Friedwälder

Von: , Frage gestellt am Fr, 13. Jun 2003

Gestern Abend sah ich im SWR3 einen Beitrag über „Friedwälder“.

Das ist eine neue, in der Schweiz erfundene Art der Beerdigung. Statt auf einem Friedhof mit Grabstelle, Grabstein und Bepflanzung wird eine biologisch völlig abbaubare Urne mit der Asche in einem eigens dafür abgesteckten Stück Wald – eben einem „Friedwald“ – unter einem Baum vergraben und als einziges Zeichen ein kleines Schildchen, das ein Symbol, aber keinen Namen enthält, angebracht.

Bei Isny soll der erste Friedwald in Ba-Wü eingerichtet werden. Die Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche dort stellten sich vehement gegen diese Möglichkeit.

Es sei zutiefst „unchristlich“! (ho!)

Und es sei „gegen die Menschenwürde“! (hoho!)

Es war auch von „gegen alle Tradition“, „ menschenunwürdige Anonymität“, “Verzicht auf Gemeinschaft“, „Scheu der Hinterbliebenen vor der Last der Grabpflege" die Rede.

Was denkt ihr über diese Anmaßungen der Amtskirchen? Die z. B. Kleinkinder tauft, ohne sie zu fragen. Und nun auch noch das "Beerdigungsmonopol" im Namen der Kommunen beansprucht.

Es gab Zeiten, da wurde man nachträglich – bei den Katholen – exkommuniziert, wenn man sich einäschern ließ.

Gruß Fritz

69 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 12 Minuten 0 hilfreich
    Re: Friedwälder

    Gestern Abend sah ich im SWR3 einen Beitrag über
    „Friedwälder“.
    Hallo, Fritz,
    auch bei uns in NRW ist die Schlacht um die letzte Bleibe aufs heftigste entbrannt. Da haben Ober-Reichsbedenkenträger, Pfründebewahrer und von allem Beerdigungsunternehmen und vor allem die Kirchen aber ganz schnell ihre Battaillone in Stellung gebracht.
    Näheres findet sich auf http://www.postmortal.de/Recht/Bestattungsrecht-BRD/...
    Wärs nicht so ernst, man könnte es lächerlich finden!
    Gruß
    Eckard.

  2. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: Friedwälder

    Hallo,
    war das nicht Friedrich der Große mit 'jeder soll nach seiner eigenen Facon glücklich werden'?
    Was kümmerts Dich denn überhaupt, was irgendwelche Kirchenvertreter dazu sagen? Sind sie Deine Moral-/Ethikschiedsstellen? Wo ist das Problem? Hast Du Angst, exkommuniziert zu werden, weil Du Dich da bestatten lassen willst?
    Also, entweder Du gehörst zu einer dieser Kirchen, dann mußt Du Dich auch an deren Sitten und Gebräuche halten. Oder Du versuchst, die 'Offiziellen' umzustimmen. oder Du trittst aus. Oder Du kümmerst Dich einfach nicht drum. Oder Du gehörst eh' nicht dazu, dann lass' es Dir auch wurscht sein. Es sei zutiefst „unchristlich“! (ho!)
    Könnte man durchaus drauf kommen. Ist in der christlichen Tradition schließlich noch nicht so oft praktiziert worden. Und Tradition ist in einer Kirche wichtig. Und es sei „gegen die Menschenwürde“! (hoho!)
    Naja, irgendwelche Argumente muß man ja bringen. Und seien sie noch so an den Haaren herbeigezogen. Es war auch von „gegen alle Tradition“, „
    menschenunwürdige Anonymität“, “Verzicht auf
    Gemeinschaft“, „Scheu der Hinterbliebenen vor der
    Last der Grabpflege" die Rede.
    S.o. Was denkt ihr über diese Anmaßungen der Amtskirchen? Die z. B.
    Kleinkinder tauft, ohne sie zu fragen.
    Die Eltern werden gefragt. Und die sind Vertreter des Kindes, bis dieses selbst entscheiden kann. Dauert in der Kirche bis zur Kommunion/Konfirmation. Diese Vormundschaft ist also weit früher beendet als die staatlich angeordnete. Z.B. dürfen Eltern ihre Kinder bis 18 in geschäftlichen Dingen vertreten. Und das kann genauso große Auswirkungen haben. Wo siehst Du das Problem? Und nun auch noch das
    "Beerdigungsmonopol" im Namen der Kommunen beansprucht.
    Beanspruchen kann man viel. Merke: wer sich nie muckt und stets nur duckt, der wird zerdruckt. Es gab Zeiten, da wurde man nachträglich – bei den
    Katholen – exkommuniziert, wenn man sich einäschern
    ließ.
    Stimmt. Es gab mal Zeiten. Jetzt nicht mehr. Tempora mutant. Kirchen auch.

    Laß sie doch alle machen. Schiffe, die vorüberziehen...

    Axel

    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Re^2: Friedwälder

      Hallo, Axel,

      so leicht wie du das hier darstellst: Oder Du gehörst eh' nicht dazu, dann lass' es Dir auch wurscht sein.
      Laß sie doch alle machen. Schiffe, die vorüberziehen...
      ist das nicht, so lange der Einfluss der Kirchen die Änderung der Bestattungsordnung, die Landesgesetz sind, verhindert. Und damit auch die Einrichtung von "Friedwäldern". So wie jetzt in Ba-Wü, in Bayern und, wenn ich richtig sehe, auch in NRW => Eckard.

      Fritz

      • Antwort von nach 21 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Friedwälder

        Hallo,
        Vor ein paar Jahren kanntest Du diese Möglichkeit nicht mal. Und jetzt wird es auf einmal sooooo wichtig? Wart's doch einfach ab. Die Diskussion ist noch nicht beendet. Abgerechnet wird am Schluß.

        BTW., Du beschwerst Dich hier über die angeblich viel zu große Macht der Kirche. Dann gehörst Du sicher auch zu den Leuten, die an Sonn- und (kirchlichen) Feiertagen durcharbeiten, ohne dafür Überstunden abzurechnen, oder? ;-)

        Axel

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re: Was soll denn nun das? (owT)

            Hallo, einfach ab. Die Diskussion ist noch nicht beendet. Abgerechnet
            wird am Schluß.
            Damit meinte ich die Diskussion Kirche-Behörden-Interessierte. Ist noch lange nicht sicher, wer sich da am Ende durchsetzt. Ich meinte damit NICHT die Diskussion hier. BTW.,.....
            bezog sich auf Deine Kritik am zu großen Einfluß der Kirchen. Ich finde, daß der heutzutage gar nicht mehr so groß ist. Siehe z.B. Abschaffung eines Feiertages zur Finanzierung der Pflegeversicherung.
            Und ich wollte darauf hinweise, daß es viele Kritiker der Kirche gibt, die aber die Vorteile sehr wohl nutzen. Wie z.B. die kirchlichen Feiertage, aber auch das, was die Kirchen im sozialen Sektor leisten.

            Axel

            • Antwort von nach einem Tag 3 hilfreich
              Re^2: Moment mal (bisschen off topic)

              Hallo Axel, Und ich wollte darauf hinweise, daß es viele Kritiker der
              Kirche gibt, die aber die Vorteile sehr wohl nutzen. Wie z.B.
              (...), was die Kirchen im sozialen Sektor leisten.
              Da muss ich widersprechen. Gut, es gibt etliche soziale Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft, die aber nur in sehr geringem Umfang auch aus Mitteln der Kirche finanziert werden. Ich zitiere mal http://www.ibka.org/infos/ksteuer.html :

              "(...) Für öffentliche soziale Zwecke bleiben - selbst nach kirchlichen Angaben - nur höchstens 8 Prozent der Kircheneinnahmen übrig (...). Die Kosten von kirchlichen Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern, Altenheimen etc. werden fast ganz - zwischen 85 und 100 Prozent - aus öffentlichen Steuermitteln finanziert oder von Elternbeiträgen, Krankenkassen etc. gedeckt.
              Sparen die Kirchen dem Staat Geld?
              Im Gegenteil. Die beiden christlichen Großkirchen hatten im Jahr 2000 knapp 9 Mrd Euro Einnahmen aus Kirchensteuern (...). Davon gaben die Kirchen etwa 600 Millionen Euro für öffentliche soziale Zwecke aus - nur ein Tropfen im Meer der Sozialkosten des Bundes."

              Ich vermute, wenn der Staat diesen Anteil selbst übernähme und im Gegenzug die Subventionierung der Kirchen einstellen würde, könnte er einiges sparen.

              Wen´s interessiert: Weitere Informationen zum Themenfeld "Kirche, Geld, Soziales" gibt es bei http://www.kirchensteuer.de/verflechtung.html

              Beste Grüße
              Susanne

            • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
              Re^3: Moment mal (bisschen off topic)

              Hallo,
              1) Kirchensteuer ist nichts anderes als ein 'Vereinsbeitrag', den der Staat nur für die Kirchen eintreibt. Insofern hast Du nicht recht, daß der Staat das billiger selbst machen könnte. Es IST kein Geld vom Staat, das da weitergereicht wird. Es sind nichts anderes als SPENDEN. Wobei auch nur die beiden großen Kirchen über die Kirchensteuer ihre Mittel erhalten. Die kleineren Kirchen finanzieren sich ausschließlich über direkte Spenden. Und leisten auch soziale Arbeit.

              2) Die Kosten von kirchlichen
              Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern, Altenheimen etc. werden
              fast ganz - zwischen 85 und 100 Prozent - aus öffentlichen
              Steuermitteln finanziert oder von Elternbeiträgen,
              Krankenkassen etc. gedeckt.
              Stimmt. Aber Du solltest nicht die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter außer acht lassen. Da steckt ein wenig mehr drin, als offiziell angegeben. Läßt sich halt schlecht rechnen, deshalb taucht das in kaum einer Statistik auf.

              3) Ich vermute, wenn der Staat diesen Anteil selbst übernähme und
              im Gegenzug die Subventionierung der Kirchen einstellen würde,
              könnte er einiges sparen.
              Ich hab noch nie erlebt, daß der Staat IRGENDWAS billiger machen kann, wenn er es selber macht. Schau Dir jede Behörde oder öffentliche Einrichtung an, die Du willst. Bahn und Post sind nur zwei Beispiele. Auf kommunaler Ebene die Müllabfuhr wurde auch privatisiert, weil's Kosten spart.

              4) Ich glaube, daß erst die Kirchen den sozialen Gedanken stark gemacht haben. Ohne sie gäbe es vielleicht gar nicht so viele soziale Einrichtungen. Du kannst natürlich einwenden, in der DDR hätte es auch Kinderhorte gegeben, sogar mit Ganztagsbetreuung. Nur ging es hier dem Staat eben gar nicht den sozialen Aspekt, sondern a) um Früherzeihung und -Indoktrination und b) um Freisetzen von Arbeitskraft. Zudem haben sie dort die Einrichtungen auch nicht erfunden, sondern die Idee nur für ihre Zwecke übernommen und ausgenutzt.
              Wenn man mal ins Mittelalter zurückblickt, waren dort die Klöster meist die einzigen sozialen Einrichtungen. hat sich natürlich seit damals ein wenig geändert/weiterentwickelt. Aber die Grundideen kommen schon aus der Kirche. Auch wenn damals natürlich nicht alle Kirchenführer wirklich sozial dachten, die entsprechende Ideologie ist doch aus dem neuen Testament.

              Axel

            • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
              Re^4: Moment mal (bisschen off topic)

              Du kannst natürlich einwenden, in
              der DDR hätte es auch Kinderhorte gegeben, sogar mit
              Ganztagsbetreuung. Nur ging es hier dem Staat eben gar nicht
              den sozialen Aspekt, sondern a) um Früherzeihung und
              -Indoktrination
              was natürlich bei religiös dominierten sozialen einrichtungen NICHT der fall ist.

              sorry konnte ich mir nicht verkneifen.

              datafox



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