Christliche Parteien?

Von: , Frage gestellt am Do, 4. Apr 2002

Hallo liebe Wer-wisssenden.

Ich beschäftige mich gerade auf Grund eines Schulprojektes mit einem kleinen inneren Zwiespalt.
Es geht dabei um ein Demokratieprojekt und Parteigründung und so weiter. Jedenfalls stolper ich über die Inhalte meiner Partei.
Als Christ kann ich nur eine Partei gründen, die mit Gott rechnet. Gewaltlosigkeit (als Beispiel) und vieles mehr funktioniert einfach nunmal nur mit Gottes Hilfe.
Nun kann ich mich aber nicht wählen lassen und dann über andere Menschen regieren, als gäbe es Gott. Denn das würde ja irgendwo deren Religionsfreiheit einschränken.
Andererseits frage ich mich auch, ob es nicht auf die gleiche Weise diese reihiet einschränkt, wenn man ohne Gott regiert.
Drum meine Frage:
Darf eine Partei religiösen Inhaltes sein und sich in ihrer Regierung auf einen Gott verlassen oder ist das verwerflich?
Immer vorausgesetzt, man kommt nicht auf so dumme Ideen und zwingt Menschen zur Religionsausübung bzw. behindert sie in ihrer individuellen.

Grüße,
Zwergenbrot

43 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 11 Stunden 2 hilfreich
    Re: Christliche Parteien?

    Hallo Zwergenbrot,

    also ich denke schon, daß es Probleme geben könnte. Wenn du ein fundamentalistisches Christentum vertrittst, würde deine Gruppierung vermutlich als verfassungsfeindlich eingestuft (z.B. wegen der Religionsfreiheit). Solange du dich als Christ aber mit dem GG einverstanden erklären kannst (und das tun ja etliche christliche Parteien hierzulande), sehe ich keinen Hinderungsgrund für eine Parteigründung. Christen sind Angehörige einer Interessensgruppierung wie jede andere auch und diese Interessen können sie in einer Demokratie auch einbringen. Alles weitere werden dann die Wähler entscheiden.

    Viele Grüsse,
    Lisa

  2. Antwort von nach 11 Stunden 0 hilfreich
    Versteh Dich nicht!

    Hallo!

    Also ich verstehe Dein Problem nicht. Hier in Deutschland gibt es zumindest die Christlich-Demokratische Union (CDU) und die Christlich-Soziale Union (CSU), die sich als christliche Parteien verstehen und staatstragende Parteien sind. Da hat sich auch noch niemand ernsthaft darüber beschwert, daß deren Politik die Religionsfreiheit beeinträchtigen würde. Außerdem beinhalten die Amtseide in der Bundesrepublik Deutschland die religiöse Beteuerung "So wahr mir Gott helfe" (kann aber auch weggelassen werden), worüber sich eigentlich nur beschwert wird, wenn einer diesen Zusatz wegläßt (wie unser Bundes-Gerd bei seiner Vereidigung).

    Gruß,

    Oliver

  3. Antwort von nach 11 Stunden 0 hilfreich
    Re: Christliche Parteien?

    Hallo Zwergenbrot, Nun kann ich mich aber nicht wählen lassen und dann über
    andere Menschen regieren, als gäbe es Gott.
    Wenn Du das tun willst, also in Verbindung bringst mit Deiner Parteigründung in spe, dann hast Du nach meiner Ansicht bei der christlichen Lehre einige Dinge falsch verstanden. Darf eine Partei religiösen Inhaltes sein und sich in ihrer
    Regierung auf einen Gott verlassen oder ist das verwerflich?
    Immer vorausgesetzt, man kommt nicht auf so dumme Ideen und
    zwingt Menschen zur Religionsausübung bzw. behindert sie in
    ihrer individuellen.
    Immer schön daran gedacht, dass in Deutschland eine strikte Trennung von Staat und Religion besteht.

    Viel Spaß beim Weitergrübeln,
    Jana

  4. Antwort von nach 12 Stunden 0 hilfreich
    Re: Christliche Parteien?

    Hallo Häuptling Darf eine Partei religiösen Inhaltes sein und sich in ihrer
    Regierung auf einen Gott verlassen?
    Meine Antwort auf diese Frage ist zunächst einmal ein erklärungsbedürftiges "Nein".

    Meine Begründung ist zunächst, daß beide Dinge (Glaube und Partei sein) unabhängig sein müssen.

    Der Glaube kann/darf niemandem aufgezwungen oder auch nur eingeredet werden. Der Glaube ist eine persönliche Sache zwischen Glaubendem und Gott, die anderen Menschen desselben Glaubens haben lediglich die Funktion eines Vermittlers.

    Das Ziel der Parteien ist es, an der politischen Willensbildung mitzuwirken, zumindest offiziell. Inoffiziell geht es natürlich um Machtbefugnisse und um die Fähigkeit als Vertreter für eine grosse Gruppe von Menschen zu fungieren.

    Benutzt man den Status der Partei dazu, den Glauben anderen Menschen aufzudrängen oder auch nur als Propagandamedium, dann ist das in meinen Augen nicht recht, da beide Zielstellungen nicht miteinander vermischt werden dürfen, nicht zuletzt wegen der sehr grossen Gefahr der Verquickung der Macht mit Glauben.

    Das bedeutet nicht, daß man als Christ nicht in einer Partei mitarbeiten kann (oder im Sinne der Demokratie sollte). Natürlich geht das nur, wenn der Rahmen, den die Partei vorgibt, nicht den Glaubensüberzeugungen widerspricht. Wenn man in seinem konkreten Handeln als Vertreter der Partei dann christliche Argumente vorbringt, dann muß klar sein, daß dies eine persönliche Auslegung ist. Das gilt sogar dann, wenn diese Auslegung eine Mehrheit in der Partei findet.

    Nur nebenbei bemerkt: Das "C" in CDU und CSU hat mit christlich ebensowenig zu tun, wie das "S" mit sozialistisch bei der SPD.

    Gruß
    Thomas

    • Antwort von nach 12 Stunden 0 hilfreich
      Nur nebenbei bemerkt...

      Nur nebenbei bemerkt: Das "C" in CDU und CSU hat mit
      christlich ebensowenig zu tun, wie das "S" mit sozialistisch
      bei der SPD.
      Nur nebenbei bemerkt: Nenn mich Korinthenkacker, aber das "S" in SPD steht auch nicht für sozialistisch, sonder für sozialdemokratisch. Und davon ist in der Politik der SPD zumindest mehr erkennbar als christliches in der CDU/CSU... -)
      Gruß,

      Doc.

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Nur ganz nebenbei bemerkt

      Hallo Thomas!

      Das "C" in CDU und CSU steht nun mal für "christlich" genauso wie das "S" in SPD für "sozialdemokratisch" steht. Ob die Politik genannter Parteien "christlich" oder "sozialdemokratisch" ist, hat damit nun rein gar nichts zu tun. Schein hat nicht immer was mit Sein zu tun.

      Liberale Grüße,

      Oliver

    • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
      Re^2: Christliche Parteien?

      Hallo Thomas,
      was das "C" in der CDU/CSU anbetrifft, mag folgende Geschichte ein bisschen beleuchten:
      Da gab's mal einen Abteilungsleiter bei Dornier, der am Jäger 90 massgeblich mitarbeitete und dieses und die politischen Hintergründe, die sich dabei zu erkennen gaben, mit seinem christlichen Glauben nicht mehr so richtig vereinbaren konnte. In einer Radio-Diskussion mit einem CDU-Bundestags-Abgeordneten, der ihn ziemlich zusetzte, dass er wohl nicht die richtige Einstellung habe, sagte dieser christliche Abgeordnete u.a. "dass die Bibel keine Grundlage für praktische Politik ist" (sinngemäss). Der Abteilungsleiter ist heute nicht mehr bei Dornier, der C-Abgeordnete im europäischen Parlament.
      Gruss, Stucki

  5. Antwort von nach 12 Stunden 0 hilfreich
    Ich danke Euch!

    Nach reiflichen Überegungen und dem Studium Eurer Artikel, habe ich zu einer Meinung gefunden.
    Dankeschön, für die Hilfe.

    Grüße,
    Zwergenbrot

  6. Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
    Re: Christliche Parteien?

    Hallo,
    Die christlichen Parteien in DE tragen das C im Namen, weil sich die Grundsatzprogramme der Parteien zu einer abendländischen christlichen Gesellschaft bekennen. Wobei ich hier ausdrücklich hinweise, dass ein Mitglied einer C-Partei genau so sozial wie ein SPD Mitglied Christ sein kann. Diese Begriffe in den Parteien gehend fliessend ineinander über. Dies betrifft auch andere Parteien. Ich beschäftige mich gerade auf Grund eines Schulprojektes mit
    einem kleinen inneren Zwiespalt.
    Es geht dabei um ein Demokratieprojekt und Parteigründung und
    so weiter. Jedenfalls stolper ich über die Inhalte meiner
    Partei.
    Als Christ kann ich nur eine Partei gründen, die mit Gott
    rechnet. Gewaltlosigkeit (als Beispiel) und vieles mehr
    funktioniert einfach nunmal nur mit Gottes Hilfe.
    Wir wollen mal die Sache Politik nicht aus der Sicht "Gott" betrachten. Es gibt hier einen ganz normalen Begriff. Achtung und Anerkennung der Menschenwürde des Einzelnen. Achtung und Anerkennung des Individiums. Achtung von Leben. Unsere Parteien im Bundestag haben diese Worte in den Programmen und es gibt auch Politiker, die diese Wort ernst nehmen. Eine Partei sieht dabei den Begriff freiheitlich, die andere sozial, die andere christlich oder als grüne Politik interpretationsfähig. Eine christliche Partei muss deshalb nicht deshalb gegründet werden, weil ich mit Gott rechne. Und wer das C im Namen führt hat keinen Anspruch auf Alleinvertretung christlicher Meinung. Ich wage ohnehin zu bezweifeln, dass Politik christlich, sozial, liberal, freiheitlich oder nur grün sein kann. Insoweit muss man im Prinzip jeder Partei dieses Werte zerkennen, lediglich dass die einzelner WEerte unterschiedlich stark representiert werden. Nun kann ich mich aber nicht wählen lassen und dann über
    andere Menschen regieren, als gäbe es Gott. Denn das würde ja
    irgendwo deren Religionsfreiheit einschränken.
    Andererseits frage ich mich auch, ob es nicht auf die gleiche
    Weise diese reihiet einschränkt, wenn man ohne Gott regiert.
    Drum meine Frage:
    Darf eine Partei religiösen Inhaltes sein und sich in ihrer
    Regierung auf einen Gott verlassen oder ist das verwerflich?
    Immer vorausgesetzt, man kommt nicht auf so dumme Ideen und
    zwingt Menschen zur Religionsausübung bzw. behindert sie in
    ihrer individuellen.

    Eine Partei kann religiöse Inhalte haben. Politik wird jedoch von Menschen auf der Erde gemacht. Sie können sich zwar an den 10 Geboten orientieren, sie dürfen sich auch auf Gott verlassen. Was soll hier verwerflich sein ?

    GRuss Günter



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