Frage zum ethischen Handeln!

Von: , Frage gestellt am So, 13. Nov 2005

Hallo,

ich handele bisher immer so, dass ich keinem Menschen etwas antue, dass dieser nicht auch selber will! Das kann ich auch ganz gut befolgen, da ich in der Vergangenheit gemerkt habe, dass es mir keine Freude bereitet, andere Menschen zu etwas zu zwingen.

Jetzt ist es aber so, dass ich erwachsene, gesunde, klar denkende etc. Menschen getroffen habe, denen es egal ist, was ich mit ihnen anstelle. Sie vertrauen mir quasi ihr ganzes Leben an.

Diese Einstellung haut mich um und bringt mich auch in ein grosses Dilemma. Denn die Grenzen, die ich gehofft habe, die mir andere immer geben, sind nicht mehr da.

Sicherlich bestehen noch gesellschaftliche Grenzen und Normen etc., aber ich habe immer gedacht, dass die nur bis dahin gelten, wo zwei sich noch nicht einig geworden sind, bzw. bis dahin gelten sollten.

Ich befinde mich keineswegs in einer Situation, wo ich situationsbedingt in einer Stellung bin, wo ich diese Menschen quasi Ausnutzen kann. Dies widerspricht auch meiner Haltung, dass der Wille des anderen nicht durch eine Zwangslage etc. zu Stande gekommen ist.

Ich sitze wie auf Kohlen. Ich habe ein inneres Bedürfnis alles das zu tun, was mir erlaubt ist, aber was mir erlaubt wurde, ist einfach mehr als ich je mir erträumt hätte und daher habe ich Angst, dass mein "Motto" nach dem ich bisher gehandelt habe, mir hier nicht weiterhilft.

Als praktisches Beispiel kann man folgendes vielleicht heranziehen.

Jemand spielt gern mit Feuer, grillt gerne, macht gerne Riesenlagerfeuer etc. jetzt kommt der Nachbar und meint. "Hallo, Du spielst gern mit Feuer? Wenn Du willst kannst Du gern mein Haus abbrennen (nicht versichert) und ich sage es keinem!"

Das einzige Risiko wäre hier (erheblich) von der Polizei der Brandstiftung überführt zu werden (anhand Indizien).

Was tun? Vielleicht gibt es ja auch klare Gedanken dazu von jemanden, der mich aus meinem Gedankenkreislauf herausbringt.

Eencockniedo

13 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
    Re: Frage zum ethischen Handeln!

    Hallo,

    na wo liegt da das Problem?
    Du hast gesagt, Du handelst so, daß es niemanden schadet. Nur - wenn Du das Haus abbrennen läßt, dann hat er ja trotzdem einen Schaden - auch wenn er selber nicht in der Lage oder nicht Willens ist, das zu erkennen. Und damit ist klar, daß Du es verhindern mußt.
    Wenn es also keine eindeutige sinnvolle Willensäußerung des anderen gibt - dann mußt Du einschätzen, ob dein Handeln für ihn gefährlich oder schädlich werden könnte.


    Gernot Geyer

    • Antwort von nach 12 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Frage zum ethischen Handeln!

      Hallo, na wo liegt da das Problem?
      Du hast gesagt, Du handelst so, daß es niemanden schadet. Nur
      - wenn Du das Haus abbrennen läßt, dann hat er ja trotzdem
      einen Schaden - auch wenn er selber nicht in der Lage oder
      nicht Willens ist, das zu erkennen.
      Damit erkläre ich die Person also für unmündig. Natürlich wäre es ein Schaden, wenn mein Haus abbrennen würde, aber wenn der andere das bei seinem Haus nicht so sieht?

      Die einzige weiterführende Fragestellung, wäre vielleicht, ob ich erstmal die Wünsche des anderen hinterfragen muss und bis in welches Detail? Und damit ist klar, daß Du
      es verhindern mußt.
      Also es ist nur klar, dass ich nach dieser Logik alle wie kleine Kinder behandeln muss. Wenn es also keine eindeutige sinnvolle Willensäußerung des
      anderen gibt - dann mußt Du einschätzen, ob dein Handeln für
      ihn gefährlich oder schädlich werden könnte.
      Das will ich mir bei einem Erwachsenen gar nicht anmassen. Ich könnte nur versuchen, mehrfach darauf hinzuweisen, was ich vielleicht noch nicht genügend gemacht habe.

      Eencockniedo

      • Antwort von nach 14 Stunden 1 hilfreich
        Re^3: Frage zum ethischen Handeln!

        Hallo,

        natürlich ist das eine Sache der Abwägung.
        Es geht ja nicht darum, jemanden zu entmündigen oder zu bevormunden. Es geht ganz einfach umn die Fälle, in denen der andere seinen eiggenen Standpu kt nicht darlegen will oder kann oder in denen ein offensichtlich völlig irrationeler Standpunkt vertreten wird.

        Sein eigenes Haus abzubrennen z.B. ist nun wirklich keine übliche Verhaltensweise. Wenn jemand das tun will, dann müßte er schon eine sehr gute Begründung dafür haben, damit ich das akzeptieren kann.

        Es bleibt letztlich immer eine Frage an Dein eigens gewissen. Kannst Du Dein Tuin (oder Nicht-Tun) vor Dir selber rechtfertigen? Kannst Du zusehen, wie jemand offensichtlich in sein Unglück rennt - ohne ihn zu warnen oder festzuhalten? Doese Frage kannst nur Du selber beantworten.


        Gernot Geyer

  2. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: Frage zum ethischen Handeln!

    Hallo,

    ich handele bisher immer so, dass ich keinem Menschen etwas
    antue, dass dieser nicht auch selber will!
    Die Lösung aus dem Dilemma:
    Sieh zu dass deine ethischen Grenzen nicht nur von anderen definiert werden, sondern dass du auch selbst "ethische Vorstellungen" entwickelst.
    Dann wirst du schnell merken, dass nicht alles was dir von anderen erlaubt wird auch in deinem Sinne ist.

  3. Antwort von nach 31 Minuten 1 hilfreich
    Re: Frage zum ethischen Handeln!

    Hallo,

    das ist wirklich sehr interessant. Ich finde, Du solltest vielleicht weiterhin so verfahren, wie Du es bisher getan hast. Was Du nicht willst, das man Dir tut, das füg' auch keinem anderen zu. Und wenn Du dann immer noch ein kleines Stück weit unterhalb dieser Obergrenze bleibst, dann könnte das schon gut sein.

    Ich habe allerdings auch versucht, mich mal in Deine Lage zu versetzen, wobei ich mich daran erinnert habe, dass es bei meiner Frau und mir damals ähnlich war. Für mich waren da zeitweilig auch keine Grenzen erkennbar. Diese zu große Freiheit empfand ich persönlich jedoch eher als Belastung, weil ich mich mit der Angst schleppte, ich könnte Sie verletzen, ohne dass ich es bemerke und ohne es von ihr mitgeteilt zu bekommen. Wenn man es mit besonders zarten Wesen zutun hat, kommt man sich selbst automatisch wie ein grober, unsensibler Klumpen vor. Ich habe aber nicht versucht, einen Königsweg oder Allheilmittel zu finden, sondern habe mir von Situation zu Situation stets selbst sehr enge Grenzen gesteckt habe, womit ich aber auch kein Problem hatte.
    Es war durchaus sehr sinnvoll, diese Art des Umgangs zu erlernen, da es mit den Kindern nicht anders ist. Die geben sich auch vollkommen hin - und da kannst Du auch nicht anders, als einfach nur verantwortungsbewusst zu sein und Deine Grenzen selbst sehr eng zu definieren.

    Wichtig ist m. E. daher, dass man diese vertrauensseligen Personen entweder tatsächlich auffordert (außer Kindern, die das leider nicht können), Grenzen zu setzen, wenn man sich selbst dazu nicht imstande sieht oder aber sich seiner (freiwillig übernommenen) Verantwortung vollends bewusst wird und auch nach dieser Verantwortung handelt. Alles andere wäre schließlich eine Schweinerei.

    Als ich Deinen Beitrag gelesen, habe ich jedoch den Eindruck gewonnen, dass es Dir nicht sonderlich schwerfallen dürfte, diese Verantwortung zu übernehmen, denn Du hast ja bereits damit angefangen, als Du Dich daran gemacht hast, Dir Gedanken zu machen und Dir gar von dritter Seite Rat zu holen. Vielleicht ist es einfach sinnvoll, wenn Du Dich von Situation zu Situation treiben und Dich dabei von Deinem Herz und Deinem gesunden Menschenverstand anleiten lässt. Wenn Dir das zu unsicher ist, bist Du verpflichtet, jene Person zu mahnen, Dir Grenzen zu stecken - ob diese Forderung nun ein schlechtes Licht auf Dich wirft, kann dabei keine Rolle spielen, es geht um Verantwortung und nicht um Image.

    Tja, was soll ich noch sagen? Mach' was draus. Ich glaube, Du bist mit dem, was Du schon hast, gut gerüstet.

    Gruss
    tigger

  4. Antwort von nach 14 Minuten 0 hilfreich
    Re: Frage zum ethischen Handeln!

    Servus,

    Du gibst Dir die Antwort doch selber in Deiner ViKa...

    Ansonsten zäum das Pferd doch mal von der anderen Seite auf. Mach nichts wovon Du nicht auch willst, dass man es Dir tut. Und bevor Du was machst überleg Dir, welche Konsequenzen daraus womöglich für den Rest Deines Lebens resultieren.
    Schlußendlich: Schön, wenn einem jemand so "vertraut" - noch schöner, wenn man es trotzdem nicht ausnutzt...

    Findet
    Christian

  5. Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
    Re: Frage zum ethischen Handeln!

    Hi,

    ich verstehe Deine Frage nicht ganz.

    Da ist etwas 'Verlockendes' für Dich, das aber eindeutig (sonst
    würdest Du nicht fragen) Deiner ethischen Einstellung widerspricht.

    Und? Du kannst Dich verlocken lassen, oder Du kannst weiter mit
    Deiner Einstellung leben.

    Oder Du hast Deine Einstellung aus anderen Gründen: Weil Du Angst
    hast? ('ich_habe_angst' ??), weil Du weisst, dass Du leicht zu
    verlocken bist, und weil Du Dir Deine moralischen und ethischen Werte
    auferlegt hast, um dich vor der Verlockung zu schützen???

    (um's mal noch krasser als in Deinem Beispiel auszudrücken: Der
    Kannibale, da im Ruhrpott vor ein paar Jahren - sorry, damals war ich
    noch im Ausland & kriegte es nur am Rande mit - der fand auch
    jemanden, der gegessen werden wollte. War es deswegen
    moralisch oder ethisch vertretbar?? ).

    Andererseits, vielleicht hast Du Dein Beispiel schlecht gewählt, und
    es gibt hier nur einen von Dir eingebildeten moralischen Konflikt?

    gruss, isabel

  6. Antwort von nach 9 Stunden 0 hilfreich
    Re: Frage zum ethischen Handeln!

    Hallo E
    Ich möchte mich Isabels und Sinas Ausführungen, die ich gut finde, anschließen, und ergänzen, dass Deine Angst dabei sicherlich einen Schlüssel darstellt.
    Vielleicht handelt es sich u.a. um die Angst, die eigenen Grenzen nicht zu finden. Dies wiederum schmeckt nach einem Identitätsproblem.
    Da Du aber -offenbar- jung bist, wird sich das wahrscheinlich in den nächsten Jahren ein gut Stück weit konsolidieren.
    Gruß,
    Branden

    • Antwort von nach 13 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Frage zum ethischen Handeln!

      Hallo, Ich möchte mich Isabels und Sinas Ausführungen, die ich gut
      finde, anschließen, und ergänzen, dass Deine Angst dabei
      sicherlich einen Schlüssel darstellt.
      Vielleicht handelt es sich u.a. um die Angst, die eigenen
      Grenzen nicht zu finden.
      Also ich habe klare Grenzen, die ich anderen in Bezug auf Verhalten gegenüber mir setze. Ich weiss ganz genau, dass ich es ausnutzen will, wenn man mir keine Grenzen setzt, aber nur bei Personen, die weder "krank" noch abhängig sind, bzw. sich nicht unter Druck gesetzt fühlen.

      Hier stellt sich das große Problem, ob die besagten Personen, vielleicht doch "krank" sind bzw. ob selbst bei gesunden Personen mein Streben danach Erfahrungen zu sammeln nicht zu weit geht. Dies wiederum schmeckt nach einem
      Identitätsproblem.
      Da Du aber -offenbar- jung bist, wird sich das wahrscheinlich
      in den nächsten Jahren ein gut Stück weit konsolidieren.
      Nun, ein Opa bin ich noch nicht und je älter ich werde je gefestigter in meiner Person.

      Die Geschichte "Der Fischer und seen Fru" scheint bei mir aber jetzt langsam in die Endphase zu kommen.

      Ich bin die Fru, die immer mehr will und immer mehr bekommen hat und langsam aufpassen muss nicht eines Tages mit nichts mehr dazustehen.

      Eencockniedo



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