Wo fängt Euthanasie an?

Von: , Frage gestellt am Mi, 26. Nov 2003

Hallo!


Ich wende mich in erster Linie an die Gläubigen unter Euch. Ich habe mir neulich gedacht, daß es eigentlich "dank" der Medizintechnik heute möglich ist, jemanden nicht sterben zu lassen. Theoretisch kann man einen Körper beatmen, ihm einen Schrittmacher verpassen, an eine Dialyse anschließen, ihn künstlich ernähren usw....

Ich finde, daß die Medizin bereits der Natur ein Schnppchen geschlagen hat, das heißt ein Mensch, der von der Natur schon zum Sterben vorgesehen ist, wird am Leben erhalten.

Ich glaube, wenn es um eine Blinddarmoperatiopn geht, sind wir uns einig, daß das OK ist, aber wie sieht es mit der Intensivmedizin aus? Oder mit Babies, die mit einer Behinderung auf die Welt kommen, die so schlimm ist, daß das Baby nach ein paar Tagen sterben würde(z.B. Autoimmunerkrankungen)?

Einerseits müßte man ja sagen, wenn es Gottes Wille ist, daß dieser Mensch stirbt, dann muß er eben sterben, andererseits müßte man aber auch sagen, Gott gab uns die Fähigkeit Medizintechnik zu entwickeln.

Wo seht Ihr die Grenze, wo der Mensch noch eingreifen sollte und wo sollte er der Natur ihren Lauf lassen? Speziell im Zusammenhang mit der Gentechnologie denke ich, daß da ein großes ethisches Problem auf uns zukommen wird.

Man könnte einerseits sagen, wer die Maschine abdreht, ist ein Mörder, andererseits denke ich, einmal von den enormen Kosten abgesehen, wo wird das Leiden verlängert und vor allem, wer darf die Grenze setzen?

Aus weltlicher Sicht ist mir klar, daß es eher eine Kosten/Nutzen-Rechnung ist (nicht nur finanziell), aber mich würde die Sicht eines Gläubigen interessieren, wie er mir dieser Ambivalenz umgeht.

Danke



Gollum

45 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 29 Minuten 0 hilfreich
    'am Leben erhalten' heißt uU quälen

    Hallo!
    Hallo Gollum !
    Ich wende mich in erster Linie an die Gläubigen unter Euch.
    *grins* welche Gläubigen meinst Du damit genau ? In gewissem Sinn sind auch Atheisten gläubig, sie glauben, dass da "Nichts" ist. Ich habe mir neulich gedacht, daß es eigentlich "dank" der
    Medizintechnik heute möglich ist, jemanden nicht sterben zu
    lassen. Theoretisch kann man einen Körper beatmen, ihm einen
    Schrittmacher verpassen, an eine Dialyse anschließen, ihn
    künstlich ernähren usw....
    Ich hatte eine Großtante und einen Großvater, die eine Zeit lang an lebenserhaltenden Geräten angeschlossen waren. Ich finde, daß die Medizin bereits der Natur ein Schnppchen
    geschlagen hat, das heißt ein Mensch, der von der Natur schon
    zum Sterben vorgesehen ist, wird am Leben erhalten.
    Du triffst mit Deiner Formulierung den Nagel auf den Kopf. Als "Leben" würd ich das nicht mehr bezeichnen, wenn jemand im Bett liegt, ohne Chance, von der liegenden Position je wieder wegzukommen; eher so wie Du: "am Leben erhalten". Ich glaube, wenn es um eine Blinddarmoperatiopn geht, sind wir
    uns einig, daß das OK ist, aber wie sieht es mit der
    Intensivmedizin aus?
    Wenn jemand einen Blinddarmdurchbruch hat und Blutkonserven oder Blutbestandteile braucht, dann sollte die Person nach Ansicht der Zeugen Jehovas doch besser sterben. Oder mit Babies, die mit einer Behinderung auf die Welt kommen, die
    so schlimm ist, daß das Baby nach ein paar Tagen sterben würde(z.B.
    Autoimmunerkrankungen)?

    Einerseits müßte man ja sagen, wenn es Gottes Wille ist, daß
    dieser Mensch stirbt, dann muß er eben sterben, andererseits
    müßte man aber auch sagen, Gott gab uns die Fähigkeit
    Medizintechnik zu entwickeln.
    Strapazier nicht "Gottes Wille" ! Den kennt niemand, auch wenn manche Buchgelehrten da jetzt heftig widersprechen. Wo seht Ihr die Grenze, wo der Mensch noch eingreifen sollte
    und wo sollte er der Natur ihren Lauf lassen? Speziell im
    Zusammenhang mit der Gentechnologie denke ich, daß da ein
    großes ethisches Problem auf uns zukommen wird.
    Bezogen auf meine persönlichen Erlebnisse: wenn keine Chance besteht, von den Maschinen jemals wieder wegzukommen, dann sollte man das besser bleiben lassen. Man könnte einerseits sagen, wer die Maschine abdreht, ist ein
    Mörder, andererseits denke ich, einmal von den enormen Kosten
    abgesehen, wo wird das Leiden verlängert und vor allem, wer
    darf die Grenze setzen?
    Ich dreh die Formulierung um: Wer die Maschinen weiterlaufen lässt in dem Wissen, dass keine Besserungschance möglich ist, ist ein - ich drastifizier jetzt absichtlich - perverser Sadist. Mit folgender Einschränkung: Es gibt gar nicht wenige Leute, die ihre todkranken Verwandten nicht loslassen können, obwohl keine Besserungschance besteht. Das bräuchte imo eine psychologische Begleitung. Allerdings haben wir in unseren westlichen Gesellschaften das Sterben sehr weit von uns weggeschoben; in der Gruppe läßt sich unter Umständen viel leichter "Abschied nehmen". Aus weltlicher Sicht ist mir klar, daß es eher eine
    Kosten/Nutzen-Rechnung ist (nicht nur finanziell), aber mich
    würde die Sicht eines Gläubigen interessieren, wie er mir
    dieser Ambivalenz umgeht.
    Nein, nicht Kosten-Nutzen-Rechung. Wenn Du mal ansehn musst, wie sich Deine Großtante im komaähnlichen Zustand stöhnend hin und her dreht und durch die tagelange gleiche Haltung wundliegt, dann ist für mich das "Sterben lassen" viel eher ein Akt der Barmherzigkeit. Danke
    Gollum
    Grüße
    Wolkenstein

    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Re: 'am Leben erhalten' heißt uU quälen

      Hallo! Hallo Gollum !
      Ich wende mich in erster Linie an die Gläubigen unter Euch.
      *grins* welche Gläubigen meinst Du damit genau ? In gewissem
      Sinn sind auch Atheisten gläubig, sie glauben, dass da
      "Nichts" ist.
      Ich denke schon, daß Du verstanden hast, was ich meine. Ich finde, daß die Medizin bereits der Natur ein Schnäppchen
      geschlagen hat, das heißt ein Mensch, der von der Natur schon
      zum Sterben vorgesehen ist, wird am Leben erhalten.
      Du triffst mit Deiner Formulierung den Nagel auf den Kopf. Als
      "Leben" würd ich das nicht mehr bezeichnen, wenn jemand im
      Bett liegt, ohne Chance, von der liegenden Position je wieder
      wegzukommen; eher so wie Du: "am Leben erhalten".
      Wer kann sagen, wer eine Chance hat und wer nicht? Wenn Du so offensichtliche Fälle meinst, wie Krebs im Endsatdium, dann ist es wohl klar, aber was ist mit Apallikern? Niemand kann sagen, ob sie wieder aufstehen werden, sie können Dir nicht sagen, ob ihnen das Leben, das sie derzeit führen, gefällt. Und niemand weiß genau, ob sie überhaupt etwas mitbekommen (man vermutet es allerdings). Ich glaube, wenn es um eine Blinddarmoperatiopn geht, sind wir
      uns einig, daß das OK ist, aber wie sieht es mit der
      Intensivmedizin aus?
      Wenn jemand einen Blinddarmdurchbruch hat und Blutkonserven
      oder Blutbestandteile braucht, dann sollte die Person nach
      Ansicht der Zeugen Jehovas doch besser sterben.
      Das weiß ich, mir ging es eben darum, wie das zum Beispiel Angehörige einer anderen Religion sehen. Wo ist die Grenze zwischen gutheißen der medizinischen Maßnahmen und Euthanasie? Wenn ein Diabetiker kein Insulin bekommt, stirbt er zwangsläufig irgendwann, folglich ist er von der Natur zum Sterben verurteilt. Aber die Menschen sind dahintergekommen, daß er ein relativ normales Leben führen kann, wenn er sein Insulin bekommt. Ich nehme an, daß es noch irgendwelche Naturvölker gibt, wo Diabetiker nicht sehr alt werden.
      Aber wie sieht es mit Kindern aus, die gleich nach der Geburt ein neues Herz brauchen? Soll man oder soll man nicht? Oder mit Babies, die mit einer Behinderung auf die Welt kommen, die
      so schlimm ist, daß das Baby nach ein paar Tagen sterben würde(z.B.
      Autoimmunerkrankungen)?

      Einerseits müßte man ja sagen, wenn es Gottes Wille ist, daß
      dieser Mensch stirbt, dann muß er eben sterben, andererseits
      müßte man aber auch sagen, Gott gab uns die Fähigkeit
      Medizintechnik zu entwickeln.
      Strapazier nicht "Gottes Wille" ! Den kennt niemand, auch wenn
      manche Buchgelehrten da jetzt heftig widersprechen.
      Deswegen mein erster Satz. ;-) Wo seht Ihr die Grenze, wo der Mensch noch eingreifen sollte
      und wo sollte er der Natur ihren Lauf lassen? Speziell im
      Zusammenhang mit der Gentechnologie denke ich, daß da ein
      großes ethisches Problem auf uns zukommen wird.
      Bezogen auf meine persönlichen Erlebnisse: wenn keine Chance
      besteht, von den Maschinen jemals wieder wegzukommen, dann
      sollte man das besser bleiben lassen.
      Und wer kann sagen, ob eine Chance besteht? Heute kann man Krankheiten heilen, an denen vor 20 Jahren noch Menschen gestorben sind. Man könnte einerseits sagen, wer die Maschine abdreht, ist ein
      Mörder, andererseits denke ich, einmal von den enormen Kosten
      abgesehen, wo wird das Leiden verlängert und vor allem, wer
      darf die Grenze setzen?
      Ich dreh die Formulierung um: Wer die Maschinen weiterlaufen
      lässt in dem Wissen, dass keine Besserungschance möglich ist,
      ist ein - ich drastifizier jetzt absichtlich - perverser
      Sadist.
      Mir ging es aber nicht um eindeutige Fälle, sondern genau um die Grenzfälle.

      Grüße


      Gollum

    • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
      Re: 'am Leben erhalten' heißt uU quälen

      Hi! Ich wende mich in erster Linie an die Gläubigen unter Euch.
      *grins* welche Gläubigen meinst Du damit genau ? In gewissem
      Sinn sind auch Atheisten gläubig, sie glauben, dass da
      "Nichts" ist.
      Die glauben nicht, die wissen. Deswegen sind es die "Wissenden"

      Grüße Dusan

      • Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
        Re^2: 'am Leben erhalten' heißt uU quälen

        Hallo Dusan, ...In gewissem
        Sinn sind auch Atheisten gläubig, sie glauben, dass da
        "Nichts" ist.
        Die glauben nicht, die wissen. Deswegen sind es die
        "Wissenden"
        -)
        Heerlich diese Sebstironie.

        Leider hast du vergessen dieses Statement als Ironie zu kennzeichnen. Es gibt sicherlich den einen oder anderen Leser, der meint, dass du wirklich dieser Ansicht bist.

        Gruß
        Carlos

        • Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
          Re^3: 'am Leben erhalten' heißt uU quälen

          Hallo Carlos! Leider hast du vergessen dieses Statement als Ironie zu
          kennzeichnen. Es gibt sicherlich den einen oder anderen Leser,
          der meint, dass du wirklich dieser Ansicht bist.
          Nix vergessen. Ich bin dieser Ansicht. Ich hab es selbst überprüft und bin zu diesem Ergebnis gekommen.

          Grüße Dusan

          • Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
            Atheismus ist auch eine Glaubensfrage

            Hallo Dusan, Nix vergessen. Ich bin dieser Ansicht. Ich hab es selbst
            überprüft und bin zu diesem Ergebnis gekommen.
            <Ironie an>
            Du bist also zu Gottes Wohnsitz gereist und hast dort seine Leiche gefunden. Nachdem du dich davon überzeugt hast, dass er wirklich tod ist, weisst du nun zweifelsfrei, dass es keinen Gott gibt.
            <Ironie aus>

            Die Existenz Gottes lässt sich bisher weder <i>zweifelsfrei<i> beweisen, noch seine Nichtexistenz. Deswegen ist JEDE Ansicht zur Existenz Gottes eine Glaubensansicht.

            Gruß
            Carlos

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re: Atheismus ist auch eine Glaubensfrage

              Hallo Carlos! <Ironie an>
              Du bist also zu Gottes Wohnsitz gereist und hast dort seine
              Leiche gefunden. Nachdem du dich davon überzeugt hast, dass er
              wirklich tod ist, weisst du nun zweifelsfrei, dass es keinen
              Gott gibt.
              <Ironie aus>
              Das würde ja voraussetzen, daß es jemals einen gegeben hat, was ich auch bezweifle aber nicht beweisen kann;-)

              Viel schlimmer!
              Ich hab gegen jedes der Gebote verstossen( Nachbars Besitz hab ich wieder zurückgegeben, auch die Frau;-))
              Ich hab geflucht und Gott verhöhnt. Mehrmals und auf schier unglaubliche Weise.

              Da dies bereits vor vielen Jahren passiert ist und ich bis heute keine Reaktion erlebt habe bin ich zu folgenden Schlüssen gekommen.

              1.) Gott ist taub - halt ich aber für unwahrscheinlich weil Gott ja makellos ist.
              2.) Gott existiert nicht

              Es könnte natürlich auch sein, daß Gott sich für das Geschwätz eines einzelnen nicht interessiert aber das halte ich für nicht wahrscheinlich. Auf jeden Fall kann man aber schon mal das Beten einstellen.

              So seh ich das. Natürlich wirst du mir widersprechen und tausend Gründe nennen ohne einen Beweis zu haben. Aber ein Gott, der in seinem Bereich die kath. Kirche gewähren lässt, müsste einen sehr grausamen Sinn für Humor haben und wäre niemand mit dem ich mich anfreunden möchte.

              Grüße Dusan

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^2: Atheismus ist auch eine Glaubensfrage

              Hallo Dusan,

              dein Beweis für die Nichtexistenz Gottes ist das Theodizee-Problem, ausgedrückt in einer persönlichen Sichtweise. Übrigens das einzige Argument, welches die Bevölkerung zu kennen scheint.

              Ungefähr einmal im Jahr bringe ich meine Standarderklärung. Im allgemeinen erhalte ich darauf keine nennenswerte Resonanz, weder bestätigende noch zerreissende.

              Falls du es noch nicht gelesen hat und FALLS es dich wirklich interessiert, kann ich es hier wiederholen.

              Gruß
              Carlos

            • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
              Re^3: Atheismus ist auch eine Glaubensfrage

              Hallo Carlos! Theodizee-Problem,
              Dieses Wort war neu für mich. Ich hab aber gegoogelt und freue mich, daß ich nicht allein mit meiner Meinung dastehe. Ungefähr einmal im Jahr bringe ich meine Standarderklärung. Im
              allgemeinen erhalte ich darauf keine nennenswerte Resonanz,
              weder bestätigende noch zerreissende.
              Standarderklärung? Du hast eine Erklärung für das alles? Dann nur mal her damit.

              Grüße Dusan



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