Hallo,
ich denke, daß das Polemik ist, ist klar.
Das Thema gehört tatsächlich auf beiden Brettern behandelt!
Wozu ich aber gerne die Meinung aller "hiesigen"
Forumsteilnehmer hören würde, ist die Tatsache, dass
ausgerechnet Prof. Joachim Wiemeyer, seines Zeichens
katholischer Theologe und Berater der deutschen (katholischen)
Bischofskonferenz eine an Euthanasie grenzende Position
vertritt.
Nun, man kann also dies nutzen, um mal wieder einen Keulenschlag gegen die Kirche auszuteilen... ehrlich gesagt, kenn ich diesen Professor nicht und die zitierten Statements stehen mir zu sehr im Verdacht, etwas tenedenziös ausgewählt worden zu sein. Jedenfalls fehlt mir eine Definition dessen, was Wiemeyer unter lebensverlängernder Maßnahme versteht. Also wirklich Dialyse? Oder aber die Magensonde? Will sagen: Ich möchte hier nicht mit dem Feuer aller geistlichen Entrüstung auf jemanden einschlagen, der kaum genug selbst zu Wort gekommen sein scheint. In dieser Undiffernziertheit ist ihm sicherlich vehement zu widersprechen. Und noch etwas: Nur weil er Berater der Bischofskonferenz ist, heißt das ja noch lange nicht, daß diese ihm auch folgt. Die Bischofskonferenz sollte sich schließlich auch kaum ausschließlich mit Beratern umgeben, die nur eine Meinung vertreten.
Dennoch ist es ein massives Problem, daß es in unserer Gesellschaft offensichtlich dahingehen wird, Menschen vor ihrer Geburt genetisch auszuwählen und ihnen ab einem bestimmten Alter medizinische Hilfe zu verweigern.
Gibt es innerhalb des katholischen Klerus tatsächlich
entsprechende Überlegungen?
Ist mir nicht bekannt.
Gibt es in anderen christlichen Konfessionen und in anderen
Religionen ähnliche Gedanken?
Zumindest ist mir auch keine andere christliche Konfession bekannt.
Die Aufgabe der Kirchen ist es, zumindest meiner theologischen Überzeugung nach, für das Leben einzutreten. Das bringt ihnen in der Abtreibungsdiskussion ja auch genügend Kritik ein. Ehrlich gesagt halte ich es für unvorstellbar, daß aus einer der christlichen Kirchen in Deutschland solche Forderungen unterstützt werden, daher vielleicht auch die hier bekalgte mangelnde Reaktion auf dieses Thema.
Es gibt aber ein Dilemma, in dem auch Ärzte und Juristen stecken, wenn es um sogenannte lebensverlängernde Maßnahmen geht. Es ist ein erst einmal banaler Satz, daß der Mensch auch in Würde sterben soll. Wie steht es damit bei einem Demenzkranken, der körperlich nicht mehr zur Nahrungsaufnahme fähig ist? Wird da eventuell eine Qual verlängert? Wer kann das entscheiden? Woher sollten wir denn wissen, ob nicht auch ein komatöser oder auch nur vollständig verwirrter Patient mit größten SChmerzen an seinem Leben hängt, Freude empfindet, Lebenswillen - oder auch nicht?
Ich persönlich habe beides erlebt bei Angehörigen, die beide jenseits der 90 waren. Der eine erhielt eine Magensonde, weil er sonst gestorben wäre. Zumindest für die Angehörigen waren die folgenden zwei Jahre eine extreme Belastung, denn zumindest das körperliche Leiden dieses Menschen war nicht zu übersehen. Allen kam es wie eine sinnlose Quälerei vor. In dem anderen Fall setzte der Arzt keine Magensonde ein, wohl, weil er dies als eine sinnlose Maßnahme ansah. Die Patientin machte es uns in dieser Situation "leicht", als niemand wußte, ob man den Arzt nicht "zwingen" sollte. Die bat ihren Priester um die letzte Ölung und ist zwei Stunden später im Beisein ihrer Familie gestorben. Auch dieser Verlust ist unerträglich.
Dennoch sind dies individuelle Situationen, die sich nicht verallgemeinern lassen. Das Problem ist wohl, daß die Medizin heute Dinge möglich machen kann, von denen niemand weiß, ob er selbst in dieser Situation dies möchte. Dies ist eine ethische Frage, die zunächst mit finanziellen Überlegungen nichts zu tun hat. Sie damit zu vermischen, halte ich für unmoralisch. Alle gesellschaftlichen Gruppen sollten sich dagegen prinzipiell verwahren und sicherlich auch sofort mißtrauisch werden. Ich frage mich ja auch immer, warum denn einer glaubt, daß die Gentechnik der Heilung eines Kindes im Mutterleib dienen soll, anstatt realistischer daran, daß man selektiert oder aber diese Kind einmal nicht versichert bekommt....
Grüße,
Taju
Und (das jetzt mal an die Forumsteilnehmer christlichen und
mosaischen Glaubens gerichtet): Was ist mit dem vierten Gebot?
Abschaffen, oder gar umschreiben in "Du sollst Vater und
Mutter rechtzeitig sterben lassen, auf dass es ..."??!
Ich bin gespannt!!
Gruß
Fr.-Chr.