Re: Wie entsteht ein Bild von einem Gott?
Hallo,
ja, wie kommt ein Bild eines oder mehrerer Götter zustande?
H.
Hallo,
jetzt habe ich mir mal die Antworten durchgelesen und fand sie recht witzig. Es gibt tatsächlich Menschen, die mit Gimp Gesichter zeichnen können? Was für Gesichter auch immer?
Aber mal im Ersnt. Der Gedanke, dass Menschen Götter nach ihrem Ebenbild schufen erscheitn logisch, widerspricht aber etwas dem, was wir aus der Geschichtswissenschaft wissen. Und man verzeihe mir bitte, ich kann in diesem Zusammenhang nur geschichtswissenschaftlich argumentieren, da es keine Vorgeschichtstheologie gibt.
Die frühesten Götter waren "natürliche Anblicke". Gemeint ist damit, dass alles, was man sah, aber nicht erklären konnte ein potentieller Kandidat war. Das konnte auch durchaus ein Element sein oder ein Tier. Aus dieser "Stufe" der Religionsentwicklung stammen unter anderem Himmelsscheiben (interessantes Detail: im kalten Norden war Sonne=gut, Mond=böse und unheimlich. Im sonnigen Ägypten und im Sudan Sonne=Chaos, Kampf, Mond=kühl, friedlich), Tierfetische, aber als sehr frühe Form auch Fruchtbarkeitsgottheiten á la Venus von Willendorf. Es gibt eine Unmenge von fundmaterial aus dieser Zeit und aus allen Kulturräumen.
Auf der Basis dieser einfachen Gottesbilder entstanden Religionen die einen immer größeren Anteil am Leben einnahmen. Wir finden z.B. bereits beim Neandertaler Schädelaufbohrungen an lebenden Neandertalern, bereits beim Homo Erectus kultischen Kannibalismus. Entscheidend ist hier, dass sich bereits relativ früh eine Priesterkaste bildete (unabhängig voneinander in verschiedenen Räumen. Es scheint sich also um einen logischen Mechanismus zu handeln, aber gute Jobs waren damals eben rar). Mit dem Erscheinen dieser Priesterkaste trat offensichtlich der Effekt des "geheimen Wissens" ein. Die Priester mussten ja auch irgendwie ganz toll sein und Dinge wissen, die anderen verborgen blieben. Das war ja die Basis der Macht. Wir können diesen Schritt an zwei Dingen nachvollziehen: den immer größeren Sakralanlagen und dem immer abstrakeren symbolischen Beiwerk, dass wir in dieser Phase der Kulturentwicklung zusätzlich zu den eigentlichen Götterstatuen finden. Als Beispiel nehmen wir mal Ägypten, wo die alten Götter, die mehr oder weniger Tierform hatten, immer mehr menschlichen Körpern mit Tierköpfen Platz machten, die einander und natürlich dem König Ankhs überreichten. Das Ankh ist ja eben ein solches Symbol.
Die dritte Phase führt uns zum Monotheismus. Der erscheint uns heute als absolut modern, sozusagen das Ding auf dem Markt der Götter. In den meisten alten Kulturen gab es trotz Vielgötterei monotheistische Tendenzen. Einzig und alleine aus der Machtfrage heraus. Wer ist der mächtigste Gott von allen. Priesterschaften führten Kriege und weil sie dazu die weltliche Macht brauchten, entstanden enge Bindungen in verschiedenen Modellen (Priesterkönige, Doppelkönigtum, oder wie bei den Juden ja die bekannten Gespanne aus einem Sher/Magier/Priester und einem weltlichen Führer, z.B. Aaron und Moses).
Da wurde fleißig Krieg geführt, da wurden Bündnisse mit anderen Göttern eingegangen um eine dritten vom Markt zu fegen (z.B. Ptah, Amun und Osiris, die mehr oder weniger Seth und seinen kleinen Kumpel Bes zu Beginn der 3.Dynastie überrolten).
Mit jedem Sieg, mit jedem Machtzuwachs wurde die Symbolik komplexer. Es gab zwar weniger Götter die tatsächlich angebetet wurden, aber die übernahmen mehr oder weniger Aspekte. Man kann das recht gut an Isis und Osiris über die Zeit ab der 3. bis etwa zur 19.Dynastie hin beobachten. Da wurde aus dem grünen Mann (denn eigentlich war O. eine Fruchtbarkeitsgottheit) der Mumientyp, der aber auch symbolisiert werden kann sowohl durch einen grünen Kopf oder auch einfach durch ein Stück Mumienbinde. Und über die Zeit hinweg, durch Übernahme anderer Götter, erschien Amun, vermixt mit Re, mit Horus und mehr und mehr auch mit Aspekten der Sechmet und anderer eher übel gelaunter Götter als der Kandidat für einen Monotheismus. Bis jemand Sand ins Getriebe warf und Amon wieder rauskramte.
Als Bilder wurden die Götter also immer abstrakter, immer weniger menschenähnlich. Aton war eine Sonne, deren Strahlen in Händen endeten. Horus tauchte als Falke auf, aber in der endgültigen Fassung war Amun dann wieder der Verborgene, von dem es kein Bild gab (vor allem, als er Teile des Horus-Kultes auch noch geschluckt hatte). Das war DER Trick. Man führte einfach eine religiöse Regel ein, dass man sich kein Bild machen sollte. Das klappte eine Zeitlang ganz gut, bis dann, nach der griechischen Eroberung, mehr oder weniger der griechische Einfluss sich auch darauf ausbreitete und es auf einmal Amun-Statuen gab.
Trotzdem, die Idee, den Leuten zu verbieten, sich ein Bild zu machen hatte eigentlich ganz gut geklappt. Heute ist so ein Gebot Standardfeature aller modernen Religionen. Aber weil Leute immer was sehen wollen, mussten Ersatzbilder geschaffen werden. Bundeslade, Heiligenstatuen bei Prozessionen, Engelsbilder (mit denen es noch eine beosndere Bewandnis hat) und Tierstellvertreter, z.B. heilige Kühe.
Also, mal ganz persönlich, ich möchte nicht unbedingt so aussehen wie die meisten dieser Götter nachdem sie bereits zu viele Konkurrenten an die Wand gedrückt hatte. Der arme Seth hatte einen Eselkopf, Osiris war so eingewickelt, dass er sich nicht rühren konnte und die arme Isis musste ständig auf einem Gebirtsstuhl hocken, weil sie neben her dem später vergöttlichten Arzt Imhotep als Anschauungsobjekt diente. Wer glaubt, das war nur bei den Ägyptern so wild, der kann ja mal durch christliche Heiligengeschichten lesen. Da findet sich in der Symbolik nämlich oft immer noch, welcher heidnische Gott mal dahinter stand.
Gruß
Peter B.