Re: Das Stichwort heisst...
... RESPEKT!
Hallo Hardey!
Ich denke, es hat nichts mit "spielen" zu tun, sich z.B. auf einem jüdischen Friedhof eine Kippa aufzusetzen, sondern es geht ganz einfach darum, dass man den nötigen Respekt zollt. Für mich basiert das eigentlich nur darauf.
Mit Respekt zeige ich dem anderen: "Schau, ich akzeptiere Deine Art / Religion und ordne mich den für Dich wichtigen Werten ebenfalls unter". Das gilt natürlich nur in gewissen Kontexten: wie eben auf dem jüdischen Friedhof, einer Moschee, gewissen Ländern etc. Ansonsten müssten wir ja andauernd mit Taschen voller Kippas, Schleier etc. herumlaufen um diese dann im Notfall sofort aufsetzen zu können. Dann wäre es ein "spielen".
Hier kommen wir auch zum Punkt, inwieweit das Zeigen von Respekt auch übertrieben werden kann: ich kann mir auf dem jüdischen Friedhof die Kippa aufsetzen und dann übertrieben versuchen "jüdisch" zu sein bzw. zu spielen oder in einer Mosche übertrieben gläubig zu wirken. Das allerdings ist eher eine Affront und wirkt sehr unfreundlich. Ich habe z.B. schon nur Mühe damit, wenn Touristen das Gefühl haben, mir dauernd ein "Grützi, Grützi" in einem ganz besonderen Unterton nachwerfen zu müssen, obwohl sie sonst kein Wort Schweizderdeutsch sprechen. Das ist jetzt ein sehr harmloses Beispiel, aber da fängt es an mit dem "spielen". Ich fühle mich dann, als ob sich jemand lustig über mich macht. Schliesslich sagen wir nicht "Grützi" sondern "Grüetzi" (üe = Diphtong). Das ist dann nicht mehr respektvoll sondern eher respektlos (oder es wird zumindest so aufgefasst, was dann schlussendlich aufs Gleiche herauskommt).
Respektlos andererseits empfinde ich auch Leute, die sich z.B. ein ein muslimisches Land begeben und sich nicht den dortigen Gepflogenheiten wie z.B. der Kleiderordnung anpassen. Ich sah sehr oft europäische Frauen, die in Shorts und Trägershirt ihre Reise durch Jordanien absolvierten... Wer sich da verteidigt "er wolle den Leuten nichts vorspielen" versteckt sich meiner Meinung nach nur hinter einer sehr fadenscheinigen Ausrede. Genauso ist es mit dem jüdischen Friedhof. Ist man nicht bereit sich den da herrschenden Regeln anzupassen, geht man eben einfach nicht dahin. Meist geht es ja nur um eine bestimmte Zeit, in der man sein Äusseres und evtl. sein Auftreten etwas ändern muss - und ich denke, dass das wohl keinem einen Zacken in der Krone abbricht. Im Gegenteil, das animiert m.E. eher noch dazu, sich mit der eigenen und dieser fremden Identität etwas näher auseinander zu setzen.
Natürlich sollte "When in Rome, do as the Romans do" gelten, doch irgendwie gefällt mir "leben und leben lassen" doch besser - denn neben dem Respekt darf es eben auch nie an Akzeptanz fehlen... von beiden Seiten aus.
Gruss,
Semiramis