Re^3: Bhuddistisches Versprechen?
In den meisten Fällen ist bei Roerich 'covenants' mit 'Lehre'
- oder, wie Du selbst sagst, mit 'Vermächtnis' - treffender
oder doch zumindest verständlicher wiedergegeben. Dass die
Verwendung des Begriffes im Zusammenhang mit dem Dharma
(Buddha Shakyamunis Lehre) völlig verfehlt ist, hat Marion ja
schon klargestellt.
Der Begriff ist mir etwas klarer geworden. Aber ich verstehe
nicht, warum Roerichs Verwendung so konträr zum Dharma sein
sollte.
Wenn Bhuddas Lehre, das Ziel der Befreiung von Leid ect. hat,
wodurch wird das bei Roerich in Frage gestellt?
Hallo Rolf,
was hat das buddhistische Heilsziel mit einem 'Bund' oder 'Bündnis' zu tun? Absolut nichts. Der Dharma lehrt, Befreiung von Leid ausschließlich durch eigenes Tun, durch eigene Anstrengung zu verwirklichen. Er bestreitet sogar explizit die Möglichkeit, Befreiung durch göttliche oder sonstige Hilfe, also 'von außen' zu erlangen. Der Dharma ist eine Methode, eine Praxis, um Befreiung von Leid zu erfahren und er umfasst auch die theoretische Begründung dieser Methode. Man kann diese Methode erlernen und anwenden - dazu bedarf es keines irgendwie gearteten Bundes mit einer fremden Kraft.
Vereinbarungen oder Verpflichtungen ('covenants' im herkömmlichen Sinne) gibt es lediglich bei der Ordination. Dabei wird gelobt, die Ordensdisziplin zu wahren. Das ist jedoch eine soziale Verpflichtung. Das 'Bündnis' besteht darin, dass die Ordinierten bei Strafe des Ausschlusses aus dem Sangha (dem Mönchs- oder Nonnenorden) sich uneingeschränkt der Praxis des achtfachen Pfades widmen und dafür von Laien mit dem erforderlichen Minimum an Nahrung, Kleidung und Unterkunft versorgt werden. Verstöße werden in schweren Fällen durch Ausschluß geahndet - nicht, weil sie als 'sündhaft' angesehen werden, sondern weil sie den Ruf des Sangha schädigen und damit seine materielle Grundlage in Frage stellen können. Dies ist etwas völlig anderes, als das, was in anderen Religionen unter 'Bund' verstanden wird.
Gleiches gilt für die buddhistische Ethik. Die teilweise sich mit dem jüdisch-christlichen Dekalog überschneidenden 'sila' sind keine 'Gebote' Buddhas (und schon gar keine göttlichen Gebote), sondern es sind Gelübde - Selbstverpflichtungen zu heilsamem Handeln. Auch hier wäre es völlig unangebracht, dies als ein 'Bündnis' zu interpretieren, wo eine übernatürliche Instanz das Befolgen von Vorschriften ('Bündnistreue') mit irgendwelchen geistlichen oder weltlichen Gütern belohnt. Vielleicht wird hier auch ein wenig deutlich, warum der Begriff 'Sünde' (= eine Verletzung der Bündnispflicht) im Dharma keine Rolle spielt.
Freundliche Grüße,
Ralf