Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen

Von: , Frage gestellt am Fr, 28. Jan 2000

Hallo zusammen,
bin selber zwar nicht betroffen aber angeregt durch den Buddhismus-Artikel würden mich mal eingige Meinungen zu folgender Problematik interessieren.

Prinzipiell kann ich verstehen, daß die Kirchen keine Leute einstellen wollen, die nicht der eigenen Konfession angehören. Da ich schon vor Jahren aus der Kirche ausgetreten bin, hätte ich meinerseits ein Problem damit in so einer Einrichtung zu arbeiten (müßte ich ständig heucheln). In meinem Bekanntenkreis bekomme ich aber immer wieder mit, daß z.B. eine Kindergärtnerin verleugnen muß, daß sie mit ihrem Freund zusammenlebt bzw. geschiedene Leute Probleme bekommen etc.

Meine Meinung: die Kirchen übertreiben es da! Es geht hier nicht um Personen, die allgemein ein Lotterleben führen, sondern um Leute, die sehr wohl die grundlegenden Glaubenüberzeugungen teilen. Die Anforderungen, die da an Mitarbeiter gestellt werden, sind aber kaum zu erfüllen (man lebt ja nunmal in einer modernen Zeit und müsste sich ja fast abschotten, um den kirchlichen Verhaltenskodex noch gerecht zu werden). Ich halte es daher für vollkommen übertrieben solche Forderungen zu stellen. Es handelt sich hier ja auch nicht um ein kleines extremistisches Grüppchen, sondern um nicht unbedeutende gesellschaftliche Einrichtungen, die ja auch mit öffentlichen Mitteln gefördert werden.

Gruß,
Lisa

36 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 14 Stunden hilfreich
    Re: unpopuläre Antwort

    Hallo Lisa,
    Meine Meinung: die Kirchen übertreiben es
    da! Es geht hier nicht um Personen, die
    allgemein ein Lotterleben führen, sondern
    um Leute, die sehr wohl die grundlegenden
    Glaubenüberzeugungen teilen. Die
    Anforderungen, die da an Mitarbeiter
    gestellt werden, sind aber kaum zu
    erfüllen (man lebt ja nunmal in einer
    modernen Zeit und müsste sich ja fast
    abschotten, um den kirchlichen
    Verhaltenskodex noch gerecht zu werden).
    Welche Anforderung ist denn so übertrieben, daß man sie kaum erfüllen kann?
    Als Jesus damals zu seinen Jüngern sagte, daß es Gottes ursprünglicher Wunsch ist, daß ein Mann nur eine Frau heiraten soll und sich nicht mehr von ihr scheiden lassen soll, haben seine Jünger auch gemeint, daß es dann besser wäre garnicht zu heiraten.

    Es ist sehr wohl möglich als Ehepaar ein gemeinsames glückliches Leben zu führen.
    Dazu braucht es aber etwas weniger Egoismus und etwas mehr Grundsätze.

    Ich denke da an eine Werbung von einer Frauenzeitschrift, die den gegnwärtigen Zeitgeist wiederspiegelt;
    "Dein Körper ist nicht wie ein Mann, du kannst ihn nicht einfach ablegen, wenn er dir nicht mehr gefällt". Ich halte es daher für vollkommen
    übertrieben solche Forderungen zu
    stellen. Es handelt sich hier ja auch
    nicht um ein kleines extremistisches
    Grüppchen, sondern um nicht unbedeutende
    gesellschaftliche Einrichtungen, die ja
    auch mit öffentlichen Mitteln gefördert
    werden.
    Daß die Kirchen und ihre Einrichtungen mit öffentlichen Mitteln gefördert werden ist ein Mißstand in Bezug auf die Trennung von Staat und Kirche.
    Abgesehen davon haben die Kirchen sehr wohl das Recht von ihren Mitarbeitern bestimmte Verhaltensnormen zu Verlangen.

    Wer diese Verhaltensnormen und damit auch die Grundsätze dieser Kirchen ablehnt, kann ja woanders hingehen.

    In der Praxis ist das aber sowieso nicht so kritisch. Die vielen Fällen von Priestern und Mitarbeitern, die heimlich herumhuren zeigen, daß die Kirchen moralisch Fehlverhalten dulden, solange es im Verborgenen geschieht (Stichwort Heuchelei).

    Gruß
    Carlos

    • Antwort von nach 18 Stunden hilfreich
      Re^2: unpopuläre Antwort

      Hallo Carlos,
      Welche Anforderung ist denn so
      übertrieben, daß man sie kaum erfüllen
      kann?
      Als Jesus damals zu seinen Jüngern sagte,
      daß es Gottes ursprünglicher Wunsch ist,
      daß ein Mann nur eine Frau heiraten soll
      und sich nicht mehr von ihr scheiden
      lassen soll, haben seine Jünger auch
      gemeint, daß es dann besser wäre garnicht
      zu heiraten.

      Ich dneke schon, daß das heute schwieriger ist als vor hundert Jahren. Damals war man weit weniger Einflüssen ausgesetzt und mit 30ig war das Leben fast schon gelaufen. Z.B. im Beruf, Studium, Umschulung etc. muß man sich ständig mit neuen Anforderungen auseinandersetzen. Da kann es einfach sein, daß sich zwei Menschen im Laufe der Jahre auseinanderleben (selbst wenn keine Extreme wie Gewalt in der Ehe etc. gegeben sind). Und gar nicht heiraten ist ja auch nicht im Sinne der Kirchen. Es ist sehr wohl möglich als Ehepaar ein
      gemeinsames glückliches Leben zu führen.
      Dazu braucht es aber etwas weniger
      Egoismus und etwas mehr Grundsätze.

      Klar manche schaffen es, ich denke halt nur, daß man diejenigen denen das nicht gelingt, nicht unbedingt moralisch verdammen sollte. Ich denke da an eine Werbung von einer
      Frauenzeitschrift, die den gegnwärtigen
      Zeitgeist wiederspiegelt;
      "Dein Körper ist nicht wie ein Mann, du
      kannst ihn nicht einfach ablegen, wenn er
      dir nicht mehr gefällt".

      Das ist übertrieben. Die meisten heiraten ja mit dem Ziel zusammen zu bleiben. Manchmal gehts aber trotzdem schief. Daß die Kirchen und ihre Einrichtungen
      mit öffentlichen Mitteln gefördert werden
      ist ein Mißstand in Bezug auf die
      Trennung von Staat und Kirche.
      Finde ich auch!! Sind ja auch meine Steuern. Abgesehen davon haben die Kirchen sehr
      wohl das Recht von ihren Mitarbeitern
      bestimmte Verhaltensnormen zu Verlangen.

      Wer diese Verhaltensnormen und damit auch
      die Grundsätze dieser Kirchen ablehnt,
      kann ja woanders hingehen.

      Das genau ist aber das Problem. Wenn die Kirchen ein kleines Grüppchen und die Einrichtungen so leicht zu ersetzen wären, wäre das alles kein Thema (Bsp. Schwangerenberatung in Bayern auf dem Land). Gerade die Sozialberufler in meinem Bekanntenkreis haben aber nicht einfach die Möglichkeit sich einen anderen Job zu suchen, weil die Kirchen nunmal einer der größten Arbeitgeber sind. In der Praxis ist das aber sowieso nicht
      so kritisch. Die vielen Fällen von
      Priestern und Mitarbeitern, die heimlich
      herumhuren zeigen, daß die Kirchen
      moralisch Fehlverhalten dulden, solange
      es im Verborgenen geschieht (Stichwort
      Heuchelei).

      Eben. Auf der einen Seite wahnsinnig moralisch tun, auf der anderen viele Menschen zum Versteckspielen und Heucheln zwingen. Gruß
      Lisa

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Gottes Ansichten zur Sexualmoral

      daß es Gottes ursprünglicher Wunsch ist,
      daß ein Mann nur eine Frau heiraten soll
      und sich nicht mehr von ihr scheiden
      lassen soll,
      Eigentlich sollte man sich ja dran gewöhnt haben, wenn man in dieser Kultur aufgewachsen ist. Aber die Vorstellung, dass ein Wesen, das schon seit Äonen existierte, bevor es überhaupt Menschen gab, Präferenzen hinsichtlich meiner Kopulationsgewohnheiten äußert, verblüfft mich doch jedes Mal aufs neue.

      Gruß Paul

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Re: Gottes Ansichten zur Sexualmoral

        Eigentlich sollte man sich ja dran
        gewöhnt haben, wenn man in dieser Kultur
        aufgewachsen ist. Aber die Vorstellung,
        dass ein Wesen, das schon seit Äonen
        existierte, bevor es überhaupt Menschen
        gab, Präferenzen hinsichtlich meiner
        Kopulationsgewohnheiten äußert, verblüfft
        mich doch jedes Mal aufs neue.

        Gruß Paul
        Na, hätte ER nicht beschlossen, den Menschen als Mann und Frau zu erschaffen, dann hättest Du jetzt zwar eine Rippe mehr, aber Deine Kopulationsgewohnheiten sähen möglicherweise (kenne Deine Gewohnheiten ja nicht) auch ganz anders aus...

        Michael

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Re: Gottes Ansichten zur Sexualmoral

        Hallo Paul, daß es Gottes ursprünglicher Wunsch ist,
        daß ein Mann nur eine Frau heiraten soll
        und sich nicht mehr von ihr scheiden
        lassen soll,
        Eigentlich sollte man sich ja dran
        gewöhnt haben, wenn man in dieser Kultur
        aufgewachsen ist. Aber die Vorstellung,
        dass ein Wesen, das schon seit Äonen
        existierte, bevor es überhaupt Menschen
        gab, Präferenzen hinsichtlich meiner
        Kopulationsgewohnheiten äußert, verblüfft
        mich doch jedes Mal aufs neue.
        will ja nicht indiskret sein, aber mir drängt sich die Frage auf, was Du wohl an Deinen Gewohnheiten ändern müßtest, wenn Du nur eine einzige Partnerin hättest ??

        Gruß Harald

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Harald & Michael

          Das ausgedrückte Interesse an meiner Beischlafpraxis schmeichelt mir durchaus (und ist mir auch sehr nachvollziehbar) -- so richtig ernstgenommen fühle ich mich aber nicht!

          Bedeckte Grüße, Paul


          • Antwort von nach einem Tag hilfreich
            ernstgemeinte Antwort

            Hallo Paul,

            ich verstehe schon, dass meine Antwort Dich zu dieser Ansicht verleitet hat.
            War aber durchaus ernst gemeint.
            Weil m.E. Gott über Beischlafpraxis Dir keine Vorschriften machen will. ER ist halt nur der Ansicht, dass Dein Lebenspartner auch für sein ganzes Leben Dein einziger sein soll.

            Gruß Harald [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

            • Antwort von nach einem Tag hilfreich
              Re: ernstgemeinte Antwort

              Hallo Harald,

              ich verstehe Deine Antwort so: Das ist keine Angelegenheit der Moral(dann hat die christliche Religionsgemeinschaft die Sache aber gründlich missverstanden)und kein Ausdruck von Gottes Vorlieben (ich soll nicht monogam sein, um Gott zu gefallen). Sondern: Gott gibt uns einen Tipp, wie man ein glückliches Leben führt. War das so gemeint? Wenn Gottes Empfehlungen *diesen* Charakter hat, ist aber schwer einzusehen, wieso jemand, der sie nicht beherzigt, nicht für die Kirche arbeiten sollte.

              Anyway, then he is a real strange guy. *Wenn* er schon in den Weltenlauf eingreift, um uns eine 'Anleitung zum Glücklichsein' zukommen zu lassen, warum beschränkt er sich dann auf reichlich triviale und wenig effektive Rezepte. Wenn ihm unser Wohlergehen so am Herzen liegt, wieso kommt er dann nicht mit den interesannten Sachen rüber: Wie organisiert man den Staatenbund? Wie bekommt man den Hungersnöte in den Griff?
              Das ist natürlich wieder das Theodizeeproblem in grün, das hier auch immer wieder kommt: Warum hat er die Welt nicht gleich etwas netter eingerichtet?

              Man kann es aber noch etwas schärfer formulieren: Moralische Forderungen, so sie richtig sind, wenden sich nicht nur an Dumme, Schwache oder eine bestimmte Spezies. Sondern sie gelten für jedes Wesen, das in der Lage ist, sie einzusehen. (Kant hat richtig gesagt, sie würden auch für Engel gelten).
              Wenn es für mich falsch ist, Leiden nicht zu mindern, wenn es in meiner Macht steht, dann gilt das genauso für Gott. (Die Idee eines schlechten 'Gottes' ist eine m.E. sehr zu Unrecht vernachlässigte Möglichkeit -- die Dinge würden sich viel zwangloser zusammenfügen).
              Wenn umgekehrt, das ganze Elend einem fernen (für uns nicht erkennbaren) Zweck dient, dann gilt auch für uns, dass wir besser nichts tun, um es zu mindern.

              So alt das Problem ist, ich kenne keine Antwort, die nicht völlig ad hoc ist (also keine Antwort ist): Dass es gerade so richtig ist, dass wir alles in unserer Macht stehende tun sollten, Gott aber gar nichts -- außer mit ein paar lauen Ratschlägen rüberzukommen.

              Gruss Paul

            • Antwort von nach einem Tag hilfreich
              Re^2: ernstgemeinte Antwort

              Hallo Paul, ich verstehe Deine Antwort so: Das ist
              keine Angelegenheit der Moral(dann hat
              die christliche Religionsgemeinschaft die
              Sache aber gründlich missverstanden)und
              kein Ausdruck von Gottes Vorlieben (ich
              soll nicht monogam sein, um Gott zu
              gefallen). Sondern: Gott gibt uns einen
              Tipp, wie man ein glückliches Leben
              führt. War das so gemeint?
              Grob vereinfacht kann man es so sehen. Wenn Gottes
              Empfehlungen *diesen* Charakter hat, ist
              aber schwer einzusehen, wieso jemand, der
              sie nicht beherzigt, nicht für die Kirche
              arbeiten sollte.
              Weil die Kirche eigene Statuten hat. Wer für die Kirche arbeitet, muß sich an ihre Regeln halten, wie es ja bei jedem anderen Betrieb auch ist.
              Z.B. gilt in unserer Firma generelles Alkoholverbot auf dem ganzen Firmengelände. Ist auch nicht unbedingt nachzuvollziehen, muß ich aber akzeptieren. Anyway, then he is a real strange guy.
              *Wenn* er schon in den Weltenlauf
              eingreift, um uns eine 'Anleitung zum
              Glücklichsein' zukommen zu lassen, warum
              beschränkt er sich dann auf reichlich
              triviale und wenig effektive Rezepte.
              Wenn ihm unser Wohlergehen so am Herzen
              liegt, wieso kommt er dann nicht mit den
              interesannten Sachen rüber: Wie
              organisiert man den Staatenbund? Wie
              bekommt man den Hungersnöte in den Griff?
              Dafür hat ER natürlich auch Rezepte gegeben. Will aber keiner der Regierenden ausführen.
              Na ja, und wer nicht will, ... Das ist natürlich wieder das
              Theodizeeproblem in grün, das hier auch
              immer wieder kommt: Warum hat er die Welt
              nicht gleich etwas netter eingerichtet?
              Hatten wir das nicht schon mal irgendwo in diesem Brett diskutiert?
              Liegt immer am Wollen der Menschen. Man kann es aber noch etwas schärfer
              formulieren: Moralische Forderungen, so
              sie richtig sind, wenden sich nicht nur
              an Dumme, Schwache oder eine bestimmte
              Spezies. Sondern sie gelten für jedes
              Wesen, das in der Lage ist, sie
              einzusehen. (Kant hat richtig gesagt, sie
              würden auch für Engel gelten).
              Ist grundsätzlich falsch. Engel sind ganz anders beschaffene Wesen.
              Der Vergleich erscheint mir so, als würde jemand sagen, dass artgerechte Tierhaltung für Katzen und Pferde gleich sein muß. Wenn es für mich falsch ist, Leiden nicht
              zu mindern, wenn es in meiner Macht
              steht, dann gilt das genauso für Gott.
              (Die Idee eines schlechten 'Gottes' ist
              eine m.E. sehr zu Unrecht vernachlässigte
              Möglichkeit -- die Dinge würden sich viel
              zwangloser zusammenfügen).
              Warum muß eigentlich immer Gott alles alleine verantworten? Kann man nicht auch einmal dem Teufel die Schuld an unserem Elend anlasten? Könnte vielleicht auch sein Einfluß berücksichtigt werden? Wenn umgekehrt, das ganze Elend einem
              fernen (für uns nicht erkennbaren) Zweck
              dient, dann gilt auch für uns, dass wir
              besser nichts tun, um es zu mindern.
              Also Zweck sehe ich keinen darin. Aber was uns nicht umbringt, macht uns nur härter. So alt das Problem ist, ich kenne keine
              Antwort, die nicht völlig ad hoc ist
              (also keine Antwort ist): Dass es gerade
              so richtig ist, dass wir alles in unserer
              Macht stehende tun sollten, Gott aber gar
              nichts -- außer mit ein paar lauen
              Ratschlägen rüberzukommen.
              Also mir geben diese Ratschläge sehr viel. Da könnten sicher noch mehr Menschen davon profitieren. Guter Rat: ausprobieren.

              Gruß Harald



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