Re^2: Kollektiver islamischer Narzissmus?
Hallo Gernot,
vielen Dank erst einmal für Deine ausführliche Antwort. (Duzen ist o.k.? Sonst melden!)
Hallo,
nun ja - christliche Taufen finden ja auch in Gottesdiensten
statt und die Namen werden zumindest in kirchlichen
Mitteilungsblättern der Gemeinden veröffentlicht, mitunter
auch als öfentlicher Aushang.
Das mag schon sein, aber eine Taufe ist mehr ein Ritual einer geschlossenen Gesellschaft und wird nicht mit einem solchen Triumphgeheul nach aussen getragen.
Und was der Übertritt zu einer anderen religion betrifft -
bekannt werden da ja im Islam nur die Fälle, in denen man sich
groß auregt darüber. Sicher gibt es da auch Strömungen, in
denen vieles toleranter gesehen wird. Zudem gibt es im Islam
ja gar keine festgeschriebene Glaubenszugehörigkeit in der
Form unserer register und Kirchenbücher. Wer glaubt und zur
Moschee geht, der tut es - und wer es nicht tut, der tut es
halt nicht - so lange er das nicht laut verkündet oder durch
sein Verhalten deutlich macht, werkt das doch gar keiner.
Entschuldigung, aber ein Muslim, der Christ geworden ist, muss um sein Leben(!) fürchten, und das nicht etwa "nur" in mehrheitlich islamischen Ländern, sondern mitten in Deutschland. Ich habe immer mehr den Eindruck, dass der Islam einen gesellschaftlichen, kulturellen Totalitarismus hervorbringt, wo die Mitglieder der Gemeinde sich untereinander bespitzeln und ggf. einschüchtern und unterdrücken - im Gegensatz etwa zu den früheren Ostblockstaaten, wo die Unfreiheit zwar vom jeweiligen Staat ausging aber von den Menschen mehrheitlich nicht gewollt war. Aber jenen kulturellen Totalitarismus des Islam finde ich beinahe noch bedrohlicher als es seinerzeit der staatliche Totalitarismus des Ostblocks war - wo soll das denn hinführen, wenn sich so eine Kultur in Europa ausbreitet?
Man darf eins nicht vergessen: Das Christentum ist durch durch
die harte Schmiede der Aufklärung gegangen. Dadurch ist es
toleranter geworden - und ganz bestimmt nicht freiwillig. Die
Kämpfe zwischen Staat und Kirche um die die Hoheit über die
Schulbildung, über die Anerkennung der Zivilehe u.a., die im
19. Jahrhundert in vielen Staaten stattgefunden haben, finden
ja heute noch ihren Niederschlöag in den Schulbüchern.
Freiwillig hat die Kirche da auf nichts verzichtet, selbst ein
apostolischer Kaiser wie Franz Josef I. in Österreich war da
mächtigen Anfeindungen ausgesetzt - und der war bestimmt
tiefgläubig nd wollte im ständig rückständigen Österreich
wirklich nur ein paar Dinge durchsetzen, die längst überfällig
waren.
Der Islam hat derartiges nie erlebt. Und Herrscher, die da in
einzelnen Ländern einen modernen Staat einführen wollten - die
hatten meist Probleme und endeten als Despoten, weil sie am
Ende mit gewalt regieren mußten.
Nur: Der ISlam ist jünger als das Christentum. Nimm mal das
Christentum vor 500 oder 600 Jahren: Da brannten die Feuer der
Inquisation, da wurde im Namen Gottes Südamerika mit Feuer und
Schwert erobert (auch wenn dabei in machen Ländern die
Ureinwohner komolett ausgerottet wurden), da wurden in Spanien
die Juden gefoltert und verbrannt. Das war die Zeit, in der
Luther sich auf der Wartburg verstecken mußte vor den Häschern
des katholischen Kaisers, um nicht auf dem Scheiterhaufen zu
landen, die Zeit der Hussitenverfolgung uam. Klingt auch alles
nicht sonderlich tolerant - oder?
Monodeistische Religieonen haben alle einen Geburtsfehler. Der
Glaube an einen einzigen wahren Gott vermittelt den Gläubigen
automatisch den Eindruck, die einzigen zu sein, die im Besitz
der Wahrheit sind. Dabei entsteht von selbst eine Art Wertung
nach dem Motte: Wir sind klüger als die anderen - die sind zu
dumm, den wahren Glauben zu erkennen. Es sind dann nur 2
Gedanken möglich: Entweder ich fühle mich als was Besseres und
verachte den anderen - das ist noch harmlos. Gefährlich wird
es aber, wenn das Ganze aber in Hilfsbereitschaft unschlägt,
wenn versucht wird, den anderen zu "erretten", indem man mit
allen Mitteln versucht, ihn dem angeblich einzig wahren
Glauben zuzuführen und ihn dabei zu halten.
Wie gesagt - das Christentum ist durch die Aufklärung
zwangsweise toleranter und bescheidener geworden (auch wenn
katholische Kardinäle und der papst immer mal wieder Anfälle
von Größenwahn bekommen - auf die hört eh kaum einer). Das
Judentum definiert sich aus der Abstammung heraus und kennt
daher keine Missionierung - wohl ist aber gerade da der
Gedanke vom auserwählten Volk besonders prägnant. Der Islam
ist so weit noch nicht historisch, zumindest in Teilen nicht.
Das liegt auch daran, daß es ja eine eindeutige Sprachregelung
da nicht gibt. Am besten vergleicht man dies mit dem
Christentum insgesamt mit all seinen vielen Kirchen und
Sekten. Genau so gibt es im Islam auch tolerantere und härtere
Formen und Auslegungen - nur ist die Abgrenzung gegeneinander
da nicht so stark ausgeprägt, das vermischt sich mher, daher
entsteht kein wirklich klares Bild.
Gernot Geyer
Das kann schon alles sein, nur bekomme ich immer wieder serviert, wie "überlegen" der Islam doch sei, ("Damals in Andalusien: Toleranz, Zivilisation, Wissenschaft, während die Europäer schmutzige Barbaren waren....") und doch erlebt man tagtäglich das Gegenteil. Mir kommt das ein bisschen vor wie bei des Kaisers neue Kleider. Während sich bei Scientology alle einig sind, dass Scientology an und für sich eine Bedrohung sein soll und Scientology an und für sich nichts taugt, wird das beim Islam anders gehandhabt - obwohl ich noch nie etwas von einem scientologischen Terroranschlag oder einem scientologischen Hassprediger gehört habe. Um nicht missverstanden zu werden: Ich halte die Scientology-Lehre für großen Schwachsinn, sehe aber nicht ein, warum sie, unter dem Aspekt der Religionsfreiheit, weniger Respekt verdienen soll als der Islam.
Gruss,
Jasper.