Hallo Lidscha,
das ist eines der großen Mißverständnisse der Kirchen- bzw. Wissenschaftsgeschichte:
meines Wissens hat die Kirche nie behauptet, dass die Erde eine Scheibe sei. Beim Streit mit Galilei ging es vielmehr um die Frage, ob die Erde der Mittelpunkt des Universums sei oder aber um die Sonne kreise. Galileis Äußerung war ja (der Legende nach) auch dementsprechend: "Und sie bewegt sich doch!"
Auszug aus dem "Lexikon der populären Irrtümer", ISBN 3492224466 [Buch anschauen], unter dem Stichwort "Galilei":
"Die Kirche dagegen behandelte den unkonventionellen Physikprofessor aus der Toskana mit bemerkenswerter Toleranz; er wurde vom Papst zur Audienz empfangen, von den Jesuiten sogar für seine wissenschaftlichen Verdienste ausgezeichnet, und anders als die weltlichen Gelehrten ließen sich die Jesuiten auch durch Fakten (nämlich durch die Monde des Jupiters) überzeugen, daß das ptolemäische Weltbild wissenschaftlich nicht zu halten war.
Erst als Galilei nicht nur das ptolemäische Weltbild als falsch, sondern darüber hinaus sein eigenes als das einzig richtige bezeichnete (was nicht stimmt, wie wir spätestens seit Einstein wissen), wurde diese Toleranz der Kirche ernsthaft auf die Probe gestellt. Denn als Arbeitshypothese hätte man Galileis Thesen durchaus gelten lassen, aber als endgültige Wahrheit nicht. Hier sah die Kirche ihren Monopolanspruch verletzt, und als Galilei trotz Abmahnung immer dezidierter von dem System des Kopernikus als einer 'bewiesenen Wahrheit' sprach, den Beweis aber nicht beibringen konnte (was auch gar nicht geht, denn wissenschaftliche Theorien lassen sich nur widerlegen, aber nicht beweisen), reagierte die Kirche auch ihrerseits recht überzogen mit einem Dekret, das die Lehre von der Bewegung der Erde für 'falsch und in allen Punkten der Heiligen Lehre widersprechend' erklärte.
Persönlich wurde Galilei jedoch nicht belangt. Weder wurden seine Bücher verboten noch seine guten Beziehungen zu den Mächtigen ernsthaft angegriffen. Hätte er hinfort von seinen Thesen als Theorien und nicht letzten Wahrheiten gesprochen, wäre es wohl nie zu der berühmten Vorladung vor die Inquisition nach Rom gekommen."
Die Zurücknahme der kirchlichen Schritte gegen Galilei erfolgte 1992 durch Papst Johannes Paul II.
http://www.stjosef.at/dokumente/papst_galilei.htm
Grüße
Wolfgang