Antwort von
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Re: Sinn vom 'Kaffee' nach einer Beerdigung
Äh..ich muß da mal was zurechtrücken: Erstens: Der u.a. Rundfunkartikel (ich kenne die Sendung) zielte auf alte (abergläubige) Bräuche in der Vergangenheit (!) ab. Zweitens: Christlicher Glaube an Auferstehung ist weder Vertröstung noch Weltflucht: Christen trachten keineswegs danach, diese Welt so schnell wie nur möglich endlich verlassen zu können - dafür ist sie trotz allem zu schön. Deshalb wäre es auch zynisch, angesichts des Todes eine große Party zu veranstalten und sich mit Kaffee und Kuchen über das "nun bessere Leben des Verstorbenen" zu freuen.
Das Essen nach der Beerdigung hat einen alte, praktische Hintergründe: Zum einen hat man früher den Toten nicht direkt beerdigt, sondern zunächst aufgebahrt und Totenwache gehalten. Auch gab es in vielen Ländern (und gibt es noch heute) Klagefrauen. Kurzum: Man verbrachte längere Zeit in Haus des Toten und mußte demnach auch versorgt werden. Darüberhinaus waren die Transportmöglichkeiten natpürlich anders als heute und man mußte schlichtweg länger reisen. Da war es logisch, dass man nach der beerdigung (und vor der Rückkehr nach Hause) sich erst einmal gestärkt hat.
Das hat sich natürlich heute geändert. Aber der dritte Grund für das Essen gilt auch heute noch: Eine Beerdigung ist wie Geburtstag, Taufe, Hochzeit etc. auch heute noch ein Anlass, der die ganze Verwandtschaft zusammenbringt. Und da ist es nur logisch, dass man sich hinterher noch zusammensetzt und miteinander austauscht. Das stärkt den Zusammenhalt der Familie und ist oftmals auch noch der einzige Ort, wo man sich überhaupt noch begegnet. Außerdem sollten die Hinterbliebenen hier nochmals die Hilfsbereitschaft der Verwandten erfahren. Nur sollte man daraus keine feucht-fröhliche "Abschiedsparty" machen.
Gerd