von einer Revolution spricht man m.E., wenn die politischen Verhältnisse in einem Land grundlegend (und mehr oder weniger gewaltsam) geändert werden. Die politischen Umstände haben Jesus aber nicht besonders interessiert.
Ein Zitat hierzu: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist …“. Die genaue Stelle mußt Du Dir selbst heraussuchen. Aus dieser Stelle geht hervor, daß es Jesus nur um die geistige Erneuerung geht. Nenn ihn einen Reformator.
Sicher gibt es mehr Stellen, diese ist mir nur so spontan eingefallen. Schließlich kann man von einem Atheisten nicht erwarten, daß er die ganze Bibel auswendig kennt.
Hi,
also, ich habe zwar „Schmalspur-Theologie“ sprich Religion studiert, aber ich bin absolut nicht religiös und inszwischen auch aus der Kirche ausgetreten (und schon länger aus dem Lehrerjob). Dennoch hier ein paar Gedanken:
Jesus war jemand, der bestimmt revulotionär war, wenn er es auch nicht so sah. Er war revolutionär, weil er anders dachte als seine Umwelt und das offen vertrat. Er wagte, Dinge zu sagen, die andere vielleicht auch so sahen, aber lieber darüber schwiegen, weil es gegen die Gesellschaft und deren Überzeugungen war.
Für mich war Jesus ein fantastischer Mensch. Er war so eng mit dem Universum verbunden, dass er sogar Geistheilung vollbringen konnte. Er war so überzeugt von dem, was er sagte, dass er bis heute eine Unzahl von Menschen fasziniert. Und er stand zu seinem Glauben, seiner Überzeugung und seinem Können.
Wenn heute einer per Handauflegen heilen möchte, wird er verteufelt. Ob es Jesus damals genauso ging. Ich glaube schon, dass dies der Obrigkeit ein Dorn im Auge war, ganz so, wie es auch noch heute ist.
Und dann hat er es gewagt, ganz frei davon und von seiner Überzeugung zu sprechen. Auch heute werden Menschen, die frei eine feste Überzeugung äußern, die nicht in das allgemeine Weltbild passen bzw. die nicht beweisbar sind, verteufelt, schlecht gemacht usw. Niemand hat etwas von Jesus gelernt. Am wenigsten die Christen. Die habe sogar gemordet, nur weil Menschen nicht in ihr Weltbild passten. Doch Jesus hat die Menschen, die nicht in das damalige Weltbild passten, geschützt und hoch geschätzt.
Und genau das ist es, was wir von diesem Menschen lernen sollten:
Schätze jeden Menschen, denn jeder ist es wert, zu leben
Wir sollten Vertrauen in das Universum haben, denn für uns ist gesort.
Wir sollten jeden Menschen, jedes Lebewesen schätzen, denn jeder hat eine absolute Berechtigung, hier zu sein, zu leben.
Kurz gesagt: Jesus war ein bewunderswerter Mensch, der uns sehr viel versucht hat, zu vermitteln. Leider haben bis jetzt die wenigsten Menschen seine Botschaft verstanden und viele kämpfen noch um etwas, was gar nicht zu erkämpfen war bzw. ist.
Jesus war kein Revolutionär, er hat nur voll und ganz seine Überzeugung und seinen Glauben gelebt und das heißt, wir sollten absoluten Respekt vor ihm haben.
Gruß
trail
Zwar wird nicht alles davon hilfreich sein, aber einiges schon und insgesamt sind die Texte nicht zu lang, sehr amüsant und eben bibelkritisch (dies sollte bei der Interpretation beachtet werden).
eine Revolution ist ein Aufstand des Volkes gegen die Herrschenden. Die Herrscher waren zur Zeit Jesu die Römer. Von diesen wurde Jesus hingerichtet, weil er gegen die Römer gepredigt hatte. Die Kreuzigung war die schlimmste Todesstrafe, die die Römer anzubieten hatten. Sii gebührte in ganz besonderem Maße den Revoluzzern. Auf den Tafeln, die an die Kreuze geheftet wurden, stand das Verbrechen, wegen dessen sie angeklagt und verurteilt worden sind. Auf der Tafel an Jesu Kreuz stand „König der Juden“. Er hatte sich selbst König der Juden genannt bzw. nennen lassen. Er war also in den Augen der Römer eindeutig und unmißverständlich ein Revolutionär.
In den Augen der Juden war dies nicht so. Dort stand er in der historischen Schlußfolgerung als selbsternannter Messias voll in der Tradition. Hätte Rom ihn nicht hingerichtet, wären ihm möglicherweise die meisten Juden gefolgt wie 200 Jahre zuvor den Makkabäern. Dass die Juden an Jesu Tod Schuld seien, ist eine verfälschte Darstellung, die von Paulus angetrieben worden ist.
eine Revolution ist ein Aufstand des Volkes gegen die
Herrschenden. Die Herrscher waren zur Zeit Jesu die Römer. Von
diesen wurde Jesus hingerichtet, weil er gegen die Römer
gepredigt hatte.
Hallo Francesco,
das war mir neu, daß Jesus gegen die Römer gepredigt hat. Nicht, daß ich es Dir nicht glaube, aber vielleicht kannst Du mir ja sagen, wo es steht. Ich bin immer davon ausgegangen, daß es ihm um religiöse Inhalte gegangen ist und er die politischen Gegebenheiten ganz ausdrücklich nicht berücksichtigt hat.
Leider gibst Du keine Quellen für Deine Meinung an, ausserdem hat nicht nur Paulus geschreiben, dass die herrschende Kaste der damaligen Juden wollte das Jesus gekreuzigt wurde, wie dieselbe Kaste auch schon früher Propheten immer wieder verfolgt hat.
natürlich kann man den Begriff Revolution in diesem engen Sinn „Aufstand des Volkes“ verstehen - dann wäre Jesus kein Revolutionär gewesen.
Andererseits bedeutet Revolution a´ber auch ganz einfach und wörtlich „Umwälzung“, und da können wir - historisch abgesichert - mindestens dies sagen, daß Jesus eine Umwälzung im Gottesverständnis und Gottesverhältnis gebracht hat: Gott ist nun der liebende Vater, und in Jesus ist diese Liebe Gottes konkret geworden. (Ich weiß, das klingt jetzt alles sehr steil und sehr theologisch, und es müßte lang entfaltet werden. Aber für das, was ich meine, mag’s erst mal genügen.)
Ein Buchtipp: „Standrechtlich gekreuzigt“ von Weddig Fricke, rororo Sachbuch 8476, 1988.
Hier macht Fricke deutlich, daß die Römer Jesus als vermeintlichen! Aufrührer in einem Kurzverfahren verurteilt und dann hingerichtet haben.
Die Verlagerung der „Schuld“ von den Römern auf die Juden hatte sicherlich auch apologetische Gründe: Eine Botschaft, die im römischen Reich verkündet werden sollte, tat gut daran, die Verantwortung der politisch Herrschenden am Tod Jesu nicht allzu deutlich herauszustellen; das hätte die sofortige Verfolgung geradezu provoziert.
Ich würde nicht so sehr auf den Paulus einhauen; der hatte theologische Motive, über die wir gesondert handeln müßten.
Aber das ist ein weites Feld.
das glaube ich auch. Es ist leider so, daß das meiste, was wir über Jesus wissen, aus dem NT stammt. Daß das viel später entstanden ist und in späteren Jahrhunderten wahrscheinlich auch noch durch die Kirche verfälscht wurde, ändert nichts daran, daß andere Quellen über Jesus wahrscheinlich mehr als dünn gesät sind.
Grüße
Winfried
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das ist ein Irrtum. Lies doch erst einmal die Bücher, bevor du sie verurteilst.
Die Autoren beziehen sich auf Quellen, die als solche nicht umstritten sind. Viele Erkenntnisse stammen aus den gleichen Quellen, die auch von den Kirchen benutzt wurden. Die katholische Kirche hat allerdings nur die Quellen in ihren Kanon aufgenommen, deren Aussagen in ihr Schema passten und ihnen genehm waren.
Auch die erst im letzten Jahrhundert gefundenen Schriftrollen von Qumran muss man entsprechend würdigen.
Aber ihr kennt ja nur das, was euch die katholische Kirche erlaubt zu kennen.
das glaube ich auch. Es ist leider so, daß das meiste, was wir
über Jesus wissen, aus dem NT stammt.
Stimmt, aber im AT steht viel davon, was mit ihm passieren wird etc
Daß das viel später
entstanden ist und in späteren Jahrhunderten wahrscheinlich
auch noch durch die Kirche verfälscht wurde,
Das ist reine Spekulation. Man hat einige Schriften von verschiedenen Jahren gefunden und aus dem bisher gefundenen kann keine systamatische Abänderung festgestellt werden. Die gefundenen Differenzen waren alle eigentlich unwesentlich
ändert nichts
daran, daß andere Quellen über Jesus wahrscheinlich mehr als
dünn gesät sind.
Na ja, gibt immerhin ein paar Evangelien und auch in den Apostelgeschichten und Briefen steht etwas dazu