Katholische vs. evangelische Arbeitgeber

Abgesehen, dass ich die Katoliken tatsächlich so empfinde, als hielten sie sich für etwas besseres (wobei ich glauben, sie halten sich für besser als die Protestanten, denn diese sind diesbezüglich Menschen, die nicht in der Kirche sind, ebenso intollerant), empfinde ich diese ganze Geschichte als diskriminierend. Warum muss ich Mitglied in der Kirche sein, nur um bei denen arbeiten zu dürfen? Müsste dann nicht jeder auch zwangsweise in der jeweiligen Gewerkschaft sein? Oder Müsste nicht jeder Beamter immer in der Partei sein, die gerade den Staat regiert?
Oder noch krasser: Nur Deutsche dürfen in Deutschland arbeiten! (hatten wir das nicht schon mal?)
Wenn jemand gute Arbeit leistet, ist das nicht gut genug? Wollen die lieber jemanden, der schlecht arbeitet, aber dafür der Vereinigung angehört?
gruß
trail
Wie gesagt, für mich ist das Diskrimination.

Hi,

ich denke, dass es auf die Art der Arbeit ankommt. Wenn es sich um eine reine Büroarbeit handelt, halte ich es nicht für wichtig, ob jemand glaubt oder woran. Aber wenn der Mitarbeiter viel mit Menschen zu tun hat, ist es schon notwendig, dass er voll und ganz hinter der jew. Kirche steht. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Eltern ihre Kinder z.B. lieber in einen Kindergarten bringen, der unter dem Deckmantel z.B. der kath. Kirche liegt, wenn die Kinder ebenfalls kath. getauft wurden oder die Eltern diesen Glauben haben. Dann werden sie kaum wollen, dass eine ev. Kindergärtnerin ihre Kinder erzieht.

Hm, schwierig auszudrücken, aber ich kann es irgendwo verstehen, schließlich sollte man ja hinter seinem Arbeitgeber stehen können, und das geht halt nicht, wenn man bei einer Kirche arbeitet aber einen anderen Glauben hat.

Grüße
Natascha

Hallo Manor,

das kommt - meiner Beobachtung nach - darauf an, ob die Katholiken in der jeweiligen Region in der Mehrheit sind oder nicht.

Sind sie in der Mehrheit, aktzeptieren sie nur kath. Bewerber/innen, weil ja genug Auswahl besteht - sind sie in der Minderheit, hat auch ein/e evang. Bewerber/in Chancen - sogar in Arbeitsbereichen, wo die kath. Kirche sehr spezielle Ansichten hat.

Ich kenne eine evang. Frau, die in einer kath. Schwangerschaftskonfliktberatung als Sozialarbeiterin arbeitet.

Viele Grüße

Iris

Hallo Trail,

Kirche ist ein „Tendenzbetrieb“ und kann sich daher auch nach Kriterien wie Kirchenzugehörigkeit Mitarbeiter aussuchen - muss es aber nicht.

Eine andere Sache ist es, daß diese kirchlichen Mitarbeiter großenteils von unser aller Steuergeldern bezahlt werden - also auch von den nicht oder anders Glaubenden, die dann aber bei Bewerbungen keine Chance hätten.

Das haben wir aber schon mehrmals hier diskutiert.

Viele Grüsse

Iris

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Hallo!

Im Grunde sehe ich das genauso. Und es ärgert mich ungemein. Ich denke, diese Intoleranz ist etwas, was ich persönlich nicht verkörpern will. Vielleicht dochmal über einen Kirchaustritt nachdenken?

Grüße
Manor

Hallo!

das kommt - meiner Beobachtung nach - darauf an, ob die
Katholiken in der jeweiligen Region in der Mehrheit sind oder
nicht.

Nun ja, schwierig. Ich wohne in Bayern, allerdings eben in Franken (Nürnberg ist beispielsweise evangelische Hochburg). Bei uns ist das so, dass jedes Kaff anders sein kann - im Gegensatz zu Oberbayern, wo alle Stäste und Gemeinden erzkatholisch sind, ist das bei uns wie gefleckt: Die eine Stadt ist katholisch, die nächste evangelisch. Interessant wird es dann an den rein katholischen und rein evangelischen Feiertagen. Wenn beispielsweise in der 7km entfernten Nachbarstadt (zweitgrößte im Landkreis) alle Läden an katholischen Feiertagen geschlossen haben, haben alle Läden in der 15km entfernten Kreisstadt (beide sind ca. 10km auseinander) alle wiederum geöffnet. An evangelischen Feiertagen ist das dann genau umgekehrt. Hier „herrscht“ eine evangelische Übermacht, im 2-3km entfernten Nachbarörtchen wiederum eine katholische. Also durchwachsen. Wie es für Franken aussieht, weiß ich nicht (ich tippe eher auf mehr evangelisch), in Gesamtbayern allerdings - wie bekannt - vorwiegend katholisch.

Sind sie in der Mehrheit, aktzeptieren sie nur kath.
Bewerber/innen, weil ja genug Auswahl besteht - sind sie in
der Minderheit, hat auch ein/e evang. Bewerber/in Chancen -
sogar in Arbeitsbereichen, wo die kath. Kirche sehr spezielle
Ansichten hat.

Diese speziellen Ansichten interessieren mich mal. Was ist das denn? Marienanbetung? Heilige? (bitte ergänzen, ist doch bestimmt noch mehr)Und was davon ist im Job relevant?

Ich kenne eine evang. Frau, die in einer kath.
Schwangerschaftskonfliktberatung als Sozialarbeiterin
arbeitet.

Respekt, die hats geschafft! :smile: Dann müssen aber die Katholiken aufpassen, dass sie nicht evangelisch werden :wink:.

Grüße
Manor

Hallo Manor,

Wie es für Franken aussieht, weiß ich nicht (ich tippe eher auf mehr evangelisch)

Kommt darauf an, wo in Franken. Da, wo ich herkomme (Unterfranken) mehr Katholiken. Erzbistum Würzburg in der Nähe.
Ich selbst kann mich übrings bei keiner der Arbeitgeber bewerben, da ich keiner Kirche angehöre.

Gruß
Monika

Hi Manor,

mit meinem Posting wollte ich nicht sagen, dass ich es genauso sehe - ich kann es halt nur nachvollziehen.

Aber genau wegen dieser extremen Verbissenheit der rkath. Kirche bin ich vor vier Jahren dort ausgetreten. Habe damals komplett den Glauben an Gott und alles kirchliche, christliche usw. verloren gehabt - nicht zuletzt wegen der Strenge, die ich seit dem ersten Religionsunterricht mitbekommen habe. Das war mir irgendwann zuviel und ich bin halt ausgetreten. Inzwischen nähere ich mich aber doch wieder an - nur beschäftige ich mich jetzt mit der evangelischen Kirche - vielleicht finde ich ja dort, wonach ich suche.

Da ich allerdings rkath. war und entsprechend mit einigen der beschriebenen verbissenen Christen in Kontakt gekommen bin, kann ich bestens verstehen, warum diese Kirche einen solchen Wert auf die Angehörigkeit ihrer Mitarbeiter legt. Und wie gesagt - das hat mich ziemlich gestört und aus diesem Grund ist ein Wiedereintritt in diese Kirche für mich ausgeschlossen.

Grüße
Natascha

Warum muss ich Mitglied in der Kirche sein,
nur um bei denen arbeiten zu dürfen?

darfst du als tierhasser in einem zoo arbeiten? ich denke nicht.

Wenn jemand gute Arbeit leistet, ist das nicht gut genug?

„gute arbeit“ in einem katholischen kindergarten bedeutet, daß diese werte den kindern auch vermittelt werden. wer sein kind katholisch erziehen lassen will, der hat auch das recht auf dementsprechende erzieher. wird das nicht gewährleistet, ist es kein „katholischer kindergarten“.

ich bin allerdings gegen die staatliche verflechtung und unterstützung dieser tendenzbetriebe. sie sollten vollkommen private unternehmen sein, von den eltern als kunden bezahlt und von den jeweiligen gemeinden bzw. kirchen durch spenden unterstützt, die dann ihre eigenen passenden angestellten auswählen. den rest der bevölkerung geht es nichts an, wer sein kind wie wo in den kindergarten gehen läßt. staatliche kindergärten haben religiös indifferent zu sein, also keinerlei richtlinien vorzugeben, welcher gemeinschaft ein lehrer oder erzieher angehört oder nicht angehören darf, noch ist irgendeine glaubensrichtung gesondert zu unterrichten. dem staat sind zwei dinge untersagt: das verbot einer religion und die einmischung in die private ausübung der religion.

gruß
datafox

Hallo,
ich habe mir nicht alle Artikel durchgelesen, sorry also, falls es hier eine Wiederholung gibt.
Hinter diesen Formulierungen steht das unterschiedliche Kirchenverständnis von rk und ev.
Für die rk Kirche ist sie selbst die einzig wahre Kirche. Die ev. Kirchen sind - allein aufgrund ihrer Geschichte - etwas „lockerer“, d.h. sie sehen Kirche als das Reich Gottes an, was zwar auf diese Welt seine Schatten wirft und sich in Kirche konkretisiert, aber letztlich ist die ekklesia tou theou erst im Himmelreich. Damit ist es für eine ev. Kirche wichtig, daß jmd. getauft ist (= Mitglied einer christlichen Kirche). Zwar erkennt die rk die Taufe anderer Christen an (so sie denn richtig „gespendet“ wurde), aber sie hält an dem Grundsatz fest, daß die Kirche auf dem Felsen Petrus erbaut wird und sie selbst in direkter Sukzession (und zwar durch persönliche Handauflegung von Petrus über die Päpste und Bischöfe zu jedem Dorfpriester) dazu steht.
Zudem haben die Kirchen nach dem Artikel 4 (bitte korrigierten, bin mir hier nicht ganz sicher) des Grundgesetzes der BRD das Recht, ihre Angelegenheiten und damit auch die Stellenbesetzung selbst zu regeln. Deutlich wird das beim Religionsunterricht: Die rk Kirche legt fest, daß dieser Religionsunterricht sich durch drei Aspekte auszeichnen muß: ein rk Religionslehrer, rk Inhalte und rk Schüler (Orthodoxe Christen sind hier die Regel, die die Ausnahme bestätigt), die ev. Kirchen haben gesagt, daß am ev. Unterreicht jeder teilnehmen darf, nur Lehrer und Inhalte müssen ev. sein. Naja, ich habe so später erfahren, daß ich durch meine Teilnahme am rk Unterricht als Evangelische mal gegen die Verfassung verstoßen habe.
Übrigens heißt das nicht, daß man denn nun als rk das Recht hätte, bei besserer Qualifizierung anstelle eines ev angestellt zu werden. Es gibt durchaus, wenn auch meiner Erfahrung eher selten (wenn wir mal von Pfarrern absehen:wink:, in Anzeigen die Voraussetzung, ev. zu sein oder aber sogar einer bestimmten Landeskirche anzugehören.
Auf rk Seite ist die Handhabung bei der Stellenbesetzung auch unterschiedlich, die üblichen verdächtigen, eher konservativen Bistümer sind da sehr streng, im Bereich des Ruhrbistums Essen kann man auch als Moslem bei einer diakonischen Einrichtung angestellt werden (so erlebt).

Grüße,
Taju

Hi Datafox,

ich bin allerdings gegen die staatliche verflechtung und
unterstützung dieser tendenzbetriebe. sie sollten vollkommen
private unternehmen sein, von den eltern als kunden bezahlt
und von den jeweiligen gemeinden bzw. kirchen durch spenden
unterstützt

dem ist aber niciht so!
Rund 90 - 95 der Mittel sind staatliche!
Und die Mittel die von der Kirche kommen sind häufig Sachmittel.
Daher ahlte ich diese Praxis für ungeheuerlich.

Und der Vergleich Tierhasser - Zoomitarbeiter ist eher ziemlich weit hergeholt.
Besser passen würde:
Kein Vegetarier darf im Zoo arbeiten

Gandalf

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Hallo Manor,
du hast eine interessante Diskussion angeregt, die ich als katholische Arbeitgeberin mit großer Spannung verfolge. Ich bin einigermaßen überrascht, wie viele Vorurteile oder auch negative Erfahrungen es gibt. Interessant wäre da zuweilen, wie alt die Erfahrungen sind.
Richtig ist, dass dem Dienstverhältnis die „Grundordnung des kirchlichen Dienstes im Rahmen kirchlicher Arbeitsverhältnisse“ und die „Erklärung der deutschen Bischöfe zum kirchlichen Dienst vom 22.Sept 1993“ zugrunde liegen. Das sind öffentliche Dokumente, die von jedermann eingesehen werden können. Sie lassen auch viel Spielraum, deshalb kommt es zu regionalen und personenabhängigen Anwendungen. Bei uns arbeiten katholische und evangelische Christen, wenige Moslems, vereinzelt konfessionslose. Wer aus einer Kirche austritt kann nicht weiter beschäftigt werden. Spitzenpositionen werden bei Auswahlmöglichkeit (vergleichbare Qualifizierung usw.) von katholischen Mitarbeitern besetzt, denn „unser Haus ist eine Einrichtung in christlicher Trägerschaft und Ausrichtung. Dies soll in unserer Arbeit und in der Ausgestaltung unseres Hauses wohltuend und glaubwürdig spürbar sein …“ (Zitat aus unserem Leitbild)
Der diskutierte Begriff „Tendenzbetrieb“ kommt hier durch.
Ein christliches Profil zur Abgrenzung gegenüber nichtchristlicher Einrichtungen braucht halt Leute, die die das christliche Profil unterstützen.
Wie kann ich bloß weiter vermitteln, dass Christ-Sein total lebensbejahend ist und Freude und Freunde bringt?
Regina

Daher ahlte ich diese Praxis für ungeheuerlich.

ich ebenfalls. ich favorisiere die amerikanische praxis der kirchen und gemeinden als private angelegenheiten jedes einzelnen.

Kein Vegetarier darf im Zoo arbeiten

weil im zoo tiere gequält werden? mmmmh das könnte sogar stimmen :frowning:

gruß
datafox

Hallo, Regina

Bei uns
arbeiten katholische und evangelische Christen, wenige
Moslems,
vereinzelt konfessionslose.
Wer aus einer Kirche
austritt kann nicht weiter beschäftigt werden.

wie das, wenn auch konfessionslose bei euch arbeiten dürfen?

Gruß
karin

Hallo, Regina

Bei uns
arbeiten katholische und evangelische Christen, wenige
Moslems,
vereinzelt konfessionslose.
Wer aus einer Kirche
austritt kann nicht weiter beschäftigt werden.

wie das, wenn auch konfessionslose bei euch arbeiten dürfen?

Es sind durchweg Mitarbeiter/innen, die nie einer Religionsgemeinschaft angehörten, weil sie z. B. in den neuen Bundesländern aufgewachsen sind. In der Regel sind diese Menschen sehr interessiert, wie Alltag und Religion zusammen gehen.
Wer im Gegensatz dazu aus der Kirche austritt wendet sich aktiv ab, weshalb auch immer.
Gruß Regina

Gruß
karin

Hallo, Regina

Bei uns
arbeiten katholische und evangelische Christen, wenige
Moslems,
vereinzelt konfessionslose.
Wer aus einer Kirche
austritt kann nicht weiter beschäftigt werden.

wie das, wenn auch konfessionslose bei euch arbeiten dürfen?

Es sind durchweg Mitarbeiter/innen, die nie einer
Religionsgemeinschaft angehörten, weil sie z. B. in den neuen
Bundesländern aufgewachsen sind. In der Regel sind diese
Menschen sehr interessiert, wie Alltag und Religion zusammen
gehen.

und treten nicht in die kirchliche Gemeinschaft ein - wenn sie doch so interessiert sind?

Wer im Gegensatz dazu aus der Kirche austritt wendet sich
aktiv ab, weshalb auch immer.

Kirchensteuer?

Ist das nicht der Witz - ehemalige - getaufte und konformierte oder firmierte Mitglieder der Kirche werden abgelehnt.
Nie der Kirche angehörende Mitarbeiter werden akzeptiert.

Anstatt die ehemaligen Kirchenmitglieder durch attraktive Angebote (auch steuerlich) wieder ins Boot zu holen - werden sie halt abgeschrieben.
Nette Logik.
Sagt viel aus über die Kirche und ihre kirchlichen Einrichtungen.

Gruß
karin

Hallo Karin,

In der Regel sind diese

Menschen sehr interessiert, wie Alltag und Religion zusammen
gehen.

und treten nicht in die kirchliche Gemeinschaft ein - wenn sie
doch so interessiert sind?

Warum frägst Du nicht, ob dem so ist? Natürlich gab es schon Kircheneintritte. Das geht aber nicht von heut auf morgen, so eine Entscheidung geht prozesshaft, machmal über Jahre.

Gruß Regina