'Mea culpa' – das Bedauern der katholischen Kirche
Von: , Frage gestellt am Di, 14. Mär 2000
Es ist ein schöner Zug, wenn sich die römisch-katholische Kirche für die "Fehler und Verbrechen" entschuldigt, welche im Namen der Religion, teilweise von obersten Kirchenkreisen angeregt und sanktioniert, im Lauf der letzten zweitausend Jahre begangen worden sind. Leider hat sich die Kurie dabei aber ausdrücklich auf die Einzelmitglieder der katholischen Kirche und nicht auf ihre Institution bezogen. Katholiken hätten während des Zweiten Weltkriegs zu wenig getan, um den Juden zu helfen (und nicht der "Stellvertreter", Papst Pius XII.) Angesichts des weiterhin bestehenden Dogmas von der Unfehlbarkeit des Papstes hat somit die Gesamtkirche richtig gehandelt, als sie Judenverfolgungen mit Stillschweigen quittierte, ist jener Papst Innocenz (der "Unschuldige"), der die Christenheit zu den Kreuzzügen aufgerufen hat, nicht für die Greueltaten der Kreuzfahrer verantwortlich, die an Juden und Muslimen, aber auch an den christlichen Brüdern der Ostkirche in Byzanz, begangen worden sind.
Und wie der unbequeme Theologe Hans Küng richtig feststellt, das Bedauern der Kirche richtet sich ausschliesslich an die Verfolgten und Verfemten der Vergangenheit. Ausgeschlossen vom "mea culpa" des Papstes sind alle heute in schweren Gewissenskrisen lebenden katholischen Priester, die ein Verhältnis mit einer Frau haben, die vielleicht Väter sind. Ausgeschlossen sind alle Menschen, die nicht der Alleinseligmachenden Kirche in Rom folgen.
Papst Johannes Paul II. hat grosse Verdienste um eine dringendst notwendige Modernisierung des christlichen Glaubens erworben. Er wandelt in den Fussstapfen seines Vorvorgängers Johannes XXIII, der als erster die Versöhnung der Kirchen anpackte und eine Oekumene begünstigte, die allen Religionen zum Segen gereichen würde. Aber der jetzige Papst ist trotz aller Schuldbekenntnisse nicht in der Lage, die Verbrechen und Versäumnisse der katholischen Kirche bis in die heutige Zeit klar zu erkennen, zu bereuen und neue Wege zu gehen. Dazu bedarf es vermutlich eines jüngeren Papstes, wobei zuzugeben ist, dass Johannes XXIII mit achtzig Jahren geistig wesentlich jünger war als der jetzioge Amtsinhaber des Stuhles Petri.
Ich masse mir als Nicht-Katholik kein Urteil an über eine Konfession, die erst heute die Fehler rückgängig macht, die einst zur Kirchenspaltung der Protestanten geführt haben. Aber da der Papst für die gesamte christliche Religion eine Art Vorbild sein sollte und ist, kann ich meine Kritik am halbherzigen "mea culpa" des Papstes nicht verschweigen.
