Der Sündenfall im Paradies - der Apfel der Erkennt

Von: , Frage gestellt am So, 16. Mär 2003


Hallo zusammen!

Adam und Eva wurden ja bekanntlich aus dem Paradies vertrieben, weil sich Eva dazu verführen ließ, verbotenerweise vom Apfel der Erkenntnis zu essen. Wer davon aß, so war dieses Verbot begründet worden, würde die Erkenntnis über das besitzen, was Gut und was Böse ist. Ist das beim tieferen Nachdenken nicht paradox? Musste es nicht gerade im Interesse Gottes liegen, dass die Menschen wissen, was Gut und Böse ist? Wie sollen sie das Gute tun und das Böse unterlassen, wenn sie nicht wissen, was das Gute und was das Böse ist? Wie wird dieses zumindest scheinbare Paradoxon aus theologischer bzw. kirchlicher Sicht gedeutet? Ist diese Stelle bei der Übersetzung der Bibel vielleicht falsch übersetzt worden.

Viele Grüße!

Christoph

53 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
    Re: Der Sündenfall im Paradies - der Apfel der Erk

    Hallo Christoph, was ganz sicher falsch übersetzt bzw. falsch interpretiert wurde, ist der Apfel. Wie ich schon neulich anzuführen Gelegenheit hatte, kommen in der Geschichte vom Paradies in der Genesis (1. Buch Mose) einfach 'die Frucht/ die Früchte vom Baum in der Mitte des Gartens, die umfassendes Wissen verleihen' vor. (Die Gute Nachricht), wörtlich heisst es: Erkenntnis des Guten und Schlechten, lateinisch 'bonum et malum' - und weil malum als Substantiv Apfel heisst, kauen wir in dieser Geschichte immer noch auf ihm herum. Soviel zu diesem Detail.
    Auf den viel wichtigeren Hauptteil Deiner Frage mögen berufene Leute antworten, jedenfalls wäre das ein abendfüllendes (mindestens!) Thema, und es ist gewiss schon viel Tinte und Druckerschwärze geflossen deswegen! Mich hat immer die Idee von der Culpa Felix fasziniert: Dass die Menschen sich mit dem Sündenfall von vegetierenden Wesen zu denkenden, urteilenden, wissenden aber auch vergänglichen und schuldfähigen, eigenverantwortlichen, wirklichen Gott-Ebenbildern entwickelt haben; was ja eben auch irgendwie als Glücksfall, (eben glüchhafte Schuld) angesehen werden kann.... Aber die Konsequenz ist dann eben das Wissen um den Tod, der Lebenskampf, die ständige Auseinandersetzung mit dem inneren Schweinehund etc. etc. - kurz, die Vertreibung aus dem Paradies.
    Ich wünsche Dir viele aufschlussreiche, Gedanken anregende Antworten und grüsse Dich freundlich
    Susette

    Auf den sehr w [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 12 Stunden 0 hilfreich
      felix culpa

      Mich hat immer die Idee
      von der Culpa Felix fasziniert: Dass die Menschen sich mit dem
      Sündenfall von vegetierenden Wesen zu denkenden, urteilenden,
      wissenden aber auch vergänglichen und schuldfähigen,
      eigenverantwortlichen, wirklichen Gott-Ebenbildern entwickelt
      haben; was ja eben auch irgendwie als Glücksfall, (eben
      glüchhafte Schuld) angesehen werden kann.... Aber die
      Konsequenz ist dann eben das Wissen um den Tod, der
      Lebenskampf, die ständige Auseinandersetzung mit dem inneren
      Schweinehund etc. etc. - kurz, die Vertreibung aus dem
      Paradies.
      Hallo Susette,

      du triffst genau den Punkt, der mich an der Geschichte auch fasziniert! (Leider kann ich noch keine Sternchen vergeben ;-)

      Auf der Ebene der formalen Logik bleibt da natürlich trotzdem ein Paradox, denn die "culpa" bleibt Schuld, obwohl sie letztlich "glückliche" Konsequenzen hat.

      Ich glaube, die Kunst der biblischen Erzähler besteht darin, Lebenswahrheiten erzählend anschaulich zu machen, die auf der Begriffsebene nur paradox formulierbar wären.

      Gruß,
      Peter

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Der Sündenfall im Paradies - der Apfel der E

      Hallo Susette! Hallo Christoph, was ganz sicher falsch übersetzt bzw. falsch
      interpretiert wurde, ist der Apfel. Wie ich schon neulich
      anzuführen Gelegenheit hatte, kommen in der Geschichte vom
      Paradies in der Genesis (1. Buch Mose) einfach 'die Frucht/
      die Früchte vom Baum in der Mitte des Gartens, die umfassendes
      Wissen verleihen' vor. (Die Gute Nachricht), wörtlich heisst
      es: Erkenntnis des Guten und Schlechten, lateinisch 'bonum et
      malum' - und weil malum als Substantiv Apfel heisst, kauen wir
      in dieser Geschichte immer noch auf ihm herum. Soviel zu
      diesem Detail.
      Deinen Beitrag, den Du kürzlich hier veröffentlich hast, habe ich leider nicht gelesen. Aber die Sache mit der Verwechslung von "malum" und "malum" habe ich auch schon mal gehört. Das erscheint nicht abwegig zu sein. Auf den viel wichtigeren Hauptteil Deiner Frage mögen berufene
      Leute antworten, jedenfalls wäre das ein abendfüllendes
      (mindestens!) Thema, und es ist gewiss schon viel Tinte und
      Druckerschwärze geflossen deswegen! Mich hat immer die Idee
      von der Culpa Felix fasziniert: Dass die Menschen sich mit dem
      Sündenfall von vegetierenden Wesen zu denkenden, urteilenden,
      wissenden aber auch vergänglichen und schuldfähigen,
      eigenverantwortlichen, wirklichen Gott-Ebenbildern entwickelt
      haben; was ja eben auch irgendwie als Glücksfall, (eben
      glüchhafte Schuld) angesehen werden kann....
      Da sprichst Du etwas an, was mir noch gar nicht so aufgefallen ist. Wenn man die Schöpfungsgeschichte einmal genau liest, stellt man fest, dass die Gedanken und die Worte ursprünglich nicht Teil des Schöpfungsaktes waren. Oder doch? Im Anfang war das Wort und das Wort ist Fleisch geworden... Aber warum konnte der Mensch dann nicht vom ersten Atemzug an denken? Ist es vielleicht nur deshalb zum Sündenfall gekommen, weil der Mensch nicht denken konnte und deshalb Gottes Mahnung nicht verstand?

      Viele Grüße!

      Christoph

      • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Der Sündenfall im Paradies - der Apfel der E

        Da sprichst Du etwas an, was mir noch gar nicht so aufgefallen
        ist. Wenn man die Schöpfungsgeschichte einmal genau liest,
        stellt man fest, dass die Gedanken und die Worte ursprünglich
        nicht Teil des Schöpfungsaktes waren. Oder doch?
        Meinst du, dass der Mensch nicht reden konnte oder so? Wenn Gott den Menschen geschaffen hat, dann komplett ("siehe es war sehr gut.") Im Anfang war das Wort und das Wort ist Fleisch geworden... Aber warum
        konnte der Mensch dann nicht vom ersten Atemzug an denken? Ist
        es vielleicht nur deshalb zum Sündenfall gekommen, weil der
        Mensch nicht denken konnte und deshalb Gottes Mahnung nicht
        verstand?
        Klar konnte der Mensch denken - sonst hätte Eva sich ja nicht entschieden, die Frucht zu nehmen. Ein Tier hätte das nicht gemacht ("nicht vorprogrammiert.")

        • Antwort von nach 6 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Der Sündenfall im Paradies - der Apfel der E

          Meinst du, dass der Mensch nicht reden konnte oder so? Wenn
          Gott den Menschen geschaffen hat, dann komplett ("siehe es war
          sehr gut.")
          Hallo Tobias!

          So wie Du es interpretierst erscheint es logisch, dass der Mensch von Anfang an denken konnte. Aber die Schaffung der Worte und der Gedanken kommen im Schöpfungsbericht nicht ausdrücklich vor.

          Aber warum sollte der Mensch komplett geschaffen worden sein, nur weil Gott sah, dass es gut war? Nach dieser Logik hätte er uns schon vom ersten Tag an alles andere mitliefern müssen; Autos, Kühlschränke, sämtliche Hunderassen, sämtliche Orchideenzüchtungen... Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. Dass etwas gut ist, heißt doch nicht, dass es sich nicht weiter entwickeln kann.

          Viele Grüße!

          Christoph

          • Antwort von nach 6 Tagen 0 hilfreich
            Re^5: Der Sündenfall im Paradies - der Apfel der E

            Hallo,

            was haben aber Autos etc. mit dem Wesen Mensch zu tun? Überhaupt nix. Was hat ein Kühlschrank mit einer perfekten Natur zu tun? Ebenso wenig. Mir geht es hier nicht darum, dass man sich als Mensch das Leben angenehmer gestaltet, sondern das Gott die Erde (und das was sich zu dem Zeitpunkt brauchte) perfekt geschaffen hat. Und auch steht in der Bibel, dass Gott zu Adam sprach. Nur - wer keine Sprache kennt, kann auch keine verstehen. Also muss Adam logischerweise auch reden können.

            Gruß

            • Antwort von nach 7 Tagen 0 hilfreich
              Re^6: Der Sündenfall im Paradies - der Apfel der E

              Hallo Tobias!

              Mir geht es hier nicht darum, dass man sich als Mensch das Leben angenehmer gestaltet, sondern das Gott die Erde (und das was sich zu dem Zeitpunkt brauchte) perfekt geschaffen hat.

              Genau deshalb sage ich das ja!

              Viele Grüße!

              Christoph

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      äpfel und birnen

      hi,

      außerdem wachsen keine äpfel zwischen euphrat und tigris. schon allein daher ist der apfel in dieser geschichte total abwegig. am besten würde eine feige passen. das feigenblatt kommt dann ja auch später.

      gruß lehitraot.

  2. Antwort von nach 9 Stunden 2 hilfreich
    Re: Der Sündenfall im Paradies - der Apfel der Erk

    Hallo Christoph, Adam und Eva wurden ja bekanntlich aus dem Paradies
    vertrieben, weil sich Eva dazu verführen ließ, verbotenerweise
    vom Apfel der Erkenntnis zu essen. Wer davon aß, so war dieses
    Verbot begründet worden, würde die Erkenntnis über das
    besitzen, was Gut und was Böse ist.
    zunächst einmal wurde dieses Verbot gar nicht begründet.
    Gott wollte einfach nur einen Massstab für den Gehorsam setzen.
    Die Schlange (Satan) brachte die Botschaft: "Ihr werdet sein wie Gott".

    Das war zwar im Prinzip richtig, aber nicht zum Vorteil. Die Schlange hat darauf verzichtet, die Nachteile zu erwähnen.

    Uns Menschen passiert das immer wieder mit neuen Erfindungen. Erst werden die Vorteile gross angekündigt. Auf die Nachteile kommt man meist erst, wenn es schon zu spät ist. Ist das beim tieferen
    Nachdenken nicht paradox? Musste es nicht gerade im Interesse
    Gottes liegen, dass die Menschen wissen, was Gut und Böse ist?
    Nein. Gott wollte, dass es den Menschen gut geht.
    Durch die Erkenntnis von Gut und Böse haben sie sich eine Verantwortung auferlegt. Damit wurde der Alltag um einiges schwieriger. Wie sollen sie das Gute tun und das Böse unterlassen, wenn sie
    nicht wissen, was das Gute und was das Böse ist? Wie wird
    dieses zumindest scheinbare Paradoxon aus theologischer bzw.
    kirchlicher Sicht gedeutet? Ist diese Stelle bei der
    Übersetzung der Bibel vielleicht falsch übersetzt worden.
    Es gab ja im Garten Eden gar nichts Böses. Das einzige Böse war der Ungehorsam. Sie hatten ein einziges Gebot und das haben sie übertreten. Um wieviel schwerer ist es, die 10 Gebote zu halten?

    Hätte Gott doch einfach den Baum der Erkenntnis gar nicht hingestellt, wir lebten heute noch im Paradies. Aber wir könnten nicht beweisen, dass wir gehorsam sind.

    Fazit:
    Das Einhalten von Gottes Geboten ist zum Vorteil des Menschen.
    Aber ohne Gebot wüssten wir gar nicht, was wir falsch machen.

    Gruss Harald



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