Mich interessiert die Frage: wer darf segnen? Nur getaufte
Menschen, weil sie Gottes Segen erst einmal erhalten haben
oder auch Menschen, die nicht getauft sind, ab und an aber
doch eine Nähe zu Gott spüren?
Freue mich auf Antworten. Gruss Enni
Liebe Enni, das alles gibt es im google:
Glaubens ABC: Segen Segnen
Nicht Menschen segnen, sondern Gott segnet. Aber Christen dürfen sich im Namen Gottes gegenseitig den Segen zusprechen. Nicht nur Pfarrerinnen oder Pfarrer können das tun, sondern jeder Christ. "Der Herr segne dich", ist die kürzeste Form der Segenszusage.
Indem sie die Form der Bitte hat ("segne" statt "segnet"), kommt zum Ausdruck, dass der Segen Gottes Sache ist, die man nicht erzwingen, um die man aber bitten kann. Durch die direkte persönliche Anrede ("dich") kommt zum Ausdruck, dass der Segen aber mehr ist als nur ein Wunsch: Der Gesegnete darf fest mit Gottes Segen, d.h. mit seiner Leben schaffenden Liebe und Nähe, rechnen.
Bibelstellen zum Thema:
3. Mose 9,23 :
Der Herr segne Dich
und behüte Dich,
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir
und sei Dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht über Dich
und gebe dir Frieden.
Von Guido Groß
Sich segnen zu lassen hat mit einer Form von Demut zu tun, die darum weiß, dass man sein Leben einem Höheren verdankt. Der gesegnete Mensch weiß, dass nicht er selbst, sondern Gott sein Leben in der Hand hält. Das schließt das Wissen um die eigenen Stärken nicht aus. Aber ein solcher Mensch kann sich auch dann vertrauend auf das Leben einlassen, wenn seine Grenzen, Zweifel und Widersprüche übermächtig zu werden drohen. Wer sich segnen lässt, ist sozusagen von seinem inneren Podest herunter gestiegen. Er weiß: Das Entscheidende in meinem Leben kommt nicht aus mir selbst. Den wirklich tragenden Grund meines Lebens kann ich mir nicht selbst erschaffen.
Segen und Segnen
nach jüdischem Glaubensverständnis
Walter Homolka
Rabbiner John D. Rayner, London, zum 80. Geburtstag gewidmet.
Das Substantiv Segen heißt in der Hebräischen Bibel berakha. Baruch heißt also der Gesegnete. Die Worte baruch und berakha leiten sich beide von der hebräischen Wurzel Bet-Resch-Kaf ab, die Knie bedeutet.1 Kniebeuge und Verneigung sind Zeichen des Respekts. Nach hebräischem Verständnis segnet nicht nur Gott den Menschen, sondern auch der Mensch preist (segnet) Gott, wie es schon die Psalmen zum Ausdruck bringen: So will ich Dich preisen mein Leben lang, bei Deinem Namen erheben meine Hände (Ps 63,5).2
Segen als Gottes Zusage
Das hebräische Wort baruch wird damit zum Attribut, das Gott als die Quelle allen Segens beschreibt.3 Wer einen Segensspruch spricht, drückt Erstaunen und Verwunderung darüber aus, wie gesegnet das Handeln Gottes an uns Menschen ist. Als eine der ersten Verheißungen sagt Gott zu Abraham: „[...] durch dich werden alle Geschlechter des Erdreichs gesegnet werden” (Gen 12,3). Segen und Fluch sprechen nicht nur einen Wunsch aus, sondern wollen bewirken, was sie zusagen. Die Wirkung aber funktioniert nicht selbsttätig wie im Zauber. Sie hängt von Gott ab. Während Zauberei in der Bibel strikt abgelehnt wird, spielt der Segen eine zentrale Rolle. Der Segen sagt dem Menschen von Gott erbetene Dinge zu. Dies ist in der Bibel primär ganz Handfestes wie Nachkommenschaft, Fruchtbarkeit, gute Ernte und allgemeiner Wohlstand. Aber er sagt auch Abstraktes zu wie Frieden und Glück. Übergeordnet spricht aus dem Segen die Teilhabe am göttlichen Heilshandeln. Er ist somit eine sprachliche Ausdrucksform und Konkretisierung der Beziehung zu Gott.
Segnen ist auch mehr als ein guter Wunsch oder die Kraft positiven Denkens. Als Sprachform des Glaubens lebt der Segen aus der Beziehung zu Gott, erhält aus dieser seine Kraft und Realität und findet in Gottes Willen seinen Rahmen und seine Grenzen. Der Segen sagt zu, was der Glaube von Gott annimmt. Vertrauen wider jede Vernunft zeichnet Ijob aus, der auch im Leid Gott nicht verflucht, sondern ihn noch preist: Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn (Ijob 1,21).
"An der Eltern Segen
ist alles gelegen."
Volksweisheit
Und meine persönliche Meinung:
Jeder darf um den Segen Gottes für jeden bitten. Ob jemand die eigene Kraft und Vollmacht besitzt, um selbst einen wirksamen Segen zu erteilen, ist eine andere Sache. Ich habe aber nie davon gehört, dass es jemandem geschadet hätte zu segnen oder einen Segen entgegen zu nehmen.
Gruß, Geris