Mal eine Frage an die Katholiken...

Von: , Frage gestellt am Mi, 26. Jan 2005

Moin.
Ich hätte da mal eine Frage an die Katholischen Christen unter euch, aber erst mal zur Vorgeschichte:
Meine Freundin ist Katholisch und kommt aus Polen. Also, recht streng gläubig.
Daher ist sie auch in der Kirche und hat die Konfirmation, oder wie es auch heißen mag, hinter sich. Da ich sozusagen Atheist bin, blieb es auch irgendwann nicht aus das wir über Religion und vor allem die Kirche geredet bzw. diskutiert haben. Dabei erwähnte ich das ich die Katholische Kirche schon wegen ihrer Vergangenheit ablehne. Nachdem wir dann irgendwann auch zu Inquisition kamen, stellte ich fest das sie darüber so gut wie nichts wusste. Sie wusste zwar das es jene mal gab, jedoch nichts über ihre Taten oder was damals sonst noch so schief lief. Auch aus der Schule, einer katholischen, wusste sie darüber nichts.
So, jetzt meine Frage:
Bildet meine Freundin da eine Ausnahme oder ist es generell so, das weder die Kirche noch andere katholische Institutionen über die „dunkle“ Vergangenheit aufklären?
Das soll jetzt keine Kritik sein, nur eine Frage.

26 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 20 Stunden 1 hilfreich
    Gegenfrage...

    Hi Goms,

    Du siehst ja an den anderen Antworten, dass mit Aufklärung über die sehr dunklen Kapitel der Inquisition nicht viel ist.
    Auch bei mir in der Schweiz war da nichts.

    Ich möchte allerdings eine ebenso vernachlässigte Gegenfrage abwerfen, denn das Thema wird mindestens so stiefmütterlich behandelt und trägt meines Erachtens gehörig zum Verständnis bei, wie die Entgleisungen des 14.-16. Jh. überhaupt zustande kamen.

    1. Wievielen ist klar, dass es die Inquisition immernoch gibt?
    [Neuer Name: Glaubenskongregation]
    2. Wer weiss, was die ursprüngliche und heute noch gültige Aufgabe war?
    (Ehrlich: da haben sich ja schon nicht ein paar pathologische Schwarzkittel, lies: Dominikaner, zusammengetan um ihre Rachsucht zu befriedigen...)
    3. Wer kennt die Verurteilungspraxis bevor Folter und Feuer Einzug hielten?

    Sieht aus wie drei Fragen, zielen aber alle auf dasselbe ab: der Begriff Inquisition ist ein Diskussionskiller. Die Hammerkeule, die man jedem Katholiken dann um die Ohren wirft, wenn einem die Argumente ausgehen (Goms: ich mein nicht Dich persönlich als Atheist, Agnostiker oder was auch immer... ist nur eine Feststellung).

    Dass es sich aber bei Hexenverfolgung, Galileo-Verurteilung etc. nur um die bekanntesten (verfehlten) Ereignisse dieser Institution handelt, wissen die Wenigsten. Ihre Geschichte ist weitaus älter und differenzierter, als man im Allgemeinen anzunehmen gewillt ist.

    Natürlich: ich weiss, was mir jetzt entgegnet wird => aufgrund der masslosen Verfehlung hat sich eine 'Würdigung' der gesamten Geschichte dieser Kommission verwirkt und ist für eine Qualifikation nicht mehr zwingend.

    Liebe Grüsse

    Y.-

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re: Gegenfrage...

      Moin moin. 1. Wievielen ist klar, dass es die Inquisition immernoch gibt?
      [Neuer Name: Glaubenskongregation]
      Wohl den wenigsten.(wusste ich auch nich...) 2. Wer weiss, was die ursprüngliche und heute noch gültige
      Aufgabe war?
      (Ehrlich: da haben sich ja schon nicht ein paar pathologische
      Schwarzkittel, lies: Dominikaner, zusammengetan um ihre
      Rachsucht zu befriedigen...)
      Die wahrung des Glaubens, soweit ich weiss.
      Aber auch das ist, nach heutigen Maßstäben zumindest, schon zuviel, finde ich. 3. Wer kennt die Verurteilungspraxis bevor Folter und Feuer
      Einzug hielten?
      War es damals nicht ein normaler Process, dem die exkummunizirung folgte? Mein Fachwissen auf dem gebiet ist nicht soo umfangreich. Sieht aus wie drei Fragen, zielen aber alle auf dasselbe ab:
      der Begriff Inquisition ist ein Diskussionskiller. Die
      Hammerkeule, die man jedem Katholiken dann um die Ohren wirft,
      wenn einem die Argumente ausgehen (Goms: ich mein nicht Dich
      persönlich als Atheist, Agnostiker oder was auch immer... ist
      nur eine Feststellung).
      Da hast du wahrscheinlich recht. Allerdings denke ich das ich solche Diskussionen nicht führe um recht zu haben, sondern um etwas dahrzulegen. Und das nach sokratischem Vorbild. Natürlich: ich weiss, was mir jetzt entgegnet wird =>
      aufgrund der masslosen Verfehlung hat sich eine 'Würdigung'
      der gesamten Geschichte dieser Kommission verwirkt und ist für
      eine Qualifikation nicht mehr zwingend.
      Das mag richtig sein. Ohne einen Vergleich anzustreben: Der Bau der Autobahnen in Deutschland war auch was positives, aber die Umstände sind eben einfach Falsch.

      Aber deine Aussage hat schon was. Man muss alle Fakten berücksichtigen, und erstmal "gefühlslos" an die Sache herrangehen.

      MfG. Goms

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^2: Gegenfrage...

        Hallo, 2. Wer weiss, was die ursprüngliche und heute noch gültige
        Aufgabe war?
        (Ehrlich: da haben sich ja schon nicht ein paar pathologische
        Schwarzkittel, lies: Dominikaner, zusammengetan um ihre
        Rachsucht zu befriedigen...)
        Die wahrung des Glaubens, soweit ich weiss.
        Aber auch das ist, nach heutigen Maßstäben zumindest, schon
        zuviel, finde ich.
        Das kam erst ein Schritt später. Primär gings mal um die klare Definition der Lehrmeinung. Also um die Frage: "Was beinhaltet der katholische (=allgemeine) Glauben eigentlich?", "Was widerspricht dem?" etc. 3. Wer kennt die Verurteilungspraxis bevor Folter und Feuer
        Einzug hielten?
        War es damals nicht ein normaler Process, dem die
        exkummunizirung folgte? Mein Fachwissen auf dem gebiet ist
        nicht soo umfangreich.
        Nein, gar nicht. Ich bring mal kurz ein Beispiel aus meiner Diss, weils dann etwas einfacher wird.
        Allgemeine Meinung in einem Phil.Gs.Lex. ist: 1277 werden in Paris XYZ [Namen] von der Uni und der Inquisition (hiess allerdings anders) verurteilt.
        Tatsache ist: es wurden Lehrmeinungen verurteilt. (In der Form von: 'es ist falsch anzunehmen, dass Engel fliegen können' etc)
        Keine namentlichen Verurteilungen und auch keine Bücherverbrennungen. Es wurde einfach verboten dies so zu lehren. Das dies natürlich schon bestimmte Zirkel betroffen hat, die man auch bezeichnen kann ist schon klar. Allerdings bezog sich eine solche Verurteilung aber auch nur auf die Lehre. In den kleinen nicht-öffentlichen Sitzungen wurden sie trotzdem weitergelehrt und das war auch bekannt und kein Problem. Nur als Vertreter der Uni/Ordens etc. konnte man das einfach nicht mehr lehren.
        Exkommunikation war viel weniger verbeitet, als man annimmt.
        Wie gesagt, die moderne Vorstellung von der Inquisition stammt vor allem von den Vorgängen aus dem 15.-16. Jahrhundert. Dabei handelt es sich aber um Verfehlungen. Nicht mehr und nicht weniger. Sieht aus wie drei Fragen, zielen aber alle auf dasselbe ab:
        der Begriff Inquisition ist ein Diskussionskiller. Die
        Hammerkeule, die man jedem Katholiken dann um die Ohren wirft,
        wenn einem die Argumente ausgehen (Goms: ich mein nicht Dich
        persönlich als Atheist, Agnostiker oder was auch immer... ist
        nur eine Feststellung).
        Da hast du wahrscheinlich recht. Allerdings denke ich das ich
        solche Diskussionen nicht führe um recht zu haben, sondern um
        etwas dahrzulegen. Und das nach sokratischem Vorbild.
        Nein, ich meinte auch wirklich nicht Dich. Aber wenn Du einen Katholiken platt machen willst, dann brauchst Du nur zwei Karten: Kreuzzüge und Inquisition. Dann ist sofort Ruhe im Kinderzimmer. Aber deine Aussage hat schon was. Man muss alle Fakten
        berücksichtigen, und erstmal "gefühlslos" an die Sache
        herrangehen.
        Das war alles worauf ich hinweisen wollte.

        Liebe Grüsse
        Y.-

  2. Antwort von nach 14 Minuten 0 hilfreich
    Re: Mal eine Frage an die Katholiken...

    Ich bin zwar auch katholisch stehe aber vielem sehr kritisch gegenüber. Als Kind konnte man mir manche Bären noch aufbinden. In der heutigen Zeit sollte sich die Kirche mal was neues einfallen lassen um zu Schäfchen zu kommen. Mit den alten Zöpfen lockt man niemanden hinter dem Ofen vor.

    Was die Vergangenheit angeht muss man sich halt selber informieren. Es gibt genügend gute Bücher. Selbstverständlich hängt die Kirche ihre Verfehlungen nicht an die grosse Glocke. Es gäbe massenhaft Austritte wenn der Vatikan mal seine geheimen Unterlagen zeigen würde. Warum darf da denn keiner reinschauen? Ratet mal.

    Hab mich auch schon oft mit anderen Katholiken angelegt, stosse aber auf taube Ohren. Die Leute glauben einfach alles. Lassen sich noch immer von der Kirche kontrollieren und vorschreiben wie sie zu leben haben.
    Ich glaube mittlerweile, dass es eine höhere Macht gibt über uns, aber in einer anderen Form als es die Kirche vermittelt. Brauche auch zum Beten nicht den sonntäglichen Gottesdienst weil da die meisten doch nur hingehen um das neue Kostüm zu zeigen. Ich habe auch erlebt dass die bigotten die schlimmsten im täglichen Umgang sind. Fast nicht zu ertragen.

    So jetzt könnt ihr mich steinigen.

    • Antwort von nach 42 Minuten 0 hilfreich
      Re^2: Mal eine Frage an die Katholiken...

      Hallo Ulrike,
      ich werfe nicht den ersten Stein. Ich treibe mich meist lesend in diesem Brett herum, weil ich versuche, andere Anschauungen ansatzweise zu verstehen. Beim Begriff „bigotten“ komme ich aber nicht weiter. Kannst Du mir da helfen?

      Ulf

      • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
        Re^3: Mal eine Frage an die Katholiken...

        Ich meine die scheinheiligen die immer mit Blick zum Himmel rumlaufen, andere Leute mies machen, sich im Umgang mit den Mitmenschen richtig schweinisch benehmen, Egoisten wie sie im Buch stehen, keine Meinung anderer gelten lassen und sich immer in den Vordergrund drängen und als besten Menschen hinstellen. WEnn die Glocken läuten in die Kirche rennen und so tun als wären sie schon heilig.
        Kenne einige dieser Sorte - ätzend. [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

        • Antwort von nach 9 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: Mal eine Frage an die Katholiken...

          Hi Rosenfreak.
          Richig! Kenne auch welche von dem Schalg.
          Nerven tut es mich auch, aber soo schlimm sind sie dann meistens doch nicht...

          schöne Grüße, Goms

    • Antwort von nach 57 Minuten 0 hilfreich
      Re^2: Mal eine Frage an die Katholiken...

      Hallo Ulrike,

      Deine Überlegungen/Einsichten zu diesem Thema decken sich mit den meinigen: die Leute glauben einfach alles, lassen sich gängeln und vorschreiben, wie sie zu leben haben. Warum tun sie das heutzutage?
      Meine Überlegungen:
      1. weil insbesondere die katholische Kirche mit Sanktionen nach dem Tod - Fegefeuer, ewige Verdammnis - droht und ein Teil der Menschen lieber nichts riskieren will, es könnte ja sein, die Kirche hat doch recht.
      2. Gewohnheit, Gruppenzwang, Bequemlichkeit. Es "gehört" sich als guter Katholik, in die Kirche zu gehen, zu beichten, Riten einzuhalten.
      Menschen, die in einer Gemeinschaft aufgewachsen sind, in der alle dies ebenso praktizieren, kommen selten auf die Idee zu hinterfragen und sich möglicherweise rechtfertigen zu müssen.

      Ich finde dennoch, jeder soll für sich selbst entscheiden, was und woran er glaubt.

      Grüße von einer, die sich von katholischen Kirche und ihren Vertretern u.a. wegen mangelnder Gerechtigkeit abgewandt hat: der weibliche Teil der Menschen hat nicht nicht den gleichen (Stellen-)Wert wie der männliche Teil. Frauen sind "schuld" an der Erbsünde usw.

      Mara [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  3. Antwort von nach 18 Minuten 0 hilfreich
    Re: Mal eine Frage an die Katholiken...

    Hallo.

    Das auch bei kirchlichen Lehren Theorie und Praxis weit auseinander klaffen können ist ja bekannt... Die Bösen, also diejenigen, die die jeweilige Lehre falsch interpretier(t)en, sind immer "die Anderen". Warum sollte das bei den Katholiken anders sein ?
    Ausserdem war die Inquisition ein weitaus grösserer Begriff als er versucht wird darzustellen. Hier was Hübsches dabei ? http://www.google.de/search?hl=de&q=Inquisition+%22K... & http://www.redaktionshandbuch.de/artikel/135_inquisi...
    Aber wie das so ist: wenn man seine eigenen Ziele durchsetzt klebt man noch das Etikett "Gott" darauf (wenn das mal nicht gegen eins der zehn Gebote verstösst...)und schon kann man die 'richtigen' Schafe für seine Sache gewinnen. Bis sie vom ach-so-bösen Wolf gefressen werden

    mfg M.L. (Anhänger der theoretischen Religionslehre)



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