profitieren können; Trends entstehen nicht mehr, sondern werden künstlich mit viel Werbeaufwand gemacht, um eine möglichst grosse Gruppe mit Merchandisingprodukten zu überfluten.
   Wird es nicht beinahe schon als lästig angesehen, überhaupt noch individuelle Gruppen zu bedienen? Mir fallen da zum Beispiel Kaufhäuser ein, und ich habe bzw. hatte hier ein praktisches Beispiel direkt vor Ort. Früher traf man bisweilen noch Verkäuferinnen und Verkäufer an, die einem auch das verkauften, was man gar nicht haben wollte. Aber plötzlich schienen sie sich zu tarnen und waren von normalen Kunden kaum zu unterscheiden. Ja, und letztendlich musste man sich selbst auf die Suche nach diesen Leuten machen und traf sie bestenfalls an der Kasse an, von der sie natürlich nicht wegkonnten. (Das mitten im Städtchen gelegene Kaufhaus hat Ende des letzten Jahres geschlossen. Nicht wegen Verluste, sondern weil angeblich die Masse immer häufiger in das sehr nahgelegene, mit öffentlichen Verkehrsmitteln aber trotzdem nicht bequem erreichbare Einkaufszentrum strömen würden.) Neben Kaufhäusern fallen mir auch spontan Call-Centers ein. Als ich einmal bei T-Online anrief und ein Allerweltsproblem hatte, wusste der „Student“ am anderen Ende der Leitung die Antwort in seiner Fragen-Datenbank schnell zu finden; als jedoch eine Bekannte von mir dort einmal wegen eines spezielleren Problems anrief, war diesen anscheinend nicht „programmgemäss“, weshalb sie weiter und weiter verbunden wurde. Zum Schluss hatte sie ausser der Telefongebühr nichts aufzuweisen. Geholfen hat ihr dann ein Bekannter.

Natürlich weiss jeder Beispiele zu nennen… Ich möchte damit sagen, dass nicht alles eine Frage des Preises sein sollte, sondern auch eine Frage, ob bestimmte Veränderungen wirklich sinnvoll für eine Gesellschaft sind. (Man stelle sich vor, frühere Forscher hätten sich nur daran orientiert, ob ihre Erfindung oder Entdeckung bei der Masse ankommt und sie sofort verworfen, wenn es nicht so gewesen wäre.) Es wäre beispielsweise meiner Meinung wesentlich sozialer - oder nennen wir es: menschlicher -, gäbe es noch die besagten stillgelegten Bahnstrecken. Denn ich kann es mir nicht vorstellen, dass das, was seit mindestens einem halben Jahrhundert funktioniert hat, plötzlich zu teuer und damit unwirtschaftlich sein soll. Dafür würde ich auch einen Schaffner in Kauf nehmen, der mir nicht mit einem antrainierten Lächeln das Ticket entwertet.

Marco