rechte/linke Backe

Von: , Frage gestellt am Mi, 6. Jul 2005

Hallo,

mir hat heute jemand erzählt, dass das Darbieten der anderen Backe nach dem Schlagen der rechten (Mt. 5,39) einen ganz speziellen gesellschaftlichen Hintergrund haben könnte: "Wenn jemand mit der Hand (oft Handrücken) einem anderen ins Gesicht schlägt, dann ist dies eine sehr große Verletzung seiner Ehre. Um diese Schmach wieder aufzulösen bot der Gepeinigte seinem Gegenüber die andere Backe an..."

Ich war dem gegenüber etwas skeptisch, jedoch kann ich einen recht deutlichen Zusammenhang erkennen. Zumal

Wie seht ihr das? Ist da vielleicht etwas dran? Gibt es Hinweise darauf in alten Schriften (außer Klgl. 3,30)?

schöne Grüße + danke
vastitas

12 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: rechte/linke Backe

    mir hat heute jemand erzählt, dass das Darbieten der anderen
    Backe nach dem Schlagen der rechten (Mt. 5,39) einen ganz
    speziellen gesellschaftlichen Hintergrund haben könnte: "Wenn
    jemand mit der Hand (oft Handrücken) einem anderen ins Gesicht
    schlägt, dann ist dies eine sehr große Verletzung seiner Ehre.
    Um diese Schmach wieder aufzulösen bot der Gepeinigte seinem
    Gegenüber die andere Backe an..."
    Hallo Vastitas,

    lies doch den ganzen Absatz in Bibel durch. Also von Matthäus 5.38 bis 5.42. Die oben beschriebene Erklärung ergibt doch so gesehen überhaupt kein Sinn!

    "Ihr habt gehört, daß da gesagt ist "Auge um Auge, Zahn um Zahn." Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel; sondern, wenn dir jemand einen Streich gibt auf deine rechte Backe, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten [dich verklagen] will und deinen Rock nehmen, dem laß auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt eine Meile, so gehe mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht von dem, der dir abborgen will."

    Wie soll man den die Rock-Mantel- und die Meilen-Metapher in dieses Erklärungschema bekommen?
    Die Aufforderung ist "ihr sollt dem Übel nicht widerstreben". Das ist doch das genaue Gegenteil der Verteidigung der eigenen Ehre!

    Schöne Grüße, Eckhard

    • Antwort von nach 21 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: rechte/linke Backe

      mir hat heute jemand erzählt, dass das Darbieten der anderen
      Backe nach dem Schlagen der rechten (Mt. 5,39) einen ganz
      speziellen gesellschaftlichen Hintergrund haben könnte: "Wenn
      jemand mit der Hand (oft Handrücken) einem anderen ins Gesicht
      schlägt, dann ist dies eine sehr große Verletzung seiner Ehre.
      Um diese Schmach wieder aufzulösen bot der Gepeinigte seinem
      Gegenüber die andere Backe an..."
      Ich habe bewußt meine eigene Meinung im ersten Posting etwas zurückgehalten. Mir ging es vorranging um eure eigenen Ideen. Mir ist sehr wohl der gesamte Text der Bergpredigt bekannt, weshalb ich auch arge Probleme mit dieser Aussage habe.
      Nur sollten wir vorsichtig mit den Texten des NTs sein, da hieraus nicht ersichtlich wird, was Jesus wirklich gesagt hatte. Das Thema wird oben schon recht gut von Elimelech und Taju diskutiert.

      Mfg
      vastitas

  2. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: rechte/linke Backe

    Hallo, mir hat heute jemand erzählt, dass das Darbieten der anderen
    Backe nach dem Schlagen der rechten (Mt. 5,39) einen ganz
    speziellen gesellschaftlichen Hintergrund haben könnte: "Wenn
    jemand mit der Hand (oft Handrücken) einem anderen ins Gesicht
    schlägt, dann ist dies eine sehr große Verletzung seiner Ehre.
    Umgekehrt. Stell dir das doch zunächst mal rein anatomisch vor:
    Wenn dir jemand gegenüber steht und deine rechte Backe schlägt, dann ist das von einem Rechtshänder (also der Mehrzahl der Menschheit) eine klassische Ohrfeige, ein Schlag mit der Innenhand.
    Wenn der zweite Schlag auf die linke Backe gehen soll, dann wäre das (wieder von einem Rechtshänder ausgeführt) ein Schlag mit dem Handrücken. Und das einzustecken, ist (angeblich auch heute noch) in den Kulturen des Nahen Ostens eine besonders große Schmach. Um diese Schmach wieder aufzulösen bot der Gepeinigte seinem
    Gegenüber die andere Backe an..."
    Leuchtet mir jetzt nicht ein. Wie gesagt, der Schlag auf die linke ist eigentlich die Steigerung des ersten Schlags.

    Es sei denn, du würdest mit dem Darbieten der linken Wange auf eine "Beißhemmung" spekulieren, wie ihn Konrad Lorenz (fälschlicherweise) bei Hunden beschrieben hat: sich in die unterwürfige Lage zu bringen, um den Sieger davon abzuhalten weiter zu kämpfen.
    Aber da Lorenz' Beschreibung der Hemmung auf einer Fehlbeschreibung beruht und in Wirklichkeit schon bei Hunden nicht funktioniert, würde ich mich bei Menschen auch nicht drauf verlassen.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Beißhemmung

    Grüße
    Wolfgang

    • Antwort von nach 12 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: rechte/linke Backe

      Hallo Wolfgang, mir hat heute jemand erzählt, dass das Darbieten der anderen
      Backe nach dem Schlagen der rechten (Mt. 5,39) einen ganz
      speziellen gesellschaftlichen Hintergrund haben könnte: "Wenn
      jemand mit der Hand (oft Handrücken) einem anderen ins Gesicht
      schlägt, dann ist dies eine sehr große Verletzung seiner Ehre.
      Umgekehrt. Stell dir das doch zunächst mal rein anatomisch
      vor:
      Wenn dir jemand gegenüber steht und deine rechte Backe
      schlägt, dann ist das von einem Rechtshänder (also der
      Mehrzahl der Menschheit) eine klassische Ohrfeige, ein Schlag
      mit der Innenhand.
      Nein. Da mein Gegenüber, wenn er mit der rechten Hand auf meine rechte Wange schlägt, diagonal schlagen muss, erfolgt der Schlag mit der Aussenseite seiner Hand. Es sein denn er verdreht sie, aber die klassische Ohrfeige ist rechte Hand auf linke Wange.

      Aber wie auch immer. Die Gesichtspartie, auf die sich hier angeblich bezogen wird nennt man "Wange". Backen sind auf der Rückseite des menschlichen Körpers, etwas weiter unten zu finden. Ich vermute daher eher einen homoerotischen Bezug mit dessen Hilfe sich ältere Kirchenobere junge Novizen gefügig machen wollten.

      Oliver

      • Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: rechte/linke Backe

        Hallo Oliver, Nein. Da mein Gegenüber, wenn er mit der rechten Hand auf
        meine rechte Wange schlägt, diagonal schlagen muss, erfolgt
        der Schlag mit der Aussenseite seiner Hand. Es sein denn er
        verdreht sie, aber die klassische Ohrfeige ist rechte Hand auf
        linke Wange.
        Herrje, das ist mir tatsächlich durcheinander geraten. Du hast recht. Aber wie auch immer. Die Gesichtspartie, auf die sich hier
        angeblich bezogen wird nennt man "Wange". Backen sind auf der
        Rückseite des menschlichen Körpers, etwas weiter unten zu
        finden.
        Das allerdings ist nun wirklich völlig hanebüchener Schwachsinn. "Wange" und "Backe" sind Synonyme, auch wenn "Backe" auch noch die von dir erwähnte zweite Bedeutung hat (aber zur Unterscheidung wird ja deshalb auch immer, wenn der Zusammenhang aus dem Kontext nicht ganz eindeutig ist, von "Hinterbacken" oder "A***backen" gesprochen).
        Abgesehen davon ist ja nicht der Begriff relevant, den irgendein deutscher Übersetzer zufällig gewählt hat (bei Luther heißt es "Backe", in den meisten anderen Übersetzungen "Wange"), sondern was im griechischen Original steht. Ich vermute daher eher einen homoerotischen Bezug mit
        dessen Hilfe sich ältere Kirchenobere junge Novizen gefügig
        machen wollten.
        Ach du grüne Neune ...

        Wolfgang

  3. Antwort von nach 2 Stunden 1 hilfreich
    Re: rechte/linke Backe

    Hallo, vastitas,

    die mir einleuchtendste Erklärung dieses Spruches ist:

    Der Schlag auf die linke Backe wurde damals im Normalfall - und die Linkshänder kann man hier vernachlässigen - von den Herren und Besitzern von Sklaven als spontane Strafe ausgeführt. Es ist eine aus dem Affekt und dem Handgelenk ausgeführte Züchtigung eines unter dem Schlagenden Stehenden

    Wer mir also auf die linke Backe haut, dünkt sich mir überlegen!

    Der Schlag auf die rechte Backe aber findet in einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen Ebenbürtigen statt.

    Wenn ich also die rechte Backe zum Schlag anbiete, dann gebe ich dem Schläger zu verstehen:
    He, ich bin nicht dein Sklave! Ich stehe dir gleich! Und jetzt machs noch einmal, Sam! Und siehe, was dann passiert!

    Es ist also ein deutlicher Hinweis auf die eigene Würde, der da ausgedrückt wird!

    Gruß Fritz

    • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: rechte/linke Backe

      Hallo, vastitas,

      die mir einleuchtendste Erklärung dieses Spruches ist:

      Der Schlag auf die linke Backe wurde damals im Normalfall -
      und die Linkshänder kann man hier vernachlässigen - von den
      Herren und Besitzern von Sklaven als spontane Strafe
      ausgeführt. Es ist eine aus dem Affekt und dem Handgelenk
      ausgeführte Züchtigung eines unter dem Schlagenden Stehenden

      Wer mir also auf die linke Backe haut, dünkt sich mir
      überlegen!

      Der Schlag auf die rechte Backe aber findet in einer tätlichen
      Auseinandersetzung zwischen Ebenbürtigen statt.

      Wenn ich also die rechte Backe zum Schlag anbiete, dann gebe
      ich dem Schläger zu verstehen:
      He, ich bin nicht dein Sklave! Ich stehe dir gleich! Und jetzt
      machs noch einmal, Sam! Und siehe, was dann passiert!

      Es ist also ein deutlicher Hinweis auf die eigene Würde, der
      da ausgedrückt wird!
      Für mich hört sich das sehr konstruiert an. Gibt es dafür historische Belege oder sind alles Mutmaßungen? Sklaven wurden immer mit der Handaußenseite geschlagen? Wenn ein Freier damals mit der Handinnenseite geschlagen wurde, empfand er das nicht als demütigend?

      Vor allem aber, um es zu wiederholen: Wie passt diese Interpretation in den REST DES ABSATZES?

      Außerdem ... He, ich bin nicht dein Sklave! Ich stehe dir gleich! Und jetzt
      machs noch einmal, Sam! Und siehe, was dann passiert!
      Und, was passiert dann?

      • Antwort von nach 15 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Sklaven damals

        Hallo. [...] Sklaven wurden
        immer mit der Handaußenseite geschlagen?
        a) Welche Sklaven damals?
        b) War das Schlagen von Sklaven damals nicht verboten?

        Scholem,
        Eli

        PS. Beie Nachfragen beruhen auf der Annahme, dass Jesus sich an fromme Juden wendete.

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^3: rechte/linke Backe

        Für mich hört sich das sehr konstruiert an. Gibt es dafür
        historische Belege oder sind alles Mutmaßungen?
        Das ist der Forschungsstand EINES Interpreten und seiner Schule. Es mag konstruiert sein; es gibt Hinweise - man müsste die Bücher nachlesen, wozu ich nicht mehr in der Lage bin, da ich meine theologischen Bücher verschenkte -; solche Interpretationen sind allweil Mutmaßungen. Sklaven wurden immer mit der Handaußenseite geschlagen?
        Das ist nicht gesagt! Der Schlag mit der Außenhand der Rechten auf die linke Backe ist ein Reflex, den man sich nur gegenüber Tieferstehenden gestattete. Eben gegen Kinder, Schüler und Sklaven. Wenn ein Freier damals mit der Handinnenseite geschlagen wurde, empfand er das nicht als demütigend?
        Das ist doch nicht die Frage. Mit der Innenhabd wurde und wird wohl heute noch geschlagen, wenn "Gleiche" sich schlagen. Vor allem aber, um es zu wiederholen: Wie passt diese
        Interpretation in den REST DES ABSATZES?
        Woher soll ich das wissen? Die Gedanken der Autoren den NT sind mir generell schleierhaft. He, ich bin nicht dein Sklave! Ich stehe dir gleich! Und jetzt
        machs noch einmal, Sam! Und siehe, was dann passiert!
        Und, was passiert dann?
        Na, es gibt eine Schlägerei!



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