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Re: Kirche - eine Frage der Definition
Hallo Andreas,
tut mir leid, aber Dein Beitrag stimmt doch genau mit dem
überein, was Kardinal Ratzinger sagt:
Wieso regen sich die ... (Stephans, Protestanten,
Kirchenkritiker...) darüber auf, von der Römischen Kirche
nicht als Kirche anerkannt zu werden, wenn sie doch einen
anderen Kirchenbegriff haben?
Du hast Deine Auffassung von Kirche dargelegt, er ist anders
als der der Römischen-Katholischen Kirche. Wo also ist das
Problem?
Das Problem ist doch, daß die Interpretation des Kirchenbegriffes von Ratzinger explizit ausschließt, daß irgendwer außer der katholischen Kirche eine christliche Religionsgemeinschaft darstellen kann, weil er davon ausgeht, daß nach seiner Interpretation der Bibel alle anderen Religionsgemeinschaften fehlgeleitet sind in dem Sinne, daß sie der Bibel widersprechen. Es wäre ja kein Problem, wenn er einfach sagen würde, daß "Kirche" in dem Sinn, in dem er es versteht, Papst, Bischöfe in der Nachfolge der Apostel, usw. bedeutet, dann wäre es tautologisch, daß die anderen christlichen Religionsgemeinschaften keine Kirchen sind, und ich denke, dann wäre auch die Aufregung nicht entstanden. Aber gleichzeitig bedeutet es so, wie er es gesagt hat, auch, daß die katholische Kirche die einzige ist, die in der wirklichen Nachfolge Jesu steht, und das ist ein Anspruch, den er nur begründen kann, indem er annimmt, daß die Bibelinterpretation der Kurie eine endgültige Wahrheit ist, und somit alle (im praktischen minimalen) Abweichungen von dieser Interpretation aus katholischer Sicht eigentlich (auch wenn er dieses Wort nicht benutzt) Ketzerei sind.
Ich denke die Aufregung ist genau deshalb entstanden, weil die Aussage und der Ton des Dokuments (siehe die Diskussion in Faz über 'subsistere') dem 2. Konzil entgegensteuert, indem für die eigenen Dogmas endgültige Wahrheit in Anspruch genommen wird, und andere Bekenntnisse damit auf den Status von 'Abweichlern' reduziert wird. Im Sinne der Ökumene, und vor allem eines verantwortlichen Umgangs mit menschlichen Wahrheiten, die nun wirklich niemals unfehlbar sind, wäre es imho einfach wünschenswert gewesen, wenn im heiligen Jahr eine Erklärung veröffentlicht worden wäre, daß die Religionen gemeinsam versuchen, mit den Mitteln, die dem Menschen nun einmal gegeben sind, das Göttlichen zu verstehen.
Erklärungen wie diese befördern nur die Intoleranz, und das halte ich einfach für ein falsches Zeichen in unserer Zeit.
Viele Grüße
Stephan