Re: Exozismus-sesamstraßenfrage
Hallo Barbara,
Hallo Exorzismus-Experten,
das bin ich sicher nicht ;-)
Trotzdem ein Antwort-Versuch:
Wie bei Behandlungen von physischen oder psychischen Erkrangungen auch wird man in der Praxis wohl oft das Problem haben, dass der/die Betroffene durch die Erkrankung selbst oder durch andere Umstände gar nicht in der Lage ist, frei über die Therapieform zu entscheiden. In diesem Fall muss die Entscheidung natürlich von einem Verwandten, Vormund etc. getroffen werden. Es macht also wenig Sinn, eine Entscheidung des/der Betroffenen selber zwingend zu fordern. Wieweit dies allerdings im Regelwerk festgelegt ist, habe ich auch nicht herausbekommen.
Insgesamt neige ich schon zu der Ansicht, dass es neben Erkrankungen des Körpers und der Psyche auch Erkrankungen der Seele gibt, die mit medizinischen oder psychotherapeutischen Mitteln letztlich nicht adäquat angegangen werden können, sondern eben einen "seelischen Beistand" erfordern. Ob man diese Krankheitsbilder jetzt mit "Besessenheit von Dämonen" gleichsetzen mag, ist eine andere Frage.
Aus dem von Franz verlinkten Text und auch aus anderen Zitaten im vorigen Thread geht ja herver, dass es der römischen Kirche bei der Ausübung des Exorzismus zunehmend um einen therapeutischen Ansatz im oben angeführten Sinn handelt - dies natürlich nach einem schmerzhaften Lernprozess wegen einiger Todesfälle in Zusammenhang mit Exorzismen. Trotzdem bleiben einige Fragen offen: dass eine medizinische und psychiatrische Begleitung des Exorzismus nur "empfohlen" aber nicht zwingend vorgeschrieben ist, lässt sicher einige Schlupflöcher für Scharlatanerie offen.
Wenn es tatsächlich so ist, dass Priester nur noch dann zu Exorzisten bestellt werden, wenn sie eine psychotherapeutische Zusatzausbildung haben, ist das sicher eine wichtige Entwicklung in die richtige Richtung. Ich habe nur meine Zweifel, ob diese Maßgabe in allen Ortskirchen, besonders der 3. Welt, auch tatsächlich umgesetzt wird. Die berüchtigten Massen-Exorzismen des Erzbischofs Milingo lassen nichts gutes ahnen ...
Grüße
Wolfgang