Kirchenaustritt? Kontra´s gesucht!

Von: , Frage gestellt am Di, 22. Jul 2003

Hallo, ich würde einmal gerne Meinungen von anderen hören, die sich gegen einen Kirchenaustritt aussprechen.

Zunächst zu mir: Ich komme aus dem Rheinland und bin in einer Familie aufgewachsen, die sehr katholisch war. Bei uns galt die Sonntagspflicht. Einmal haben wir allesamt den sonntäglichen Kirchgang im Dorf verschlafen, dann ist mein Vater mit uns im Auto durch die Gegend gerast, um noch irgendwo einen Gottesdienst zu erwischen. Zu Lebzeiten meiner Eltern wäre ich niemals aus der Kirche ausgetreten. Auch später bin ich immer wieder sonntags in die Kirche gegangen und habe mich auch immer darum bemüht - wie man so schön sagt - "ein guter Christ zu sein". Ich habe stets die Auseinandersetzung mit Theologen gesucht und auch gefunden. Aber theologische Spitzfindigkeiten und Verweise auf kirchenrechtliche Details sind nicht sonderlich hilfreich gewesen. Das merkwürdigste Argument gegen einen Kirchenaustritt war bisher: "Dann bekommst Du keine kirchliche Bestattung, sondern wirst nur verscharrt, wie ein Hund."

Ich bin jetzt fast 40 Jahre alt und unterstütze eine Amtskirche mit meinen Steuern, die ich eigentlich ablehne. Argumente wie: "Wir, die Gemeinschaft der Gläubigen, sind doch die Kirche, wenn Du austritts gehörst DU nicht mehr dazu und kannst auch nichts verändern!" sind doch schein-heilig, denn ich kann ja doch nichts ändern. Warum sollen wir denn alle akzeptieren, wenn fortschrittlichen Priestern die Lehrbefugnis entzogen wird. Mit der jährlichen Kirchensteuer kann man als "Besserverdiener" ja ganz andere Projekte unterstützen, die mir sinnvoller erscheinen. Ich überlege immer, ob Jesus, wenn er heute leben würde, eigentlich katholisch wäre oder irgendeiner anderen Religionsgemeinschaft angehören würde?

Ich würde mich über jede Antwort freuen, wobei die Pro Kirche - Argumente für mich interessanter wären.

59 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 47 Minuten 0 hilfreich
    Zitat dazu von Erich Kästner

    Da hilft kein Zorn. Da hilft kein Spott.
    Da hilft kein Weinen, hilft kein Beten.
    Die Nachricht stimmt! Der Liebe Gott
    ist aus der Kirche ausgetreten.

  2. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: Kirchenaustritt? Kontra´s gesucht!

    Hi Klaus,

    als Niemals-Mitglied einer Kirche spiele ich jetzt trotzdem mal den advocatus diaboli: Das merkwürdigste Argument gegen einen
    Kirchenaustritt war bisher: "Dann bekommst Du keine kirchliche
    Bestattung, sondern wirst nur verscharrt, wie ein Hund."
    Das Argument ist gar nicht so merkwürdig, denke ich. Mit Noch-nicht-40 bist Du ja noch ein junger Spund und wenn es dem HErrn gefällt, sind Dir noch einige Jährchen im Diesseits vergönnt. Aber da es tatsächlich eine Erklärung der Diözesanbischöfe gibt, in der der Kirchenaustritt als "schwere Verfehlung" bezeichnet wird, der mit dem Entzug von kirchlichen Rechten geahndet wird, sollte man sich schon darüber klar sein, was man mit dem Austritt in Kauf nimmt. Und vielen ist es halt wichtig, von einem Geistlichen unter die Erde gebracht zu werden. "Verscharren" ist natürlich nicht die Alternative, schließlich gibt es auch weltliche Trauerredner. Aber für viele Angehörige ist das dann schon bitter, wenn der Herr Pfarrer ihnen beim Tode einer nahestehenden Person die kalte Schulter zeigen muß. Am "sakramentalen Leben" kann der Ausgetretene - sagen die Diözesanbischöfe - erst dann wieder teilnehmen, wenn er seine Austrittserklärung rückgängig macht und Kirchensteuer zahlt. Insbesondere kann er nicht am Empfang der Sakramente teilnehmen, kein Patenamt übernehmen und - ohne Erlaubnis des Bischofs - keine kirchliche Hochzeit feiern.

    Weltliche Grüße
    Michael Niepel

    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Re^2: Kirchenaustritt? Kontra´s gesucht!

      Hi Klaus,

      als Niemals-Mitglied einer Kirche spiele ich jetzt trotzdem
      mal den advocatus diaboli: Das merkwürdigste Argument gegen einen
      Kirchenaustritt war bisher: "Dann bekommst Du keine kirchliche
      Bestattung, sondern wirst nur verscharrt, wie ein Hund."
      Das Argument ist gar nicht so merkwürdig, denke ich. Mit
      Noch-nicht-40 bist Du ja noch ein junger Spund und wenn es dem
      HErrn gefällt, sind Dir noch einige Jährchen im Diesseits
      vergönnt. Aber da es tatsächlich eine Erklärung der
      Diözesanbischöfe gibt, in der der Kirchenaustritt als "schwere
      Verfehlung" bezeichnet wird, der mit dem Entzug von
      kirchlichen Rechten geahndet wird, sollte man sich schon
      darüber klar sein, was man mit dem Austritt in Kauf nimmt. Und
      vielen ist es halt wichtig, von einem Geistlichen unter die
      Erde gebracht zu werden. "Verscharren" ist natürlich nicht die
      Alternative, schließlich gibt es auch weltliche Trauerredner.
      Aber für viele Angehörige ist das dann schon bitter, wenn der
      Herr Pfarrer ihnen beim Tode einer nahestehenden Person die
      kalte Schulter zeigen muß.
      Ja, da ist was dran ... mir selbst kann es ja ziemlich egal sein. Glaubensfragen sind davon ja unberührt. Ich kann mir nicht recht vorstellen, daß ich eines Tages vor der Himmelspforte stehe und jemand sagt: "Moment, ich sehe hier ein Problem. Sie haben seit 2003 keine Steuern mehr bezahlt. Sorry, das bedeutet zunächst einmal 3 Jahre Fegefeuer, wir sehen uns dann später wieder". Aber tatsächlich könnte es für einige Angehörige, sollten sie mich denn überleben, problematisch werden. Am "sakramentalen Leben" kann der
      Ausgetretene - sagen die Diözesanbischöfe - erst dann wieder
      teilnehmen, wenn er seine Austrittserklärung rückgängig macht
      und Kirchensteuer zahlt. Insbesondere kann er nicht am Empfang
      der Sakramente teilnehmen, kein Patenamt übernehmen und - ohne
      Erlaubnis des Bischofs - keine kirchliche Hochzeit feiern.
      Aber genau diese kirchenrechtlichen Engstirnigkeiten bestätigen mich doch: "Wenn Du nicht zahlst, bekommst Du das und das nicht und darfst dann das und das nicht". Das ist doch im höchsten Maße unchristlich!

      • Antwort von nach 2 Stunden 1 hilfreich
        Re^3: Kirchenaustritt? Kontra´s gesucht!

        Hallo, Aber genau diese kirchenrechtlichen Engstirnigkeiten
        bestätigen mich doch: "Wenn Du nicht zahlst, bekommst Du das
        und das nicht und darfst dann das und das nicht". Das ist doch
        im höchsten Maße unchristlich!
        Das ist doch nicht unchristlich. Wenn Du aus der Kirche austrittst und damit laut und deutlich bekannt gibst, daß Du eben nicht mehr zur katholischen (oder auch anderen) Glaubensgemeinschaft gehören willst, kannst Du doch wohl nicht erwarten, daß Du auf der anderen Seite aber alle Vorteile / Angebote wahrnehmen kannst. Wenn Du nicht in der Gewerkschaft bist, bekommst Du schließlich auch kein Streikgeld und keinen kostenlosen gewerkschaftlichen Rechtsanwalt vor dem Arbeitsgericht.
        Nur die Rosinen rauspicken ist nicht, das gilt überall im Leben.

        Axel

        • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
          unchristlich ....

          Das ist doch nicht unchristlich. Wenn Du aus der Kirche
          austrittst und damit laut und deutlich bekannt gibst, daß Du
          eben nicht mehr zur katholischen (oder auch anderen)
          Glaubensgemeinschaft gehören willst, kannst Du doch wohl nicht
          erwarten, daß Du auf der anderen Seite aber alle Vorteile /
          Angebote wahrnehmen kannst. Wenn Du nicht in der Gewerkschaft
          bist, bekommst Du schließlich auch kein Streikgeld und keinen
          kostenlosen gewerkschaftlichen Rechtsanwalt vor dem
          Arbeitsgericht.
          Nur die Rosinen rauspicken ist nicht, das gilt überall im
          Leben.
          Ich verstehe Deinen Beitrag nicht. Von welchen Rosinen spricht Du? Welche Vorteile oder Angebote? Ich spreche von der amtskirchlichen Androhung, daß man mit dem Kirchenaustritt eine "schwere Verfehlung" begeht. Man droht mit der Hölle und verweigert fortan jegliche Nächstenliebe. Es geht doch nicht um Streikgelder oder kostenlose Rechtsberatung. Ich bin doch nicht in der Kirche, weil mir das bestimmte Vorteile bringt!!!

          • Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
            Angebote

            Hallo, Von welchen Rosinen spricht
            Du? Welche Vorteile oder Angebote?
            Kostenloser Messe- / Gottesdienst. Kirchliches Begräbnis. Seelischer Beistand. Besuche im Krankenhaus, Besuche bei Krankheit zu Hause, Besuche im Alter. Kirchliche Hochzeit. Taufe. Vor allem: nur als Kirchenmitglied gehörst Du der Glaubensgemeinschaft an. Ich spreche von der
            amtskirchlichen Androhung, daß man mit dem Kirchenaustritt
            eine "schwere Verfehlung" begeht. Man droht mit der Hölle und
            verweigert fortan jegliche Nächstenliebe.
            Die Nächstenliebe wird nicht verweigert. Die gilt bei Christen auch für Anders- und Nichtgläubige. Daß man 'Verrätern' mit Strafen im Jenseits droht, ist doch logisch. Gilt bei jeder Religion, bei jeder Sekte und sogar bei politischen Parteien. Es geht doch nicht
            um Streikgelder oder kostenlose Rechtsberatung. Ich bin doch
            nicht in der Kirche, weil mir das bestimmte Vorteile bringt!!!
            Aber sicher doch. Katholischer Glaube ist nur innerhalb der katholischen Kirche möglich. Außerhalb kannst Du Dich zwar weiter als Christ betrachten, aber nicht mehr als katholischer Christ (evangelisch gilt das genauso). Wegen dieses größten Vorteils ist man Mitglied. Und wenn Du eben nicht mehr dazugehören willst, mußt Du eben die Konsequenzen tragen. ALLE Konsequenzen. Wenn Du nicht dafür bist, bist Du dagegen. Halb dafür ist nicht.

            Axel

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re: Angebote

              Es geht doch nicht
              um Streikgelder oder kostenlose Rechtsberatung. Ich bin doch
              nicht in der Kirche, weil mir das bestimmte Vorteile bringt!!!
              Aber sicher doch. Katholischer Glaube ist nur innerhalb der
              katholischen Kirche möglich. Außerhalb kannst Du Dich zwar
              weiter als Christ betrachten, aber nicht mehr als katholischer
              Christ (evangelisch gilt das genauso). Wegen dieses größten
              Vorteils ist man Mitglied. Und wenn Du eben nicht mehr
              dazugehören willst, mußt Du eben die Konsequenzen tragen. ALLE
              Konsequenzen. Wenn Du nicht dafür bist, bist Du dagegen. Halb
              dafür ist nicht.
              Ich habe jetzt verstanden, was Du meinst. Allerdings gefällt mir der Standpunkt nicht. Widerspricht zudem der Auffassung vieler Theologen, denn man wird ja durch die Taufe katholisch und nicht durch die Steuerzahlungen (siehe dazu auch den Beitrag von "Täubchen"). Auch nach einem Kirchenaustritt kann ich an Gottesdiensten teilnehmen und auch die Kommunion empfangen. Ich bin ja dann nicht geächtet oder trage einen Stern auf der Brust. Sollte man mir irgendwo die Kommunion verweigern, dann bin ich dort sowieso falsch. Ich bleibe dabei, daß die Verweigerung der von Dir genannten "Angebote" (Besuch im Alter, etc.) unchristlich sind. Man muß ja nicht immer einer Meinung sein.

  3. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: Kirchenaustritt? Kontra´s gesucht!

    Hallo Klaus!

    Jesus war katholisch? Kann ich mir fast nicht vorstellen. Ich glaub der war Buddhist.

    Der liebe jetzige Pabst hat vor einiger Zeit ziemlich klar definiert was auf den Sünder wartet: Die Hölle!

    Nur wenn du in der kath. Kirche bist, allen weltlichen Genüssen entsagst und fleissig deine Beiträge zahlst wird Gott deine Seele retten. Sonst musst du in der Hölle schmoren. Und dort ists nicht lustig.

    Grüße Dusan

    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Re^2: Kirchenaustritt? Kontra´s gesucht!

      Hallo Dusan,

      verstehe ich Deine Antwort als ironischen Beitrag zum Thema? Wie steht es mit Dir? Gehörst Du einer Religionsgemeinschaft an? [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]



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