Hi Raimund
Unterwelten gibt es in allen Mythologien, in denen die weltweit verbreitete ursprünglich zweizählige kosmogonische Symmetrie "Himmel & Erde" in eine dreizählige Kosmologie verwandelt wurde: "Himmel & Erde (der Lebensraum) & Unterwelt". Diese findet aber ebenfalls weltweit, vor allem im westeuropäischen, vorder-, ost- und nordasiatischen Raum. Meist ist die Unterwelt dann der Aufenthaltsort der Toten. Das Hauptattribut dieser Unterwelt ist zunächst die Dunkelheit, die in frühsemitischen (tamtu, tiamat, tehom) und im ägyptischen Raum aber schon kosmogonisch verankert ist.
So ist sowohl semitisch scheol, griech. erebos ("Dunkelheit"), abyssos (Tiefe), haides ("d. Unsichtbare", Hades, ist verkürzter Ausdruck für 'Haus des Hades'), tartaros, lat. infernum ("Tiefe") zunächst lediglich ein "dunkler" Aufenthaltsort der Toten. Ebenso ist die altnordische hel, gotisch halja, die eine Verräumlichung der Göttin hel (Tochter des Loki) ist, und das mit ihr parallelisierte niflheim ("Schattenreich"), in dem die hel die (auf dem Lande) Gestorbenen festhält, nur dunkel (Letzteres allerdings auch kalt).
Ideen eines Ortes der Qualen, bei denen sadistische Dämonen und vor allem Feuer eine Rolle spielen, kommen dann aus der ägyptischen Mythologie einerseits und aus der babylonischen andererseits zuerst (in vereinzelten Zitaten) in die israelitisch-jüdische Mytho- und Dämonologie, dann (wohl über andere Wege, wahrscheinlich Alexandria) in die urchristliche, wo sie sich zunächst bei den Synoptikern (Matthäus, Lukas) und in der sog. Johannes-Apokalypse, später in der sog. Petrus-Apokalypse (die übrigens in Ägypten entstanden ist) niederschlägt. Die neutestamentlichen Bezeichnungen scheol, haides, gehenna (aus dem arabischen entlehnt) werden dort bereits verfremdet bzw. zweckentfremdet verwendet, ebenso wie ja auch die Bezeichungen diabolos, daimon, satan, beelzeboul, beelzeboub. Aus diesen (ägyptischen und babylonischen) Quellen kommen auch Vorstellungen über die "Dschehenna" der islamischen Welt, wo sie mit orientalischer Phantasie angereichert ausgemalt werden.
Die späteren christlichen Höllenphantasien der europäischen Dichtung (z.B. der Heliand) bekommen ihre Ausprägung vor allem durch die Petrus-Apokalypse, von der sich ja auch Dante in seiner Beschreibung des "Inferno" inspirieren ließ. In der althochdeutschen Literatur kommt vor allem das (siedende) Pech dazu. Der Schwefel hat sicher andere Quellen, die ich in der "Teufelsgeschichte"
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unter der Herkunft des Namens "Mephistopheles" schon erwähnte.
Grüße
Metapher