'Der erste Trunk aus dem Becher der ...

Von: , Frage gestellt am So, 26. Jun 2005

...Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott".
Soweit ein Satz des Physikers Werner Heisenberg.
Was, liebe www'ler, denkt Ihr darüber?
fragt
Branden

27 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 4 hilfreich
    das Numinose auf dem Grund des Bechers

    "Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott". Was, liebe www'ler, denkt Ihr darüber?
    Mir ist die Denkweise Heisenbergs in Fragen zur Relgion bekannt, er hat sie ja später auch z.B. in "Der Garten des Menschlichen" expliziert. Aber gerade daher ist bereits der erste Teil dieses Aphorismus absolut nicht nachvollziehbar.

    Ich sehe keine Verbindung zwischen Atheismus und naturwissenschaftlichem Denken. Es gibt gewisse - scheinbare - Konflikte zwischen einem bestimmten mythologischen Schöpfungs- bzw. Schöpfer-Begriff und physikalischen Weltbildern. Aber wenn man ein Problem mit einer mythischen Schöpfungs-Konzeption hat, ist man noch lange nicht zwangsläufig Atheist.

    Heisenberg verwechselte (nicht nur in diesem Satz) einen alttestamentlichen, mythischen Schöpferbegriff mit einem Gottesbegriff überhaupt. Die geistige Entwicklung vieler Naturwissenschaftler führt indes, wie vielfach bezeugt, so auch bei ihm, zu einer Form der Erfahrung des Numinosen, die aber nicht in einer der bestehenden Religionen aufgefangen wird.

    Dieses "... wartet Gott" (oder Analoges) wird daher gerne von Anhängern vorhandener Religionen mit einem "na siehste!" beantwortet, was aber ebenso ein Mißverständnis ist, wie das oben angesprochene eines vermeintlichen Widerspruchs zwischen mythischem und naturwissenschaftlichem Denken.

    Gruß

    Metapher

    • Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
      Re: das Numinose auf dem Grund des Bechers

      Dieses "... wartet Gott" (oder Analoges) wird daher gerne von
      Anhängern vorhandener Religionen mit einem "na siehste!"
      beantwortet, was aber ebenso ein Mißverständnis ist, wie das
      oben angesprochene eines vermeintlichen Widerspruchs zwischen
      mythischem und naturwissenschaftlichem Denken.
      Seh ich ähnlich, Metapher. Nur dem alten Heisenberg darf man da doch nicht zuviel vorwerfen, denn erst in etzter Zeit, ich möchte sagen: etwa seit den 70er Jahren hat sich diese Denkweise etwas mehr durchgesetzt. Und selbst große Geister wie Heisenberg taten sich etwas schwer, in dem "fachfremden Gebiet", denn von "spirituellem Denken" hat damals noch keiner groß was gewusst. ;-)
      Gruß,
      Branden

    • Antwort von nach 18 Stunden 1 hilfreich
      Re: das Numinose auf dem Grund des Bechers

      "Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht
      atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott
      ".
      Ich sehe keine Verbindung zwischen Atheismus und
      naturwissenschaftlichem Denken.
      Also ich sehe die schon. Setzt man als wahr voraus, dass ursprünglich Religion nichts anderes als Welterklärung ist ... so hatte sie ursprünglich den gleichen Anspruch wie auch Naturwissenschaft ihn hat, uns ein Weltbild zu liefern nämlich, mit dem wir uns in der Welt zurecht finden, mit dem die Welt uns geordnet erscheint.

      Und im ersten Trunk erklärt Naturwissenschaft die Welt nun einmal besser ... im Sinne von einfacher, klarer.

      Gruss Jacobias.

      • Antwort von nach 21 Stunden 1 hilfreich
        Erstaunen

        Hi, Ich sehe keine Verbindung zwischen Atheismus und
        naturwissenschaftlichem Denken.
        Also ich sehe die schon. Setzt man als wahr voraus, dass
        ursprünglich Religion nichts anderes als Welterklärung ist ...
        Ich weiß wohl, was du damit meinst. Aber - auch wenn man das aus dem, was man aus archaischen Kulten weiß, so nicht bestätigen kann - das beträfe nur den mythischen Charakter von Weltschöpfungen, nicht aber den Gottesbegriff selbst. So, wie ich schrieb: Wenn jemand Schöpfungsmythen im Konflikt mit physikalischen Weltbildern sieht, muß er nicht zwangsläufig Atheist sein (also - im heutigen Verständnis von "Atheismus" - die Existenz eines Gottes leugnen).

        Unter Naturwissenschaftlern ist es recht verbreitet, daß sie sehen, daß für die Naturerklärung das Konzept eines (Schöpfer-)Gottes nicht nötig ist. Aber ein Gott muß ja nicht unbedingt zugleich ein Schöpfer sein. Und im ersten Trunk erklärt Naturwissenschaft die Welt nun einmal besser ... im Sinne von einfacher, klarer.
        Genau das! Was viele Naturwissenschaftler in späteren Lebensjahren aber zu einer Erfahrung des Numinosen bringt, ist das Erstaunen gerade über die mathematisch-physikalische Erklärbarkeit der Natur. Und so war es auch bei Heisenberg.

        Gruß

        Metapher

        • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
          Re: Erstaunen

          Ich sehe keine Verbindung zwischen Atheismus und
          naturwissenschaftlichem Denken.
          Also ich sehe die schon. Setzt man als wahr voraus, dass
          ursprünglich Religion nichts anderes als Welterklärung ist ...
          Ich weiß wohl, was du damit meinst. Aber - auch wenn man das
          aus dem, was man aus archaischen Kulten weiß, so nicht
          bestätigen kann - das beträfe nur den mythischen Charakter von
          Weltschöpfungen, nicht aber den Gottesbegriff selbst.
          Ich finde Du denkst etwas kompliziert Metapher. Was weiß man denn schon über archaische Kulte ...

          Ich erinnere mich, daß ich mit meinem kleinen Sohn mal im Garten war. Eine Regenfront näherte sich. Bevor der Regen einsetzte kamen Regenböen. Ich sagte zu ihm : Jetzt kommt die Bö. Als der Wind in die Bäume griff ... lief er angsterfüllt ins Haus. ... Ich denke, ich war da Zeuge der Entstehung eines archaischen Kultes. Der Gott 'Bö' kam unter Getöse herangebraust.

          Gruss Jacobias.

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re^2: Erstaunen

            Hi Jacobias Ich sagte zu ihm : Jetzt kommt die
            Bö. Als der Wind in die Bäume griff ... lief er angsterfüllt
            ins Haus. ... Ich denke, ich war da Zeuge der Entstehung eines
            archaischen Kultes. Der Gott 'Bö' kam unter Getöse
            herangebraust.
            Na, da haben wir es doch dann aber -bitteschön- mit einer GöttIN zu tun. Und das ist doch auch gut so. In Vertretung von Alice Schwarzer möchte ich hiermit dezidiert für die Bö als Göttin eine Lanze brechen.
            Gruß,
            Branden

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re^2: Erstaunen

            Was weiß man denn schon über archaische Kulte ...
            Eine Unmenge, Jacobias. Nicht umsonst gibt es die sog. Vgl. Religionswissenschaft, die Archäologie usw. usw ...

            Eine kleine Stichprobe einführender Literaturen hatte ich kürzlich in einer Antwort an Humancrossing gepostet:
            http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...

            ... Ich denke, ich war da Zeuge der Entstehung eines archaischen Kultes. Der Gott 'Bö' kam unter Getöse herangebraust.

            EIn Kult ist das noch nicht, wohl aber ein Zeichen dafür, daß die Reaktion, eine zunächst unerklärliche Naturerscheinung für die Aktivität und Gegenwart eines nicht-sinnlich wahrnehmbaren Wesens zu halten, hier und da auch in heutigen Menschen noch lebendig ist. Zumal dieses Wesen von einer Vertrauensperson sogar als namentlich bekannt vorausgesetzt wurde.

            Ein schönes Beispiel. Danke!

            Gruß

            Metapher

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re: Erstaunen

          Und im ersten Trunk erklärt Naturwissenschaft die Welt nun einmal besser ... im Sinne von einfacher, klarer.
          Genau das! Was viele Naturwissenschaftler in späteren
          Lebensjahren aber zu einer Erfahrung des Numinosen bringt, ist
          das Erstaunen gerade über die
          mathematisch-physikalische Erklärbarkeit der Natur. Und so war
          es auch bei Heisenberg.

          Gruß

          Metapher
          Ich muß immer wieder schmunzeln, wie ihr Gelehrten es versteht, aus einem X ein U zu machen.

          Könnte Heisenbers Aussage nicht einfach eine faustische sein. Die Einsicht, daß man am Ende seiner Forschung, wieder vor dem Unfaßbaren steht?

          rolf

  2. Antwort von nach 30 Minuten 0 hilfreich
    Re: 'Der erste Trunk aus dem Becher der ...

    ...Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des
    Bechers wartet Gott".
    Soweit ein Satz des Physikers Werner Heisenberg.
    Was, liebe www'ler, denkt Ihr darüber?
    Ich denke darüber, daß in dem Satz viel Wahres drinsteckt, sofern man nicht den fatalen Fehler macht "Gott" mit irgendeinem bestimmten Gott, sei es der islamische, jüdische, christliche oder sonstwelcher, gleichzusetzen.

    Man kann diese Aussage ganz profan verstehen, indem man z.B. darunter das Erkennen der Grenzen versteht, also den Punkt, an dem die aktuelle Naturwissenschaft nicht mehr weiter weiß, keine Erklärungen liefern kann und die Dinge als "vorerst nunmal so gegeben" annimmt.

    Wenn man das Ganze etwas tiefschürfender betrachtet, kommt man leicht zu einem Haufen von Mysthizismen (tolles Wort, btw.!), in denen man sich mit Genuß verlieren kann, und das nur durch die einfache, kindliche Frage "Warum?". Ich belaß es mal so schwammig und kurz, um Dir/euch persönliche Ausschweifungen zu ersparen ;-) da braut sich ohnehin jeder seine eigene Ursuppe.

    Gruß,

    Malte.



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