auch Hölle....

Von: , Frage gestellt am So, 29. Sep 2002

woher haben die Christen die Idee der Hölle her?
Wenn das stimmt, was Eli, Ines... schreiben (und ich zweifele nicht daran), so kennt das Judentum keine Hölle. Schon gar keine mit brodelndem Pech, mit Feuer usw.
Überhaubt scheint mir diese Idee ziemlich einmalig zu sein. Ich kenne nur nich den Islam, der eine Hölle sich vorstellt. Aber auch anders.
Also, wie kamen die Christen darauf, wann kamen sie darauf?
Grüße
Raimund

43 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 47 Minuten 0 hilfreich
    Re: auch Hölle....

    Hallo
    Nicht nur die Christen und der Islam kennen die Bestrafung nach dem Tode .
    In manchen Religionen in welchen von der Wiedergeburt die Rede ist , kommt der "Sünder" wiedergeboren in eine niedrigere Lebensform , also als Tier .
    Erst der perfekte Mensch kommt ins Nirvana , eine Art Himmel .

    Im übrigen vermute ich eine Art pädagogische Maßnahme .
    MfG [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Re^2: auch Hölle....

      hallo Matthias,
      wiedergeburt hat nichts mit Hölle zu tun. Nur weil Dir es Angst macht, z.B. als Schwein wieder auf die Welt zu kommmen :), muss das nichts mit Hölle zu tun haben.
      Nein, eine Hölle kennen meines Wissens nur die Christen und die Moslem. Wobei ich sagen würde, dass Mohammed das von den Christen hat.
      Grüße
      Raimund

  2. Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
    Re: auch Hölle....

    Hallo Raimund, woher haben die Christen die Idee der Hölle her?
    ich tippe mal auf die griechische Mythologie.

    Erinnere mich an eine Geschichte von Tantalus und Sisyphos.

    Jesus erzählte auch eine Geschichte von einem Toten, der behauptete, er leide "Qual in dieser Flamme." (Luk.16,19-31)

    Gruss Harald

  3. Antwort von nach 7 Stunden 4 hilfreich
    Höllengeschichte

    Hi Raimund

    Unterwelten gibt es in allen Mythologien, in denen die weltweit verbreitete ursprünglich zweizählige kosmogonische Symmetrie "Himmel & Erde" in eine dreizählige Kosmologie verwandelt wurde: "Himmel & Erde (der Lebensraum) & Unterwelt". Diese findet aber ebenfalls weltweit, vor allem im westeuropäischen, vorder-, ost- und nordasiatischen Raum. Meist ist die Unterwelt dann der Aufenthaltsort der Toten. Das Hauptattribut dieser Unterwelt ist zunächst die Dunkelheit, die in frühsemitischen (tamtu, tiamat, tehom) und im ägyptischen Raum aber schon kosmogonisch verankert ist.

    So ist sowohl semitisch scheol, griech. erebos ("Dunkelheit"), abyssos (Tiefe), haides ("d. Unsichtbare", Hades, ist verkürzter Ausdruck für 'Haus des Hades'), tartaros, lat. infernum ("Tiefe") zunächst lediglich ein "dunkler" Aufenthaltsort der Toten. Ebenso ist die altnordische hel, gotisch halja, die eine Verräumlichung der Göttin hel (Tochter des Loki) ist, und das mit ihr parallelisierte niflheim ("Schattenreich"), in dem die hel die (auf dem Lande) Gestorbenen festhält, nur dunkel (Letzteres allerdings auch kalt).

    Ideen eines Ortes der Qualen, bei denen sadistische Dämonen und vor allem Feuer eine Rolle spielen, kommen dann aus der ägyptischen Mythologie einerseits und aus der babylonischen andererseits zuerst (in vereinzelten Zitaten) in die israelitisch-jüdische Mytho- und Dämonologie, dann (wohl über andere Wege, wahrscheinlich Alexandria) in die urchristliche, wo sie sich zunächst bei den Synoptikern (Matthäus, Lukas) und in der sog. Johannes-Apokalypse, später in der sog. Petrus-Apokalypse (die übrigens in Ägypten entstanden ist) niederschlägt. Die neutestamentlichen Bezeichnungen scheol, haides, gehenna (aus dem arabischen entlehnt) werden dort bereits verfremdet bzw. zweckentfremdet verwendet, ebenso wie ja auch die Bezeichungen diabolos, daimon, satan, beelzeboul, beelzeboub. Aus diesen (ägyptischen und babylonischen) Quellen kommen auch Vorstellungen über die "Dschehenna" der islamischen Welt, wo sie mit orientalischer Phantasie angereichert ausgemalt werden.

    Die späteren christlichen Höllenphantasien der europäischen Dichtung (z.B. der Heliand) bekommen ihre Ausprägung vor allem durch die Petrus-Apokalypse, von der sich ja auch Dante in seiner Beschreibung des "Inferno" inspirieren ließ. In der althochdeutschen Literatur kommt vor allem das (siedende) Pech dazu. Der Schwefel hat sicher andere Quellen, die ich in der "Teufelsgeschichte"
    http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...
    unter der Herkunft des Namens "Mephistopheles" schon erwähnte.

    Grüße

    Metapher

    • Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
      Re: Höllengeschichte

      hallo Metapher
      mal wieder eine erschöpfende Erklärung!
      Danke!
      Grüße
      Raimund

  4. Antwort von nach 14 Stunden 0 hilfreich
    Re: auch Hölle....

    Hallo Raimund Also, wie kamen die Christen darauf, wann kamen sie darauf?
    Grüße

    Meines Erachtens haben die Juden keine Vorstellung von Hölle, weil sie das Konzept "Auferstehung" zumindest im alten Testament nur ansatzweise entwickelt hatten (ich kann jetzt nichts über eventuell neuere Entwicklungen sagen). Die jüdische Heilslehre bezog sich schon immer konkret auf die politisch/religiöse Freiheit des Volkes Israel und ein Weiterbestehen einer Person wurde im wesentlichen in seinen Nachkommen gedacht.

    Mit dem neuen Testament nimmt das Thema Auferstehung aber eine zentrale Position ein und damit auch die Idee von Seligkeit/Verdammnis.

    Meines Erachtens hat sich die christliche Höllenvorstellung dann durch die Vorstellungen in den germanischen Völkern (ewiges Saufgelage versus ewiger Sklave) gepaart mit den sich entwickelnden Missionsmethoden (Mission durch Drohung und Angst-machen) herausgebildet. Dazu hat man dann einzelne Bibelstellen in diesem Gedankenzusammenhang interpretiert.

    Während das Thema Erlösung/Verdammnis auch heute noch aktuell ist, haben sich die dahinterliegenden Bilder gewandelt.

    Gruß
    Thomas

    • Antwort von nach 18 Stunden 0 hilfreich
      Erachten?

      Meines Erachtens hat sich die christliche Höllenvorstellung
      dann durch die Vorstellungen in den germanischen Völkern
      (ewiges Saufgelage versus ewiger Sklave) gepaart ...
      Wie ich ja unten schon beschrieb, sind christl. Ausmalungen von "Hölle" natürlich Synkretismen, deren Geschichte durchaus im Einzelnen nachgezeichnet werden kann, wie die des "Teufels" ja auch. Aber woher - zum Teufel - hast du dein "Erachten" von ewigen Saufgelagen und ewigen Sklaven bei den germanischen Völkern?

      *neugierig*

      Metapher

      • Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
        Re: Erachten?

        Hallo Metapher Aber woher - zum Teufel - hast du dein "Erachten" von
        ewigen Saufgelagen und ewigen Sklaven bei den germanischen
        Völkern
        ?

        *neugierig*
        Ich gebe ja zu, kein wirkliches Know How zu haben, aber das habe ich aus den Beschreibungen der germanischen Glaubenswelt.

        Dort gab es die Vorstellung von "Wotans Halle", in die die Helden eingehen (insbesondere nach heldenhaftem Kampf) und in denen das gemacht wird, was sich unsere germanischen Vorfahren als Inbegriff der Seligkeit vorgestellt haben und was ich mit "Saufgelage" bezeichnet habe.

        Die ungeliebten Feinde waren in diese Vorstellung auch eingebunden und mussten bei Tisch bedienen, eine typische Tätigkeit der Sklaven.

        Gruss
        Thomas

  5. Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
    Hölle ist ein Bewusstseinszustand.

    Hallo zusammen,

    Die Symbolik des Ausdrucks Hölle ist ein Bewusstseinszustand – genau so wie der Ausdruck Himmel. Ein Mensch in diesem Zustand fühlt sich höllisch oder himmlisch.

    Dieser „höllische“ Bewusstseinszustand kommt VOR dem Tod des persönlichen ICH.
    Das hat also nichts mit einem körperlichen Tot zu tun (NACH dem man in die Hölle kommt), sondern mit dem Tod einer geistigen Vorstellung vom persönlichen ICH.

    Bibel: ... und wenn ich auch wandere durch finsteres Tal ...
    Auch die Leidensgeschichte Jesu – symbolisiert diesen höllischen Zustand vor dem Tod des ICHbewusstseins (Jesus). Der PERSÖNLICHE Gott – Jesus – muß sterben, damit der UNPERSÖNLICHE Gott – Christus – auferstehen kann.

    Der Mensch dringt GEISTIG in sein tiefstes Unterbewusstsein – darum auch in den alten Mythen als Unterwelt bezeichnet. In diesem Unterbewusstsein schlummern die verdrängten und verborgenen (getöteten) Ängste des Menschen, die jetzt zu Tage (ins Bewusstsein) treten.
    In diesem „höllischen“ Zustand werden dem Menschen seine tiefsten und verborgensten Ängste bewusst – die er eben noch überwinden muß.

    Gleiches symbolisiert auch Plato bei seinem Höhlenbeispiel – wenn er vom LICHT wieder in die Höhle zurück gezwungen wird = Dunkelheit. Der „sieht“ die irdische Welt (Höhle) dunkel, schlecht, ekelhaft – mit Angst und Schrecken.

    Hölle ist also ein Bewusstseins – ZUSTAND.

    Mit freundlichen Grüßen

    Demetrius [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]



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