Hallo !
Damit war die Politik gemeint.
Hier ein Ausschnitt aus der Propyläen Weltgeschichte :
Dennoch gab es Beschwerden, Klagen und immer
wieder enttäuschte Hoffnungen in Hülle und Fülle:
ein wahrer Krebsschaden, der sich in den Staatskörper
einfraß. Schon vor dem Kriege war das liberale parla-
mentarische System in den Augen der Bevölkerung
weitgehend in Mißkredit geraten. Um zur Stabilisie-
rung der politischen Verhältnisse beizutragen. erlaubte der konservative Papst Pius X. den Katholi-
ken nach 1903 aktivere Teilnahme an der Politik, und
dennoch hielten gesellschaftliche Funktionsstörungen
weiter an. Der grelle, prunkhaft-heroische Nationalis-
mus, den des Poeten d'Annunzio jugendliche Gefolg-
schaft zur Schau trug, war ein Protest gegen das Be-
rechnende, Bürgerlich-Pedantische in der Politik, zu-
gleich aber auch ein psychologisches Gegengewicht
gegen die deprimierende Wirkung, die von der Bedeu-
tungslosigkeit Italiens auf der internationalen Bühne
und dem Scheitern seiner imperialistischen Versuche
ausging. Zu guter Letzt verschaffte aber der Tripolis-
Krieg von 1911 dem nationalen Ehrgeiz eine gewisse
Genugtuung, ohne freilich die sozialen Spannungen
im Lande zu lösen. Dann entschloß sich die Regie-
rung 1912 zur Einführung des allgemeinen Wahl-
rechts - genau in dem Jahr, in dem die Sozialisten
dem liberalen politischen System ihre grundsätzliche
Opposition ansagten. Von neuem flammten Streiks
und Unruhen auf, diesmal geschürt von Benito Mus-
solini, Chefredakteur der sozialistischen Zeitung
Avanti. Trotz diesen schweren Belastungsproben hielt
die italienische Gesellschaft noch zusammen, ja, sie
brachte sogar einen mächtigen kulturellen Auf-
schwung hervor. Als Europa in den Krieg zog, stan-
den die Italiener - zynisch, uneinig und bei alledem
innerlich aufgewühlt - beiseite und versuchten, sich den Kurs auszurechnen, den ihnen die Rücksicht auf
den eigenen Vorteil für die Zukunft vorzeichnen
könnte.
Propyläen-Weltgeschichte: Henry Cord Meyer: Das Zeitalter des Imperialismus. Propyläen-Weltgeschichte, S. 13557 (vgl. PWG Bd. 9, S. 54 ff.) (c) Ullstein Verlag]
mfgConrad