Warenimport aus Thailand

Ich möchte für einen kleinen Laden hier in Deutschland Waren (Kunsthanwerk, Kleinmöbel, Schmuck, Textilien, Gebrauchsgegenstände usw.) in Bangkok einkaufen und per Spedition nach Deutschland schicken. Da ich dies zum ersten mal mache hab ich noch eine Reihe von Fragen:

  1. Ist bei den o.g. Warengruppen mit irgendwelchen Handelsbeschränkungen (z.B. für Textilien) zu rechnen? Wenn ja, wo könnte ich mich da im Vorfeld erkundigen?

  2. Werden für den Versand neben den Einkaufsquittungen noch andere Dokumente benötigt - mal von den Versandpapieren abgesehen, die üblicherweise von den Speditionen erstellt werden?

  3. Was ist bei Waren zu tun, für die ich keine Quittung habe, weil ich sie z.B. auf dem Markt gekauft habe? (Stichwort Proforma-Handelsrechnung)

  4. Kennt jemand eine nette Spedition bei der ich als Neuling und Kleinkunde gut aufgehoben bin und die neben den Schiffstransportleistungenen und Zollformalitäten in Bangkok auch Kurzzeitlagerservice anbietet und mir die Waren transportsicher verpackt? (Mein Favorit wäre derzeit Schenker.)

Vielen Dank schon mal im voraus.

Mathias

Hi,

wenn du Sc henker zu deinen Lieblings Spedi erkoren hast, dann stell denen doch mal deine Fragen. Dann bekommst du auch gleich einen Eindruck wie sie dich als „kleinen“ Kunden behandeln.

Nett sind auf jeden Falle alle Spedis … die einen mehr die anderen weniger :wink:

Viele Grüsse
Me

Hallo MeToo,

dann stell ich die Frage noch mal anders: Welche Speditionen sind denn besonders nett zu „kleinen Fischen“ ?

Gruß

Mathias

  1. Ist bei den o.g. Warengruppen mit irgendwelchen
    Handelsbeschränkungen (z.B. für Textilien) zu rechnen? Wenn
    ja, wo könnte ich mich da im Vorfeld erkundigen?

moin, bei einigen sachen ist tatsaechlich mit beschraenkung zu rechnen ( kontingent, artenschutz )
nachfragen kannst du bei der ihk und sehr konkret beim bundesausfuhramt.

  1. Werden für den Versand neben den Einkaufsquittungen noch
    andere Dokumente benötigt - mal von den Versandpapieren
    abgesehen, die üblicherweise von den Speditionen erstellt
    werden?

bei unbeschraenkten waren nicht, bei beschraenkten mit sicherheit - siehe oben.

  1. Was ist bei Waren zu tun, für die ich keine Quittung habe,
    weil ich sie z.B. auf dem Markt gekauft habe? (Stichwort
    Proforma-Handelsrechnung)

ohne ein stueck papier kannst du waren nur exportieren, wenn sie unterhalb der geschenkgrenze bleiben. darueber sollten schon verkaeufer, warenwert und eine genaue warenbeschreibung ersichtlich sein, weil der importspediteur das dann „tarifieren“ muss.

  1. Kennt jemand eine nette Spedition bei der ich als Neuling
    und Kleinkunde gut aufgehoben bin und die neben den
    Schiffstransportleistungenen und Zollformalitäten in Bangkok
    auch Kurzzeitlagerservice anbietet und mir die Waren
    transportsicher verpackt? (Mein Favorit wäre derzeit
    Schenker.)

wie mee too schon sagt: alle speditionen sind nett… solange du die deren job = transport machen laesst und nicht mit fragen kommst, die richtung unternehmensberater gehen… die wollen naehmlich auch leben.
erstzweise bist du aber mit solchen fragen auch sehr gut bei der ihk aufgehoben, weil die sich dann freuen, mal was anderes zu machen, als ein mitglied von der liste streichen zu muessen.

ich hoffe, du weisst, dass schenker eine tochter der deutschen bahn ist…

gruss
khs

Hallo karl-heinz schäfer,

vielen Dank für deine Tipps.

moin, bei einigen sachen ist tatsaechlich mit beschraenkung zu
rechnen ( kontingent, artenschutz )
nachfragen kannst du bei der ihk und sehr konkret beim
bundesausfuhramt.

Das werde ich als nächstes machen.

  1. Was ist bei Waren zu tun, für die ich keine Quittung habe,
    weil ich sie z.B. auf dem Markt gekauft habe? (Stichwort
    Proforma-Handelsrechnung)

ohne ein stueck papier kannst du waren nur exportieren, wenn
sie unterhalb der geschenkgrenze bleiben. darueber sollten
schon verkaeufer, warenwert und eine genaue warenbeschreibung
ersichtlich sein, weil der importspediteur das dann
„tarifieren“ muss.

Es geht mir hier hauptsächlich um Waren, die ich auf Märkten einkaufen will, wo die Verkäufer wahrscheinlich kaum schreiben oder lesen können, geschweige denn eine Rechnung ausstellen, mit der der deutsche Zoll etwas anfangen kann. Ich habe in einem Heftchen von UPS gelesen, dass man in solchen Fällen selber eine Proforma-Rechnung mit dem Zusatz „Value for Customs Purposes Only“ ausstellen kann.

Hat vielleicht jemand schon einmal Erfahrungen mit so einer Proforma-Rechnung gemacht?

wie mee too schon sagt: alle speditionen sind nett…
solange du die deren job = transport machen laesst und nicht
mit fragen kommst, die richtung unternehmensberater gehen…
die wollen naehmlich auch leben.

Ist schon klar. Ich will ja nur sicher gehen, dass die Spedition dann auch ihren Job machen kann. Wäre blöd, wenn ich mit meinen Waren dann bei der Spedition stehe und die mir sagen: Also für die 100 T-Shirts brauchen wir unbedingt noch das vom Hersteller ausgefüllte Formular X, bestätigt von der Behörde Y und abgestempelt vom Amt Z - sonst können wir das leider nicht befördern.

Auf meine Anfragen bei verschiedenen Speditionen,habe ich auch schon mal ne Absage mit der Bgründung bekommen, dass solche kleinen bunten Sendungen für die Spedition zu viel Ärger machen. Diesen Ärger will ich natürlich im eigenen Interesse minimieren.

ich hoffe, du weisst, dass schenker eine tochter der deutschen
bahn ist…

Solange die nicht krampfhaft versuchen, meine Waren mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Deutschland zu befördern, ist das für mich kein Ausschlussgrund. ;o)

Vielen Dank nochmal

Mathias

moin,

eine pro-forma-invoice wird meist ausgestellt, wenn

  1. kein geld fliesst - also wenn z.b. fa xyz eine edv-anlage in seine auslaendische filiale verbringt, und diese anlage kostenfrei ueberlassen wird

  2. wenn die offizielle rechnung zu kompliziert und unuebersichtlich ist. kannst dir sicherlich vorstellen, dass die rechnung ueber einen neutronenbeschleuniger mehrere wirre seiten umfasst, das liest sich dann auf einer einseitigen zusammengefassten pro-foma besser

  3. die offizielle rechnung noch gar nicht geschrieben ist, weil vielleicht da noch serviceleistungen eingerechnet werden muessen, etc…

eine pro-forma kannst du dir aber ueblicherweise nicht selbst an dich schreiben! textilien werden z.b. mit zoll belegt, und somit ist die versuchúng gross, den zollwert niedrig anzusetzen, um zoll zu sparen.

wenn du jedoch einen aussteller der rechnung brauchst, bedarf es wenigstens schon mal zwei parteien, zoll zu hinterziehen.

eine moeglichkeit WAERE, dass du ein schreiben vorbereitest, so mit dem wortlaut:

i herewith confirm that i have sold the following items… for a price of … to mr. xyz

EINIGE freundliche zollaemter wuerden das nach genauer erklaerung akzeptieren, aber das sollte gruendlich vorbereitet sein.

das schlimmste, wass dir dann naemlich passieren kann, ist, dass die are an einem deutschen flug/seehafen unverzollt lagert, und das ist richtig teuer!

ich wuerde wie folt vorgehen:

wenn du schon so gute connections nach thailand hast, such dir einen „partner“ mit existierender adresse , der offiziell fuer dich als exporteur auftritt.
das brief- und rechnungspapier kannst du bequem selbst auf deinem pc gestalten, nenn die firma blumig " east-west trade connections" , schaff dir nen stempel mit thailettern an, dann kannst du naemlich deine rechnungen doch selbst schreiben, und alles sieht gut aus…

gruss
khs

Hi,

mal ne doofe Frage. Hat der Zoll eigentlich noch die Möglichkeit den Warenwert anzuzweifeln und Diesen ggf. selbst zu schätzen bzw. festzulegen?

Norddeutsche Grüsse
Me

moin,
ja, hat er!
als computer noch zollpflichtig waren, gab es diverse leasingfirmen mit auslandsfilialen , die die damals faelligen 4,9% zoll einsparen/druecken wollten.

wir mussten dann einige male unterlagen anschleppen, um dem zoll zu belegen, dass die genannten werte korrekt waren.

die grossen hersteller ( ibm, cpx, emc, etc… ) hatten nur neupreislisten, und das problem war und ist, dass die restwerte bei edv-geraeten nach 2-3 jahren DRASTISCH unter dem neupreis liegen. daraufhin wurden dann „marktspiegel“ erarbeitet, die den gebrauchtmaschinenmarkt einigermassen abbildeten, und die das zollamt als grundlage fuer bewertungen nahm.

wie es heute ist, weiss ich nicht, da edv mittlerweile zollfrei ist, aber vorstellen kann ich mir schon, dass weiterhin interesse besteht, moeglichst viel zoll fuer den staat einzunehmen…

gruss
kuddel

Hallo,

vielen Dank erstmal für deine detailierte Antwort. Wäre ja zu schön gewesen, wenn das mit der Proforma-Rechnung so einfach gewesen wäre.

Das mit der fiktiven thailändischen Firma ist mir wohl doch noch etwas zu heiß aber wie sieht es denn mit folgendem Weg aus: Ich bereite schon mal Blankorechnungen vor. Auf dem Markt trage ich dann zusammen mit dem Verkäufer noch seinen „Firmennamen“, Adresse usw. und die ganzen Angaben zu den gekauften Waren nach und lasse mir das ganze vom Verkäufer unterschreiben, bestenfalls sogar abstempeln. Was denkst du, geht das beim Zoll durch?

Wenn die das nicht akzeptieren, schätzen die dann von sich aus den Wert und fertigen die Waren entsprechend ab oder fangen dann irgenwelche bürokratischen Spielchen an, wo die Verwaltungsgebühren am Ende den Streitwert um ein vielfaches übersteigen?

Gruß

Mathias

Hi,

ich antworte spät aber vielleicht hilft’s ja noch :smile:

  1. Ist bei den o.g. Warengruppen mit irgendwelchen
    Handelsbeschränkungen (z.B. für Textilien) zu rechnen? Wenn
    ja, wo könnte ich mich da im Vorfeld erkundigen?

Ja, kann unter Umständen sein daß Handelsbeschränkungen gelten. Es ist aber schwer dazu generell etwas zu sagen weil sowas immer sehr speziell für bestimmte Waren gilt und man da nicht so ohne weiteres allgemeine Aussagen drüber machen kann.

Vor allem bedenke aber daß Du Zoll und Einfuhrumsatzsteuer zahlen mußt. Gerade bei Textilien sind das oft 12% Zoll und nochmal 16% EuSt, beides muß teilweise auch auf die Lieferkosten geschlagen werden. Die Frage ist also was die Ware kostet und ob es sich für Dich lohnt das zu importieren. Womöglich ist es einfacher hier einen Großhändler zu finden und erst gar keine eigenen Importe organisieren zu müssen?

Ich würde mich bei der IHK erkundigen oder beim Zoll. Unter www.zoll.de findest Du entweder die nötigen Infos oder zumindest Ideen, wo man weiter nachfragen kann. Theoretisch kannst Du auch den EZT durchforsten, http://europa.eu.int/comm/taxation_customs/dds/cgi-b… ich denke aber daß Du dort „verloren gehst“ oder letztlich falsche Infos findest wenn Du damit nicht umzugehen weißt. Ohne Übung verliert man sich im Nirvana und sucht Positionen, die halbwegs zu passen scheinen - obwohl man vielleicht ganz falsch liegt.

  1. Werden für den Versand neben den Einkaufsquittungen noch
    andere Dokumente benötigt - mal von den Versandpapieren
    abgesehen, die üblicherweise von den Speditionen erstellt
    werden?

Du brauchst zwingend Handelsrechnungen. „Einkaufsquittungen“ im Sinne von Kassenbons oder Lieferscheine, auf denen kaum etwas steht, reichen da nicht.
Informiere Dich mal über „(Commercial) Invoice“, das sind Handelsrechnungen, und die dort nötigen Pflichtangaben.

  1. Was ist bei Waren zu tun, für die ich keine Quittung habe,
    weil ich sie z.B. auf dem Markt gekauft habe? (Stichwort
    Proforma-Handelsrechnung)

Ohne Rechnung geht es nicht, Proforma-Rechnungen gelten nur bei Muster- oder Geschenksendungen - das ist aber kein Ersatz für „richtige“ Handelsrechnungen bei Kaufgeschäften.

  1. Kennt jemand eine nette Spedition bei der ich als Neuling
    und Kleinkunde gut aufgehoben bin und die neben den
    Schiffstransportleistungenen und Zollformalitäten in Bangkok
    auch Kurzzeitlagerservice anbietet und mir die Waren
    transportsicher verpackt? (Mein Favorit wäre derzeit
    Schenker.)

Hmm, damit kenne ich mich nicht aus.

Gruß,

MecFleih

Hi,

Es gibt den GATT-Zollwert-Kodex, der nach wie vor so gilt. Der Zollwert einer Ware wird danach ermittelt - und zwar in dieser Reihenfolge:

  1. Transaktionswert der tatsächlich eingeführten Ware
  2. Transaktionswert gleicher Waren (nicht anwendbar wenn kein Zollwert für diese Ware aus dem Exportland vorliegt)
  3. Transaktionswert gleichartiger Waren
  4. Deduktive Methode (TW wird wird deduktiv aus dem Verkaufspreis in der EU errechnet)
  5. Errechneter Wert, errechnet aufgrund der Kalkulationsunterlagen des Exporteurs
  6. Schlußmethode durch Schätzung des Zollwertes.

Gruß,

MecFleih

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Hi Mathias,
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Simon

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