Kippa für Nichtjuden?

Von: , Frage gestellt am Mo, 31. Okt 2005

Hallo,

am 9. November werde ich als Vertreter einer Organisation an einer Feier am Ort einer zerstörten Synagoge teilnehmen und dort nach der Ansprache in Anwesenheit der anderen Besucher einen Kranz niederlegen.

Ich besitze von einem Israelbesuch eine Kippa. Ist es sinnvoll, dass ich die bei der Gelegenheit trage? Oder wird das eher als unpassend gesehen?

Grüße
Carsten

33 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 39 Minuten 0 hilfreich
    Kippa oder eleganter Hut

    Hallo Carsten,

    die Kippa ist auf jeden Fall angebracht, wenn sie
    einfärbig schwarz ist und keine auffälligen
    Verzierungen trägt.
    Einen teuren, eleganten schwarzen Herrenhut wirst
    Du Dir ja nicht eigens zulegen wollen; vielleicht
    ausborgen?


    Gruß
    J.

  2. Antwort von nach 10 Stunden 0 hilfreich
    Re: Kippa für Nichtjuden?

    Ich besitze von einem Israelbesuch eine Kippa. Ist es
    sinnvoll, dass ich die bei der Gelegenheit trage? Oder wird
    das eher als unpassend gesehen?
    wenn an dem ort die kopfbedeckungsregel herrscht (würde ich mal nachfragen) dann kommt die kipa sicher in frage. ich würde nicht auf schwarz beharren. solange nicht mickimaus und batman drauf sind, ist sie sicher ok.

    wenn dir das aber unangenehm ist, kannst du auch einen hut aufsetzen. elegant sollte er sein, schwarz und teuer muß nicht ;)

    gruß
    dataf0x

  3. Antwort von nach 10 Stunden 0 hilfreich
    Re: Kippa für Nichtjuden?

    Hallo Carsten, am 9. November werde ich als Vertreter einer Organisation an
    einer Feier am Ort einer zerstörten Synagoge teilnehmen und
    dort nach der Ansprache in Anwesenheit der anderen Besucher
    einen Kranz niederlegen.
    Ich besitze von einem Israelbesuch eine Kippa. Ist es
    sinnvoll, dass ich die bei der Gelegenheit trage? Oder wird
    das eher als unpassend gesehen?
    Es handelt sich vermutlich um eine Gedenkveranstaltung, die von verschiedenen Gruppen organisiert wird.
    Wenn Nichtjuden als Veranstalter und Teilnehmer unter sich sind, wäre eine Kippa völlig unangebracht.

    Wenn Juden in die Gedenkveranstaltung miteinbezogen sind, würde ich nachfragen, wie die das im konkreten Fall sehen.

    Ganz allgemein kann man sagen:
    Wenn ein Nichtjude an einen jüdischen Ort geht, wo das Tragen einer Kippa üblich ist (Friedhof, G-ttesdienst in der Synagoge, Einladung zu Pessach in eine jüdische Familie, dann bekommt er vor Ort eine Kippa wenn er keine hat.

    Viele Grüße

    Iris

    • Antwort von nach 14 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Kippa für Nichtjuden?

      Hallo Iris, Ort geht, wo das Tragen einer Kippa üblich ist
      es ist eine Gedächtnisveranstaltung am 9. November vor einem (brachliegenden) Bunker, an dessen Stelle 1938 die dort befindliche Synagoge zerstört wurde. Die Veranstaltung findet jährlich statt, Kopfbedeckung der Männer wird ausdrücklich gewünscht.

      Als erstes halten zwei Vertreter jüdischer Gruppen eine Rede, danach der Oberbürgermeister. Und dann legen Vertreter politischer Gruppen und anderer Organisationen Kränze nieder. Dabei bin dann auch ich. Wenn Juden in die Gedenkveranstaltung miteinbezogen sind,
      würde ich nachfragen, wie die das im konkreten Fall sehen.
      Ich kenne aus meinen früheren Israelaufenthalten viele Juden dort, aber keinen einzigen hier. Und anstatt bei einem "Würdenträger" formell anzufragen, hoff(t)e ich, hier eine verbindliche Antwort bekommen zu können.

      Aufgrund meiner Efahrungen in Israel setze ich die Kippa gerne auf, habe aber die Befürchtung, das könne bei einer solchen Veranstaltung als Anbiederung oder Vortäuschung einer jüdischen Zugehörigkeit angesehen werden. Die Antwort von Mathias hier drüber geht wohl in die Richtung.

      Grüße
      Carsten

      • Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Kippa für Nichtjuden?

        Hallo Carsten (mit Tseh),

        danke für Deine ausführliche Darstellung. Das ermöglicht es mir besser den Zusammenhang einzuordnen und noch konkreter auf Deine Anfrage einzugehen. es ist eine Gedächtnisveranstaltung am 9. November vor einem
        (brachliegenden) Bunker, an dessen Stelle 1938 die dort
        befindliche Synagoge zerstört wurde.
        also vom äußeren Raum schon mal ein nicht-jüdischer Kontext Die Veranstaltung findet
        jährlich statt, Kopfbedeckung der Männer wird ausdrücklich
        gewünscht.
        das ist ja schon mal ein deutlicher Hinweis auf die Kleiderordnung Als erstes halten zwei Vertreter jüdischer Gruppen eine Rede,
        d.h. sie sind genauso wie Du zu einem Beitrag eingeladen. Es passiert also nix jüdisch-religiöses. Nehmen wir mal an, ein jüdischer Kantor wäre da und es heißt: "Kantor Nussbaum singt zum Abschluß das El Male Rachamim" dann würde da was Religiöses passieren und dann würde man eine Kippa in Erwägung ziehen - eine andere Kopfbedeckung wäre aber auch o.k. danach der Oberbürgermeister. Und dann legen Vertreter
        politischer Gruppen und anderer Organisationen Kränze nieder.
        Dabei bin dann auch ich.
        ... gekürzt Ich kenne aus meinen früheren Israelaufenthalten viele Juden
        dort, aber keinen einzigen hier. Und anstatt bei einem
        "Würdenträger" formell anzufragen, hoff(t)e ich, hier eine
        verbindliche Antwort bekommen zu können.
        Die ist eben immer situationsbezogen. Wenn nun - was relativ unwahrscheinlich aber denkbar ist - die jüdische Gemeinde zu einer Veranstaltung in die Synagoge XY einladen würde, also Veranstalter wäre und es sich gleichzeitig um einen jüdischen Raum handelt (Synagoge), dann wäre Kopfbedeckung sowieso angesagt.
        Aufgrund meiner Efahrungen in Israel setze ich die Kippa gerne
        auf, habe aber die Befürchtung, das könne bei einer solchen
        Veranstaltung als Anbiederung oder Vortäuschung einer
        jüdischen Zugehörigkeit angesehen werden.
        Genau das ist der Punkt. Dieser Gedankengang zeigt, dass Du sowieso schon mit Sensibilität an das Thema rangehst. In Deutschland gibt es halt Leute, die Jüdischsein vortäuschen (hatten wir auch schon in diesem Forum) und das teilweise kuriose Formen annimmt. Es gibt an meinem Wohnort einen Nichtjuden, der in seinem Geschäft Kippa trägt, der öffentlich Kippa trägt, aber wenn er zum Lernen kommt - wo es eigentlich üblich wäre das zu tun - hat er keine Kippa auf dem Kopf.

        Ich habe vor ein paar Jahren mal zum 9. November einen Gedenkrundgang zur Pogromnacht angeboten. Da kam dann tatsächlich jemand, der sich einen gelben Stern gebastelt hatte und den an seinem Mantel angebracht hatte.

        Gerade zu diesem Anlaß (9. November) reagieren viele Juden sehr allergisch auf alles, was darauf hindeuten könnte, daß jemand sich - da ja die wenigeren nicht-jüdischen Deutschen im Widerstand waren - sich von der Seite der Mitläufer und Täter auf die der Opfer schlagen möchte.

        Laß uns doch wissen, wie es gelaufen ist.

        Viele Grüße

        Iris

        • Antwort von nach 21 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: Kippa für Nichtjuden? - und Altes Testament

          Hallo Carsten (mit Tseh),
          Hallo Iris (mit ess) :-), Laß uns doch wissen, wie es gelaufen ist.
          na, bis dahin sind wir hier wohl im Archiv verschwunden. In früheren Jahren waren meist so etwa hundert Gäste dabei, einige davon mit Kippa. Da ich aber keinen Juden persönlich kenne, kann ich nicht beurteilen, ob da Möchte-gern-Kippa-Träger zwischen waren.

          Vielen Dank aber für deine ausführliche Antwort, auch zu meiner anderen Frage. Der der Thora nachfolgende folgende viermal so umfangreiche Teil des Alten Testaments heißen bei euch also Newiim und Khetuwim (habe ich soeben von dir bei Hagalil gelesen). Warum hört man diese Worte in der Öffentlichkeit nie, aber immer Thora und Talmud?

          Grüße
          Carsten

          PS

          Eigentlich wollte ich meine beiden Fragen bei Hagalil stellen, fand das Forum aber sehr unübersichtlich. Wo hätten sie denn deiner Meinung nach hingehört?

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re^5: Kippa für Nichtjuden? - und Altes Testament

            Hallo Carsten, Laß uns doch wissen, wie es gelaufen ist.
            na, bis dahin sind wir hier wohl im Archiv verschwunden.
            das hab ich jetzt mal verhindert ;-)

            Will nämlich auch wissen, wie es gelaufen ist. Eigentlich wollte ich meine beiden Fragen bei Hagalil stellen,
            fand das Forum aber sehr unübersichtlich. Wo hätten sie denn
            deiner Meinung nach hingehört?
            Hier bist Du auf alle Fälle richtig.

            Gruss Harald

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re^5: Newiim und Ketuwim

            bs"d

            Hallo Carsten. Warum hört man diese Worte in der
            Öffentlichkeit nie, aber immer Thora und Talmud?
            Das ergibt sich schon alleine aus der Bedeutung der einzelnen Teile im Judentum.

            So gibt es auch (fast) keine Bücher, welche die Newiim oder Ketuwim gesondern (in dieser Form) beinhalten. Du begegnest ihnen entweder im Tanach oder dann aufgeteilt in die einzelneb Bücher mit Kommentar wie die Tehilim (Psalmen), Isaja, Megilat Ester usw. Dadurch werden diese Begriffe nur selten verwendet und auch Tanach ist ja nicht so häufig anzutreffen.

            Kol tuw,
            Eli

  4. Antwort von nach 13 Stunden 2 hilfreich
    Re: Kippa für Nichtjuden?

    Hallo,

    ich mache mal einen plumpen Vergleich.

    Ich habe ein koreanisches Fußballshirt. Zum Spass an der Freude, die ich damit bei meinen koreanischen Freunden auslöse, ziehe ich das auch gern mal an, wenn z.B. Korea spielt und ich zusammen mit Ihnen zuschaue.

    ABER

    Wenn Korea gegen Deutschland spielt, dann ist das total unpassend und wird auch auch sehr unpassend von meinen koreanischen Freunden empfunden.

    Daraus soll folgen:

    Setze die Kippa auf, wenn Du in Israel an einem Fest teilnimmst und damit zu erkennen gibst, dass Du Dich in dem Moment dazugehörig fühlen willst.

    Setze die Kippa nicht auf, wenn Du als Vertreter einer nichtjüdischen Gruppe eine Ansprache halten willst. Das ist einfach falsch und Selbstverleumndung.

    Besten Gruß
    Mathias



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