Re: 'am Leben erhalten' heißt uU quälen
Hallo!
Hallo Gollum !
Ich wende mich in erster Linie an die Gläubigen unter Euch.
*grins* welche Gläubigen meinst Du damit genau ? In gewissem
Sinn sind auch Atheisten gläubig, sie glauben, dass da
"Nichts" ist.
Ich denke schon, daß Du verstanden hast, was ich meine.
Ich finde, daß die Medizin bereits der Natur ein Schnäppchen
geschlagen hat, das heißt ein Mensch, der von der Natur schon
zum Sterben vorgesehen ist, wird am Leben erhalten.
Du triffst mit Deiner Formulierung den Nagel auf den Kopf. Als
"Leben" würd ich das nicht mehr bezeichnen, wenn jemand im
Bett liegt, ohne Chance, von der liegenden Position je wieder
wegzukommen; eher so wie Du: "am Leben erhalten".
Wer kann sagen, wer eine Chance hat und wer nicht? Wenn Du so offensichtliche Fälle meinst, wie Krebs im Endsatdium, dann ist es wohl klar, aber was ist mit Apallikern? Niemand kann sagen, ob sie wieder aufstehen werden, sie können Dir nicht sagen, ob ihnen das Leben, das sie derzeit führen, gefällt. Und niemand weiß genau, ob sie überhaupt etwas mitbekommen (man vermutet es allerdings).
Ich glaube, wenn es um eine Blinddarmoperatiopn geht, sind wir
uns einig, daß das OK ist, aber wie sieht es mit der
Intensivmedizin aus?
Wenn jemand einen Blinddarmdurchbruch hat und Blutkonserven
oder Blutbestandteile braucht, dann sollte die Person nach
Ansicht der Zeugen Jehovas doch besser sterben.
Das weiß ich, mir ging es eben darum, wie das zum Beispiel Angehörige einer anderen Religion sehen. Wo ist die Grenze zwischen gutheißen der medizinischen Maßnahmen und Euthanasie? Wenn ein Diabetiker kein Insulin bekommt, stirbt er zwangsläufig irgendwann, folglich ist er von der Natur zum Sterben verurteilt. Aber die Menschen sind dahintergekommen, daß er ein relativ normales Leben führen kann, wenn er sein Insulin bekommt. Ich nehme an, daß es noch irgendwelche Naturvölker gibt, wo Diabetiker nicht sehr alt werden.
Aber wie sieht es mit Kindern aus, die gleich nach der Geburt ein neues Herz brauchen? Soll man oder soll man nicht?
Oder mit Babies, die mit einer Behinderung auf die Welt kommen, die
so schlimm ist, daß das Baby nach ein paar Tagen sterben würde(z.B.
Autoimmunerkrankungen)?
Einerseits müßte man ja sagen, wenn es Gottes Wille ist, daß
dieser Mensch stirbt, dann muß er eben sterben, andererseits
müßte man aber auch sagen, Gott gab uns die Fähigkeit
Medizintechnik zu entwickeln.
Strapazier nicht "Gottes Wille" ! Den kennt niemand, auch wenn
manche Buchgelehrten da jetzt heftig widersprechen.
Deswegen mein erster Satz. ;-)
Wo seht Ihr die Grenze, wo der Mensch noch eingreifen sollte
und wo sollte er der Natur ihren Lauf lassen? Speziell im
Zusammenhang mit der Gentechnologie denke ich, daß da ein
großes ethisches Problem auf uns zukommen wird.
Bezogen auf meine persönlichen Erlebnisse: wenn keine Chance
besteht, von den Maschinen jemals wieder wegzukommen, dann
sollte man das besser bleiben lassen.
Und wer kann sagen, ob eine Chance besteht? Heute kann man Krankheiten heilen, an denen vor 20 Jahren noch Menschen gestorben sind.
Man könnte einerseits sagen, wer die Maschine abdreht, ist ein
Mörder, andererseits denke ich, einmal von den enormen Kosten
abgesehen, wo wird das Leiden verlängert und vor allem, wer
darf die Grenze setzen?
Ich dreh die Formulierung um: Wer die Maschinen weiterlaufen
lässt in dem Wissen, dass keine Besserungschance möglich ist,
ist ein - ich drastifizier jetzt absichtlich - perverser
Sadist.
Mir ging es aber nicht um eindeutige Fälle, sondern genau um die Grenzfälle.
Grüße
Gollum