Hallo Dusan,
Was sagst dazu: http://theol.uibk.ac.at/itl/160.html
was soll ich denn dazu sagen? Das ist doch eindeutig aus theologischer Perspektive geschrieben (und noch nicht einmal richtig begründet, was aber natürlich so einem Artikel nicht wirklich vorgeworfen werden kann).
Alle drei Thesen sind zudem angreifbar.
Die erste These besagt, dass es keine Menschenwürde ohne den Gottesbegriff gäbe. Das ist schlicht falsch, zumindest gibt es andere Positionen (z. B. Habermas oder Apel, aber auch andere).
Die zweite These, dass der Glaube eine neue Sicht der Wirklichkeit sei, mag richtig sein, ich würde allerdings lieber sagen, dass er eine "andere" Sicht ist. Das hat aber mit Ethik nichts zu tun, sondern mit Metaphysik.
Und der dritte Punkt, nach dem Ethik nur dann richtig ist, wenn Menschen nach ihr handeln, setzt die deskriptive Ethik absolut, vernachlässigt mithin die normativen Aspekte bzw. relativiert sie.
Im Grunde sehe ich hier noch nicht einmal wirklich deskriptive Elemente, sondern es handelt sich um einen sogenannten "naturalistischen Fehlschluss". Das bedeutet, dass hier von einem "Sein" auf ein "Sollen" geschlossen wird, was nicht zulässig ist. Wollte man hier die Auffassung vertreten (wie etwa Peter Geach), dass dieser Schluss kein Fehlschluss, sondern ein zulässiger Schluss sei, dann hätte man das explizit begründen, zumindest aber sagen müssen.
Fazit: Was in diesem Artikel steht, ist der (aus meiner Sicht untaugliche) Versuch, Ethik religiös zu fundieren. Diese Fundierung wird aber nicht begründet, sondern allerhöchstens "analog nahegelegt". Wo die Ethik sich angeblich nicht selbst begründen kann (was so platt jedenfalls nicht stimmt), versucht der Autor, einen übergeordneten Standpunkt zu beziehen, der aber mit Ethik nichts zu tun hat, sondern metaphysisch ist (wobei ich keineswegs die Metaphysik abwerten will).
Herzliche Grüße
Thomas Miller