Re: Literatur Epocheninfo
Hallo!
Lyrik ist häufig optisch gegliederte Prosa
Das klingt komplizierter,als es ist.
Prosa ist sozusagen Fließtext,wie du ihn in Romanen oder Kurzgeschichten oder Zeitungsartikeln findest.
Klassische Gedichte sind meist in Reimform geschrieben,die einzelnen Sätze (i.S.v. einzelnen Haupt-und Nebensätzen) laufen nur selten über mehrere Verse hinweg. Ein Beispiel wäre:
Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt'. (Eichendorff,Mondnacht)
Modernere Gedichte hingegen wirken teilweise,als sei ein durchgehender Prosasatz in Verse gebrochen worden (ein Lyriker verglich dies einmal mit zerbochenen und neu arrangierten Salzstangen). Beispiel:
Die ruhenden
flüchtig überteerten Straßenbahnschienen –
wieder ein Warten auf alte Zeiten
wie Rückkehr zum Handschriftlichen (Born,Horror,Dienstag)
Du merkst sicherlich den Unterschied? Die Verse des ersten Gedichtanfangs folgen einem bestimmten Rythmus,haben deutliche (gedachte) Pausen am Versende,ebenso wie gewisse Sinnabschnitte.
Beim zweiten Gedicht wirkt die Anfangsstrophe wie ein einzelner langer Prosasatz, der nur rein optisch in scheinbare Verse gebracht wurde,ohne deutliche Sinnabschnitte,ohne Rhytmus,ohne Metrik.
Genau das Letztere ist gemeint mit deinem Satz aus der Epochenübersicht.