Hallo Elisabeth,
ob in von jüdischen Autoren verfaßten Texten die Schreibweise Gott, G-tt oder G’tt (bzw. im Englischen god, g-d oder g’d) verwendet wird, ist nicht eine Frage, welcher Richtung des Judentums sich die Verfasser zuordnen.
Wesentlich ist, daß der G-ttesname - das Tetragramm - nicht ausgeschrieben wird. Alles andere ist eine Frage der persönlichen Einschätzung / Deutung.
G-tt ist nicht Name, sondern Funktionsbezeichnung. Es steht nirgends in der jüdisch-religiösen Literatur (weder Torah, Talmud noch sonstiger Auslegungsliteratur), daß man „Gott“ nicht schreiben dürfe.
Viele Juden - auch ich gehöre dazu - vermeiden es dennoch das Wort vokalisiert auszuschreiben. Es ist ein Zeichen des Respekts (wobei ich nicht sage, daß andere, die es anders machen respektlos seien, sondern es ist eben meine Form Respekt auszudrücken, andere mögen das anders tun).
Diese Form beruht auf einer Tradition, die nicht unbedingt logisch zu begründen ist. Aber es ist eben nicht alles im Leben logisch 
Wenn ich „Tisch“ ausschreibe, dann wird jeder, der hier liest, eine bestimmte Vorstellung von Tisch verbinden. „Tisch“ steht für was, was unendlich viele Varianten des Einzeltypus „Tisch“ repräsentieren kann. Wir machen uns - ein jeweils unterschiedliches - Bild. Trotzdem ist „Tisch“ begrenzt, es ist eben nicht „Stuhl“.
Um deutlich zu machen, dass man G-tt nicht in eine begrenzte menschliche Vorstellung reinholen will, sondern er/sie immer der/die ganz Andere - also unverfügbar - ist, gibt es diese symbolische Möglichkeit das über „G-tt“ oder „G’tt“ auszudrücken.
Vom Alltagspraktischen kommt noch der Aspekt dazu, daß man sich bemüht, keine Bezeichnung für G-tt in eine Form zu bringen, in der sie beschmutzt werden könnte (Abfall).
Da gedruckte Bücher gewöhnlich nicht nach Gebrauch weggeworfen wird, findet man in Gebetbüchern unterschiedlicher religiöser Richtungen in den Übersetzungen durchaus „Gott“ ausgeschrieben.
In der jüdischen Tradition werden Texte, in denen das Tetragramm vorkommt (Torahrollen, Gebetbücher etc.) bestattet. Dafür gibt es auf jeden jüdischen Friedhof einen Platz.
Ich habe mal vor ein paar Jahren ein hebräisch/englisches Torahlernprogramm ins Deutsche übersetzt und bearbeitet.
Es gab auch die Möglichkeit, die Torahtexte auszudrucken. Die CD-Rom war so programmiert, daß - vor der Vorgang des Ausdruckens in Gang gesetzt wurde - der Nutzer ein Fenster zu sehen bekam, das in darauf aufmerksam machte, daß in dem auszudruckenden Text der G-ttesname vorkommt und dieses Papier dann entsprechend zu entsorgen sei.
Erst nach einem Bestätigungsklick wurde dann der Druckvorgang eingeleitet.
Viele Grüße
Iris
Viele Gruesse
Iris