Gewaltfreiheit im Buddhismus?

Von: , Frage gestellt am Do, 12. Okt 2006
Hallo Leute,

ich folge hier mal der Empfehlung von Pendragon und mache einen neuen Thread auf. Aus der Frage von Hicham Bekouri zum Thema "Menschlichkeit" entstand zwischen uns ein Dialog, bei dem mich sehr interessiert, wie Ihr darüber denkt:

Ist die Vorgabe bezüglich der Gewaltfreiheit in der buddhistischen Lehre klar? Ist Gewaltfreiheit das Maß der Dinge im Buddhismus? Oder sind auch andere Haltungen "zulässig" und buddhistisch?

Folgende Sätze sind schon gefallen (hoffentlich verzerre ich keine Aussagen dadurch, dass ich hier nur Teile wiedergebe).

Pendragon: Dass das Nehmen von Leben
unheilsam ist, das ist eine der Grundlehren des Buddhismus.
Spiff_in_Space: Solange es Sinn macht, MUSS man die Menschenrechte schützen.
Die Motivation ist entscheidend! Nicht das, wonach es von
außen aussieht. Gewalt ist nicht immer schlecht. Es kommt
drauf an, was die Absicht dahinter ist.
Pendragon: Natürlich ist die Sichtweise und die
Motivation der Ausgangspunkt, nur das bedeutet nicht eine
Aufweichung der Ansicht, dass das Nehmen von Leben als
unheilsam angesehen wird, sondern eine Verschärfung. Es zählt
eben nicht nur, wenn du tatsächlich Leben nimmst, sondern
bereits die Absicht oder der Wunsch (selbst wenn du dies
letztendlich nicht ausführst).
Spiff_in_spce: [...] ich praktizier eine andere Tradition
als Du. Da liegt der entscheidende Unterschied! Bei uns ist
die Sichtweise und die Motivation der Ansatzpunkt. Nicht
äußeres Verhalten.
Mich interessiert vor allem die Meinung der praktizierenden Buddhisten unter Euch! Aber alle anderen sind auch eingeladen, ihre Meinung zu äußern.

gespannte Grüße
Sebastian

101 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von (abgemeldet) nach 13 Minuten 0 hilfreich
    Re: Gewaltfreiheit im Buddhismus?
    Hallo !

    Dann führen buddhistische Länder also keine Kriege?!
    Ist das so?
    mfgConrad
    • Antwort von (abgemeldet) nach 18 Minuten 0 hilfreich
      Re^2: Gewaltfreiheit im Buddhismus?
      Moin, Dann führen buddhistische Länder also keine Kriege?!
      Ist das so?
      Nein, ein "Land" kann grundsätzlich keine Kriege führen. Nur Menschen können Kriege führen. Ein Mensch, der Krieg führt, kann hingegen nicht gleichzeitig buddhistische Lehre in diesem Aspekt verwirklichen. Es gibt hier nur entweder oder.

      Gruß
      Marion
      • Antwort von nach 25 Minuten 0 hilfreich
        Re^3: Gewaltfreiheit im Buddhismus?
        Moin, Dann führen buddhistische Länder also keine Kriege?!
        Ist das so?
        Nein, ein "Land" kann grundsätzlich keine Kriege führen. Nur
        Menschen können Kriege führen. Ein Mensch, der Krieg führt,
        kann hingegen nicht gleichzeitig buddhistische Lehre in diesem
        Aspekt verwirklichen. Es gibt hier nur entweder oder.
        Es sei denn man schützt mit dem Töten eines Menschen 10 andere. Außerdem schützt man unter Umständen diesen Menschen, den man tötet, davor, weitere Dummheiten zu begehen und somit negatives Karma anzusammeln.
        Entscheidend ist dabei, dass man das Wohl möglichst vieler Wesen anstrebt UND ohne Haß tötet!
        Wenn's denn ÜBERHAUPT sein muß! Man MUSS nicht unbedingt töten. Man kann Leute auch stoppen, bevor töten notwendig wird oder getötet wurde.

        Sebastian
        • Antwort von (abgemeldet) nach 31 Minuten 2 hilfreich
          Re^4: Gewaltfreiheit im Buddhismus?
          Moin, Es sei denn man schützt mit dem Töten eines Menschen 10
          andere.
          Das ist keine buddhistische Auffassung. Außerdem schützt man unter Umständen diesen Menschen,
          den man tötet, davor, weitere Dummheiten zu begehen und somit
          negatives Karma anzusammeln.
          Das ist nicht nur keine buddhistische Auffassung, sondern geradezu zynisch. Entscheidend ist dabei, dass man das Wohl möglichst vieler
          Wesen anstrebt UND ohne Haß tötet!
          Das ist keine Buddhistische Lehre, hochgradig zynisch, und widerspricht nicht nur dem buddhistischen Aspekt, kein Leben zu nehmen, sondern zusätzlich noch dem buddhistischen Aspekt, Mitgefühl mit jedem Lebewesen zu haben.

          Im übrigen entspricht das auch nicht der Lehre von Karma Kagyü. Das ist einfach nur gruselig.

          Gruß
          Marion
          • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
            Re^5: Gewaltfreiheit im Buddhismus?
            Entscheidend ist dabei, dass man das Wohl möglichst vieler
            Wesen anstrebt UND ohne Haß tötet!
            ... Im übrigen entspricht das auch nicht der Lehre von Karma
            Kagyü. Das ist einfach nur gruselig.
            Was ist daran gruselig? Ist es nicht genau das, was Scharfschützen tun, wenn sie den so genannten "finalen Rettungsschuss" abgeben? Sie töten ohne Hass, um einige andere Menschen dadurch zu retten.

            Das kann einem nun gefallen oder nicht, aber es passiert hin und wieder. Man kann hinsehen oder wegsehen. Ich gehöre zu den etwas makaber veranlagten Menschen, die grundsätzlich lieber hinsehen.

            Schöne Grüße

            Petra
            • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
              Gewaltfreiheit im Buddhismus?...ja
              Entscheidend ist dabei, dass man das Wohl möglichst vieler
              Wesen anstrebt UND ohne Haß tötet!
              Kann man so sehen, ist aber bei weitem nicht weit genug gedacht. Im übrigen entspricht das auch nicht der Lehre von Karma
              Kagyü. Das ist einfach nur gruselig.
              Was ist daran gruselig? Ist es nicht genau das, was
              Scharfschützen tun, wenn sie den so genannten "finalen
              Rettungsschuss" abgeben? Sie töten ohne Hass, um einige andere
              Menschen dadurch zu retten.
              Hier ist die Frage aber:
              Ist es besser wenn der Polizeipsychologe den "bösen" zur Aufgabe veranlasst,
              oder der Scharfschütze ihn umbringt? Das kann einem nun gefallen oder nicht, aber es passiert hin
              und wieder. Man kann hinsehen oder wegsehen. Ich gehöre zu den
              etwas makaber veranlagten Menschen, die grundsätzlich lieber
              hinsehen.
              Dein Ding.
              Vielleicht gelingt es dir ja mal, deine Haltung zu überdenken.

              Viel Spass und Erfolg
              Stefan
            • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
              Re: Gewaltfreiheit im Buddhismus?...ja
              Was ist daran gruselig? Ist es nicht genau das, was
              Scharfschützen tun, wenn sie den so genannten "finalen
              Rettungsschuss" abgeben? Sie töten ohne Hass, um einige andere
              Menschen dadurch zu retten.
              Hier ist die Frage aber:
              Ist es besser wenn der Polizeipsychologe den "bösen" zur
              Aufgabe veranlasst,
              oder der Scharfschütze ihn umbringt?
              Wenn der Polizeipsychologe aber nicht gut genug ist? Was macht man dann? Ich gehöre zu den
              etwas makaber veranlagten Menschen, die grundsätzlich lieber
              hinsehen.
              Dein Ding.
              Vielleicht gelingt es dir ja mal, deine Haltung zu überdenken.
              Vielleicht habe ich hier einen etwas falschen Eindruck hinterlassen. Wenn du mir aber mit deiner Antwort sagen möchtest, dass ich mich doch lieber nur mit den angenehmen Dingen des Lebens beschäftigen soll und die weniger angenehmen besser nicht sehe, dann hast du damit keine Aussicht auf Erfolg. Nach dieser Logik dürfte es ja keine Presse geben, die über die unangenehmen Dinge berichtet, und keine Gedenkstätten, wo man sich an diese erinnert. Was macht man denn dann mit dem, was nicht schön ist? Zudecken und totschweigen? Oder wie hattest du dir das gedacht?

              Schöne Grüße

              Petra
            • Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
              Re^2: Gewaltfreiheit im Buddhismus?...ja
              Was ist daran gruselig? Ist es nicht genau das, was
              Scharfschützen tun, wenn sie den so genannten "finalen
              Rettungsschuss" abgeben? Sie töten ohne Hass, um einige andere
              Menschen dadurch zu retten.
              Hier ist die Frage aber:
              Ist es besser wenn der Polizeipsychologe den "bösen" zur
              Aufgabe veranlasst,
              oder der Scharfschütze ihn umbringt?
              Wenn der Polizeipsychologe aber nicht gut genug ist? Was macht
              man dann?
              Die Frage führt so nicht entscheidend weiter.
              Dann müsstest du auch fragen was ist wenn der Scharfschütze nicht gut genug ist. Ich gehöre zu den
              etwas makaber veranlagten Menschen, die grundsätzlich lieber
              hinsehen.
              Dein Ding.
              Vielleicht gelingt es dir ja mal, deine Haltung zu überdenken.
              Vielleicht habe ich hier einen etwas falschen Eindruck
              hinterlassen. Wenn du mir aber mit deiner Antwort sagen
              möchtest, dass ich mich doch lieber nur mit den angenehmen
              Dingen des Lebens beschäftigen soll und die weniger angenehmen
              besser nicht sehe, dann hast du damit keine Aussicht auf
              Erfolg. Nach dieser Logik dürfte es ja keine Presse geben, die
              über die unangenehmen Dinge berichtet, und keine
              Gedenkstätten, wo man sich an diese erinnert. Was macht man
              denn dann mit dem, was nicht schön ist? Zudecken und
              totschweigen? Oder wie hattest du dir das gedacht?
              Nein, ich will nicht sagen dass du dich nur mit den angenehmen Dingen beschäftigen sollst.
              Genausowenig wie nur mit unangenehmen.
              Ich meine einfach, dass es Sinn macht sich mit angenehmeren Lösungen für die Konfliktlösung mit vorhandenen unangenehmen Dingen auseinanderzusetzen.
              Dazu gehört eben auch das Thema der Gewaltlosigkeit als Mittel zum Zweck.
              Aufklärung (durch die Presse) ist dazu ein begrüssenswertes Mittel denn schliesslich kann ich mir keine Gedanken zu etwas machen von dem ich nichts weiss. Schöne Grüße
              Grüsse auch
              Stefan


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