Re: Faust = Beispiel der Menschheit oder Übermensc
tags Yosemite!
ich denke, er fungiert eher repräsentativ für die möglichkeit des menschen, sich zu vergeistigen und die irrtümer bzw. verzweiflungen, die sich daraus ergeben können.
faust befindet sich zwischen mephisto und dem Herrn, d.h. er hat die rein fleischliche ebene überwunden, die des höchsten bewußtseins aber noch nicht erreicht und erhält dadurch seine prägende ambivalenz.
das ist, glaube ich, auch das dilemma, das goethe mit der gelehrten-, gretchen-, helena- und herrscher-tragödie beabsichtigt und gegen ende des 2.teils löst; faust kehrt sich da praktisch von dem hybrischen anspruch ab, in der menschlichen dimension erleuchtet zu werden und gibt sich einfach hin, so wie gretchen ihm intuitiv vorangegangen ist.
vielleicht bietet sich der begriff "übermensch" ja auch gar nicht so an, denn faust besitzt durchaus noch menschl. "defizite" und erliegt an sich oft genug der versuchung,- außerdem ist er ja praktisch dem fatum ausgeliefert, das mit dem prolog als große klammer des dramas definiert wird-und übermenschlichkeit erreicht er letztendlich erst durch die himmelfahrt-also doch vielleicht eher menschl. symbol für die möglichkeit des individuums, sich kraft seines intellekts zu einem an sich "edlen, hilfreichen und guten" menschen zu formen- also goethes idealvorstellung-sicher auch als projektionsfläche für goethes eigene unrast und ungenügsamkeit?
Laura
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