Freier Wille ?

Von: , Frage gestellt am Mo, 4. Sep 2000

Warum ist denn die Annahme, es gäbe einen freien Willen, so wichtig für Religion und Ethik ? Ist denn eine Religion oder Ethik denkbar ohne eine solche Annahme ?

Jochen

14 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 8 Stunden hilfreich
    Re: Freier Wille ?

    es gibt keine Religion mit freien Willen. Der freie Wille ist immer der, den die jeweilige Kirche vorschreibt. Abweichler werden rigoros niedergemacht!
    Grüße
    Raimund

    • Antwort von nach 12 Stunden hilfreich
      Re^2: Freier Wille ? JA!

      es gibt keine Religion mit freien Willen. Der freie Wille ist
      immer der, den die jeweilige Kirche vorschreibt.
      Da hast Du doch was missverstanden. Jede Gemeinschaft braucht und hat Regeln. Wer beitritt, anerkennt die Regeln, in diesem Fall hier sprich, er glaubt an die Religion. Abweichler werden rigoros niedergemacht!
      Wer gegen die Regeln verstößt, hat Strafe zu erwarten.
      Aber sogar das Christentum sagt, es könne auch noch verziehen werden.

      Bye
      Barney

  2. Antwort von nach 8 Stunden hilfreich
    Freier Wille und Strafbarkeit

    Das ganze Strafrecht dreht sich um die Frage, ob der Mensch einen freien Willen hat.
    Hat er einen freien Willen, kann er sich also ohne äußeren Zwang für Gut oder Böse entscheiden, dann muß er schwer bestraft werden, wenn er sich für Böse entscheidet.
    Hat er keinen freien Willen, muß er also machen, was andere ihm vorgeben, so kann man ihn gar nicht bestrafen, denn er könnte, selbst wenn er wollte, nicht gut handeln, wenn ihm Böse vorgegeben ist.
    Das alte liberale Recht des 19. Jahrhunderts (StGB von 1871; BGB von 1896) geht vom freien Willen aus. Die moderne Gesetzgebung (z.B. zum Verbraucherschutz) unterstellt, daß alle Menschen ein bißchen blöd und für ihre Handlungen nicht verantwortlich sind.


    Nun, und in der Religion ist es nicht viel anders. Steht es dem Menschen frei, zu sündigen oder es bleibenzulassen?


    Django

    • Antwort von nach 12 Stunden hilfreich
      Re: Freier Wille und Strafbarkeit

      hallo, Django,
      in der Theorie sieht das alles sehr einfach aus: wer zum Bösen gezwungen wird, kann nicht bestraft werden. Leider sieht die Praxis gänzlich anders aus. Ein Beispiel: ein amerikanischer Pilot stürzte über japanischem Gebiet ab. Der jap. Kommandant ließ ihn an einen Baum binden und verlangste von einem Soldaten, dass er ihn mit dem Schwert hinrichtet. Dieser wehrte ich. Daraufhin drohte ihm der Kommandant, wenn er es nicht macht, wird er sofort wegen Befehlsverweigerung erschossen. Also tötete er den Amerikaner. Nach dem Krieg wurde der kleine Soldat (nicht der Kommandant) von einem amerikanischen Militärgericht zum Tode durch den Strang verurteilt. Welche Wahl hatte der Soldat? Keine! Solche Beispiele kannst Du mit Sicherheit zu allen Zeiten und in allen Zivilisationen finden. Ich möchte hier nur an das Nürnberger Tribunal erinnern!
      Grüße
      Raimund

    • Antwort von nach 22 Stunden hilfreich
      Re: Freier Wille und Strafbarkeit

      Das ganze Strafrecht dreht sich um die Frage, ob der Mensch
      einen freien Willen hat.
      Wie ich das verstehe, bildet doch die Ethik das Wertesystem, aus welchem die Moral als dem Wertesystem zuträglichen Handlungsanweisungen (-empfehlungen) abgeleitet wird. Das Strafrecht ist ein ebenfalls auf der Ethik und der Moral basierendes Kontrollsystem, welches den entsprechenden Druck auf die Individuen ausübt, den moralischen Vorgaben zu folgen. Hat er einen freien Willen, kann er sich also ohne äußeren
      Zwang für Gut oder Böse entscheiden, dann muß er schwer
      bestraft werden, wenn er sich für Böse entscheidet.
      Dann sagst du also, daß ohne freien Willen keine Ethik denkbar ist. Hat er keinen freien Willen, muß er also machen, was andere
      ihm vorgeben, so kann man ihn gar nicht bestrafen, denn er
      könnte, selbst wenn er wollte, nicht gut handeln, wenn ihm
      Böse vorgegeben ist.
      Genau da kann ich dem nicht folgen. Erstens bedeutet es, keinen freien Willen zu haben, doch nicht, daß man das macht was andere wollen, sondern nur daß, wenn man die gesamte Situation wiederholen könnte, das Individuum die selbe Entscheidung wieder treffen würde (faktisch also nicht wirklich frei entscheidet, sondern der Situation entsprechend reagiert, ohne faktische! Alternative). Zweitens sehe ich keinen Grund, der sich nicht selbst schon wieder aus einer Ethik ableitet, warum man jemanden nicht bestrafen sollte, der sich falsch (im Sinne von unzweckmäßig/nachteilig für ein wie auch immer gesetztes Ziel) verhält - ob nun freiwillig oder nicht. Das ist im Prinizip der Knackpunkt meiner Frage.

      Grüße
      Jochen

  3. Antwort von nach 12 Stunden hilfreich
    Re: Freier Wille ?

    Warum ist denn die Annahme, es gäbe einen freien Willen, so
    wichtig für Religion und Ethik ? Ist denn eine Religion oder
    Ethik denkbar ohne eine solche Annahme ?

    Jochen
    Hallo Jochen,

    ich denke mal, dass der Mensch einen freien Willen hat ( mal abgesehen von Betrachtungen in der Straf-Justiz). Durch den freien Willen kann er sich mit eimem ethischen Wert (den er in seiner individuellen Werteordnung als wertvoll erkennt) identifizieren; das gilt auch fuer eine von ihm als ethisch wertvoll erkannte Handlung, die auszufuehren er bestrebt sein wird. - Der Wille ist als geistiger Akt immer ein freier Wille, d.h. er hat die Moeglichkeit, unter mehreren Motiven zu waehlen.
    Der menschliche Wille kann sich sogar fuer eine Handlung entscheiden, die im Gegensatz zu den vitalen Beduerfnissen des den Willen ausfuehrenden Menschen steht: aufgrund seines Willens ist der Mensch das einzige Wesen, das aus freiem Entschluss sich selbst vernichten kann (Selbstmord). -
    Wenn es keinen freien Willen gaebe, haette auch eine individuelle Wertrangordnung (welche ja die Grundlage fuer die Ethik ist) keinen Sinn. Dann koente sich der Mensch nicht fuer das "Boese", fuer "Satan" entscheiden (und brauchte dann - religioes gesprochen - nicht erloest und wieder zum "Guten", zu "Gott" gefuehrt werden. -
    Kann man das so "simplifiziert" darstellen? -

    Gruss Katschi

    • Antwort von nach 22 Stunden hilfreich
      Re^2: Freier Wille ?

      Hallo ! Durch den freien Willen kann er sich mit eimem ethischen Wert
      (den er in seiner individuellen Werteordnung als wertvoll
      erkennt) identifizieren; das gilt auch fuer eine von ihm als :ethisch wertvoll erkannte Handlung, die auszufuehren er
      bestrebt sein wird.
      Kann denn die Ethik nicht unabhängig vom freien Willen existieren ? Kann eine Ethik nicht auch als Erklärunssystem (antatt mehr als Rechtfertigungssystem) verstanden werden in einer Gesellschaft von Individuen ohne freien Willen. Der Wille ist als geistiger Akt immer ein freier Wille, d.h. :er hat die Moeglichkeit, unter mehreren Motiven zu waehlen.
      Nein! Das ist so nicht richtig. Wille ist eine geplante, angestebte Handlung. Das hat nichts damit zu tun, daß man sich tatsächlich FREI entscheiden konnte (auch, wenn man das intensive Gefühl hat, es sei so). Man will ja auch etwas essen, letzlich weil man Hunger hat. Man kann sich nicht wirklich entscheiden, etwas essen zu wollen. OK, jetzt kann es da wieder andere Einflüsse geben, welche zu der Entscheidung führen, trotz Hungers doch nichts zu essen (nichts essen zu wollen). Hier wird die Argumentation aber sehr unsicher, weil diese Einflüsse (welche zu der Entscheidung führen) sehr komplex sind. Letzlich läßt sich damit nicht beweisen, ob hier die Entscheidung wirklich freiwillig war oder - wie am einfachen Beispiel mit dem Hunger - eigentlich keine freie Entscheidung sondern nur ein Folgen entsprechend der äußeren Einflüsse war. aufgrund seines
      Willens ist der Mensch das einzige Wesen, das aus freiem
      Entschluss sich selbst vernichten kann (Selbstmord). -
      Auch das ist nicht richtig. Ich habe Berichte gesehen von Tieren, welche Handlungen begehen, die einem Selbstmord sehr nahe kommen. Man muß auch bedenken, daß Tiere nicht die technischen Möglichkeiten haben, einen sicheren, schnellen und schmerzlosen Tod herbeizuführen. Außerdem gibt es eine einfache Begründung, warum "freiwilliger" Selbstmord bei Tieren weniger häufig vorkommt. Der Mensch lebt nach seiner reproduktiven Phase noch sehr lange. Wenn eine genetisch bedingte Anlage, unter gewissen Bedingungen einen "freiwilligen" Selbstmord begehen zu müssen, dann erst wirkt, unterliegt sich nicht (wie bei Tieren in ihrer noch reproduktiven Phase) einem direkten negativen Selektionsdruck und kann sich so in der Population verbreiten. Wenn es keinen freien Willen gaebe, haette auch eine
      individuelle Wertrangordnung (welche ja die Grundlage fuer die
      Ethik ist) keinen Sinn.
      Aber warum ? Ist sauberes, klares Wasser nicht wertvoll für einen Fisch, auch wenn er sich nicht darür entscheiden kann. Ist es nicht wertvoll für ihn, einem blutigen Kampf mit Konkurrenten auszuweichen, auch wenn es nur sein "Instinkt" gebietet und er es nicht aus freien Stücken "will" ? Dann koente sich der Mensch nicht fuer
      das "Boese", fuer "Satan" entscheiden (und brauchte dann -
      religioes gesprochen - nicht erloest und wieder zum "Guten",
      zu "Gott" gefuehrt werden.
      Zirkelschluß. Man kann die Ethik nicht brauchen, um das "Gute" zu erreichen. Die Ethik definiert das "Gute" ja erst. Die Begriffe "Gut" und "Böse" sind zudem austauschbar, weil an sich bedeutungslos. Das Ziel der Ethik ist das "Gute", per Definition. Wäre Satan das Ziel, hieße er "Gut" und Gott "Böse".

      Gruss Jochen

      • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
        Re^3: Freier Wille ?

        Hallo Jochen, Kann denn die Ethik nicht unabhängig vom freien Willen
        existieren ?
        Ich denke mal, NEIN. -
        Die Ethik lehrt, die jeweilige Situation zu beurteilen, um das ethisch (sittlich) richtige Handeln zu ermoeglichen. In den Situationen des alltaeglichen Lebens hat der Mensch die Wahl zwischen mehreren Werten. Die Ethik setzt voraus, dass er Freiheit hat zu waehlen. -
        Die Verwirklichung des jeweils hoechsten erkennbaren Wertes ist das Gute, die Verwirklichung eines tiefer stehenden Wertes ist das Boese(*). -
        (*) Das Boese ist ein Korrelativ des Guten. Das Gute haette keinen Sinn, wenn es das Boese nicht gaebe. Also ist das Boese notwendig. Ohne das Boese waere keine Qualitaet, kein Wert moeglich. Die Frage nach dem Wert, der Qualitaet der Welt waere sinnlos. Also ist das Boese fuer das Gute notwendig. -

        PS: Ich versuche, ethisch (sittlich) zu handeln und bin aufrichtig: Das unter (*) Geschriebene fand ich in JEANNE HERSCH,
        Das philosophische Staunen, Serie Pieper Band 1059.

        Gruss Katschi

  4. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Re: Freier Wille ?

    Warum ist denn die Annahme, es gäbe einen freien Willen, so
    wichtig für Religion und Ethik ? Ist denn eine Religion oder
    Ethik denkbar ohne eine solche Annahme ?
    Hallo Jo

    ich bin der Meinung, daß eine Ethik ohne freien Willen vielleicht aus Spaß formuliert werden kann, aber sinnlos ist.

    Ethik definiert "gutes" und "böses" Verhalten und ein ethisches System soll dazu dienen, den Menschen eine Handlungsrichtlinie zu geben. Eine Handlungsrichtlinie ist aber sinnlos, wenn der Angesprochene eh keine Wahl hat. Die Verwendung von Ethik setzt also von vorne herein voraus, daß eine freie Wahl möglich ist, wobei man sich darüber streiten kann, wann eine Wahl frei ist.

    Mit Religion kommt automatisch ein ethisches System ins Spiel, da der Wille Gottes die Grundlage der Definition von gut und böse ist. Damit ist auch die Verbindung zum freien Willen gemacht.

    Eine Religion ohne freier Willen wäre so etwas wie die 10 Gebote für Deinen Computer. Lies sie mal Deinem PC vor und überlege, ob er sich denn daran halten wird.

    Gruß
    Thomas



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