Antisemitismus

Von: , Frage gestellt am Fr, 31. Mai 2002

Moin Leute,

ich habe da ein Problem, daß meiner Meinung nach hier hin gehört und nicht ins Außlandsbrett.
Aufgrund der deutschen Geschichte im 3. Reich und der Behandlung der Juden in Europa davor, kann ich ja den Begriff Antisemitismus verstehen (so hoffe ich jedenfalls).
Als Spätgeborener, habe ich trotzdem immer Bedenken Israel zu kritisieren, aus der Befürchtung heraus hinterher als Antisemit dazustehen.
Zur Auslandspolitik eines beliebigen Landes kann man sich auch noch so stringend äußern, nur bei Israel nicht.
Letzendlich ist doch Israel auch "nur" Ausland wie hunderte andere Staaten auch.
Habe ich hier einen übergroßen Respekt vor der Geschichte ?

Gruß, Lutz

44 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 4 Stunden 3 hilfreich
    Re: Antisemitismus

    Hallo Lutz,

    bedauerlicherweise zeigte sich der Antisemitismus nicht erst im 3. Reich, sondern rührt schon aus der Zeit des Kaiserreiches her. In dieser Zeit wurden die grundlegenden antisemitischen Thesen "entwickelt", die Hitler später nahezu 1:1 kopierte und zur Grundlage seines verbrecherischen Handelns machte. Der nationalsozialistische Antisemitismus konnte daher auf Gedanken aufbauen, mit denen viele - vom Arbeiter bis zum Akademiker - damals aufgewachsen sind.

    Ich mache daher die große Verantwortung nicht nur an den Verbrechen des Nationalsozialismus fest, sondern auch an der erwähnten tiefen Verankerung antisemitischer Ideen im damaligen deutschen Volk. Für Gegenwart und Zukunft bedeutet dies für mich, daß es nicht dazu kommen darf, antisemitischen Thesen einen Stellenwert im heutigen Denken einzuräumen.

    Allerdings darf man eines nicht verwechseln: Kritik an Israel ist, sofern es sich um konkrete Kritik z.B. an der dortigen Regierungspolitik oder am Likud-Block handelt, nicht gleichzusetzen mit Antisemitismus. Wer das tut, übersieht, daß er/sie damit unglaubwürdig wird und somit eine Chance, gegen Antisemitismus aufzutreten, verspielt.

    Du brauchst also keine Bedenken zu haben, wenn Du konkrete israelische Politik kritisierst. Das muß möglich sein und ist auch möglich. Was nicht möglich ist, ist eine Pauschalisierung - wie z.B. "die Juden waren schon immer Aufwiegler, was die Geschichte gezeigt hat", "die Juden kommen mir in den Medien zu häufig vor". Dahinter stehen Gedanken einer generelle Abwertung einer bestimmten Gruppe von Menschen, und weil es sich auf "die Juden" bezieht, ist es Antisemitismus. Weil wir wissen, wohin solche Äußerungen führen können, dürfen sie keine Bedeutung für unser Handeln gewinnen - es sei denn, man geht dagegen an.

    Gruß,

    Oliver

    • Antwort von nach einem Tag 2 hilfreich
      Re^2: Antisemitismus

      Der Antisemitismus entstammt ursprünglich aus Rußland, (s. z.B.das Musical Anatevka). Rassenhass, gegen jemand bestimmten gerichtet, unterliegt keiner substantiellen Analyse, sondern ist lediglich ein blödes Nachäffen eines vorgefertigten Urteils.
      Wenn Du gerechtfertigte Kritik gegen politisches oder aggressives Handeln verurteilst, unterliegst Du natürlich keinesfalls einem grundlosen Nachäffen, sondern deiner rational/analytischen Meinung und die ist keineswegs antisemitisch, da sie nicht gegen eine Rasse, sondern gegen das Handeln von einigen Israelis gerichtet ist. Selbst in Isreal sind nicht alle Menschen mit den Aktivitäten ihrer Regierung einverstanden, sogar beim Militär gibt es inzwischen Verweigerer.
      Wärst du Antisemit, müßtest du auch gegen die opponierenden Isrealis ein Vorurteil haben und das ist wohl nicht der Fall.
      Aufgrund der Geschichte unterliegen die anständigen (!) Deutschen einem kollektiven, ererbten schlechten Gewissen.
      Während die wirklich Schuldigen kurioser Weise diesem nicht unterliegen, die unbelehrbaren Altnazis fühlen sich oftmals noch immer im Recht. Wenn die Isrealis so unsensibel sind und nicht begreifen, daß sie mit ihren ungerechtfertigten Antisemitismusvorwürfen lediglich bei den Falschen Wirkung erzielen und somit Wasser auf die Mühlen der wirklichen Antisemiten gießen, selbst ihre Freunde mit ihren Gegnern in einen Sack stecken, dann stehen sie eines Tages wirklich da, was sie jetzt lauthals kritisieren: ALLEIN! Kausal betrachtet: eigendynamisch und selbstinitiiert.
      "Mein ist die Rache" heißt es in der Bibel und im Vater Unser:
      "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!"
      Dies und nur dies allein ist die Chance für die Menschheit auf Frieden. Sei es der isrealisch-palästinensische Konflikt oder welcher auch immer. Solange Menschen von Rache, unterwürfigem schlechtem Gewissen etc. beherrscht sind, (was sich irgendwann ins Gegenteil drehen kann!), wird es keinen Frieden geben.
      Unsere Vorfahren haben Schuld auf sich geladen und Fehler gemacht, daraus muß man lernen, Schuld und Fehler anderer aus schlechtem Gewissen heraus zu tolerieren, ist kein Lernen, sondern ein "sichimkreisdrehen"!
      Es ist eine Welt und keine in verschiedene Rassen differenzierte!
      Wenn auch verschiedene Rassen darauf leben, atmen sie dieselbe Luft, lieben dieselbe Liebe, hassen denselben Hass...

      Gruss
      HC

      • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Antisemitismus

        Hallo!

        Was willst Du von mir?

        Gruß,

        Oliver

        • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Antisemitismus

          Nehme an, du meinst mich Oliver?
          Von dir natürlich nichts, habe meine Antwort auf den Titel nur unten angestellt. So läufts bei anderen Foren, des besseren Überblicks wegen. Ist etwas verwirrend manchmal, vor allem wenn man auf verschiedene statements antwortet und es liegt keine chronologische Reihenfolge vor.

          Grüss Dich
          HC [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

          • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
            Re^5: Irrungen und Wirrungen

            Hallo Humancrossing! So läufts bei anderen Foren, des besseren
            Überblicks wegen.
            Andere Foren - andere Sitten. Hier läuft´s so, daß Du Dich gern an den Artikel dranhängen darfst, zu dem Du etwas schreiben möchtest. Durch die Angabe des Datums des Postings ist gewähleistet, daß jeder nachvollziehen kann, in welcher Reihenfolge etwas geschrieben wurde. Andernfalls kommt es zu Irrungen und Wirrungen.

            Freundlicher Gruß,

            Oliver

      • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Antisemitismus

        und im Vater Unser:
        "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren
        Schuldigern!" [...] Solange Menschen von Rache, unterwürfigem
        schlechtem Gewissen etc. beherrscht sind, (was sich irgendwann
        ins Gegenteil drehen kann!), wird es keinen Frieden geben.
        merkst du nicht, daß du genau in dem fahrwasser argumentierst, gegen das sprechen willst? die gegenüberstellung des "vergebenden christentums" mit der "alttestamentarischen rache" ist ein klassisch antijudaistischer topos. ich unterstelle dir hier nichts, das soll nur ein hinweis sein.

        übrigens: eine schuld vergeben kann immer nur das opfer dem täter und sonst niemand, nichtmal gott.

        lehitraot.

        • Antwort von nach 5 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Antisemitismus

          merkst du nicht, daß du genau in dem fahrwasser argumentierst,
          gegen das sprechen willst? die gegenüberstellung des
          "vergebenden christentums" mit der "alttestamentarischen
          rache" ist ein klassisch antijudaistischer topos. ich
          unterstelle dir hier nichts, das soll nur ein hinweis sein.
          Ich bin kein religiöser Mensch, die Bibelstellen decken sich lediglich mit meiner persönlichen Philosophie. In welchem Fahrwasser? Das ist mir nicht ganz klar! Willst Du objektive Kritik mit sinnloser Rache in ein Fahrwasser stellen? Wer schweigt, der akzeptiert. Manchmal braucht man einen Input von Aussen, wenn die die Emotionen das klare Denken vernebelt haben. Vielleicht verstehst du was ich meine? Da geht es nicht um Aug um Auge, sondern um ein objektives Eruieren und ums Verhindern! übrigens: eine schuld vergeben kann immer nur das opfer dem
          täter und sonst niemand, nichtmal gott.
          Das ist ein Thema, das man nicht mit einem Satz beantworten kann.
          Was ist "Schuld" z.B.? Wann ist man schuldig? Wenn ich die Bibelstelle zitiere, dann deshalb, weil allein ein Einigsein mit sich selbst eine psychische Atmosphäre schafft, die eine ethische Existenz ermöglicht. Religiöse Menschen bedienen sich zu diesem Zweck eben der metaphysichen Gestalt Gottes, die über der menschlichen Unsicherheit steht! Schuld, im Sinne von "ein schlechtes Gewissen haben", kann man z.B. auch gegen sich selbst, gegen die Natur etc. Wer vergibt dann? Auch die Palästinenser/Isrealis, werden sich eines Tages selbst verzeihen müssen! Dann würden sie über so eine Geisteshaltung dankbar sein!
          Ich will jetzt aber nicht in die psychologische Kiste greifen, weil wir uns im Relibrett befinden.
          Auch will ich nicht die "Schuld" an diesem Konflikt den Israelis in die Schuhe schieben.
          Grüss Dich
          HC

          • Antwort von nach 5 Tagen 0 hilfreich
            Re^5: Antisemitismus

            hallo humancrossing, Ich bin kein religiöser Mensch, die Bibelstellen decken sich
            lediglich mit meiner persönlichen Philosophie.
            das macht nichts. denkmuster haben mit religion nichts zu tun. In welchem
            Fahrwasser? Das ist mir nicht ganz klar!
            du hast ein christliches gebet über die vergebung der schuld mit der rache gegenüber gestellt. das habe ich gemeint! vielleicht ist er dir nicht bewußt, aber das ist eins der motive aus denen sich antisemitismus speist. ich unterstelle dir nichts, ich will dich nur auf was hinweisen. Auch die
            Palästinenser/Isrealis, werden sich eines Tages selbst
            verzeihen müssen! Dann würden sie über so eine Geisteshaltung
            dankbar sein!
            welche geisteshaltung? die der feindesliebe und vergebung alles und jeden wahrscheinlich... halte ich für zu hoch gegriffen und bei der gegenwärtigen situation unrealistisch. Auch will ich nicht die "Schuld" an diesem Konflikt den
            Israelis in die Schuhe schieben.
            ich weiß. das habe ich schon richtig verstanden!

            grüße
            lehitraot.

            • Antwort von nach 5 Tagen 0 hilfreich
              Re^6: Antisemitismus

              du hast ein christliches gebet über die vergebung der schuld
              mit der rache gegenüber gestellt. das habe ich gemeint!
              vielleicht ist er dir nicht bewußt, aber das ist eins der
              motive aus denen sich antisemitismus speist. ich unterstelle
              dir nichts, ich will dich nur auf was hinweisen.
              Du meinst, daß Antisemitismus als Rache Gottes interpretiert werden kann o.ä.? Ich interpretiere das sicher anders, daß man Rachegelüste eben einer "göttlichen" Gerechtigkeit überlassen sollte. Das war mir dann wirklich nicht bewußt! Hab Dank für deinen Hinweis! :-)
              welche geisteshaltung? die der feindesliebe und vergebung
              alles und jeden wahrscheinlich... halte ich für zu hoch
              gegriffen und bei der gegenwärtigen situation unrealistisch.
              Greif nicht so hoch lieber lehitraot und nicht so weit, auf Selbsterkenntnis wollte ich hinaus. Wer sich und seine Motive erkennt, kommt nicht umhin, auch seine Mitmenschen zu verstehen, alles andere fügt sich eigendynamisch. Der menschliche Hass entspringt einem Trieb (Thanatos), dieser ist der eigentliche Feind, den es zu verstehen und beherrschen gilt. Antisemitimus etc. sind lediglich Projektionen der menschlichen Destruktivität.
              Wir können nur uns selbst ändern, nicht die Anderen und schon gar nicht mit Gewalt! Wer Gewalt säät, wird Gewalt ernten!

              Grüss Dich
              HC



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