hinduismus, 'schöpfung'

Von: , Frage gestellt am Mi, 22. Sep 2004

hallo!

kann mir jemand die frage beantworten, wie aus hinduistischer sicht die welt und die menschen entstanden sind? ich brauche das für einen religionsvortrag...hab schon n weilchen gegoogelt, aber nicht sonderlich brauchbares gefunden, vielleicht hab ich ja die falschen begriffe eingegeben...ich stoße nur immer wieder auf den begriff "veden", aber was in denen nun so richtig drinsteht weiß ich auch nich.
und allgemein: wie sehen die anderen religionen die schöpfung? wie ist nach meinung von islam und buddhismus die welt entstanden?

gruß und danke
yvi

19 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: hinduismus, 'schöpfung'

    Moin Yvi wie ist nach meinung von buddhismus die welt
    entstanden?
    Nach buddhistischer Vorstellung gibt es keinen Schöpfungsmythos, sondern alles unterliegt einem ständigen Wandel.

    Gruß
    Marion

  2. Antwort von nach 6 Stunden 5 hilfreich
    vedische Kosmogonie

    Hi Ivy

    unter den unzähligen überlieferten kosmogonischen (= Weltentstehungs-)Mythen gehören religionsphilosophisch gesehen vedische (ca. 1200-700 v.Chr.)und ägyptische (?-700 v.Chr.) zu den interessantesten. Denn bei ihnen finden sich raffinierte Überlegungen darüber, wie es überhaupt dazu kam, daß etwas entstehen konnte, wenn vorausgesetzt wurde, daß vorher "nichts" war, wenn es also, mit anderen Worten, ein "vorher" gar nicht gab.

    Sie beginnen daher auch mit abstrakten Begriffen oder Prinzipien, und nicht mit bereits vorhandenen schöpferisch tätigen göttlichen Gestalten, die dann die Welt "machen".

    Leider sind sie etwas zu kompliziert, um sie hier kurz zu referieren, zumal es keine einzelnen kompakten Texte gibt, in denen diese Vorstellungen komplett abgehandelt sind, so wie wir z.B. zweie davon in den israelitischen Schriften (in der torah, im 1. Buch Mosis) vorfinden. Ich will deshalb nur kurz etwas über vedische Vorstellungen schreiben, da du speziell danach fragtest.

    In der vedischen Periode des frühen Hinduismus gibt es unter anderem im Rigveda einige kosmogonische Abhandlungen: Rigveda X 129 ist ein gutes Beispiel: Die erstaunliche sonstige Formulierung des Anfangs "als Sein [sat]und Nichtsein [asat] noch nicht unterschieden war...." taucht hier in der Form auf

    "Nicht war Nichtsein und nicht war Sein
    nicht war Raum [akasa] und nicht der Himmel jenseits davon
    ...
    ein tiefer Abgrund"

    "Nicht war der Tod und nicht war das Leben
    nicht war das Zeichen der Nacht und des Tages
    es begann windlos zu atmen aus eigener Kraft, da es einzig war
    ..."

    "Finsternis war verborgen durch Finsternis
    ...
    Der Keim [=Eidotter] kam zum Leben als Einziges
    durch die Macht der Bruthitze [tapas]"

    "Eine Begierde [tapas] bildete sich im Anfang, die als Keim des Denkens [manas] als erste war
    ..."

    "Wer weiß es gewiß, wer wird es verkünden,
    woher zum Leben gekommen, woher dieses Werden ist?
    Die Himmlischen [deva, die Götter] sind diesseits der Welt.
    Wer also weiß es, woher es gekeimt ist?"

    "Woher dieses Werden gekeimt ist,
    ob es gemacht worden ist oder ob nicht
    wenn ein Wächter [Beobachter] dieser Welt ist im Himmel,
    der weiß es gewiß - oder ob er es nicht weiß?"

    Man erkennt, wie umsichtig hier mit dem Nicht-Wissbaren umgegangen wird ...

    Im ebenso bedeutenden Rigveda X 121 ist dann von einer Gestalt die Rede, die wohl auch als Gott aufgefaßt wurde, deren Name prajapati [aus praja-pati] eigentlich "Herr des Erzeugten" bedeutet.

    "Ein goldenes Eidotter bildete sich am Anfang
    als Prajapati geboren war, war er allein
    Er ist es, der diese Erde und diesen Himmel festhält
    Wer ist der Himmlische ...?"

    "Der den Atem gibt, der die Kraft gibt
    dessen Weisungen alle befolgen
    dessen Schatten das Leben, dessen Schatten der Tod ist
    Wer ist der Himmlische ...?"

    und so weiter.
    Das Interessante ist, daß sowohl die Bruthitze, von der oben die Rede war, als auch die (sexuelle) Begierde, von der oben die Rede war, im Sanskrit (in dieser Sprache sind die Texte geschrieben), dasselbe Wort ist: tapas = "Glut", und daß genau dieses Wort auch in der yogischen Meditation eine zentrale Bedeutung hat, nämlich die der Askese und der meditativen Konzentration. So wird in anderen vedischen Texten (den Brahmana) gesagt, daß Prajapati sich in der Meditation (tapas) bis zum Äußersten erhitzte (atapyata) und dadurch die Welt hervorbrachte. Und andererseits wird dort gesagt, daß im Anfang (agre) das Nichtsein (asat) den Geist (manas) hervorbrachte, der sich erhitzt und dadurch wiederum Prajapati hervorbrachte.

    Dies also nur ein Beispiel aus der großen Menge mythischer Weltentstehungsgeschichten - ein überaus interessantes Gebiet der religionshistorischen Forschung. Ich hoffe, du kannst es als kleinen Beitrag für deinen Vortrag nutzen.

    Viel Erfolg und Gruß

    Metapher

    • Antwort von nach 13 Stunden 1 hilfreich
      Nachgefragt


      Hallo Metapher :-) Der Keim [=Eidotter] kam zum Leben als Einziges
      durch die Macht der Bruthitze [tapas]"

      "Eine Begierde [tapas] bildete sich im Anfang, die als
      Keim des Denkens [manas] als erste war
      ..."
      Steht das wirklich für Begierde "tapas" ? Müsste es nicht kama काम heißen ?

      Vergl. auch:
      http://www.sacred-texts.com/hin/rvsan/rv10129.htm Das Interessante ist, daß sowohl die Bruthitze, von der oben
      die Rede war, als auch die (sexuelle) Begierde, von der oben
      die Rede war, im Sanskrit (in dieser Sprache sind die Texte
      geschrieben), dasselbe Wort ist: tapas = "Glut",
      hm...wie gesagt, bist du sicher ? und daß genau dieses Wort auch in der yogischen Meditation
      eine zentrale Bedeutung hat, nämlich die der Askese und der
      meditativen Konzentration.
      Ja, das kenne ich auch so. Allerdings soll meines Wissens diese Erzeugung von Glut durch Askese bewirken, dass sich das Karma vorzeitig selbst "verzehrt" und wirkungslos wird, also quasi das Wiederherstellen des Zustands der "Einheit" vor der Schöpfung.

      Vergl. auch Glasenapp: Die Pholosophie der Inder, Seite 298 (ich geh davon aus, dass ich hier nicht zitieren brauche, sondern du das Buch da hast :-))

      Lieben Gruß
      Marion

          • Antwort von nach 14 Stunden 0 hilfreich
            Re^2: mehr tapas

            Moin Rolf,

            nun ja, über tapas allgemein läßt sich sicher so einiges sagen, nur hier geht es mir schon um die Rolle von tapas im Schöpfungsmythos der Rigveda (X 129), speziell um das Thema tapas vs. kama.

            Dazu sagt der von dir verlinkte Artikel leider nichts.

            Gruß
            Marion

            • Antwort von nach 15 Stunden 0 hilfreich
              Re^3: mehr tapas

              kama ist mir auch als sexuelle Lust bekannt. Aber wo soll das im Schöpfungsmythos des Veda stehen? Es hat eher eine Bedeutung bei yogischer Praxis, wo Lust mit Hilfe von Tapas überwunden wird.

              rolf [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

            • Antwort von nach 16 Stunden 0 hilfreich
              Re^4: mehr tapas

              Moin, kama ist mir auch als sexuelle Lust bekannt. Aber wo soll das
              im Schöpfungsmythos des Veda stehen?
              siehe den oben von mir zum Original verlinkten Artikel Rigveda X 129, auf den sich auch Metapher bezieht
              http://www.sacred-texts.com/hin/rvsan/rv10129.htm

              7. Zeile

              Gruß
              Marion



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