Nichtjude und Kippa

Von: , Frage gestellt am Do, 30. Okt 2003

Hallo,

meine Frage hat nichts mit der zu tun, die zufällig hier zwei Themen tiefer steht, sie hat einen konkreten Anlass:

Ich bin eingeladen worden, am 9. November an einer Kranzniederlegung zum Gedenken der Reichskristallnacht an einem Ort teilzunehmen, an dem früher eine Synagoge stand. Für Männer ist Kopfbedeckung vorgeschrieben.

Ich besitze von einem Israelbesuch eine Kippa. Spontan würde ich sie gern bei dieser Gelegenheit tragen und betrachte das auch als eine Art symbolischer Identifizierung mit den Menschen, derer wir gedenken.

Aber wie werden andere das sehen, wie insbesondere die teilnehmenden Juden? Unpassend? Aufdringlich?

Freundliche Grüße
Peter

21 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 52 Minuten 0 hilfreich
    Re: Nichtjude und Kippa

    Hallo Peter,

    aufgrund meiner Erfahrungen und meiner Talmudstudien würde ich sagen, daß keine religösen Gründe dagegen sprechen, wenn Du mit Kippa herumläufst.

    Da Du Dich jedoch wohl nicht der Gefahr aussetzen möchtest, womöglich als der einzige Kippa-Träger aufzufallen, mußt Du zur Vorsicht ohnehin einen zum dunklen Anzug passenden Hut haben.

    Sobald die (Volks)-zugehörigkeit oder -nichtzugehörigkeit auch nur in geringstem Maße zum Thema geworden ist, wird solch ein ethnisches Accesoire zu einem Zitat und dadurch schnell peinlich.

    Mit freundlichem Gruß,

    Wolfgang Berger

  2. Antwort von nach einer Stunde 3 hilfreich
    Re: Nichtjude und Kippa

    Hallo Peter, Ich bin eingeladen worden, am 9. November an einer
    Kranzniederlegung zum Gedenken der Reichskristallnacht an
    einem Ort teilzunehmen, an dem früher eine Synagoge stand. Für
    Männer ist Kopfbedeckung vorgeschrieben.
    Da der Veranstalter eine Vorgabe gemacht hat, scheint der Rahmen ja geklärt zu sein. Außerdem ist es dann üblich in einem solchen Fall Kippot bereitzuhalten für Gäste, die keine haben.

    Ansonsten kann man generell sagen: Auf jüd. Friedhöfen und bei jüdischen G-ttesdiensten ist für Männer das Tragen einer Kippa vorgeschrieben - auch für Nichtjuden.

    Bei anderen Gelegenheiten ist es eher daneben, wenn z.B. bei einem Straßenfest eine Gruppe jüdischer Schwuler einen Stand macht und deren nicht-jüdische Lebensgefährten dann Kippa tragen um zu zeigen, daß sie auch bei dieser Gruppe mitmachen. Ich besitze von einem Israelbesuch eine Kippa. Spontan würde
    ich sie gern bei dieser Gelegenheit tragen und betrachte das
    auch als eine Art symbolischer Identifizierung mit den
    Menschen, derer wir gedenken.
    Jegliche Art von symbolischer Identifizierung seitens Nichtjuden ist mir suspekt. Womit willst Du Dich identifizieren?
    Ich kenne diese "Identifikationsmasche" sehr stark von Klezmerkonzerten einer Reihe nichtjüdischer Gruppe, die dann "Juden spielen".

    In den letzten Jahren habe ich es immer wieder erlebt, daß zu meinen Stadtrundgängen am 9. November Nichtjuden kamen, die sich einen gelben Stern gebastelt und angeheftet haben um ihre "Solidarität zu zeigen".

    Da in diesem Bereich so vieles verquer läuft, vermute ich eher, daß auch andere Formen von Identifikation dann nicht so gut rüberkommen. Aber wie werden andere das sehen, wie insbesondere die
    teilnehmenden Juden? Unpassend? Aufdringlich?
    Da ich nicht teilnehme und Dich nicht kenne, kann ich das nicht konreter formulieren als oben. Wenn Dich dieses sensible Feld näher interessiert, empfehle ich Dir einen Beitrag im europäisch-jüdischen Magazin Golem:
    Jewish Disneyland - die Enteignung und Aneignung des "Jüdischen"

    http://www.hagalil.com/golem/

    viele Grüsse

    Iris

    • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
      Kippa und Kippot

      Hallo Iris,

      schaust Du mal bitte ins Fremdsprachenbrett?

  3. Antwort von nach 13 Stunden 1 hilfreich
    Re: Kipa aus Papier in Synagoge

    Ich habe mal in Hamburg eine Synagoge besucht. Dort lagen am Eingang kleine Papier-Kipas und die Leute (Nichtjuden), die keine Kopfbedeckung dabei hatten, wurden gebeten, sich solch eine "Behelfs"-Kipa aufzusetzen.

    • Antwort von nach 14 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Kipa aus Papier in Synagoge

      Hallo Jochen, Ich habe mal in Hamburg eine Synagoge besucht. Dort lagen am
      Eingang kleine Papier-Kipas und die Leute (Nichtjuden),
      Oder Juden, die sie vergessen haben oder gar keine ueberhaupt zu Hause haben :-) die
      keine Kopfbedeckung dabei hatten, wurden gebeten, sich solch
      eine "Behelfs"-Kipa aufzusetzen.
      lustig, papier-kippot habe ich noch nie gesehen, schnelle und private improvisationen wie taschentuecher, basecap, muetzen aller art, dem geruecht nach zuweilen motorradhelme oder vom gemeindediener ausgehaendigte gaaanz simple stoffkippot, aber papierkippot vom shammes noch nicht, was es nicht alles gibt *g*

      viele gruesse, peter

      • Antwort von nach 20 Stunden 1 hilfreich
        Re^3: Kipa aus Papier in Synagoge

        lustig, papier-kippot habe ich noch nie gesehen
        Hallo, Peter,
        Doch doch, das ist durchaus gängige Praxis. Bereits in den 70er Jahren konnte man diese Geräte aus schwarz bedruckter dünner Pappe gegen wenige Agoroth am Eingang verschiedener Synagogen erhalten. Wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt wurden sie auch für barhäuptige Goiim an der Klagemauer bereitgehalten.
        Grüße
        Eckard.

        • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Kipa aus Papier in Synagoge

          Hallo Eckard, Doch doch, das ist durchaus gängige Praxis. Bereits in den
          70er Jahren konnte man diese Geräte aus schwarz bedruckter
          dünner Pappe gegen wenige Agoroth am Eingang verschiedener
          Synagogen erhalten.
          ist mir wirklich noch nie begegnet, vielen dank fuer dein posting,

          viele gruesse, peter

          • Antwort von nach 5 Tagen 0 hilfreich
            Re^5: Kipa aus Papier in Synagoge

            Hallo Peter,

            je besonderns im Freiland (Klagemager etc.) ist es dann mehr als amüsant zu sehen, was bei aufkommendem Wind passiert.

            Schalom,
            Eli

  4. Antwort von nach 2 Tagen 1 hilfreich
    Re: Nichtjude und Kippa

    hi, Für
    Männer ist Kopfbedeckung vorgeschrieben.
    von kipa ist ja nicht die rede. du kannst jegliche kopfbedeckung aufsetzen, auch eine baseballkappe. symbolischer Identifizierung
    finde ich als motiv für das tragen einer kipa mehr als daneben. du gehst auch nicht auf einen behindertenkongreß im solidaritätsrollstuhl. (jezt bitte keine bösartigen kommentare, denn ich weiß das war ein unpassender vergleich und überhaupt.) Unpassend? Aufdringlich?
    hängt von den anwesenden leuten ab. bei uns in israel ist es normal, daß nichtjüdische gäste bei religiösen anlässen kipot tragen. daß du mit einem religiösen juden verwexelt wirst brauchst du nicht zu fürchten. man kann den dauertkippaträger vom anlaßkipaträger aus 10 meter entfernung erkennen.

    gruß
    datafox



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