Zeugen Jehovas; ein Abtrünniger berichtet
Von: , Frage gestellt am Di, 5. Aug 2003
Hallo,
http://www.sueddeutsche.de/sz/feuilleton/red-artikel...
Interessant, es mal aus einer Insidersicht geschildert zu bekommen.
Gruß
Michael
Hallo,
http://www.sueddeutsche.de/sz/feuilleton/red-artikel...
Interessant, es mal aus einer Insidersicht geschildert zu bekommen.
Gruß
Michael
Hallo Michael,
die Aktivitäten der Zeugen J. kenne ich am Rande, meine Schwägerin gehört mit großer Begeisterung der Glaubengruppe an. Ich hatte schon heiße Diskussionen mit ihr, aber wir konnten einander nicht verstehen.
Einmal hatte ich die Gelegenheit mich mit ihrer 18jährigen Tochter über ihre Religion zu unterhalten. Auch sie erzählte von den nervigen Versammlungsbesuchen und der Wachturm Anpreiserei. Aber sie erzählte auch davon, dass sie in ihrer Klasse ab und zu mit den Oberflächlichkeiten nicht zurechtkam (sie ist wirklich ein sehr lustiges und aufgeschlossenes Mädchen) Beziehungsprobleme, Drogenprobleme, Schwangerschaften kurz dem Abi...usw. Die Gespräche unter Gleichaltrigen bei ihrer Glaubensgemeinschaft verliefen anders, weniger auf Schau aus (ich weiß nicht wie ich das jetzt besser formulieren könnte). Für sie war das Verhältnis unter Ihresgleichen ein wenig tiefer gehender, menschlicher, herzlicher.
Das gab mir zu denken.
Als meine Schwägerin zu den Zeugen Jehovas kam, bekam sie genau das, wie es auch in dem Artikel geschrieben wurde, zwischenmenschlichen Balsam für ihre seelischen Wunden, sie litt nicht mehr an Einsamkeit, was auch dann vorkommen kann, wenn man unter Menschen ist.
Der Preis für deren Bemühungen um einen ist natürlich hoch, für manche mit Sicherheit und verständlicher Weise zu hoch.
Immerhin, die besagte Tochter der Schwägerin hat ein glattes 1er-Abi, und ist jetzt verheiratet und Mutter. Sie wird nie studieren, weil Frauen bestimmten Idealen entsprechen müssen - da ist kein Platz für weibliche geistige Überflieger.
viele Grüße
grilla
hi,
ja, schlimm. gaaaaaaanz schlimm. gut daß es die zj gibt, als dunkles beispiel für mittelalterliche religionsausübung in unserer zeit. auf moslems zu hacken ist ja nicht mehr pc. und was wäre los, wenn es in dem artikel gar um ein kloster ginge? nicht auszudenken in *süddeutschland*! ich kenne keine zj, noch nie gesehen, und sollten sie mich vor der tür anmissionieren und mir ihre lebensweise aufzwingen wollen, kommt eben die polizei. denn: es soll doch bitteschön jeder sein leben leben dürfen wie er das möchte. dummerweise gilt das aber auch für die zj selber. die sollen auch leben wie es für richtig halten, auch wenn die gelebten werte nicht mehr so hip sind. der artikel erinnert mich inhaltlich fatal an ähnliche politische umtriebe in israel, wenn in diversen zeitungen mit genuß auf "die religiösen" geschimpft wird, am besten von "aussteigern". manche passagen könnten wörtlich übernommen worden sein. diser journalismus und dessen begeisterte rezeption dient eher der beseitigung eigener ängste und des unwohlbefindens, das bei dem gedanken auftaucht, daß es noch was anderes gibt als das eigene bekannte leben. dem aussteiger wünsche ich jedenfalls viel glück weiterhin - manchmal macht das leben interessante wendungen.
gruß datafox
Hallo Lehi!
Die ZJ sind schon eine ganz eigene Sache. Ich bin verwundert, daß du in Graz nie einer an eure Tür geklopft hat. Weiss ja nicht wo du gewohnt hast, aber ich war keine 3 Monate hier und hatte schon meine erste Begegnung.
Aber egal
Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, daß jeder so leben soll wie er mag, solange nicht andere dabei zu Schaden kommen. Und genau das läuft bei den ZJ anders. Ihre Religion verbietet nämlich jegliche Art von Bluttransfusionen. Ich bin jetzt nicht wirklich Insider, wie es sich mit lebenswichtigen Medikamenten und ähnlichem verhaltet weiss ich nicht.
Es gab vor ein paar Jahren die große Diskussion, als ein Kind eine lebensrettende OP oder Bluttransfusion gebraucht hätte und diese von den Eltern verweigert wurde. Wenn ich mich richtig erinnere haben sich die Ärzte dann darüber hinweggesetzt und daraufhin ist es zu einer Anzeige von Seiten der Eltern gekommen.
Das Kind hatte Glück, daß es schon im Krankenhaus war. Was wäre zuhause passiert???
Grüße Dusan
hallo,
Ich bin verwundert,
daß du in Graz nie einer an eure Tür geklopft hat.
hmmm möglich daß welche dabeiwaren. ich mache meistens niemandem auf :) wachturmverteiler habe ich zwar gesehen, aber keinen kontakt gehabt. ich kann also nichts über zj sagen.
Ihre Religion verbietet
nämlich jegliche Art von Bluttransfusionen.
soweit ich weiß ist selbstmord nicht verboten. nur der zuständige arzt möchte ich auch nicht sein. denn der ist erstmal verpflichtet zu helfen.
ein Kind
hier sieht es ganz anders aus. erinnerst du dich an den fall julia und den "arzt" hamer? das war eine ähnliche geschichte. den eltern wurde das sorgerecht entzogen, dann sind sie geflohen. sie lehnten eine krebsbehandlung für das kind ab. hamer ist so ein wunderheiler, der jetzt in portugal oder so lebt.
grüße datafox
Hallo!
Bei einem Einsatz im Rettungsdienst vor einigen Jahren mußte ich einen Vater KO schlagen, da er (die Mutter hatte den Rettungsdienst gerufen) mich nicht zu seinem Kind lassen wollte. Das Kind war durch eine Glasscheibe einer Tür gefallen und hatte mehrere, goße Verletzungen mit arteriellen und venösen Blutungen.
Der Vater wurde vom nachgeforderten Notarzt sediert, das Kind im Krankenhaus mehrere Stunden operiert, ich angezeigt. Das Verfahren wurde eingestellt, da der Vater durch seinen Anwalt verlauten ließ, er habe im Affekt gehandelt, denn eine Wunde zu versorgen wäre gegen seinen Glauben als ZJ gewesen, da es Gottes Wille gewesen sei, und das Stillen einer Blutung ein Mißachten des Willen Gottes gewesen sei.
Was ich damit sagen will?
Fanatismus ist immer schädlich, egal, von welcher religiösen Gemeinschaft er ausgeht.
Nachdenklich grüßt,
Marcus
Hallo Allerseits.
... Das
Verfahren wurde eingestellt, da der Vater durch seinen Anwalt
verlauten ließ, er habe im Affekt gehandelt, denn eine Wunde
zu versorgen wäre gegen seinen Glauben als ZJ gewesen, da es
Gottes Wille gewesen sei, und das Stillen einer Blutung ein
Mißachten des Willen Gottes gewesen sei.
Was völliger Blödsinn ist. ZJ nehmen normaler alle medizinische Behandlungen in Anspruch INKLUSIVE Operationen und chirurgische Eingriffe.
Dabei wird nur auf Vollblutkonserven und die meisten Blutfraktionen verzichtet. Üblicherweise stellt dies medizinisch betrachtet kein Problem dar (das ist ein eigenes Thema, die Verwendung von Blut in der Medizin).
Der Vater ist gemäß biblischen Werten verpflichtet für seine Familie und seine Kinder zu sorgen und ihnen die beste medizinische Versorgung zur Verfügung zu stellen.
@ Blauschatten: War es wirklich ein ZJ oder wurde im Stil der der modernen Legenden eine Geschichte zusammengesponnen. Ich möchte der Geschichte nachgehen. Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mir nähere Angaben mailen könntest.
Gruß
Carlos
Hallo Carlos !
Hallo Allerseits.
... Das
Verfahren wurde eingestellt, da der Vater durch seinen Anwalt
verlauten ließ, er habe im Affekt gehandelt, denn eine Wunde
zu versorgen wäre gegen seinen Glauben als ZJ gewesen, da es
Gottes Wille gewesen sei, und das Stillen einer Blutung ein
Mißachten des Willen Gottes gewesen sei.
Was völliger Blödsinn ist. ZJ nehmen normaler alle
medizinische Behandlungen in Anspruch INKLUSIVE Operationen
und chirurgische Eingriffe.
Nunja, vielleicht handelte es sich wirklich um ein Mitglied, welches aber etwas übers Ziel hinausschoss. Zudem muss man ihm zugestehen, unter Schock gestanden zu haben; sein eigenes Kind in einer Blutlache liegen zu sehen, geht sicher auch am Abgebrühtesten nicht spurlos vorbei. Panik macht sich breit, und die bei dieser Bevölkerungsgruppe vorhandenen Bedenken gegen eine eventuelle Transfusion spielt auch noch mit.
Dabei wird nur auf Vollblutkonserven und die meisten
Blutfraktionen verzichtet. Üblicherweise stellt dies
medizinisch betrachtet kein Problem dar (das ist ein eigenes
Thema, die Verwendung von Blut in der Medizin).
Der Vater ist gemäß biblischen Werten verpflichtet für seine
Familie und seine Kinder zu sorgen und ihnen die beste
medizinische Versorgung zur Verfügung zu stellen.
@ Blauschatten: War es wirklich ein ZJ oder wurde im Stil der
der modernen Legenden eine Geschichte zusammengesponnen. Ich
möchte der Geschichte nachgehen. Ich wäre dir sehr dankbar,
wenn du mir nähere Angaben mailen könntest.
Gruß
Carlos
Hallo Herr Meyer
..Zudem muss man ihm
zugestehen, unter Schock gestanden zu haben; sein eigenes Kind
in einer Blutlache liegen zu sehen, geht sicher auch am
Abgebrühtesten nicht spurlos vorbei.
Seinem Kind die medizinische Behandlung zu verweigern und dann noch Widerstand gegen die Staatsgewalt zu leisten ist ein Verhalten, welches nicht mit einem Schock entschuldigt werden kann. Das geht für mich ins pathologische.
Gruß
Carlos
Seinem Kind die medizinische Behandlung zu verweigern und dann
noch Widerstand gegen die Staatsgewalt zu leisten ist ein
Verhalten, welches nicht mit einem Schock entschuldigt werden
kann. Das geht für mich ins pathologische.
Hallo Carlos !
Vollkommen richtig.
Sicher bist du gewöhnt, Sachverhalte mit verschiedenen Lichtern und aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und dich nicht auf eine Darstellung aus nur einer Richtung zu verlassen.
Weder du noch ich waren beim Vorfall dabei. Wir können nicht belegen, was sich wirklich abgespielt hat, sondern sind auf eine einzelne Information angewiesen. Keiner soll verurteilt werden, bevor er gehört wird.
HM
Gruß
Carlos