[Christentum] Dämon - demon - daemon

Von: , Frage gestellt am Di, 20. Aug 2002

Hallo zusammen,

Es geht um Dämonen. In der Computerwelt ist daemon Umschreibung für hilfreiche, arbeitsame Hintergrundprozesse, die einem Dienste anbieten und diese ohne zu murren erfüllen.

Aaaaber - da kommt dieses Wort ja nun nicht her. Tja, aber was ist denn nun ein daemon? Gut, böse, dazwischen? Antichristlich? Im Zweifelsfall geht es um die Schreibweise "daemon", falls das einen Unterschied macht.

Hintergrund:
In der Mailingliste einer christlichen Hilfsorganisation kommt es vor, daß Mails von [E-Mail-Adresse entfernt] verschickt werden. Davon fühlt sich ein Mitglied dieser Liste als Christ gestört.

Auf http://www.freebsd.org/copyright/daemon.html wird ein für mich unproblematisches Bild des daemon vermittelt, so hab ich's immer verstanden und so sehe ich da auch kein Problem.

Wichtig: Es soll hier nicht darum gehen, daß man es doch einfach ändern kann, in [E-Mail-Adresse entfernt] o.ä. Falls das möglich ist, kann man das natürlich tun, damit sich eben keiner gestört fühlt. Es geht mir darum, ob die Vorbehalte gegenüber diesem Begriff mit Bezug auf das Christentum berechtigt sind bzw. wo sie herkommen.

Dank & Gruß,

Doc.

13 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
    Re: [Christentum] Dämon - demon - daemon

    Hallo,

    Sokrates (gest. 399 v. Chr.) nannte seine innere Stimme, die ihm sagte, was richtig bzw. falsch ist, sein "daimonion". In den modernen Platonübersetzungen wird das Wort meistens mit "Gewissen" übersetzt.

    Herzliche Grüße

    Thomas Miller

  2. Antwort von nach 2 Stunden 2 hilfreich
    Re: [Christentum] Dämon - demon - daemon

    Hi Doc,

    kenne mich mit der Sache zwar nicht so aus, habe aber extra fuer Dich mal 'n bisken gegoogelt. Und das kam dabei raus:

    Das Wort "Daemon" (auf griechisch "daimon") wurde urspruenglich ohne negative Wertung für eine Gottheit niederen Ranges oder ein Mittlerwesen zwischen der goettlichen und der irdischen Welt verwendet. Erst im Laufe der juedisch-christlichen Religionsgeschichte wurde der Begriff auf die negative Sphaere des Transzendenten eingegrenzt.

    Beitrag war auf den Seiten der Uni Tuebingen zu finden.

    Viele Gruesse
    tigger

  3. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    fundamentalistische Variante

    Hallo DocValde,

    im Kontakt mit fundamentalistischen Christen habe ich mitbekommen, daß dort Dämone als negative personale Kräfte gesehen werden, die den Menschen von G-tt abhalten wollen - als Mächte der Finsternis.

    Es gibt da richtige Dämonenhierarchien auch Dämonen, die für bestimmte Länder verantwortlich sind oder Dämonen des Islam etc.

    In diesem Konzept bedeutet es dann auch, wenn man Dämonen erwähnt, daß man ihnen Macht gibt. Deswegen ist schon - nach dieser Anschauung - die Erwähnung von Dämonen oder daß man etwas nach ihnen benennt - ein Akt ihnen Macht zu geben.

    Viele Grüße

    Iris

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re: fundamentalistische Variante

      So in der Art wurde es auch dort begründet... Denkst Du, daß das tatsächlich schon fundamentalistisch ist? Der betreffende Schreiber verwehrte sich gegen meinen Ausdruck "Hardcore-Christentum" in diesem Zusammenhang...

      Dank & Gruß,

      Doc [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Was ist fundamentalistische Weltsichtl?

        Hallo Doc, So in der Art wurde es auch dort begründet... Denkst Du, daß
        das tatsächlich schon fundamentalistisch ist? Der betreffende
        Schreiber verwehrte sich gegen meinen Ausdruck
        "Hardcore-Christentum" in diesem Zusammenhang...
        Wer wird schon gern Hardcore-Irgendwas genannt ;-)

        Ich persönlich habe mehr Kontakt und arbeite mehr mit liberalen Christen zusammen und die sehen diese Gruppen, in denen diese Ideologie vertreten wird, auch als "fundamentalistisch" an.

        Ich will mich nicht in innerchristliche Belange einmischen. Das steht mir nicht zu. Warum ich diese Gruppen, die auch sehr sektiererische Züge haben, für fundamentalistisch halte, hat folgende Gründe:

        1. Sie haben ein in sich geschlossenes Weltbild, das in keinem Detail in Frage gestellt wird und werden darf.

        2. Alles wird mit Bibelzitaten belegt, aber es gilt nur das Bibelverständnis der Gruppe, denn:

        3. Sie sind vom heiligen Geist erfüllt und haben eine höhere Erkenntnisebene als diejenigen, die nicht diesen Gruppen angehören. Das läuft darauf hinaus, daß Du oder ich

        4. nicht mit ihnen auf gleicher Ebene diskutieren können.

        Wenn es also beispielsweise um Fundamentalismus im Islam geht, gibt es für mich ganz unterschiedliche Erklärungsansätze.
        Für angehörige dieser Gruppen (das sind z.B. charismatische Freikirchen aber auch der charismatische Zweig der Landeskirchen wie etwa Gruppen der GGE = geistliche Gemeindeerneuerung in der evangelischen Kirche) sind ökonomische, politische, soziale Erklärungen überflüssig oder völlig zweitrangig, denn für sie ist es eben der "Geist des Islam" (gemeint ist ein personales Dämonenwesen), der dem Satan als höchsten von den "Mächten der Finsternis" untersteht, unter dessen Herrschaft die islamischen Länder stehen.

        Ihr Lösungsansatz ist dann, daß sie sich in Gruppen treffen, fasten und dagegen beten. Solche "Befreiungsgebete" oder "Befreiungsdienst" gibt es dann auch für Individuen, denn auch Homosexualität oder psychische Krankheiten können nach Ansicht dieser Gruppen dämonisch bedingt oder mitbedingt sein.

        Hitler und das 3. Reich wird übrigens auch auf dieser Schiene erklärt, deswegen bin ich mit solchen Leuten auch näher über dieses Thema ins Gespräch gekommen.

        Interessant war für mich auch, daß bei diesen Erklärungen hauptsächlich Bezug auf Bibelstellen aus der Torah genommen werden. Andere Auslegungsmöglichkeiten dieser Stellen lehnen sie völlig ab. Man könne die Bibel nur richtig auslegen, wenn man an Jesus als persönlichen Retter angenommen hat und deshalb mit den heiligen Geist erfüllt sei.

        Bei Leuten, die das nicht sind, erübrige sich eine solche Diskussion.

        Wenn das nicht fundamentalistisch ist, was ist es dann?

        Viele Grüße

        Iris

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^2: fundamentalistische Variante

        hallöchen,

        Also gut, wahrscheinlich trete ich damit einigen Leuten auf den Schlips, aber egal... So in der Art wurde es auch dort begründet... Denkst Du, daß
        das tatsächlich schon fundamentalistisch ist? Der betreffende
        Schreiber verwehrte sich gegen meinen Ausdruck
        "Hardcore-Christentum" in diesem Zusammenhang...
        Ich denke nicht unbedingt, daß es was mit "fundamentalistisch" zu tun hat. Für micht klingt das lediglich ein bißchen nach der bei Religionsanhängern öfter mal anzutreffenden Engstirnigkeit.

        Und zwar in dem Sinne, daß nur die eigene Meinung akzeptiert wird und jeder andere mehr oder weniger aufdringlich eigentlich dazu genöigt wird, sich entsprechend zu verhalten bzw. vielleicht sogar die (angeblich reinere, bessere oder was auch immer) Meinung anzunehmen.

        Ich hatte mal eine recht heftige Diskussion mit einer Christin die mich gleich in die Hölle schicken wollte, weil ich mehr in Richtung Buddhismus oder Zen tendiere und auch so was wie Erleuchtung für möglich halte...

        Aber um wieder auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Ich würde dem Herrn zunächst mal zeigen, daß es auch andere Sichtweisen eines Dämons geben kann und seine nicht unbedingt die allein gültige ist. Und falls das nicht fruchtet, bleibt es ja immer noch den Beteiligten überlassen, in wie weit sie Rücksicht auf die Empfindungen anderer nehmen, oder auch nicht, hehe :-)

        Schönen Tag noch,

        Stephan

  4. Antwort von nach einem Tag 2 hilfreich
    Re: [Christentum] Dämon - demon - daemon

    Hallo Doc, Aaaaber - da kommt dieses Wort ja nun nicht her. Tja, aber was
    ist denn nun ein daemon? Gut, böse, dazwischen?
    Antichristlich? Im Zweifelsfall geht es um die Schreibweise
    "daemon", falls das einen Unterschied macht.
    Der Begriff Dämonen wurde in seinen griechischen Ursprung her neutral verwendet. Im christlichen Kontext bekam es eine sehr negative Wertung. Hier bezieht sich der Begriff auf Geistgeschöpfe, die auf der Seite des Teufels stehen. Man könnte hier vom bösen Pedant zu den Engeln sprechen.

    Nichtsdestotrotz wird der Begriff nicht nur in der Computertechnik sondern auch in der Physik verwendet. Man denke an den Laplace- und den Maxwell-Dämon.

    Wer sich in der Computertechnik auskennt, weiss, dass der Begriff wertneutral gemeint ist.
    Meine persönliche Meinung ist, dass man nichts verliert wenn man auf diesen Begriff als Absender verzichtet.

    Gruß
    Carlos


    Anhang: Auszug aus dem Buch Einsichten in die Heilige Schrift vom Wachturmverlag.

    Ein unsichtbares böses Geistgeschöpf, das übermenschliche Kräfte besitzt. Das gebräuchliche griechische Wort für Dämon (dáimon) ist nur einmal in den Christlichen Griechischen Schriften zu finden, und zwar in Matthäus 8:31; an anderen Stellen erscheint der Ausdruck daimónion. Der griechische Begriff für "Geist", pneuma, wird zuweilen auf böse Geister oder Dämonen angewandt (Mat 8:16). Er wird auch manchmal durch Wörter wie "böse", "unrein", "stumm" oder "taub" näher bestimmt (Luk 7:21; Mat 10:1; Mar 9:17, 25; siehe GEIST [Geistpersonen]).

    Die Dämonen als solche wurden nicht von Gott erschaffen. Der erste, der sich zu einem Dämon machte, war Satan, der Teufel (siehe SATAN), der der Herrscher anderer Engelsöhne Gottes wurde, die sich ebenfalls selbst zu Dämonen gemacht hatten (Mat 12:24, 26). In den Tagen Noahs verkörperten sich ungehorsame Engel, heirateten Frauen, brachten ein Bastardgeschlecht, Nephilim genannt (siehe NEPHILIM), hervor und entmaterialisierten sich dann, als die Flut kam (1Mo 6:1-4). Nach ihrer Rückkehr in den geistigen Bereich gelangten sie jedoch nicht wieder in ihre ursprüngliche erhabene Stellung. In Judas 6 heißt es: "Die Engel, die ihre ursprüngliche Stellung nicht bewahrten, sondern ihre eigene rechte Wohnstätte verließen, hat er mit ewigwährenden Fesseln unter dichter Finsternis für das Gericht des großen Tages aufbehalten." (Siehe 1Pe 3:19, 20.) In diesem Zustand dichter geistiger Finsternis können sie nur noch beschränkt wirken (2Pe 2:4). Allem Anschein nach können sie sich nicht mehr verkörpern, sind aber trotzdem noch sehr mächtig und in der Lage, großen Einfluß auf den Geist und das Leben gewisser Menschen auszuüben. Sie sind sogar imstande, von Menschen und Tieren Besitz zu ergreifen, und die Tatsachen zeigen, daß sie auch von unbelebten Dingen wie Häusern, Fetischen oder Amuletten Gebrauch machen (Mat 12:43-45; Luk 8:27-33; siehe BESESSENHEIT [DÄMONEN]).
    ...

    Der biblische Gebrauch des Wortes "Dämon" ist eingeschränkt und spezifisch, verglichen mit den Vorstellungen der alten Philosophen und der Art und Weise, wie es im klassischen Griechisch verwendet wird. Diesbezüglich heißt es in dem Theologischen Wörterbuch zum Neuen Testament, herausgegeben von G. Kittel (Bd. II, 1935, S. 9): "Der Bedeutungsumfang dieses Adjektivs [daimónios] zeigt die besprochene Eigenart der griechischen Dämonenvorstellung aufs Deutlichste, denn es bezeichnet alles außerhalb des menschlichen Vermögens Liegende, das auf die Eingebung höherer Mächte zurückgeführt wurde, im Guten wie im Bösen. . . . [To daimónion] ist bei vorchristlichen Schriftstellern in der Bedeutung des ,Göttlichen' zu belegen." Bei einem Wortwechsel mit Paulus schlußfolgerten einige epikureische und stoische Philosophen: "Er scheint ein Verkündiger ausländischer Gottheiten [gr.: daimoníon] zu sein" (Apg 17:18).

    Als Paulus zu den Athenern sprach, gebrauchte er eine Zusammensetzung des griechischen Wortes dáimon: "Ihr [scheint] . . . mehr als andere der Furcht vor Gottheiten hingegeben zu sein [gr.: deisidaimonestérous; Vulgata: "abergläubischer"]" (Apg 17:22). Über dieses zusammengesetzte Wort erklärt F. F. Bruce in einem Kommentar: "Der Kontext muß entscheiden, ob dieses Wort in positivem oder negativem Sinne verwandt wird. Es war tatsächlich genauso ungenau wie ,religiös' im Eng[lischen], und an dieser Stelle übersetzt man es am besten mit ,sehr religiös'. Aber das Wort ,abergläubisch' in der King-James-Bibel ist nicht völlig falsch; für Paulus beruhte ihre Religion hauptsächlich auf Aberglauben, und ebenso war sie es, zwar aus anderen Gründen, für die Epikureer" (The Acts of the Apostles, 1970, S. 335).

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: [Christentum] Dämon - demon - daemon

      Hallo Carlos Meine persönliche Meinung ist, dass man nichts verliert wenn
      man auf diesen Begriff als Absender verzichtet.

      Doch das tut man - und zwar verliert man dadurch die Achtung und das Vertrauen seiner nicht-christlichen Umwelt und beschmutzt damit - als Repräsentant des Christentums - das Ansehen Gottes.

      Wichtig dabei ist es, Glaube und Aberglaube zu differenzieren. Dass es Dämonen gibt, ist eine Sache des Glaubens, damit werden sich auch unsere nicht-christlichen Freunde abfinden können. Dass Dämonen aber dadurch, dass man das Wort wertneutral in einem technischen Umfeld verwendet, Macht über uns gewinnen, ist nicht nur Aberglaube, sondern widerspricht auch dem biblischen Zeugniss.

      Gruss
      Thomas

      • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: [Christentum] Dämon - demon - daemon

        Hallo Thomas Meine persönliche Meinung ist, dass man nichts verliert wenn
        man auf diesen Begriff als Absender verzichtet.
        Dass Dämonen aber dadurch, dass man das Wort
        wertneutral in einem technischen Umfeld verwendet, Macht über
        uns gewinnen, ist nicht nur Aberglaube, sondern widerspricht
        auch dem biblischen Zeugniss.
        Das behaupte ich ja nicht. Ich verlange es ja auch nicht. Meinen Arbeitskollegen gegenüber habe auch ich diesbezüglich niemals etwas erwähnt (ich verwende selber einen CratePrintserver-"Daemon"). Der Punkt um den es geht, ist Rücksicht auf die religiösen und ethischen Gefühle von Mitmenschen zu nehmen.
        Aus dem gleichen Grund würde ich empfehlen auf eine Bezeichnung wie "babykiller-script" oder "Buddha-procedure" zu verzichten. Es kostet doch nichts eine andere Bezeichnung zu wählen, falls man im Zweifel ist. Und ein Blöse würde man sich auch nicht geben.

        Gruß
        Carlos



Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!