Sprachfokus bei Religionswissenschaft?

Von: , Frage gestellt am Mi, 18. Okt 2006

Hi!

Für den Master of Arts in Religionswissenschaft (Bochum) braucht man zwei Sprachen, diese Sprachen muss ich jetzt in der BA Phase belegen.

Die Sache ist die: Mit der Sprachwahl legt man sich den Weg für den zukünftigen Fokus in der BA Phase, üblicherweise 2 der 5 angebotenen Religionsgebiete.

Mein erstes Gebiet ist ostasiatische Philosophie, die Sprache Chinesisch decke ich durch mein Sinologie-Studium ab.

Ich würde mich im zweiten Gebiet gerne auf den Islam konzentrieren, aber da ist das Problem:
Mein Stundenplan ist recht umfangreich und wirds auch bleiben, durch Sinologie und weil in höheren Semestern noch klassisches Chinesisch als Sprache hinzu kommt.
Nun habe ich die Auswahl zwischen zwei (für mich interessanten) Sprachen:
Hebräisch (--> Hebraicum) und Arabisch.
Arabisch wäre hinsichtlich des Islams natürlich ideal, nur erstreckt sich der Sprachkurs auf 4 Semester mit je 4 SWS am Stück, was stundenplantechnisch oft nicht so ideal ist.

Für mich persönlich und auch zeittechnisch interessanter wäre Hebräisch, der Sprachkurs dauert 1-2 Semester mit 6SWS, allerdings nur immer 2 am Stück.

Ich habe mit einem Berater gesprochen, der meinte, man käme mit Hebräisch nicht nur beim Judentum, sondern auch bei Christentum und Islam einigermaßen zurrecht.
Nur kam an anderer Stelle auch auf, dass man in der Masterphase "mal eben" Passagen aus dem Koran übersetzen soll. Das wäre ohne arabischkenntnisse (bzw. mit minimalen Kenntnissen) nicht allzuleicht ^^°

Darum hier meine Frage:

Habe ich mit Hebräisch eine Chance oder sollte ich eine Verlängerung meines Studiums durch Arabisch (mit Zähneknirschen) in Kauf nehmen?

eigentlich würde ich lieber schnell bzw. in der Regelstudienzeit fertig werden.

lg
Kate

22 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 35 Minuten 0 hilfreich
    Re: Sprachfokus bei Religionswissenschaft?

    Hallo Kate, Ich habe mit einem Berater gesprochen, der meinte, man käme
    mit Hebräisch nicht nur beim Judentum, sondern auch bei
    Christentum und Islam einigermaßen zurrecht.
    Deinem Berater müsste man dann allerdings fundierte Kenntnisse hinsichtlich des Christentums und des Islams absprechen. Selbstverständlich ist es für das Studium beider Religionen mehr als sinnvoll, auch hebräisch zu beherrschen, aber gerade die Bedeutung der Sprache (ich kann hier nur für das Christentum sprechen) für die Entwicklung einer Religion sollte man nicht unterschätzen. Habe ich mit Hebräisch eine Chance oder sollte ich eine
    Verlängerung meines Studiums durch Arabisch (mit
    Zähneknirschen) in Kauf nehmen?
    Auf jeden Fall! Denn die späteren Berufschancen stellen sich für eine fundierte Islamwissenschaftlerin (und dazu gehört Arabisch) wesentlich besser dar. Die anderen Bereiche würden Judaisten und Theologen durch eine bessere Ausbildung (nicht nur hinsichtlich der Sprachen) besser abdecken.
    Außerdem werden zur Zeit händeringend (auch und oft von theologischen Fakultäten) Religionswissenschaftler mit dem Schwerpunkt Islamwissenschaften gesucht - und es gibt derart wenige davon, dass sich dieser Bedarf, vor allem angesichts der hohen Sprachhürden, sicherlich nicht so schnell wird decken lassen können. Einen Islamwissenschaftler, der den Koran nicht in seiner Originalsprache lesen kann, kann man nun leider nicht ernst nehmen.

    Wenn Du Dich (eventuell auch zusätzlich) für Hebräisch interessierst, sei Dir der Ferienkurs an der Kirchlichen Hochschule Bethel (http://www.kiho-bethel.de) empfohlen, der allgemein als sehr gut anerkannt wird. Das wären dann 10 Wochen in den Semesterferien, die Dir vielleicht helfen würden, Dein sprachintensives Studium besser zu planen.

    Grüße,
    Taju

    • Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Sprachfokus bei Religionswissenschaft?

      Wenn Du Dich (eventuell auch zusätzlich) für Hebräisch
      interessierst, sei Dir der Ferienkurs an der Kirchlichen
      Hochschule Bethel (http://www.kiho-bethel.de) empfohlen, der
      allgemein als sehr gut anerkannt wird. Das wären dann 10
      Wochen in den Semesterferien, die Dir vielleicht helfen
      würden, Dein sprachintensives Studium besser zu planen.

      Grüße,
      Taju
      Danke ^^

      Weißt du vielleicht auch, wie eng das Verhältnis von Hebräisc zzu arabisch wirklich ist.
      Ich habe gehört, die Sprachen sollen recht ähnlich sein, und es sei einfacher arabisch zu lernen wenn man hebräisch kann.
      Dann würde es ja sinn machen, diesesn Fernkurs in den Ferien zu belegen und den arabischkurs danach zu beginnen.
      Ansonsten bliebe Hebräisch auf der "Eventuell Vielleichtliste" sitzen und ich müsste mich an 3 hübsche neue Schriftarten setzen XD

      vielen Dank nochmals und auch im Vorraus

      Kate

      • Antwort von nach 11 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Sprachfokus bei Religionswissenschaft?

        Weißt du vielleicht auch, wie eng das Verhältnis von Hebräisc
        zzu arabisch wirklich ist.
        Ca. wie zwischen Englisch und Deutsch. Vieles läßt sich erahnen und erraten, wenn man Hebräisch versteht. Ich habe nie Arabisch gelernt, aber mein Mann 6 Jahre. Er sagt es ist relativ leicht, wenn man Hebräisch spricht (ist seine Muttersprache). Ich habe gehört, die Sprachen sollen recht ähnlich sein, und
        es sei einfacher arabisch zu lernen wenn man hebräisch kann.
        Oder umgekehrt. müsste mich an 3 hübsche neue Schriftarten
        setzen
        Die arabische ist um etliches schwieriger. Da gibt es Dutzende von Buchstaben, und alles ist anders, je nachdem wo der Buchstabe in dem Wort steht. Außerdem sieht alles verdammt gleich aus, und es ist eine Art "Schreibschrift", die absolut undefinierbar wirkt. Wie gesagt - ich kanns nicht lesen, ich lasse lesen, wenn es sein muß LOL.

        Dafür gibts in der hebräischen Schrift extra eine Kursive zu lernen, die auch nicht grade ohne ist. (ein komplettes zweites Set an Buchstaben, wie im Deutschen.)

        Aber laß dich nicht davon abschrecken - die Schrift lernst du nebenbei mit.

        Gruß
        datafox

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^3: Sprachfokus bei Religionswissenschaft?

        Hallo Kate, Weißt du vielleicht auch, wie eng das Verhältnis von Hebräisc
        zzu arabisch wirklich ist.
        überhaupt nicht;) Ich habe gehört, die Sprachen sollen recht ähnlich sein, und
        es sei einfacher arabisch zu lernen wenn man hebräisch kann.
        Zur Klarstellung: Da Du vom Hebraicum geschrieben hast, bin ich in meiner Antwort vom biblischen Hebräisch ausgegangen. Damit kann man dann noch lange nicht Ivrit, das heute in Israel gesprochen wird, übersetzen (eine tote Sprache beherrscht man völlig anders). Damit würde dann datafox Argument wegfallen, dass man eventuell als Übersetzer gut verdienen könnte. Für Übersetzungen des biblischen Hebräisch gibt es mehr als genug Experten, die zudem kaum etwas für diese Tätigkeit bekommen...

        Für Dein religionswissenschaftliches Studium und Dein wissenschaftliche Profil wäre es natürlich mehr als sinnvoll, (biblisches) Hebräisch zu können - ebenso wie Altgriechisch für das Christentum (und auch für das historische Judentum).
        Das hängt aber von Deiner Spezialisierung innerhalb der Religionswissenschaft ab. Soll es aber in Richtung Religionsgeschichte gehen, dann wäre das Erlernen der entsprechenden Sprachen mehr als sinnvoll, kann man doch leider kaum einen religionsgeschichtlichen Religionswissenschaftler jüngerer Generation derzeit Ernst nehmen, wenn sie schlicht nicht beherrschen, worüber sie reden.
        Bei einem (derzeit dringendst benötigten) religionssoziologischen SChwerpunkt sieht es sicherlich anders aus (Arabisch auf jeden Fall, aber Altgriechisch muss man dann nicht können).

        Und nebenbei bemerkt: Ich persönlich fand Hebräisch zu lernen zwar unangenehm (da ich die Sprache für mich immer ein gewisses Rätsel geblieben ist), aber dennoch nicht besonders schwierig.

        Grüße,
        Taju

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re^4: Offtopic

          Damit kann man dann noch lange nicht Ivrit, das heute in
          Israel gesprochen wird, übersetzen (eine tote Sprache
          beherrscht man völlig anders). Damit würde dann datafox
          Argument wegfallen, dass man eventuell als Übersetzer gut
          verdienen könnte.
          Na da war doch ein Smiley dabei.. das war doch nur als ironische Anmerkung gemeint! Den Unterschied kenne ich natürlich.

          Trotzdem weise ich drauf hin, daß das Wort "iwrit" nichts anderes bedeutet wie "italiano", nämlich die Selbstbezeichnung einer Sprache. Die Sprache der Bibel ist ebenso Iwrit wie die der Haaretz. Es ist dieselbe Sprache, nur eine andere Stufe.

          Gruß
          datafox

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re^5: Offtopic

            Die Sprache der Bibel ist ebenso Iwrit wie die
            der Haaretz. Es ist dieselbe Sprache, nur eine andere Stufe.
            Da hast du aber eine seltsame Auffassung von "Das Selbe".
            Luther schrieb auch deutsch, dass kann man heute auch kaum noch verstehen.
            Tatsächlich liegt das Problem bei Althebräisch und Neuhebräisch natürlich anders, weil es eben keine jahrhundertelange langsame Entwicklung in der Sprache gegeben hat, sondern vor etwa 100 Jahren einige Angefangen haben neu mit dem alten Worschatz loszureden. Damit hat sich ein großer Teil der Worte nicht verändert (wobei die genaue antike Aussprache zum großen Teil ja auch unbekannt ist), aber (fast) das ganze Bedeutungsumfeld der Worte war verloren gegangen und wird jetzt erst neu geschaffen.
            Darum kann man keinesfalls sagen es sei die selbe Sprache. Nicht umsonst unterscheidet man schließlch Alt-, Mittel- und Neuhebräisch.

            Gruß Werner

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^6: Sprachbrett

              Da hast du aber eine seltsame Auffassung von "Das Selbe".
              -) Ja ja :)
              Luther schrieb auch deutsch, dass kann man heute auch kaum
              noch verstehen.
              Deutsch isses trotzdem (und nicht holländisch oder englisch). Tatsächlich liegt das Problem bei Althebräisch und
              Neuhebräisch natürlich anders, weil es eben keine
              jahrhundertelange langsame Entwicklung in der Sprache gegeben
              hat
              Umso MEHR ist eine direkte Kontinuität feststellbar, welche zb. beim Griechischen nicht so stark ist. Da ist es tatsächlich so, daß Platon das reinste Kauderwelsch ist, wenn jemand nur Neugriechisch kann. (Dafür kann der das Neue Testament lesen wie ein Kinderbuch.) Darum kann man keinesfalls sagen es sei die selbe Sprache.
              Nicht umsonst unterscheidet man schließlch Alt-, Mittel- und
              Neuhebräisch.
              Da sollten wir umziehen in "Fremdsprachen" :) In der Theorie bin ich kein Experte, aber so als Laie behaupte ich mal, daß das was in der Bibel steht und das was in der Haaretz steht, beides "Hebräisch" ist. Jemand der das eine versteht, kann das andere auch mit Müh und Not verstehen. Das liegt natürlich daran, daß diese Sprache tausende Jahre lang tiefgefroren war.

              Gruß
              datafox

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^7: Sprachbrett

              Es gibt im deutschen einen wichtigen Unterschied zwischen das "Selbe" und das "Gleiche", wobei ich bezogen auf unser Problem hier noch nicht mal von das "Gleiche" sprechen würde.

              Mittel Hochdeutsch ist auch Deutsch. Ich kann das mit Mühe und Konzentration lesen und einigermaßen verstehen und trotzdem ist es eine tote Sprache und nicht das "Selbe" wie modernes Hochdeutsch.

              Aber du hast recht das gehört hier nicht mehr wirklich hin.
              Gruß Werner

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^8: Verstanden!

              Es gibt im deutschen einen wichtigen Unterschied zwischen das
              "Selbe" und das "Gleiche", wobei ich bezogen auf unser Problem
              hier noch nicht mal von das "Gleiche" sprechen würde.

              Mittel Hochdeutsch ist auch Deutsch. Ich kann das mit Mühe und
              Konzentration lesen und einigermaßen verstehen und trotzdem
              ist es eine tote Sprache und nicht das "Selbe" wie modernes
              Hochdeutsch.
              OK alles klar. ICh weiß jetzt was du meinst. Natürlich hast du Recht - das ist nicht dasselbe!

              Ich hab mich nur gegen die Auffassung gestellt, daß es eine SPrache gäbe, die "Ivrit" heißt, und daß dieses der Name des modernen israelischen Hebräisch wäre, unterschieden von "Bibelhebräisch". Das ist nämlich falsch. So etwas gibt es nicht. Ivrit heißt Hebräisch auf Hebräisch, egal welche Altersstufe es hat. Beides nennt man so.

              Ich wundere mich oft, woher diese Idee kommt, daß es da eine Art Unterbrechung gegeben hätte und es zwei völlig verschiedene Sprachen sein sollen.

              Gruß
              datafox



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