'Spannende' und 'seriöse' Literatur, etwas o.t.
Hallo, Alexander.
Ich habe mich schon lange nicht mehr geärgert beim Lesen auf www, heute schon. Der Ärger ist abgeklungen, jetzt der Versuch einer Antwort auf Dein Statement.
Ich weiß nicht ganz genau, was mit "seriösem" und "gewichtigem" Schreiben gemeint sein soll. Ich nehme an, es geht um eine Art Unterscheidung zwischen E- und U-Literatur!?
Wie kommt man bitte dazu, dass E-Literatur nicht auch spannend sein kann? Es ist zu vermuten, dass eine solche Meinung nicht unbedingt von jemandem kommt, der von deutschsprachiger Gegenwartsliteratur Ahnung hat. Die Bestsellerlisten z.B. im Spiegel (auf die ja schon in einem früheren Posting hingewiesen wurde) liefern immer wieder Beispiele für erfolgreiche deutschsorachige Literatur, die sehr wohl als "seriös" zu bezeichnen ist, in dem Sinn, dass da jemand 1. sein Handwerk beherrscht, 2. eine eigene Sprache hat und 3. Themen anzubieten hat. Wenn diese drei Dinge zusammentreffen, warum soll da keine "ernstes" Buch herauskommen können, das auch spannend, ja sogar unterhaltsam ist?
Zugegeben, die Mehrheit der Autoren, die am Markt sind, wird da nicht dazugehören. Aber das ist im englischen,spanischen oder sonstwo Raum nicht anders.
Ein Autor entscheidet sich meist nicht, ob er U- oder E-Literatur produziert. Wer für den E-Sektor taugt, wird sich mit U nicht zufrieden geben, und ein erfolgreicher U-Autor hat vielleicht nicht das Talent/Können, um E zu schreiben. Der einzige Unterschied ist vielleicht der, dass ein E-Autor zudem in den seltensten Fällen darüber entscheiden kann, ob er schreibt, oder nicht. Meistens ist das ein Muss. Und das ist nicht unbedingt ein Spass. Schreiben ist zu einem ganz großen Teil Handwerk, und nicht das lustigste. Mit "sich für einfacheres zu schade sein" hat das nichts zu tun.
Sowohl E- als auch U-Literatur haben ihre Berechtigung, ihre Leserschaft (siehe Bestsellerlisten), ihre Bedeutung. Ich will da in keiner Weise werten. Ich finde es nur ungerechtfertigt und irgendwie auch dumm, Sachen zu sagen wie:
Hierzulande ist man sich zu schade, Mainstream und
Unterhaltung (pfui!) zu schreiben oder zu produzieren. Man ist
lieber "seriös" und "gewichtig" als erfolgreich. Und wer
erfolgreich wird - über den fällt ganz schnell Misgunst und
Häme.
Ich könnte Dir reichlich Bücher nennen, die literarisch wertvoll und dennoch großartig zu lesen sind - die man durchaus nicht mehr aus der Hand legen will, abseits von Mankell und Rowling etc.
Grüße,
Elisabeth